Nebengruppenelemente

Kupfer: Eigenschaften, Säureverhalten und Fehling’sche Lösung

Kupfer als edles Metall der Gruppe 11, sein Verhalten gegenüber Säuren und Iodid sowie Aufbau und Wirkprinzip der Fehling’schen Lösung.

Prüfungsrelevanz: relevant ✓ gelesen
Das Wichtigste in Kürze5 Punkte
  • Kupfer ist ein Edelmetall der Gruppe 11 mit den Oxidationsstufen +1 und +2, das auch gediegen vorkommt.
  • Kupfer löst sich nicht in Salzsäure, aber in konzentrierter Salpetersäure (zu \(\ce{Cu^2+}\) und \(\ce{NO2}\)) und konzentrierter Schwefelsäure (unter \(\ce{SO2}\)-Bildung, ohne \(\ce{H2}\)).
  • \(\ce{Cu^2+}\) oxidiert Iodid zu \(\ce{I2}\) unter Fällung von schwerlöslichem \(\ce{CuI}\); das Iod wird mit Thiosulfat titriert.
  • Die Fehling’sche Lösung besteht aus Kupfer(II)-sulfat, Kaliumnatriumtartrat, Natronlauge und Wasser und enthält einen blauen Kupfer(II)-Tartratkomplex.
  • Reduzierende Stoffe wie Glucose reduzieren das Reagens zu rotbraunem \(\ce{Cu2O}\), Saccharose reagiert nicht.

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Kupfer im Überblick

Kupfer steht in der 11. Gruppe und ist ein typisches Übergangsmetall mit den Oxidationsstufen +1 und +2. Pharmazeutisch begegnet es dir vor allem in Nachweisreaktionen wie der Fehling-Probe und in der Iodometrie.

Merkmal Ausprägung
Stellung im Periodensystem Gruppe 11, 4. Periode, 3d-Reihe
Elektronenkonfiguration \(\ce{[Ar] 3d^{10} 4s^1}\)
Wichtige Oxidationsstufen +1, +2 (in Wasser am stabilsten)
Vorkommen gediegen und in Erzen
Eigenschaften rötliches Edelmetall, sehr hohe elektrische und thermische Leitfähigkeit
Wichtige Verbindungen \(\ce{CuSO4}\) (Lösung blau), \(\ce{CuCl}\), \(\ce{CuI}\), \(\ce{Cu2O}\)

Kupfer als edles Metall

Kupfer leitet Wärme und Strom sehr gut. Es kommt in der Natur auch gediegen vor, also als Metall. Das liegt an seinem positiven Standardpotenzial von \(E^0(\ce{Cu^2+}/\ce{Cu}) = +0{,}34\) V (siehe Spannungsreihe).

📖 Definition: Edelmetall

Ein Edelmetall hat ein positives Standardpotenzial. Es kann \(\ce{H+}\) nicht zu \(\ce{H2}\) reduzieren und löst sich deshalb nicht in nicht oxidierenden Säuren.

In verdünnter oder wässriger Salzsäure bleibt Kupfer daher unverändert, es entsteht kein Wasserstoff. Oxidierende Säuren lösen es dagegen. Hier ist nicht \(\ce{H+}\) das Oxidationsmittel, sondern das Säureanion. Konzentrierte Salpetersäure bildet \(\ce{Cu^2+}\) und Stickstoffdioxid:

\[\ce{Cu + 4 HNO3 -> Cu(NO3)2 + 2 NO2 ^ + 2 H2O}\]

Konzentrierte, heiße Schwefelsäure wird zu \(\ce{SO2}\) reduziert. Auch hier entsteht kein Wasserstoff:

\[\ce{Cu + 2 H2SO4 -> CuSO4 + SO2 ^ + 2 H2O}\]

Die entstehende Kupfersulfat-Lösung ist blau, denn sie enthält den Aquakomplex des \(\ce{Cu^2+}\). Kupfer(I) bildet mit Halogenid schwerlösliche Salze: \(\ce{CuCl}\) und \(\ce{CuI}\) fallen aus Wasser aus. \(\ce{Cu^2+}\) selbst wirkt nicht reduzierend, sondern als Oxidationsmittel. Iodid oxidiert es zu Iod, wobei \(\ce{CuI}\) ausfällt:

\[\ce{2 Cu^2+ + 4 I- -> 2 CuI v + I2}\]

Das freigesetzte Iod titriert man anschließend mit Thiosulfat. So lässt sich Kupfer(II) iodometrisch bestimmen:

\[\ce{I2 + 2 S2O3^2- -> 2 I- + S4O6^2-}\]

Fehling’sche Lösung

Die Fehling’sche Lösung ist ein alkalisches Kupfer(II)-Reagens. Man mischt sie frisch aus zwei Teillösungen. Fehling I ist eine wässrige Lösung von Kupfer(II)-sulfat. Fehling II enthält Kaliumnatriumtartrat (Seignettesalz) in Natronlauge. Gemischt entsteht eine tiefblaue Lösung.

