Komplexverbindungen

π-Komplexe und Sandwich-Komplexe

Wie organische π-Systeme als Liganden binden und wie Ferrocen, Osmocen und Dibenzenchrom als Sandwich-Komplexe gebaut sind.

Prüfungsrelevanz: gut zu wissen ✓ gelesen
Das Wichtigste in Kürze5 Punkte
  • Ein π-Komplex entsteht, wenn ein Ligand über sein π-System an das Metall bindet; liegt das Metall zwischen zwei parallelen Ringen, spricht man von einem Sandwich-Komplex.
  • Ferrocen \(\ce{Fe(C5H5)2}\) enthält Fe(II) und zwei aromatische Cyclopentadienid-Liganden \(\ce{C5H5-}\).
  • Die π-Elektronen der Ringe besetzen freie Orbitale des Fe(II); mit 6 + 2·6 erreicht der Komplex 18 Valenzelektronen.
  • Osmocen (Os(II)) und Dibenzenchrom (Cr(0) mit zwei Benzenringen) sind ebenfalls Sandwich-Komplexe.
  • Die Ferrocen-Ringe reagieren leicht elektrophil, eine nucleophile Substitution gelingt nicht leicht.

Worum es geht

Liganden müssen nicht immer über ein freies Elektronenpaar binden. Auch die π-Elektronen aromatischer Ringe können ein Metall koordinieren. Das bekannteste Beispiel ist Ferrocen, der Prototyp der Sandwich-Komplexe.

π-Elektronen als Donor

Die meisten Liganden binden über ein freies Elektronenpaar an einem einzelnen Donoratom, etwa \(\ce{NH3}\) oder \(\ce{Cl-}\). Dabei entsteht eine σ-Bindung, wie in Aufbau und Bindung in Komplexverbindungen beschrieben.

Organische Moleküle mit delokalisierten π-Elektronen können ebenfalls als Liganden dienen. Sie stellen dem Metall ihr ganzes π-System zur Verfügung. Solche Verbindungen heißen π-Komplexe. Das Metall bindet hier an alle Ringatome zugleich und nicht an ein einzelnes Atom. Besonders stabil sind Komplexe mit aromatischen Ringen. Sie gehören zu den metallorganischen Verbindungen.

Ferrocen und Sandwich-Komplexe

Das bekannteste Beispiel ist Ferrocen, \(\ce{Fe(C5H5)2}\). Das Zentralion ist Fe(II). Es sitzt zwischen zwei planaren, parallelen Cyclopentadienid-Ringen \(\ce{C5H5-}\). Jeder Ring trägt eine negative Ladung und ist mit 6 π-Elektronen aromatisch. Die zwei Ladungen gleichen die Ladung von \(\ce{Fe^2+}\) aus, der Komplex ist neutral. Wie man die Oxidationsstufe bestimmt, steht an anderer Stelle.

Strukturformel von Ferrocen mit einem Eisenatom zwischen zwei übereinanderliegenden Fünfringen.

Ferrocen: Fe(II) zwischen zwei parallelen Cyclopentadienid-Ringen.
📖 Definition: Sandwich-Komplex

Ein π-Komplex, in dem ein Metallatom zwischen zwei parallelen, planaren Ringliganden liegt. Wie die Füllung zwischen zwei Brotscheiben bindet es an beide Ringe gleichzeitig.

Die Bindung entsteht, weil die π-Elektronen der Ringe freie Orbitale des Fe(II) besetzen. Die Elektronenzählung zeigt, warum das so stabil ist. Fe(II) bringt 6 d-Elektronen mit, jeder Ring 6 π-Elektronen. Zusammen sind das 18 Valenzelektronen, die Konfiguration des Edelgases Krypton. Warum Ferrocen daher diamagnetisch ist, erklärt High-spin, low-spin und Magnetismus.

Nach demselben Bauprinzip entstehen weitere Sandwich-Komplexe. Osmocen enthält Os(II), das im Periodensystem unter Eisen steht, zwischen zwei Cyclopentadienid-Ringen. Dibenzenchrom \(\ce{Cr(C6H6)2}\) enthält Chrom der Oxidationsstufe 0 zwischen zwei neutralen Benzenringen. Auch hier ergibt sich 6 + 2·6 = 18.

Gegenüberstellung von Ferrocen mit zwei Fünfringen und Dibenzenchrom mit zwei Benzenringen.

Ferrocen und Dibenzenchrom erreichen beide 18 Valenzelektronen.

Die Ringe des Ferrocens bleiben aromatisch und elektronenreich. Sie reagieren deshalb leicht mit Elektrophilen, etwa bei der Friedel-Crafts-Acylierung, sogar schneller als Benzen. Der Ablauf entspricht der elektrophilen aromatischen Substitution. Eine nucleophile Substitution an den Ringen gelingt dagegen nicht leicht.

🎯 Examensrelevant: Bau und Reaktivität von Ferrocen

Ferrocen wird im Examen gerne gefragt: Fe(II) zwischen zwei Cyclopentadienid-Liganden, deren π-Elektronen freie Fe-Orbitale besetzen. Achte auf die Reaktivität: Die Ringe werden leicht elektrophil substituiert, nucleophil dagegen nicht leicht.

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Aussage 1

Die Cyclopentadienid-Ringe des Ferrocens reagieren bevorzugt mit Nucleophilen und lassen sich leicht nucleophil substituieren.

Die Ringe sind aromatisch und elektronenreich. Sie werden leicht elektrophil substituiert, etwa durch Friedel-Crafts-Acylierung, nucleophil dagegen nicht leicht.

Aussage 2

In Ferrocen besetzen π-Elektronen der beiden Cyclopentadienid-Ringe freie Orbitale des Fe(II)-Ions.

Genau so kommt die Bindung im Sandwich-Komplex zustande; das Metall bindet an das ganze π-System beider Ringe.

Aussage 3

Dibenzenchrom ist wie Ferrocen ein Sandwich-Komplex.

Chrom(0) liegt zwischen zwei parallelen Benzenringen und erreicht ebenfalls 18 Valenzelektronen.

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