Hauptgruppenelemente

Schwefel: Modifikationen, Vorkommen und Reaktionen

Elementarer Schwefel: Elektronenkonfiguration, Oxidationszahlen, Modifikationen, Eigenschaften, Vorkommen, Gewinnung im Claus-Verfahren und typische Reaktionen.

Prüfungsrelevanz: sehr wichtig ✓ gelesen
Das Wichtigste in Kürze6 Punkte
  • Schwefel ist das Chalkogen der 3. Periode mit der Konfiguration \([\ce{Ne}]3s^2 3p^4\) und den typischen Oxidationsstufen −II, 0, +IV und +VI.
  • In \(\ce{SO3}\), \(\ce{SO4^2-}\) und \(\ce{H2SO5}\) hat Schwefel +VI, in \(\ce{HSO3-}\) +IV und in \(\ce{H2S}\) −II.
  • Bei Raumtemperatur ist nur der rhombische α-Schwefel aus kronenförmigen \(\ce{S8}\)-Ringen stabil, \(\ce{S2}\) tritt erst im heißen Dampf auf.
  • Schwefel ist gelb, ein Isolator, in Wasser unlöslich und in \(\ce{CS2}\) löslich.
  • Technisch wird Schwefel im Claus-Verfahren durch Oxidation von \(\ce{H2S}\) gewonnen, Pyrit \(\ce{FeS2}\) ist ein Sulfid und wird nur zu \(\ce{SO2}\) geröstet.
  • An Luft verbrennt Schwefel zu \(\ce{SO2}\), mit Fluor entsteht \(\ce{SF6}\), mit Cyanid Thiocyanat und mit glühender Kohle \(\ce{CS2}\).

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Steckbrief Schwefel

Schwefel ist das zweite Element der Chalkogene. Pharmazeutisch begegnet er dir in Sulfaten, Sulfiten, Thiolen wie Cystein und als Grundstoff der Schwefelsäure.

Merkmal Ausprägung
Stellung im Periodensystem Gruppe 16 (Chalkogene), 3. Periode, Ordnungszahl 16
Elektronenkonfiguration \([\ce{Ne}]3s^2 3p^4\)
Wichtige Oxidationsstufen −II, 0, +IV, +VI
Vorkommen gediegen, als Sulfid, als Sulfat, organisch gebunden
Gewinnung Claus-Verfahren aus \(\ce{H2S}\)
Modifikationen α-Schwefel (rhombisch, stabil bei Raumtemperatur), β-Schwefel (monoklin)
Eigenschaften gelb, Isolator, wasserunlöslich, löslich in \(\ce{CS2}\)
Wichtige Verbindungen \(\ce{H2S}\) und Sulfide, \(\ce{SO2}\) und \(\ce{SO3}\), Schwefelsäure, Thiosulfat

Elektronenkonfiguration und Oxidationszahlen

Schwefel hat 16 Elektronen und die Konfiguration \([\ce{Ne}]3s^2 3p^4\). Der Neon-Rumpf umfasst die erste und zweite Schale. Die 2p-Orbitale sind also vollständig besetzt, die sechs Valenzelektronen sitzen in der dritten Schale.

Mit sechs Valenzelektronen kann Schwefel zwei Elektronen aufnehmen und erreicht dann −II. Gibt er alle sechs ab, erreicht er +VI. Dazwischen sind 0 und +IV die wichtigen Stufen. Ungerade Werte wie −III oder +V gehören bei Schwefel und ebenso bei Selen nicht zu den typischen Stufen. Formal +V tritt nur im Sonderfall Dithionat auf.

Teilchen Oxidationszahl des S
\(\ce{H2S}\) −II
\(\ce{S8}\) 0
\(\ce{HSO3-}\) +IV
\(\ce{SO3}\) +VI
\(\ce{SO4^2-}\) +VI
\(\ce{H2SO5}\) +VI

In der Peroxomonoschwefelsäure \(\ce{H2SO5}\) steckt eine Peroxogruppe. Ihre beiden Sauerstoffatome tragen nur −I. Die Bilanz lautet daher:

\[2\cdot(+1) + x + 3\cdot(-2) + 2\cdot(-1) = 0 \quad\Rightarrow\quad x = +6\]

💡 Merke

Höher als +VI kommt Schwefel nie, denn er hat nur sechs Valenzelektronen. Ein Ergebnis wie +VIII zeigt, dass eine Peroxogruppe übersehen wurde.

Modifikationen

Elementarer Schwefel tritt in mehreren allotropen Modifikationen auf. Das sind Formen desselben Elements mit unterschiedlichem Aufbau, die Grundlagen findest du unter Allotropie. Bei Raumtemperatur ist nur eine davon thermodynamisch stabil: der α-Schwefel mit rhombischem, genauer orthorhombischem Gitter.

Sein Baustein ist der Cyclooctaschwefel \(\ce{S8}\). Die acht Atome bilden einen gewellten Ring in Kronenform, abwechselnd oben und unten. Auch der monokline β-Schwefel besteht aus diesen Ringen. Er packt sie nur anders.

