Substanzklassen

Bildung, Ringöffnung und Reduktion von Lactonen

Wie Hydroxycarbonsäuren zu Lactonen cyclisieren und wie Lauge, Ammoniak, Hydroxylamin und LiAlH4 Lactone und Ester umsetzen.

Prüfungsrelevanz: gut zu wissen ✓ gelesen
Das Wichtigste in Kürze5 Punkte
  • Lactone sind cyclische Ester, die aus Hydroxycarbonsäuren durch intramolekulare Veresterung entstehen.
  • γ-Hydroxybuttersäure cyclisiert beim Erhitzen zu γ-Butyrolacton; von 3-Hydroxysäuren sind β-Lactone bekannt.
  • ε-Caprolacton wird technisch durch Baeyer-Villiger-Oxidation von Cyclohexanon hergestellt.
  • In Wasser liegt das Gleichgewicht beim γ-Butyrolacton; Lauge öffnet es vollständig zu 4-Hydroxybutanoat, \(\ce{NH3}\) gibt das Amid, \(\ce{NH2OH}\) die Hydroxamsäure.
  • \(\ce{LiAlH4}\) reduziert Ester zu primären Alkoholen (Ethylacetat zu zweimal Ethanol) und Lactone zu Diolen (γ-Butyrolacton zu Butan-1,4-diol).

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Worum es geht

Lactone sind cyclische Ester. Sie entstehen aus Hydroxycarbonsäuren und reagieren wie offenkettige Ester mit Nucleophilen und Hydriden. Das hilft, Arzneistoffe mit Lactonring wie die Statin-Prodrugs Lovastatin und Simvastatin zu verstehen.

Lactonbildung

Eine Hydroxycarbonsäure trägt Säure- und Alkoholgruppe im selben Molekül. Liegen beide günstig, verestern sie sich intramolekular zum Lacton. Am leichtesten gelingt das bei γ-Hydroxycarbonsäuren. Beim Erhitzen schließt sich unter Wasserabspaltung ein spannungsarmer Fünfring. So wird aus γ-Hydroxybuttersäure (4-Hydroxybutansäure) das γ-Butyrolacton.

Reaktionsschema: 4-Hydroxybutansäure cyclisiert unter Wasserabspaltung zu γ-Butyrolacton, einem fünfgliedrigen Ring mit einem Sauerstoffatom.

Aus γ-Hydroxybuttersäure entsteht beim Erhitzen der Fünfring γ-Butyrolacton.

Auch von 3-Hydroxycarbonsäuren kennt man intramolekulare Ester, die β-Lactone. Der Vierring ist aber gespannt und schließt sich nicht einfach beim Erhitzen. β-Propiolacton gewinnt man deshalb über Ketene. Jeder Ringschluss braucht eine OH-Gruppe. Zimtsäure besitzt keine und cyclisiert beim Erhitzen daher nicht zum Lacton.

Größere Ringe stellt man technisch anders her. ε-Caprolacton entsteht durch Baeyer-Villiger-Oxidation von Cyclohexanon mit einer Persäure. Dabei schiebt sich ein Sauerstoffatom neben der Carbonylgruppe in den Ring.

🎯 Examensrelevant: Lactonbildung aus Hydroxysäuren

Wird im Examen gerne gefragt: γ-Hydroxycarbonsäuren cyclisieren schon beim Erhitzen zum γ-Lacton. Achte auf die Stellung der OH-Gruppe: 3-Hydroxysäuren gehören zu β-Lactonen, und ε-Caprolacton kommt technisch aus der Baeyer-Villiger-Oxidation.

Hydrolyse und Aminolyse

Lactone sind Ester. Nucleophile greifen daher am Carbonyl-C an und öffnen den Ring. Wasser allein öffnet γ-Butyrolacton nicht. Mit Säure als Katalysator bildet sich nur wenig 4-Hydroxybutansäure. Auch δ-Valerolacton hydrolysiert sauer nicht spontan und quantitativ. Sein Ringöffnungsprodukt ist 5-Hydroxypentansäure.

💡 Merke

In Wasser liegt das Gleichgewicht beim γ-Lacton. Alkalilauge öffnet Lactone dagegen vollständig, weil das Carboxylat nicht mehr recyclisieren kann.

\[\ce{C4H6O2 + OH- -> HOCH2CH2CH2COO-}\]

So entsteht 4-Hydroxybutanoat. Ammoniak setzt Lactone wie Methylester zu Amiden um, hier zu 4-Hydroxybutanamid. Hydroxylamin liefert die 4-Hydroxybutanhydroxamsäure (Hydroxamsäuren). Am anderen Kettenende bleibt jeweils die OH-Gruppe stehen.

Schema mit γ-Butyrolacton und drei Ringöffnungsprodukten: Carboxylat, Amid und Hydroxamsäure, jeweils mit endständiger OH-Gruppe.

Ringöffnung von γ-Butyrolacton mit Hydroxid, Ammoniak und Hydroxylamin.

Der gespannte Vierring des β-Propiolactons wird von Nucleophilen besonders leicht gespalten. Seine Hydrolyse liefert 3-Hydroxypropansäure, also kein Diol.

Reduktion von Estern und Lactonen

Lithiumaluminiumhydrid überträgt Hydrid auf die Estercarbonylgruppe (Mechanismus). Der Acylteil wird bis zum primären Alkohol reduziert, eine Carbonsäure entsteht nicht. Der Alkoholteil wird als zweiter Alkohol frei. Aus Essigsäureethylester entstehen so zwei Moleküle Ethanol:

\[\ce{CH3COOC2H5 ->[1. LiAlH4][2. H2O] 2 C2H5OH}\]

Im Lacton hängen Acyl- und Alkoholteil im selben Molekül. Überschüssiges \(\ce{LiAlH4}\) liefert deshalb nach wässriger Aufarbeitung ein Diol. γ-Butyrolacton wird zu Butan-1,4-diol.

Vergleich zweier Reduktionen: Essigsäureethylester ergibt zweimal Ethanol, γ-Butyrolacton ergibt Butan-1,4-diol.

LiAlH4-Reduktion: Ester liefern zwei Alkohole, Lactone ein Diol.

Quiz

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Aussage 1

In reinem Wasser liegt das Gleichgewicht zwischen γ-Butyrolacton und 4-Hydroxybutansäure weitgehend auf der Seite der offenkettigen Säure.

Das Gleichgewicht liegt auf der Seite des Lactons. Vollständig geöffnet wird der Ring erst durch Lauge, die das nicht recyclisierende Carboxylat bildet.

Aussage 2

γ-Hydroxybuttersäure geht beim Erhitzen unter Wasserabspaltung in einen Fünfring-Ester über.

Die γ-ständige OH-Gruppe verestert intramolekular mit der Carboxygruppe zum spannungsarmen γ-Butyrolacton.

Aussage 3

Essigsäureethylester liefert bei der Reduktion mit \(\ce{LiAlH4}\) nach wässriger Aufarbeitung zwei Moleküle Ethanol.

Der Acetylteil wird zum primären Alkohol Ethanol reduziert, der Ethoxyteil wird als zweites Ethanol frei.

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