Hauptgruppenelemente

Schwefelsäure, Schweflige Säure und Hydrogensulfit

Schwefelsäure als wasserentziehendes und oxidierendes Reagenz, die zweibasige, tautomere Schweflige Säure mit Sulfit und Hydrogensulfit sowie das ambidente Verhalten des Hydrogensulfits.

Prüfungsrelevanz: gut zu wissen ✓ gelesen
Das Wichtigste in Kürze6 Punkte
  • Schwefelsäure (\(\ce{H2SO4}\), S(+VI)) und Schweflige Säure (\(\ce{H2SO3}\), S(+IV)) sind die wichtigsten Oxosäuren des Schwefels.
  • Konzentrierte Schwefelsäure ist wasserentziehend, ihre Oxidationskraft ist konzentrationsabhängig; heiß löst sie Cu, Ag und Hg unter \(\ce{SO2}\)-Bildung.
  • \(\ce{Na2SO4}\)-Lösung reagiert neutral; Sulfat ist tetraedrisch, Sulfit mit freiem Elektronenpaar pyramidal.
  • Schweflige Säure ist zweibasig und tautomer; Neutralisation mit NaOH ergibt Natriumsulfit.
  • Iod oxidiert Hydrogensulfit zu Hydrogensulfat und wird zu Iodid reduziert.
  • Hydrogensulfit ist ambident: Ethylbromid alkyliert es am O zum Ester oder am S zur Ethansulfonsäure.

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Worum es geht

Schwefel bildet zwei wichtige Oxosäuren: die Schwefelsäure mit Schwefel(+VI) und die Schweflige Säure mit Schwefel(+IV). Ihre Salze begegnen dir in der Pharmazie ständig, etwa Sulfat als Gegenion vieler Arzneistoffe und Natriumsulfit als Antioxidans in Injektionslösungen.

Schwefelsäure

Konzentrierte Schwefelsäure \(\ce{H2SO4}\) ist stark wasserentziehend. Sie bindet Wasser so fest, dass sie Gase trocknet und Zucker verkohlt. Ihr Oxidationsvermögen hängt von der Konzentration ab. Verdünnt wirkt nur das Proton, konzentriert und heiß oxidiert der Schwefel(+VI) selbst.

Deshalb löst heiße konzentrierte Schwefelsäure auch edle Metalle wie Kupfer, Silber und Quecksilber. Der Schwefel wird dabei zu Schwefeldioxid reduziert:

\[\ce{Cu + 2 H2SO4 -> CuSO4 + SO2 ^ + 2 H2O}\]

⚠️ Achtung: Kein Wasserstoff

Edle Metalle stehen in der Spannungsreihe oberhalb des Wasserstoffs. Protonen können sie nicht oxidieren, daher entsteht hier nie \(\ce{H2}\), sondern \(\ce{SO2}\).

Schwefelsäure siedet viel höher als Chlorwasserstoff, weil ihre Moleküle über viele Wasserstoffbrücken verknüpft sind. Tautomerie zeigt sie nicht. Alle Protonen sitzen am Sauerstoff, und dem Schwefel fehlt ein freies Elektronenpaar. Ihr Anhydrid ist Schwefeltrioxid.

Mit Natronlauge entsteht Natriumsulfat. Seine Lösung reagiert praktisch neutral, denn das Sulfat-Ion ist eine äußerst schwache Base. Das Sulfat-Ion \(\ce{SO4^2-}\) ist tetraedrisch gebaut.

Schweflige Säure und Sulfit

Schweflige Säure \(\ce{H2SO3}\) ist zweibasig und gibt zwei Protonen ab. Mit Natronlauge entsteht zuerst Natriumhydrogensulfit \(\ce{NaHSO3}\), dann Natriumsulfit \(\ce{Na2SO3}\) mit dem Anion \(\ce{SO3^2-}\). Anders als Sulfat trägt Sulfit am Schwefel ein freies Elektronenpaar. Deshalb ist es trigonal-pyramidal.

