Redox-Systeme

Nernst-Gleichung und Einflüsse auf das Potenzial

Wie die Nernst-Gleichung das Elektrodenpotenzial mit den Aktivitäten verknüpft und wie pH-Wert, Komplexbildung und Fällung das Potenzial verschieben.

Prüfungsrelevanz: gut zu wissen ✓ gelesen
Das Wichtigste in Kürze5 Punkte
  • Die Nernst-Gleichung beschreibt die Abhängigkeit des Elektrodenpotenzials eines Redoxpaares von den Aktivitäten und folgt aus dem Massenwirkungsgesetz.
  • Der Faktor 0,059 V gilt für den dekadischen Logarithmus bei 25 °C und wird durch \(z\) geteilt.
  • Das Potenzial von \(\ce{MnO4^-/Mn^2+}\) sinkt um etwa 0,094 V je pH-Einheit, Permanganat oxidiert in stark saurer Lösung am stärksten.
  • Komplexierung der oxidierten Form, etwa \(\ce{Fe^3+}\) mit Fluorid, senkt das Potenzial.
  • Mit \(a(\ce{Ag+}) = K_\mathrm{L}/a(\ce{Cl-})\) sinkt das Silberpotenzial um 59 mV je Zehnerpotenz Chlorid.

Worum es geht

Standardpotenziale gelten nur bei Aktivität 1. In echten Lösungen bestimmen Konzentrationen, pH-Wert und Begleitionen, wie stark ein Oxidationsmittel wirkt. Die Nernst-Gleichung macht das berechenbar, von der Permanganat-Titration bis zur Silber/Silberchlorid-Bezugselektrode.

Grundlagen der Nernst-Gleichung

Die Nernst-Gleichung beschreibt, wie das Potenzial eines Redoxpaares von den Aktivitäten seiner oxidierten und reduzierten Form abhängt. Sie folgt aus dem Massenwirkungsgesetz: Der Logarithmusterm ist ein Aktivitätsquotient, und \(E^0\) ist das Standardpotenzial.

🧮 Formelauswendig können

\[E = E^0 + \frac{0{,}059\,\mathrm{V}}{z} \cdot \lg \frac{a(\mathrm{Ox})}{a(\mathrm{Red})}\]

Größe Bedeutung Einheit
\(E\) Elektrodenpotenzial V
\(E^0\) Standardpotenzial V
\(z\) übertragene Elektronen 1
\(a\) Aktivität von Ox bzw. Red 1

Der Faktor 0,059 V ist \(2{,}303 \cdot RT/F\) und gilt nur für den dekadischen Logarithmus bei 25 °C. Bei höherer Temperatur wird er größer. Für Silber mit \(z = 1\) gilt \(E = E^0 + 0{,}059\,\mathrm{V} \cdot \lg \frac{a(\ce{Ag+})}{a(\ce{Ag})}\), wobei das feste Metall die Aktivität 1 hat. Zehnfache \(\ce{Ag+}\)-Aktivität hebt das Potenzial also um 59 mV.

Typische Fehler sind ein vergessenes \(z\) oder der Faktor 0,059 V vor dem ln. Mit dem Nernstschen Verteilungsgesetz hat die Gleichung nichts zu tun, denn dieses beschreibt die Verteilung eines Stoffes zwischen zwei Phasen.

pH-Abhängigkeit

Ein pH-abhängiges Redoxpotenzial entsteht, wenn Protonen in der Halbreaktion stehen. Bei Permanganat sind es acht:

\[\ce{MnO4^- + 8H+ + 5e- -> Mn^2+ + 4H2O}\]

Die Protonen gehören zur oxidierten Seite und stehen mit der achten Potenz im Zähler. Mehr \(\ce{H3O+}\) erhöht daher das Potenzial. Permanganat oxidiert in stark saurer Lösung am stärksten. Solche Systeme heißen einfach pH-abhängig. Als Redoxamphotere bezeichnet man dagegen Stoffe, die oxidieren und reduzieren können, etwa \(\ce{H2O2}\).