Ohne Tartrat würde \(\ce{Cu^2+}\) in der Lauge sofort als \(\ce{Cu(OH)2}\) ausfallen. Das Tartrat-Anion verhindert das. Es umgreift das Kupferion über deprotonierte Hydroxy- und Carboxylatgruppen als Chelatligand. Die reaktive Spezies ist also ein blauer Kupfer(II)-Tartratkomplex.

Strukturformel eines Kupferions, das von zwei Tartrat-Anionen über Sauerstoffatome koordiniert wird

Kupfer(II)-Tartratkomplex: Tartrat umgreift das Kupferion als Chelatligand.
🎯 Examensrelevant: Bestandteile der Fehling-Lösung

Die Zusammensetzung wird im Examen gerne gefragt: Kupfer(II)-sulfat, Kaliumnatriumtartrat, Natronlauge und Wasser. Achte darauf, dass Citrat, Ammoniak, Schwefelsäure, Ethanol, \(\ce{CuCl}\) und Glucose nicht dazugehören.

Auch die tiefblaue Farbe führt leicht zu Verwechslungen.

A Fehling’sche Lösung

Kupfer(II)-Tartratkomplex in Natronlauge. Ligand ist Tartrat, als Chelat gebunden.

B Ammoniakalische Kupferlösung

\(\ce{[Cu(NH3)4(H2O)2]^2+}\), gebildet mit Ammoniak. Er kommt in der Fehling’schen Lösung nicht vor.

Fehling-Reaktion

Die Fehling’sche Lösung weist reduzierende Substanzen nach, etwa Aldehyde. Sie selbst wirkt nicht reduzierend, sondern oxidiert die Probe. Dabei wird Cu(II) zu Cu(I) reduziert. Es fällt rotbraunes \(\ce{Cu2O}\) aus:

\[\ce{R-CHO + 2 Cu^2+ + 5 OH- -> R-COO- + Cu2O v + 3 H2O}\]

Im Reagens liegt \(\ce{Cu2O}\) also noch nicht vor. Es entsteht erst bei der Reduktion und zeigt den positiven Befund an.

💡 Merke

Blau bleibt negativ, rotbraun ist positiv: Fehling oxidiert die Probe und wird selbst zu \(\ce{Cu2O}\) reduziert.

Glucose reagiert positiv, weil ihre offenkettige Form eine freie Aldehydgruppe besitzt. Saccharose wird dagegen nicht oxidiert. Beide anomeren Zentren sind glykosidisch verknüpft, es gibt kein freies Halbacetal. Mehr dazu unter reduzierende und nichtreduzierende Zucker.

Quiz

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richtig oder falsch iWarum nur Aussagen? Fragen mit fünf Antworten löst man am sichersten, indem man jede Aussage einzeln bewertet: ✓✓ sicher richtig, ✓ eher richtig, 0 unsicher, ✗ eher falsch, ✗✗ sicher falsch. Mit dem Ausschlussprinzip ergibt sich daraus die Lösung. Dieses einzelne Bewerten ist der wichtigste Handgriff fürs Examen, und genau den übst du hier.

Aussage 1

Kupfer löst sich in konzentrierter Schwefelsäure unter Entwicklung von Wasserstoff.

Kupfer löst sich zwar, aber das Sulfat wird zu \(\ce{SO2}\) reduziert. Als Edelmetall kann Kupfer \(\ce{H+}\) nicht zu \(\ce{H2}\) reduzieren.

Aussage 2

Zur Herstellung der Fehling’schen Lösung benötigt man Kupfer(II)-sulfat, Kaliumnatriumtartrat und Natronlauge.

Fehling I enthält \(\ce{CuSO4}\), Fehling II Kaliumnatriumtartrat in Natronlauge, jeweils in Wasser gelöst.

Aussage 3

Mit Saccharose bildet die Fehling’sche Lösung keinen rotbraunen Niederschlag von \(\ce{Cu2O}\).

Saccharose besitzt kein freies Halbacetal und wirkt nicht reduzierend. Glucose dagegen reduziert Fehling zu \(\ce{Cu2O}\).

Aussage 4

Die tiefblaue Farbe der Fehling’schen Lösung beruht auf dem Komplex \(\ce{[Cu(NH3)4(H2O)2]^2+}\).

Fehling enthält kein Ammoniak. Die blaue Spezies ist ein Kupfer(II)-Tartratkomplex.

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