Silicone: Aufbau und Synthese
Silicone sind Polymere mit einer Si–O–Si-Kette und direkt am Silicium gebundenen organischen Resten. Sie entstehen aus Organochlorsilanen durch Hydrolyse und Polykondensation.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Silicon (Polyorganosiloxan) ist ein Polymer mit Si–O–Si-Hauptkette und organischen Resten, die über Si–C-Bindungen direkt am Silicium sitzen, z. B. \(\ce{-[Si(CH3)2-O]_{n}-}\).
- Kieselsäureester tragen Methoxygruppen über Si–O–C, Polycarbosilane haben eine Si–\(\ce{CH2}\)–Si-Kette, Polysilane Si–Si-Bindungen; alle drei sind keine Silicone.
- Organochlorsilane entstehen aus Grignard-Verbindungen und \(\ce{SiCl4}\); ihre Hydrolyse mit Wasser liefert Silanole, die unter Wasserabspaltung polykondensieren.
- \(\ce{(CH3)3SiCl}\) bildet Kettenenden, \(\ce{(CH3)2SiCl2}\) lineare Glieder, \(\ce{CH3SiCl3}\) Vernetzungsstellen.
- Tetramethylsilan ist ungeeignet, weil es keine hydrolysierbare Si–Cl-Bindung besitzt.
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Worum es geht
Silicone verbinden ein anorganisches Gerüst aus Silicium und Sauerstoff mit organischen Seitengruppen. In der Pharmazie begegnen sie dir als Dimeticon gegen Blähungen, als Siliconöl und als Material für Schläuche und Kautschuk. Wer ihren Bau kennt, erkennt sie sicher an Strukturformeln und versteht, wie die Wahl der Ausgangsstoffe Kettenlänge und Vernetzung steuert.
Aufbau
Ein Silicon ist ein Polymer. Seine Hauptkette besteht aus abwechselnden Silicium- und Sauerstoffatomen, den Siloxanbindungen Si–O–Si. Die beiden übrigen Valenzen jedes Siliciums tragen organische Reste, meist Methylgruppen.
Polymer mit einer Hauptkette aus Si–O–Si-Brücken, bei dem organische Reste über Si–C-Bindungen direkt am Silicium sitzen. Das wichtigste Beispiel ist Polydimethylsiloxan \(\ce{-[Si(CH3)2-O]_{n}-}\).
Das Gerüst ähnelt den Silicatketten. Statt negativ geladener O-Atome hängen aber unpolare Methylgruppen an der Kette. Sie schirmen das polare Rückgrat ab und machen Silicone wasserabweisend.
Zwei Merkmale musst du also prüfen: die Kette und die Bindung der Seitengruppe. Ähnlich aussehende Si-Polymere fallen schon an einem der beiden Punkte durch.
| Polymer | Hauptkette | Seitengruppe am Si | Silicon? |
|---|---|---|---|
| Polydimethylsiloxan | Si–O–Si | \(\ce{CH3}\) über Si–C | ja |
| Kieselsäureester (Polymethoxysiloxan) | Si–O–Si | \(\ce{OCH3}\) über Si–O–C | nein |
| Polycarbosilan | Si–\(\ce{CH2}\)–Si | \(\ce{CH3}\) | nein |
| Polysilan | Si–Si | \(\ce{CH3}\) | nein |
Beim Kieselsäureester stimmt die Kette, doch der organische Rest hängt über Sauerstoff am Silicium. Beim Polycarbosilan verbinden Methylenbrücken die Si-Atome, beim Polysilan direkte Si–Si-Bindungen. Silicone sind auch keine monomeren Siliciumanaloga der Ketone. Eine Si=O-Doppelbindung ist instabil, wie die Doppelbindungsregel erklärt. Deshalb verknüpfen sich solche Einheiten sofort zu Si–O–Si-Ketten.
Das Erkennen eines Silicons unter mehreren Si-haltigen Polymerausschnitten wird im Examen gerne gefragt. Nur eine Si–O–Si-Kette mit Methylgruppen direkt am Silicium ist ein Silicon. Methoxygruppen, \(\ce{CH2}\)-Brücken oder Si–Si-Ketten schließen es aus.
Synthese
Ausgangsstoffe sind Organochlorsilane, also Silane mit Methylgruppen und Chloratomen am Silicium. Ihre Si–Cl-Bindungen werden von Wasser leicht gespalten. Die entstehenden Silanole kondensieren dann zur Siloxankette.
- Organochlorsilan bilden: Eine Grignard-Verbindung überträgt Methylgruppen auf Siliciumtetrachlorid: \(\ce{SiCl4 + 2 CH3MgCl -> (CH3)2SiCl2 + 2 MgCl2}\). Technisch nutzt man auch die Direktsynthese aus Silicium und Chlormethan.
- Hydrolysieren: Wasser ist echtes Reagenz. Es ersetzt jedes Cl durch OH: \(\ce{(CH3)2SiCl2 + 2 H2O -> (CH3)2Si(OH)2 + 2 HCl}\).
- Polykondensieren: Zwei Silanolgruppen verbinden sich unter Wasserabspaltung: \(\ce{n (CH3)2Si(OH)2 -> -[Si(CH3)2-O]_{n}- + n H2O}\).
Wie viele Verknüpfungen ein Baustein eingehen kann, hängt von der Zahl seiner Chloratome ab. Jedes Cl wird zu einer OH-Gruppe und damit zu einer möglichen Siloxanbrücke.
| Ausgangsstoff | Silanol | Rolle im Silicon |
|---|---|---|
| Chlortrimethylsilan \(\ce{(CH3)3SiCl}\) | Silanol | Kettenende |
| Dichlordimethylsilan \(\ce{(CH3)2SiCl2}\) | Silandiol | lineares Kettenglied |
| Trichlormethylsilan \(\ce{CH3SiCl3}\) | Silantriol | Verzweigung, Vernetzung |
| Tetramethylsilan \(\ce{Si(CH3)4}\) | keines | ungeeignet |
Die drei Methylchlorsilane sind also geeignet, Tetramethylsilan dagegen nicht. Ihm fehlt jede hydrolysierbare Si–Cl-Bindung. Über das Mischungsverhältnis stellt man das Produkt ein. Viel Trichlormethylsilan ergibt harte Harze, viel Dichlordimethylsilan lange Ketten für Öle.
Zahl der Cl-Atome = Zahl der Verknüpfungen: eins beendet, zwei verlängern, drei vernetzen, null bleibt unbeteiligt. Mehr Chlortrimethylsilan macht die Ketten daher kürzer statt stärker vernetzt.
Quiz
Aussage 1
Dichlordimethylsilan liefert bei der Siliconsynthese die Kettenenden.
Das Silandiol aus Dichlordimethylsilan bildet lineare Kettenglieder. Kettenenden entstehen aus Chlortrimethylsilan.
Aussage 2
Ein Polymer mit einer Kette aus Si–\(\ce{CH2}\)–Si-Einheiten und Methylgruppen am Silicium ist ein Silicon.
Das ist ein Polycarbosilan. Ein Silicon braucht eine Si–O–Si-Hauptkette.
Aussage 3
In Siliconen sind die Methylgruppen über Si–C-Bindungen direkt an das Silicium gebunden.
Genau das unterscheidet Silicone von Kieselsäureestern, deren Methoxygruppen über Sauerstoff am Silicium hängen.
Aussage 4
Tetramethylsilan lässt sich nicht zu einem Silicon umsetzen, weil es keine Si–Cl-Bindung zur Hydrolyse besitzt.
Ohne Si–Cl-Bindung entsteht kein Silanol und damit keine Siloxanbrücke.
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