Schwingungsspektroskopie

Aromaten: C–H-, Ring- und Deformationsbanden

Woran man einen Benzolring im IR-Spektrum erkennt und wie die out-of-plane-Banden das Substitutionsmuster verraten.

Prüfungsrelevanz: gut zu wissen ✓ gelesen
Das Wichtigste in Kürze5 Punkte
  • Aromaten erkennt man im IR an der Kombination aus C–H-Valenz, Ringschwingungen und out-of-plane-Deformation.
  • Aromatische C–H-Valenzschwingungen liegen knapp oberhalb 3000 \(\mathrm{cm^{-1}}\) (3100 bis 3000).
  • C=C-Ringschwingungen erscheinen um 1600 und 1500 \(\mathrm{cm^{-1}}\), schwache Oberschwingungen bei 2000 bis 1650 \(\mathrm{cm^{-1}}\).
  • Starke out-of-plane-Banden bei 900 bis 680 \(\mathrm{cm^{-1}}\): mono um 750 und 690, ortho um 750, para um 820 \(\mathrm{cm^{-1}}\).
  • Polystyrol zeigt Ringbanden bei 1601 und 1493 sowie out-of-plane-Banden bei 757 und 698 \(\mathrm{cm^{-1}}\), der Bereich 2700 bis 2000 \(\mathrm{cm^{-1}}\) bleibt leer.

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Worum es geht

Fast jeder zweite Arzneistoff enthält einen Benzolring, von Paracetamol bis Diazepam. Im IR-Spektrum gibt sich der Aromat durch ein festes Bandenmuster zu erkennen. Die Banden unterhalb 900 \(\mathrm{cm^{-1}}\) zeigen zusätzlich, wie der Ring substituiert ist.

Aromatische C–H- und Ringschwingungen

Die aromatische C–H-Valenzschwingung liegt knapp oberhalb von 3000 \(\mathrm{cm^{-1}}\), bei 3100 bis 3000 \(\mathrm{cm^{-1}}\). Das \(sp^2\)-hybridisierte Kohlenstoffatom bindet den Wasserstoff fester als ein \(sp^3\)-Atom. Aliphatische C–H-Banden liegen deshalb unterhalb von 3000 \(\mathrm{cm^{-1}}\).

Der Ring selbst schwingt als Gerüst. Diese C=C-Ringschwingungen ergeben Banden um 1600 und 1500 \(\mathrm{cm^{-1}}\), insgesamt im Bereich 1600 bis 1450 \(\mathrm{cm^{-1}}\). Dazu kommen schwache Oberschwingungen zwischen 2000 und 1650 \(\mathrm{cm^{-1}}\). Bei 800 bis 740 \(\mathrm{cm^{-1}}\) liegen dagegen Deformationsbanden, keine C=C-Banden.

Auf einen Aromaten schließt man erst aus der Kombination: C–H über 3000, Ringbanden bei 1600 und 1500, dazu starke Banden unter 900 \(\mathrm{cm^{-1}}\). Benzen absorbiert zwischen 2800 und 2300 \(\mathrm{cm^{-1}}\) nicht charakteristisch. Ein aliphatisches Keton zeigt keine Ringbande um 1600 \(\mathrm{cm^{-1}}\). Umgekehrt beweisen aromatische Banden allein noch keinen Benzoesäureester, denn dieser braucht zusätzlich eine C=O-Bande. Auf Farbigkeit lässt sich aus IR-Banden nicht schließen.

Substitutionsmuster

Die C–H-Bindungen eines Aromaten können auch aus der Ringebene herausschwingen.

📖 Definition: out-of-plane-Deformation

Deformationsschwingung, bei der die C–H-Bindungen senkrecht zur Ringebene ausschlagen. Aromaten zeigen sie als starke Banden bei 900 bis 680 \(\mathrm{cm^{-1}}\).

Schema eines Benzolrings mit Pfeilen an den Wasserstoffatomen senkrecht zur Ringebene, daneben Pfeile in der Ebene für die in-plane-Deformation.

Out-of-plane-Deformation: Die C–H-Bindungen schwingen senkrecht aus der Ringebene heraus.

