Chemische Bindung

Konjugation und Mesomeriestabilisierung

Wann sich π-Elektronen und Ladungen über mehrere Atome verteilen und welche Moleküle und Ionen dadurch stabilisiert werden.

Prüfungsrelevanz: gut zu wissen ✓ gelesen
Das Wichtigste in Kürze5 Punkte
  • Konjugation ist die lückenlose Überlappung paralleler p-Orbitale. Sie ermöglicht die Mesomeriestabilisierung durch Delokalisierung.
  • Schon eine \(\ce{CH2}\)-Gruppe zwischen Doppelbindungen (Hepta-2,5-dien) oder zwischen Doppelbindung und Ladung (But-3-en-1-yl-Kation) verhindert Mesomerie.
  • In konjugierten Polyenen sind Einfachbindungen kürzer als in Alkanen und Doppelbindungen länger als in isolierten Alkenen.
  • Carboxylat, Enolat und Imid-Anion sind mesomeriestabilisiert, das Alkoholat nicht. Im Acetat sind beide C–O-Bindungen gleich lang.
  • Amide haben eine zwitterionische Grenzformel (\(\ce{O^-}\), \(\ce{N^+}\)). Ammonium-Ionen sind nicht mesomeriestabilisiert.

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Worum es geht

Mesomerie ist nur möglich, wo p-Orbitale lückenlos nebeneinanderliegen. Daraus folgt, welche Moleküle und Ionen stabilisiert sind. Das ist die Grundlage, um Säurestärke, Basizität und Reaktivität von Arzneistoffen zu begründen.

Delokalisierte π-Systeme

Konjugation heißt: Die p-Orbitale benachbarter Atome stehen lückenlos parallel. Das gilt für abwechselnde Doppel- und Einfachbindungen. Es gilt auch für π-Bindungen neben freien Elektronenpaaren, Ladungen oder leeren p-Orbitalen. Die Elektronen delokalisieren, und die Energie sinkt. Diese Mesomeriestabilisierung beschreibt man mit Grenzformeln.

Gruppen, die ein Elektronenpaar ins π-System schieben (\(\ce{-NH2}\), \(\ce{-OH}\)), zeigen einen +M-Effekt. Gruppen, die Elektronendichte abziehen (\(\ce{C=O}\), \(\ce{-NO2}\)), zeigen einen −M-Effekt. Beides fasst man als mesomeren Effekt zusammen. Schwächer wirkt die Hyperkonjugation: Eine benachbarte C–H-σ-Bindung überlappt mit einem leeren p-Orbital oder einem π-System.

Konjugiert, isoliert, kumuliert

Liegt ein sp³-Atom zwischen den π-Bausteinen, endet die Konjugation. Buta-1,3-dien ist konjugiert. In Hepta-2,5-dien isoliert eine \(\ce{CH2}\)-Gruppe die Doppelbindungen, es gibt keine Mesomeriestabilisierung. Im kumulierten Allen stehen die beiden π-Bindungen senkrecht zueinander (Kumulene). Im Crotonsäureethylester \(\ce{CH3-CH=CH-COOEt}\) stabilisiert dagegen die Konjugation von C=C und C=O das Molekül.

Drei Skelettformeln mit p-Orbitalen: Butadien mit durchgehend parallelen Orbitalen, Heptadien mit Unterbrechung an der CH2-Gruppe, Allen mit senkrecht stehenden π-Bindungen.

Konjugiert, isoliert, kumuliert: Entscheidend ist die Lage der p-Orbitale.

Für Ladungen gilt dieselbe Regel. Das Allyl-Kation verteilt seine Ladung auf zwei C-Atome. Im But-3-en-1-yl-Kation \(\ce{CH2=CH-CH2-CH2^+}\) trennt eine \(\ce{CH2}\)-Gruppe Doppelbindung und Ladung. Ebenso wenig hilft eine Ring-Doppelbindung, die vom Kationzentrum isoliert ist.

Links das Allyl-Kation mit zwei mesomeren Grenzformeln, rechts das But-3-en-1-yl-Kation, bei dem eine CH2-Gruppe Doppelbindung und positive Ladung trennt.

Nur die direkt benachbarte Doppelbindung stabilisiert das Kation.
🎯 Examensrelevant: Isoliert oder konjugiert

Das wird im Examen gerne gefragt: Nur eine Doppelbindung direkt neben Ladung oder zweiter π-Bindung stabilisiert mesomer. Achte an der Skelettformel auf jede \(\ce{CH2}\)-Gruppe dazwischen, denn sie hebt die Mesomerie auf.

Bindungslängen in Polyenen

Delokalisierung gleicht die Bindungslängen an. In konjugierten Polyenen wie Hexa-1,3,5-trien sind die Einfachbindungen kürzer als in Alkanen. Die Doppelbindungen sind länger als in isolierten Alkenen. So ist die C2–C3-Bindung des Buta-1,3-diens kürzer als die entsprechende Bindung in n-Butan.

Mesomeriestabilisierte Anionen

Ein Anion ist stabilisiert, wenn das geladene Atom nach der Deprotonierung neben einer π-Bindung steht. Das gilt für Carboxylate wie Acetat, dessen beide C–O-Bindungen gleich lang sind. Es gilt auch für Enolate und Imid-Anionen. Im Alkoholat wie Ethanolat bleibt die Ladung dagegen am Sauerstoff lokalisiert, anders als im Phenolat.

Grenzformeln von Acetat, Enolat und Imid-Anion mit Elektronenpfeilen, daneben Ethanolat mit lokalisierter Ladung am Sauerstoff.

Delokalisierte und lokalisierte Anionen im Vergleich

Das Enolat von Cyclohexanon ist besser stabilisiert als das von δ-Valerolacton. Im Lacton beansprucht der Ring-Sauerstoff die C=O-Gruppe mit seinem Elektronenpaar schon selbst.

Amide und Kationen

Carbonsäureamide haben eine zwitterionische Grenzformel mit \(\ce{O^-}\) und \(\ce{N^+}\). Im Formamid ist der Sauerstoff deshalb negativ, der Stickstoff positiv polarisiert. Auch Harnstoff, protonierte Essigsäure, das Allyl-Kation und das 4-Aminopyridinium-Ion sind mesomeriestabilisiert. Im Acetamidinium-Ion verteilt sich die Ladung über das zentrale C-Atom und beide N-Atome (Amidine). Ammonium- und Tetraalkylammonium-Ionen fehlt ein benachbartes π-System, ihre Ladung bleibt am N.

Quiz

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Aussage 1

Die beiden Kohlenstoff-Sauerstoff-Bindungen des Acetat-Ions unterscheiden sich nicht in ihrer Länge.

Die negative Ladung ist über beide O-Atome delokalisiert, beide Bindungen sind deshalb gleichwertig.

Aussage 2

Die C2–C3-Bindung von Buta-1,3-dien ist länger als die entsprechende C–C-Bindung in n-Butan.

Durch Konjugation erhält die Einfachbindung Doppelbindungscharakter und ist kürzer als in n-Butan.

Aussage 3

Im But-3-en-1-yl-Kation \(\ce{CH2=CH-CH2-CH2^+}\) verteilt sich die positive Ladung mesomer auf zwei Kohlenstoffatome.

Eine \(\ce{CH2}\)-Gruppe trennt Doppelbindung und Kationzentrum, daher gibt es keine Konjugation. Eine solche Verteilung zeigt erst das Allyl-Kation.

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