Achtgliedriger Ring aus Schwefelatomen in Kronenform, abwechselnd oben und unten liegende Atome

Cyclooctaschwefel \(\ce{S8}\): Baustein von α- und β-Schwefel

Beim Erhitzen ändert sich der Schwefel stufenweise. Oberhalb von 95 °C wandelt sich α- in β-Schwefel um. Bei 119 °C schmilzt er zu einer hellgelben, dünnflüssigen Schmelze aus intakten \(\ce{S8}\)-Ringen. Ab 159 °C brechen die Ringe auf und verknüpfen sich zu langen Ketten. Die Schmelze wird dunkelrotbraun und zäh wie Sirup, am zähesten um 187 °C. Bei 444,6 °C siedet Schwefel. Erst im heißen Dampf zerfallen die Moleküle bis zu \(\ce{S2}\).

Zeitstrahl der Temperatur mit Stationen bei 95, 119, 159, 187 und 444,6 Grad Celsius und den jeweiligen Schwefelformen

Verhalten von Schwefel beim Erhitzen von Raumtemperatur bis zum Dampf
🎯 Examensrelevant: Stabile Schwefelmodifikation

Dauerbrenner im Examen: Bei Raumtemperatur ist nur der rhombische α-Schwefel aus \(\ce{S8}\)-Ringen stabil. Achte darauf, dass \(\ce{S2}\)-Moleküle erst im Dampf bei hoher Temperatur auftreten und dass auch β-Schwefel aus \(\ce{S8}\) besteht.

Das schwerere Homologe Selen zeigt die Allotropie noch deutlicher. Es bildet graues, metallisches Selen und rotes, nichtmetallisches Selen.

Physikalische Eigenschaften

Schwefel ist bei Raumtemperatur ein gelber, spröder Feststoff. Sein Kristall besteht aus einzelnen \(\ce{S8}\)-Molekülen. Zwischen ihnen wirken nur schwache Van-der-Waals-Kräfte, daher der niedrige Schmelzpunkt.

In den Ringen sind alle Elektronen in lokalisierten Bindungen festgelegt. Schwefel ist deshalb ein elektrischer Isolator. Anders als Graphit besitzt er keine delokalisierten π-Elektronen, die Ladung durch das Gitter tragen könnten.

Die unpolaren Ringe bestimmen auch die Löslichkeit. In Wasser ist Schwefel unlöslich. Im ebenfalls unpolaren Kohlenstoffdisulfid \(\ce{CS2}\) löst er sich dagegen gut. Hier gilt die Regel „Gleiches löst sich in Gleichem“.

Vorkommen und Gewinnung

Schwefel kommt in der Natur gediegen vor, also elementar. Häufiger ist er gebunden, sowohl in sauerstofffreien Sulfiden als auch in sauerstoffhaltigen Sulfaten. In Lebewesen steckt er in Thiolen und Thioethern.

Vorkommen Beispiele Formel
gediegen vulkanische Lagerstätten, Salzdome \(\ce{S8}\)
Sulfide Pyrit, Bleiglanz, Zinkblende \(\ce{FeS2}\), \(\ce{PbS}\), \(\ce{ZnS}\)
Sulfate Gips, Glaubersalz, Bittersalz \(\ce{CaSO4*2H2O}\), \(\ce{Na2SO4*10H2O}\), \(\ce{MgSO4*7H2O}\)
organisch Cystein (Thiol), Methionin, \(\ce{H2S}\) im Erdgas \(\ce{R-SH}\)
⚠️ Achtung: Pyrit und die Sulfate

Pyrit \(\ce{FeS2}\) ist trotz seines Goldglanzes ein Sulfid und kein Oxid. Er enthält Eisen(II) und das Disulfid-Ion \(\ce{S2^2-}\). Gips, Glaubersalz und Bittersalz sind dagegen Sulfate mit Schwefel in der Stufe +VI.

Technisch stammt Schwefel heute fast vollständig aus dem \(\ce{H2S}\), das bei der Entschwefelung von Erdgas und Erdöl anfällt. Dass er durch Oxidation von Schwefelwasserstoff entsteht und nicht durch Reduktion von Pyrit, wird im Examen gerne gefragt. Das Claus-Verfahren läuft in zwei Schritten:

  1. Brennkammer: Ein Drittel des \(\ce{H2S}\) verbrennt zu \(\ce{SO2}\): \(\ce{2 H2S + 3 O2 -> 2 SO2 + 2 H2O}\).
  2. Katalysator: Das restliche \(\ce{H2S}\) reagiert mit \(\ce{SO2}\) an \(\ce{Al2O3}\) zu Schwefel: \(\ce{4 H2S + 2 SO2 -> 6 S + 4 H2O}\).
  3. Kondensator: Der Schwefeldampf wird abgekühlt und flüssig abgezogen.