Die Lage hängt davon ab, wie viele H-Atome direkt nebeneinander sitzen. Benachbarte H-Atome schwingen gekoppelt, ähnlich wie Tänzer in einer Reihe. Je kürzer die Reihe, desto höher die Wellenzahl.

Substitution benachbarte H starke Bande(n)
mono 5 um 750 und 690 \(\mathrm{cm^{-1}}\)
ortho (z. B. o-Xylen) 4 um 750 \(\mathrm{cm^{-1}}\)
para 2 um 820 \(\mathrm{cm^{-1}}\)

Meta-disubstituierte Ringe zeigen ebenfalls eine Bande um 690 \(\mathrm{cm^{-1}}\) und unterscheiden sich durch eine zweite Bande um 780 \(\mathrm{cm^{-1}}\).

Vier substituierte Benzolringe mit markierten benachbarten Wasserstoffatomen und zugehörigen schematischen IR-Banden zwischen 900 und 650 Wellenzahlen.

Substitutionsmuster und out-of-plane-Banden: Je weniger benachbarte H-Atome, desto höher die Wellenzahl.
🎯 Examensrelevant: Banden unter 900

Wird im Examen gerne gefragt: Starke Banden um 800 bis 740 \(\mathrm{cm^{-1}}\) sind aromatische C–H-out-of-plane-Deformationen, keine C=C-Schwingungen. Zwei Banden bei 750 und 690 bedeuten mono, eine Bande um 820 bedeutet para.

Polystyrol-Spektrum

Polystyrol vereint eine aliphatische Kette mit monosubstituierten Benzolringen. Als Folie dient es auch zur Wellenzahlkontrolle. Seine Banden lassen sich vollständig zuordnen:

  • über 3000 \(\mathrm{cm^{-1}}\): aromatische C–H, darunter aliphatische C–H der Kette
  • 2000 bis 1650 \(\mathrm{cm^{-1}}\): schwache Oberschwingungen des Rings
  • 1601, 1583, 1493, 1452 \(\mathrm{cm^{-1}}\): Ringschwingungen
  • 757 und 698 \(\mathrm{cm^{-1}}\): out-of-plane, typisch für Monosubstitution

Der Bereich 2700 bis 2000 \(\mathrm{cm^{-1}}\) bleibt leer. Dort fehlen charakteristische Sägezahnbanden ungesättigter Kohlenwasserstoffketten.

Beschriftetes Infrarotspektrum einer Polystyrolfolie mit markierten Banden des Benzolrings und der aliphatischen Kette.

IR-Spektrum von Polystyrol mit Zuordnung der aromatischen und aliphatischen Banden.

Quiz

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richtig oder falsch iWarum nur Aussagen? Fragen mit fünf Antworten löst man am sichersten, indem man jede Aussage einzeln bewertet: ✓✓ sicher richtig, ✓ eher richtig, 0 unsicher, ✗ eher falsch, ✗✗ sicher falsch. Mit dem Ausschlussprinzip ergibt sich daraus die Lösung. Dieses einzelne Bewerten ist der wichtigste Handgriff fürs Examen, und genau den übst du hier.

Aussage 1

Eine einzelne starke Bande um 820 \(\mathrm{cm^{-1}}\) spricht für einen para-disubstituierten Benzolring.

Bei para-Substitution liegen nur zwei H-Atome nebeneinander, die out-of-plane-Bande erscheint daher hoch, um 820 \(\mathrm{cm^{-1}}\).

Aussage 2

Die C–H-Valenzschwingung eines Benzolrings liegt knapp unterhalb von 3000 \(\mathrm{cm^{-1}}\), im selben Bereich wie bei Alkanen.

Aromatische C–H-Valenzschwingungen liegen knapp oberhalb von 3000 \(\mathrm{cm^{-1}}\) (3100 bis 3000), aliphatische darunter.

Aussage 3

Die starken Banden des Polystyrols bei 757 und 698 \(\mathrm{cm^{-1}}\) zeigen einen monosubstituierten Benzolring an.

Monosubstituierte Benzole zeigen zwei starke out-of-plane-Banden um 750 und 690 \(\mathrm{cm^{-1}}\), genau dieses Muster liefert Polystyrol.

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