Nomenklatur

Strukturen von Arzneistoffen aus systematischen Namen

Wie man systematische Namen von Arzneistoffen Baustein für Baustein in Strukturformeln übersetzt und daraus Summenformel und Massenanteil berechnet.

Prüfungsrelevanz: gut zu wissen ✓ gelesen
Das Wichtigste in Kürze5 Punkte
  • Ein systematischer Arzneistoffname beschreibt die Struktur vollständig: Stammsystem hinten, bezifferte Substituenten davor, -yl mit Lokant für das Verknüpfungsatom.
  • Minoxidil ist ein Pyrimidin-2,4-diamin mit N-Oxid an N-3 und Piperidin-1-yl an C-6.
  • Mefenaminsäure ist eine Benzoesäure mit ortho-ständiger NH-Brücke zu einem 2,3-Dimethylphenylring.
  • Sulfanilsäure ist 4-Aminobenzolsulfonsäure, 4-Aminobenzoesäure trägt \(\ce{COOH}\) statt \(\ce{SO3H}\).
  • Der Massenanteil folgt aus \(w(\ce{C}) = n \cdot M(\ce{C})/M\), für Metronidazol (\(\ce{C6H9N3O3}\)) sind es 42,1 % Kohlenstoff.

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Worum es geht

Viele Arzneistoffe tragen neben dem Freinamen einen systematischen Namen, der ihre Struktur vollständig beschreibt. Wer ihn lesen kann, ordnet Strukturformeln sicher zu. Außerdem lassen sich daraus Summenformel und Massenanteile berechnen.

Arzneistoffnamen lesen

Ein systematischer Name ist eine Bauanleitung. Das Stammsystem steht hinten, die Präfixe davor geben Substituenten und ihre Positionen an. Die Endung -yl macht aus einem Ring einen Substituenten. Die Zahl direkt vor -yl nennt das Ringatom, über das er gebunden ist. Ringbezifferung und Gruppennamen findest du bei den monocyclischen Heterocyclen und den Präfixen.

Bei Metronidazol, 2-(2-Methyl-5-nitro-1H-imidazol-1-yl)ethanol, ist Ethanol das Stammsystem. An dessen C-2 hängt ein Imidazolring über N-1. Der Ring trägt an C-2 eine Methyl- und an C-5 eine Nitrogruppe. Levodropropizin, (2S)-3-(4-Phenylpiperazin-1-yl)propan-1,2-diol, ist ein Propan-1,2-diol mit S-konfiguriertem C-2. An C-3 sitzt ein Piperazin über N-1, sein N-4 trägt einen Phenylring.

Strukturformeln von Metronidazol mit über N-1 gebundener Hydroxyethylkette und von Levodropropizin mit Phenylpiperazin und Propandiolkette, jeweils mit Ringnummern.

Metronidazol und Levodropropizin: Jeder Namensbaustein entspricht einem markierten Strukturteil, das Verknüpfungsatom ist hervorgehoben.

Minoxidil heißt 6-(Piperidin-1-yl)pyrimidin-2,4-diamin-3-oxid. Grundgerüst ist ein Pyrimidin mit Aminogruppen an C-2 und C-4. Das Suffix -3-oxid setzt ein N-Oxid an den Ringstickstoff N-3. An C-6 hängt ein Piperidinring über seinen Stickstoff.

Mefenaminsäure, 2-[(2,3-Dimethylphenyl)amino]benzoesäure, ist eine Benzoesäure mit einer NH-Brücke in ortho-Stellung. Die eckige Klammer zeigt, dass beide Methylgruppen zum zweiten Ring gehören. Strukturell ist sie eine N-Arylanthranilsäure.

Strukturformel von Minoxidil mit Pyrimidinring, zwei Aminogruppen, Piperidinring und N-Oxid sowie Strukturformel der Mefenaminsäure mit zwei über NH verbundenen Benzolringen.

Minoxidil (N-Oxid an N-3) und Mefenaminsäure (NH-Brücke ortho zur COOH, Methylgruppen am zweiten Ring).
🎯 Examensrelevant: Minoxidil und Mefenaminsäure

Die Zuordnung dieser Namen zur richtigen Strukturformel wird im Examen gerne gefragt. Bei Minoxidil sitzt das N-Oxid an N-3, also zwischen den beiden aminotragenden Kohlenstoffen. Bei Mefenaminsäure steht die NH-Brücke ortho zur COOH-Gruppe.

Bei Isomeren entscheiden Substitutionsmuster und funktionelle Gruppe. Sulfanilsäure ist 4-Aminobenzolsulfonsäure mit \(\ce{NH2}\) und \(\ce{SO3H}\) in para-Stellung. Das ortho- und das meta-Isomer heißen Orthanil- und Metanilsäure. 4-Aminobenzoesäure hat dasselbe Muster, trägt aber \(\ce{COOH}\) statt \(\ce{SO3H}\).

Vier Benzolringe mit Amino- und Sulfonsäure- bzw. Carboxygruppe in ortho-, meta- und para-Stellung.

Sulfanilsäure im Vergleich mit ihren Stellungsisomeren und mit 4-Aminobenzoesäure.

Summenformel und Massenanteil

Aus der Struktur folgt die Summenformel. Wasserstoff übersieht man leicht, denn jeder Substituent ersetzt ein H am Gerüst. Mit der molaren Masse ergibt sich dann der Massenanteil eines Elements.

🧮 Formelauswendig können

\[w(\ce{C}) = \frac{n \cdot M(\ce{C})}{M}\]

\(n\): Zahl der C-Atome, \(M(\ce{C}) = 12{,}011\) g/mol, \(M\): molare Masse der Verbindung in g/mol.

Am Beispiel Metronidazol:

  1. Gerüst: 1H-Imidazol ist \(\ce{C3H4N2}\). Drei Substituenten ersetzen drei H, eines bleibt an C-4.
  2. Substituenten addieren: \(\ce{CH2CH2OH}\), \(\ce{CH3}\) und \(\ce{NO2}\) ergeben \(\ce{C6H9N3O3}\).
  3. Molare Masse: \(M = 6 \cdot 12{,}011 + 9 \cdot 1{,}008 + 3 \cdot 14{,}007 + 3 \cdot 15{,}999 = 171{,}16\) g/mol.
  4. Massenanteil: \(w(\ce{C}) = 72{,}07 / 171{,}16 = 0{,}421\), also 42,1 %.

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Aussage 1

Im Minoxidil trägt das Ringstickstoffatom N-1 des Pyrimidins die Oxidgruppe.

Das Suffix -3-oxid verlangt das N-Oxid an N-3, zwischen den aminosubstituierten Kohlenstoffen C-2 und C-4.

Aussage 2

Metronidazol hat die Summenformel \(\ce{C6H9N3O3}\) und einen Kohlenstoffanteil von rund 42 %.

Mit \(M = 171{,}16\) g/mol ergibt sich \(w(\ce{C}) = 72{,}07/171{,}16 = 0{,}421\).

Aussage 3

In der Sulfanilsäure stehen Aminogruppe und Sulfonsäuregruppe in para-Stellung zueinander.

Sulfanilsäure ist 4-Aminobenzolsulfonsäure. Ortho- und meta-Isomer heißen Orthanil- und Metanilsäure.

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