Voltammetrie

Diffusionsgrenzstrom und Ilkovič-Gleichung

Wie man im Gleichstrompolarogramm Grundstrom und Diffusionsgrenzstrom auseinanderhält und welche Größen nach der Ilkovič-Gleichung die Stufenhöhe bestimmen.

Prüfungsrelevanz: gut zu wissen ✓ gelesen
Das Wichtigste in Kürze5 Punkte
  • Ein Polarogramm zeigt den Strom an der Quecksilbertropfelektrode gegen das Potential; ein reduzierbarer Stoff erzeugt eine S-förmige Stufe mit sägezahnförmigen Oszillationen.
  • Der Grundstrom fließt, bevor der Analyt umgesetzt wird, und läuft als Reststrom unter dem Plateau weiter; er wird von der Stufenhöhe abgezogen.
  • Der Diffusionsgrenzstrom ist der senkrechte Abstand zwischen verlängerter Reststromlinie und Plateau und dient der quantitativen Bestimmung.
  • Nach der Ilkovič-Gleichung ist \(\bar{I}_D\) proportional zu Konzentration und Elektronenzahl \(z\) und hängt von \(D\), \(m\) (Ausflussgeschwindigkeit) und \(t\) (Tropfzeit) ab.
  • Die Zellspannung geht nicht in die Ilkovič-Gleichung ein; höhere Viskosität senkt über \(D\) den Grenzstrom.

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Worum es geht

Die Höhe einer polarographischen Stufe verrät, wie viel Analyt in der Lösung ist. Die Ilkovič-Gleichung beschreibt, wovon diese Höhe abhängt. Auf ihr beruht jede quantitative polarographische Gehaltsbestimmung.

Das Gleichstrompolarogramm

Ein Polarogramm ist die Strom-Spannungs-Kurve an der Quecksilbertropfelektrode. Die x-Achse zeigt das zunehmend negative Potential, die y-Achse den Strom. Ein reduzierbarer Stoff erzeugt eine S-förmige Stufe: flacher Beginn, steiler Anstieg, waagerechtes Plateau. Am rechten Rand steigt der Strom erneut, weil nun der Grundelektrolyt reduziert wird.

S-förmige Strom-Potential-Kurve mit Zickzack-Oszillationen, flachem Anfang, steilem Anstieg, waagerechtem Plateau und steilem Anstieg am rechten Rand.

Gleichstrompolarogramm einer Einzelstufe mit Grundstrom, Anstieg, Plateau und Zersetzung des Grundelektrolyten.

Die Kurve zittert sägezahnförmig. Jeder Tropfen wächst, seine Oberfläche nimmt zu und mit ihr der Strom. Reißt der Tropfen ab, fällt der Strom zurück. Ausgewertet wird deshalb die Mittellinie durch die Oszillationen.

Grundstrom und Reststrom

Solange die Spannung für eine Umsetzung des Analyten nicht ausreicht, fließt nur ein kleiner Grundstrom. Er stammt vor allem vom Aufladen der Tropfenoberfläche, dem kapazitiven Ladestrom, und von Spuren reduzierbarer Verunreinigungen. Dieser Reststrom fließt auch auf dem Plateau weiter. Der Gesamtstrom am oberen Plateau ist daher größer als der Analytstrom. Bei der Stufenhöhe zieht man den Grundstrom deshalb ab.

Diffusionsgrenzstrom

Auf dem Plateau wird jedes Teilchen sofort umgesetzt, das die Elektrode erreicht. Der Strom hängt nur noch vom Nachschub durch Diffusion ab. Dieser Diffusionsgrenzstrom \(I_D\) ist die quantitative Messgröße der Polarographie.

Zum Zuordnen verlängert man die Reststromlinie gestrichelt unter die Stufe. \(I_D\) ist der senkrechte Abstand zwischen dieser Linie und der Plateau-Mittellinie. Der Pfeil vom Nullpunkt zum Plateau zeigt dagegen den Gesamtstrom. Das Halbstufenpotential liegt auf der Potentialachse und dient der Identifizierung, nicht der Gehaltsbestimmung.

