Substanzklassen

Ketene, Diketen und β-Propiolacton

Ketene tragen eine kumulierte C=C=O-Gruppe, addieren Nucleophile zu Essigsäurederivaten und bilden Vierring-Lactone wie Diketen und β-Propiolacton.

Prüfungsrelevanz: gut zu wissen ✓ gelesen
Das Wichtigste in Kürze5 Punkte
  • Ein Keten enthält die kumulierte Gruppierung \(\ce{R2C=C=O}\), Beispiel Dimethylketen \(\ce{(CH3)2C=C=O}\).
  • Nucleophile greifen das zentrale C-Atom an, über ein Enol entsteht ein Essigsäurederivat.
  • Keten reagiert mit Wasser zu Essigsäure, mit Methanol zu Methylacetat und mit Ammoniak zu Acetamid.
  • Diketen ist 4-Methylidenoxetan-2-on, ein β-Lacton, und reagiert mit Ethanol zu Acetessigester.
  • β-Propiolacton entsteht durch [2+2]-Cycloaddition von Keten und Formaldehyd.

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Einordnung

Ketene sind sehr reaktive Acylierungsmittel aus dem Umfeld der Carbonsäurederivate. Jedes Nucleophil mit acidem H-Atom macht aus ihnen eine Säure, einen Ester oder ein Amid. Ihre Vierring-Folgeprodukte liefern Bausteine wie den Acetessigester.

Struktur

Ein Keten enthält die Gruppierung \(\ce{R2C=C=O}\). Die beiden Doppelbindungen gehen vom selben C-Atom aus. Sie sind also kumuliert, wie in einem Allen. Das zentrale C-Atom ist sp-hybridisiert und trägt eine positive Partialladung. Dort greifen Nucleophile an.

Die Stammverbindung ist \(\ce{H2C=C=O}\). Im Dimethylketen \(\ce{(CH3)2C=C=O}\) trägt das endständige C zwei Methylgruppen. Erkennen kannst du ein Keten nur an der durchgehenden Kette C=C=O. Ähnlich klingende Namen bezeichnen ganz andere Gruppen:

Stoffklasse Kennzeichen Beispiel
Keton C=O zwischen zwei C-Atomen Aceton
Ketal zwei OR an einem C, keine C=O 2,2-Dimethoxypropan
Ketol OH neben einer C=O-Gruppe Acetoin
Ketenacetal C=C mit zwei OR am selben C 1,1-Dimethoxyethen

Fünf Strukturformeln: Dimethylketen mit C=C=O, Aceton mit C=O, Ketal mit zwei OR an einem C, Ketol mit OH neben C=O, Ketenacetal mit C=C und zwei OR

Keten, Keton, Ketal, Ketol und Ketenacetal im Vergleich

Additionen an Keten

Ein Nucleophil \(\ce{H-Nu}\) greift das zentrale C-Atom an. Das Nucleophil landet dort, das H-Atom am endständigen \(\ce{CH2}\). Zunächst entsteht ein Enol. Es tautomerisiert sofort zur stabilen Carbonylform. Das Ergebnis ist immer ein Derivat der Essigsäure, denn aus \(\ce{H2C=C=O}\) wird eine Acetylgruppe \(\ce{CH3CO-}\).

Mechanismus: Methanol greift das mittlere C von Keten an, es bildet sich ein Enol, das zu Methylacetat tautomerisiert

Addition von Methanol an Keten über ein Enol

Mit Wasser entsteht Essigsäure:

\[\ce{H2C=C=O + H2O -> CH3COOH}\]

Alkohole liefern Essigsäureester, Methanol etwa Methylacetat:

\[\ce{H2C=C=O + CH3OH -> CH3COOCH3}\]

Ammoniak ergibt Acetamid:

\[\ce{H2C=C=O + NH3 -> CH3CONH2}\]

Anders als bei einer Cycloaddition schließt sich dabei kein Ring. Mit Ammoniak entsteht deshalb ein offenkettiges Amid und kein β-Lactam. Auch mit Alkoholen bildet sich kein Keton, weil der Sauerstoff des Alkohols an die Carbonylgruppe tritt und so einen Ester erzeugt. Substituierte Ketene reagieren genauso zu Carbonsäuren, Estern und Amiden.

💡 Merke

Keten acetyliert: \(\ce{H-Nu}\) wird zu \(\ce{CH3CO-Nu}\). Das Nu sitzt am Carbonyl-C, das H am früheren \(\ce{CH2}\).

Diketen und β-Propiolacton

Keten dimerisiert leicht zum Diketen. Es heißt systematisch 4-Methylidenoxetan-2-on. Es ist ein viergliedriges β-Lacton mit exocyclischer \(\ce{CH2}\)-Gruppe. Ethanol öffnet den gespannten Ring zum Acetessigester:

\[\ce{C4H4O2 + C2H5OH -> CH3COCH2COOC2H5}\]

Das isomere Cyclobutan-1,3-dion ist ein reiner Kohlenstoffring mit zwei Ketogruppen und damit kein Diketen. Acetessigsäure liefert beim Erwärmen ebenfalls kein Diketen. Sie decarboxyliert zu Aceton.

β-Propiolacton ist der unsubstituierte Vierring Oxetan-2-on. Es entsteht durch [2+2]-Cycloaddition von Keten und Formaldehyd, nicht durch Dimerisierung:

\[\ce{H2C=C=O + H2C=O -> C3H4O2}\]

Drei Vierringe: Oxetan-2-on mit exocyclischer CH2-Gruppe, Oxetan-2-on ohne Substituent, Cyclobutan mit zwei C=O in 1,3-Stellung

Diketen, β-Propiolacton und Cyclobutan-1,3-dion

Quiz

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Aussage 1

β-Propiolacton ist das Dimerisierungsprodukt des Ketens.

Das Dimer des Ketens ist Diketen. β-Propiolacton entsteht durch [2+2]-Cycloaddition von Keten und Formaldehyd.

Aussage 2

Keten und Ammoniak reagieren unter Ringschluss zu einem β-Lactam.

Es schließt sich kein Ring. Es entsteht das offenkettige Acetamid \(\ce{CH3CONH2}\).

Aussage 3

Die Addition von Methanol an Keten liefert Methylacetat.

Methanol greift das zentrale C an, das Enol tautomerisiert zum Ester \(\ce{CH3COOCH3}\).

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