  1. Steigung: \(\Delta E = -\frac{0{,}059\,\mathrm{V} \cdot 8}{5} \cdot \Delta\mathrm{pH} = -0{,}094\,\mathrm{V} \cdot \Delta\mathrm{pH}\).
  2. Einsetzen: Von pH 0 auf pH 4 gilt \(\Delta E = -0{,}094\,\mathrm{V} \cdot 4 = -0{,}38\,\mathrm{V}\).
  3. Ergebnis: Aus 1,51 V werden etwa 1,13 V.

Das Potenzial sinkt also um rund 0,1 V je pH-Einheit. Das Paar \(\ce{Fe^3+/Fe^2+}\) enthält keine Protonen und bleibt pH-unabhängig.

Diagramm: Potenzial in Volt gegen pH; fallende Gerade für Permanganat ab 1,51 V, waagerechte Linie bei 0,77 V für Eisen.

Das Permanganatpotenzial fällt um rund 0,1 V je pH-Einheit, während das Paar Fe³⁺/Fe²⁺ pH-unabhängig bleibt.

Komplexbildung und Fällung

Alles, was die freie oxidierte Form bindet, verkleinert den Zähler im Nernst-Term und senkt das Potenzial. Fluorid komplexiert \(\ce{Fe^3+}\) fest, deshalb sinkt das Potenzial von \(\ce{Fe^3+/Fe^2+}\) deutlich. Die Stärke solcher Komplexe behandelt die Einheit Komplexstabilität.

Fällung wirkt genauso. In chloridhaltiger Lösung bestimmt das Löslichkeitsprodukt von AgCl die freie Silberaktivität: \(a(\ce{Ag+}) = K_\mathrm{L}/a(\ce{Cl-})\). Eingesetzt ergibt sich

\[E = E^0 + 0{,}059\,\mathrm{V} \cdot \lg K_\mathrm{L} - 0{,}059\,\mathrm{V} \cdot \lg a(\ce{Cl-})\]

Mit \(E^0 = 0{,}80\,\mathrm{V}\) und \(K_\mathrm{L} \approx 1{,}8 \cdot 10^{-10}\) liefern die ersten beiden Terme etwa 0,22 V. Jede Zehnerpotenz mehr Chlorid senkt das Potenzial um 59 mV.

Gerade: Potenzial der Silberelektrode sinkt linear mit dem Logarithmus der Chloridaktivität.

In chloridhaltiger Lösung fällt das Silberpotenzial um 59 mV je Zehnerpotenz Chlorid.

Hält man die Chloridaktivität mit KCl-Lösung fest, bleibt das Potenzial konstant. So funktioniert die Ag/AgCl-Bezugselektrode.

Schemazeichnung einer Silber/Silberchlorid-Elektrode mit Silberdraht, AgCl-Schicht, KCl-Füllung und Diaphragma.

Ag/AgCl-Elektrode: Konstante Chloridaktivität sorgt für ein konstantes Potenzial.

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Aussage 1

Erhöht man den pH-Wert einer Permanganatlösung um eine Einheit, sinkt das Potenzial von \(\ce{MnO4^-/Mn^2+}\) um rund 0,09 V.

Acht Protonen und fünf Elektronen ergeben \(0{,}059\,\mathrm{V} \cdot 8/5 \approx 0{,}094\,\mathrm{V}\) je pH-Einheit.

Aussage 2

Gibt man Fluorid zu einer Lösung von \(\ce{Fe^3+}\) und \(\ce{Fe^2+}\), steigt das Redoxpotenzial, weil Eisen(III) stabilisiert wird.

Fluorid bindet die oxidierte Form \(\ce{Fe^3+}\). Ihre freie Aktivität im Zähler sinkt, also sinkt das Potenzial.

Aussage 3

Der Vorfaktor 0,059 V in der Nernst-Gleichung gilt bei 25 °C für den natürlichen Logarithmus.

0,059 V ist \(2{,}303 \cdot RT/F\) und gehört zum dekadischen Logarithmus. Beim ln steht \(RT/F \approx 0{,}026\,\mathrm{V}\).

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