Polarographische Stufe mit gestrichelter Reststromlinie, Plateaulinie und senkrechtem Pfeil zwischen beiden, beschriftet als Diffusionsgrenzstrom.

Auswertung einer Stufe: Der Diffusionsgrenzstrom ist der senkrechte Abstand zwischen verlängerter Reststromlinie und Plateau.

Ilkovič-Gleichung

Die Ilkovič-Gleichung beschreibt den mittleren Diffusionsgrenzstrom an der Quecksilbertropfelektrode.

🧮 Formelauswendig können

\[\bar{I}_D = 607 \cdot z \cdot D^{1/2} \cdot m^{2/3} \cdot t^{1/6} \cdot c\]

Größe Bedeutung Einheit
\(\bar{I}_D\) mittlerer Diffusionsgrenzstrom µA
\(z\) pro Teilchen umgesetzte Elektronen –
\(D\) Diffusionskoeffizient des elektroaktiven Stoffes cm²/s
\(m\) Ausflussgeschwindigkeit des Quecksilbers mg/s
\(t\) Tropfzeit s
\(c\) Konzentration des Depolarisators mmol/L

Doppelte Konzentration ergibt doppelten Strom. Ein Stoff mit doppelter Elektronenzahl liefert eine doppelt so steile Kalibriergerade.

Zwei Ursprungsgeraden im Diagramm Strom gegen Konzentration, die steilere für doppelte Elektronenzahl.

Der mittlere Diffusionsgrenzstrom wächst linear mit der Konzentration; die Steigung steigt mit der Elektronenzahl.

\(D\) hängt vom Teilchen und von der Viskosität ab. Eine zähere Lösung bremst die Diffusion und senkt \(I_D\). Verschiedene zweiwertige Kationen gleicher Konzentration liefern deshalb nicht exakt gleiche Ströme. Die Zellspannung fehlt in der Gleichung, denn auf dem Plateau ist der Strom potentialunabhängig.

🎯 Examensrelevant: Größen der Ilkovič-Gleichung

Wird im Examen gerne gefragt: \(\bar{I}_D\) ist proportional zu \(c\) und \(z\) und hängt von \(D\), \(m\) und \(t\) ab. Achte darauf, dass \(m\) die Ausflussgeschwindigkeit in Masse pro Zeit ist, nicht die Tropfenmasse, und dass Zellspannung und Redoxpotential nicht eingehen.

Quiz

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richtig oder falsch iWarum nur Aussagen? Fragen mit fünf Antworten löst man am sichersten, indem man jede Aussage einzeln bewertet: ✓✓ sicher richtig, ✓ eher richtig, 0 unsicher, ✗ eher falsch, ✗✗ sicher falsch. Mit dem Ausschlussprinzip ergibt sich daraus die Lösung. Dieses einzelne Bewerten ist der wichtigste Handgriff fürs Examen, und genau den übst du hier.

Aussage 1

Der Diffusionsgrenzstrom entspricht dem Strom, den man vom Nullpunkt der Stromachse bis zum oberen Plateau abliest.

Das ist der Gesamtstrom, der den Reststrom enthält. Der Diffusionsgrenzstrom ist der Abstand zwischen verlängerter Reststromlinie und Plateau.

Aussage 2

Auf dem Plateau einer polarographischen Stufe ändert sich der mittlere Diffusionsgrenzstrom kaum mit dem angelegten Potential, weshalb die Zellspannung nicht in der Ilkovič-Gleichung vorkommt.

Auf dem Plateau begrenzt nur der diffusive Nachschub den Strom; die Spannung ist keine Größe der Gleichung.

Aussage 3

In der Ilkovič-Gleichung steht \(m\) für die Masse eines einzelnen Quecksilbertropfens beim Abreißen.

\(m\) ist die Ausflussgeschwindigkeit des Quecksilbers aus der Kapillare, also Masse pro Zeit in mg/s.

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