Zwei Molekülmodelle nebeneinander: tetraedrisches Sulfat-Ion mit vier Sauerstoffatomen und pyramidales Sulfit-Ion mit drei Sauerstoffatomen und einem freien Elektronenpaar.

Sulfat ist tetraedrisch, Sulfit trägt ein freies Elektronenpaar und ist pyramidal.

Dieses Elektronenpaar macht Tautomerie möglich. Ein Proton kann am Sauerstoff sitzen oder direkt am Schwefel. Beim Hydrogensulfit stehen so die Formen \(\ce{HO-SO2^-}\) und \(\ce{H-SO3^-}\) im Gleichgewicht.

Zwei Strukturformeln der Schwefligen Säure, links mit zwei OH-Gruppen und freiem Elektronenpaar am Schwefel, rechts mit einem Wasserstoffatom direkt am Schwefel.

Tautomerie der Schwefligen Säure: Das Proton sitzt am Sauerstoff oder direkt am Schwefel.

Sulfit und Hydrogensulfit sind Reduktionsmittel. Iod oxidiert Hydrogensulfit in wässriger Lösung zu Hydrogensulfat und wird selbst zu Iodid reduziert:

\[\ce{HSO3- + I2 + H2O -> HSO4- + 2 I- + 2 H+}\]

Organische Verwandte verhalten sich analog. Alkylsulfinsäuren \(\ce{R-SO2H}\) liefern mit Natronlauge Natriumalkylsulfinate, Alkylsulfonsäuren liefern Natriumalkylsulfonate. Auch Alkylsulfensäuren \(\ce{R-SOH}\) ergeben kein Sulfit, denn der Alkylrest bleibt am Schwefel gebunden.

Ambidentes Hydrogensulfit

Hydrogensulfit ist ein ambidentes Nucleophil. Es kann in einer nucleophilen Substitution über Sauerstoff oder über Schwefel angreifen. Mit Ethylbromid entsteht durch O-Alkylierung der Schwefligsäureethylester, durch S-Alkylierung die Ethansulfonsäure \(\ce{C2H5-SO3H}\). Diese Doppelrolle beruht auf den zwei nucleophilen Zentren und folgt nicht aus der Zweibasigkeit.

Reaktionsschema mit Hydrogensulfit und Ethylbromid, das sich in zwei Pfeile teilt: zum Schwefligsäureethylester und zur Ethansulfonsäure.

Ambidentes Hydrogensulfit: O-Alkylierung zum Ester, S-Alkylierung zur Sulfonsäure.

Quiz

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richtig oder falsch iWarum nur Aussagen? Fragen mit fünf Antworten löst man am sichersten, indem man jede Aussage einzeln bewertet: ✓✓ sicher richtig, ✓ eher richtig, 0 unsicher, ✗ eher falsch, ✗✗ sicher falsch. Mit dem Ausschlussprinzip ergibt sich daraus die Lösung. Dieses einzelne Bewerten ist der wichtigste Handgriff fürs Examen, und genau den übst du hier.

Aussage 1

Löst man Kupfer in heißer konzentrierter Schwefelsäure, entweicht Wasserstoff.

Kupfer ist edel und wird nicht von Protonen oxidiert. Der Schwefel(+VI) oxidiert das Metall und wird dabei zu \(\ce{SO2}\) reduziert.

Aussage 2

Bei der Reaktion von Hydrogensulfit mit Iod in Wasser entstehen Hydrogensulfat und Iodid.

Iod ist das Oxidationsmittel und wird zu \(\ce{I-}\) reduziert, Schwefel(+IV) wird zu Schwefel(+VI) oxidiert.

Aussage 3

Dass Hydrogensulfit sowohl am Sauerstoff als auch am Schwefel alkyliert wird, ergibt sich aus der Zweibasigkeit der Schwefligen Säure.

Die O- und S-Alkylierung beruht auf den zwei nucleophilen Zentren des ambidenten Hydrogensulfits, nicht auf der Zahl abspaltbarer Protonen.

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