Im zweiten Schritt treffen −II und +IV aufeinander und treffen sich bei 0. Das ist eine Komproportionierung. Netto gilt:

\[\ce{2 H2S + O2 -> 2 S + 2 H2O}\]

Schema mit Brennkammer, in der ein Drittel H2S zu SO2 verbrennt, und Katalysatorreaktor, in dem H2S und SO2 zu Schwefel reagieren

Claus-Verfahren: Schwefel aus Schwefelwasserstoff

Pyrit liefert keinen elementaren Schwefel. Man röstet ihn an Luft und nutzt das entstehende \(\ce{SO2}\) für die Schwefelsäure:

\[\ce{4 FeS2 + 11 O2 -> 2 Fe2O3 + 8 SO2}\]

Reaktionen

An Luft verbrennt Schwefel mit blauer Flamme zu Schwefeldioxid. Besonders prüfungsrelevant ist dabei das Produkt: Es entsteht \(\ce{SO2}\), nicht \(\ce{SO3}\).

\[\ce{S + O2 -> SO2}\]

Für die weitere Oxidation zu \(\ce{SO3}\) braucht man einen Katalysator wie \(\ce{V2O5}\). Bei Flammentemperatur liegt das Gleichgewicht zudem auf der Seite von \(\ce{SO2}\). Details stehen bei den Schwefeloxiden.

Mit Fluor erreicht Schwefel seine höchste Stufe +VI. Es entsteht das oktaedrische, sehr reaktionsträge Schwefelhexafluorid:

\[\ce{S8 + 24 F2 -> 8 SF6}\]

Mit Cyanid bildet Schwefel Thiocyanat. Das Cyanid-Ion nimmt dabei ein Schwefelatom auf. Mehr zu diesem Ion findest du bei den Cyanverbindungen.

\[\ce{S8 + 8 CN- -> 8 SCN-}\]

Leitet man Schwefeldampf unter Luftabschluss über glühende Kohle, entsteht Kohlenstoffdisulfid:

\[\ce{C + 2 S -> CS2}\]

Aus Kohlendioxid lässt sich \(\ce{CS2}\) dagegen nicht gewinnen. Schwefel müsste dafür den elektronegativeren Sauerstoff aus seiner Bindung verdrängen und als \(\ce{O2}\) freisetzen. Das ist thermodynamisch ausgeschlossen.

Quiz

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richtig oder falsch iWarum nur Aussagen? Fragen mit fünf Antworten löst man am sichersten, indem man jede Aussage einzeln bewertet: ✓✓ sicher richtig, ✓ eher richtig, 0 unsicher, ✗ eher falsch, ✗✗ sicher falsch. Mit dem Ausschlussprinzip ergibt sich daraus die Lösung. Dieses einzelne Bewerten ist der wichtigste Handgriff fürs Examen, und genau den übst du hier.

Aussage 1

Bei 25 °C ist der orthorhombische α-Schwefel aus \(\ce{S8}\)-Ringen die einzige thermodynamisch stabile Schwefelmodifikation.

Bei Raumtemperatur ist nur α-Schwefel stabil. β-Schwefel entsteht erst oberhalb von 95 °C.

Aussage 2

Verbrennt man Schwefel ohne Katalysator an der Luft, entsteht überwiegend Schwefeltrioxid.

Es entsteht \(\ce{SO2}\). Für \(\ce{SO3}\) braucht man einen Katalysator wie \(\ce{V2O5}\).

Aussage 3

Großtechnisch gewinnt man Schwefel durch Reduktion von Pyrit \(\ce{FeS2}\).

Schwefel stammt aus der Oxidation von \(\ce{H2S}\) im Claus-Verfahren. Pyrit wird nur zu \(\ce{SO2}\) geröstet.

Aussage 4

Unter Standardbedingungen besteht elementarer Schwefel aus zweiatomigen \(\ce{S2}\)-Molekülen, analog zum Sauerstoff.

Fester Schwefel besteht aus \(\ce{S8}\)-Ringen. \(\ce{S2}\) bildet sich erst im Dampf bei hoher Temperatur.

Aussage 5

Gips, Glaubersalz und Bittersalz sind schwefelhaltige Minerale, die zu den Sulfaten gehören.

Alle drei enthalten das Sulfat-Ion mit Schwefel +VI. Pyrit gehört dagegen zu den Sulfiden.

Aussage 6

Schwefel ist in Wasser unlöslich, löst sich aber gut in Kohlenstoffdisulfid.

Die unpolaren \(\ce{S8}\)-Ringe lösen sich im unpolaren \(\ce{CS2}\), nicht im polaren Wasser.

Aussage 7

In der Peroxomonoschwefelsäure \(\ce{H2SO5}\) besitzt Schwefel die Oxidationszahl +VIII.

Die zwei Sauerstoffatome der Peroxogruppe tragen −I. Daraus folgt +VI, mehr als sechs Elektronen kann Schwefel nicht abgeben.

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