Coulometrie

Prinzip der Coulometrie und potentiostatische Coulometrie

Die Coulometrie bestimmt eine Stoffmenge über die elektrische Ladung, die bei ihrem vollständigen Elektrolyseumsatz fließt. Bei konstantem Potential ergibt sich dabei ein charakteristischer, exponentiell fallender Strom-Zeit-Verlauf.

Prüfungsrelevanz: wichtig ✓ gelesen
Das Wichtigste in Kürze6 Punkte
  • Die Coulometrie ist ein Elektrolyseverfahren mit vollständigem Umsatz des Analyten, bei dem die geflossene elektrische Ladung gemessen wird.
  • Nach dem Faraday’schen Gesetz gilt \(n = Q/(z \cdot F)\) mit der Faraday-Konstante \(F = 96\,485\) C/mol.
  • Die Coulometrie ist ein Absolutverfahren ohne Kalibrierung, setzt aber eine Stromausbeute von 100 % voraus.
  • Bei der potentiostatischen Coulometrie bleibt das Potential konstant, und der Strom fällt exponentiell und asymptotisch gegen null, weil der Analyt verbraucht wird.
  • Die Ladung ist die Fläche unter der Strom-Zeit-Kurve. Sie steigt mit der Zeit gegen den Endwert \(Q_\text{ges}\), aus dem die Stoffmenge folgt.
  • Eine Ursprungsgerade im Strom-Konzentrations-Diagramm gehört zur Voltammetrie, ein waagrechter Strom über der Zeit zur galvanostatischen Coulometrie.

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Worum es geht

Die Coulometrie zählt gewissermaßen Elektronen: Aus der geflossenen Ladung folgt direkt die umgesetzte Stoffmenge. Sie gehört zu den elektroanalytischen Verfahren und ist in der Pharmazie vor allem durch die coulometrische Wasserbestimmung nach Karl Fischer bekannt. Hier geht es um das Grundprinzip und um die Variante mit konstantem Potential.

Coulometrie als Elektrolyseverfahren

Die Coulometrie ist ein Elektrolyseverfahren. An der Zelle liegt eine Spannung, sodass der Analyt an der Arbeitselektrode oxidiert oder reduziert wird. Was dabei an der Elektrode geschieht, erklärt die Seite zu Elektrolyse und Überspannung. Entscheidend ist hier: Der Analyt wird vollständig umgesetzt und nicht nur zu einem kleinen Teil.

Darin unterscheidet sich die Coulometrie von ihren Nachbarverfahren. Die Tabelle stellt sie nebeneinander.

Verfahren Strom fließt? Umsatz des Analyten Messgröße
Potentiometrie praktisch nein keiner Potential
Voltammetrie ja winzig, nur an der Elektrode Strom in Abhängigkeit von der Spannung
Coulometrie ja vollständig Ladung

Es gibt zwei Varianten. Bei der potentiostatischen Coulometrie bleibt das Potential der Arbeitselektrode konstant, und der Strom ändert sich. Bei der galvanostatischen Coulometrie hält man umgekehrt den Strom konstant. Sie liegt meist der coulometrischen Titration zugrunde und wird dort erklärt.

Messgröße und Faraday’sches Gesetz

Gemessen wird die elektrische Ladung \(Q\), die beim Umsatz des Analyten durch die Zelle fließt. Jedes umgesetzte Teilchen gibt eine feste Zahl von Elektronen ab oder nimmt sie auf. Die Ladung ist deshalb ein direktes Maß dafür, wie viel Stoff reagiert hat. Ladung ist Strom mal Zeit. Bei konstantem Strom gilt \(Q = I \cdot t\), bei veränderlichem Strom summiert man über die Zeit auf.

🧮 Formelauswendig können

\[n = \frac{Q}{z \cdot F}\]

\(n\) umgesetzte Stoffmenge in mol, \(Q\) Ladung in C (= A·s), \(z\) Zahl der übertragenen Elektronen je Teilchen, \(F\) Faraday-Konstante in C/mol.

Das ist das Faraday’sche Gesetz: Ladung und umgesetzte Stoffmenge sind einander proportional. Die Faraday-Konstante \(F = 96\,485\) C/mol ist die Ladung von einem Mol Elektronen. Sie ergibt sich als Produkt aus Avogadro-Konstante und Elementarladung. Ein Beispiel: Werden 0,5 mmol \(\ce{Fe^2+}\) zu \(\ce{Fe^3+}\) oxidiert (\(z = 1\)), fließen rund 48 C. Das Rechnen übt die Seite Rechnen mit dem Faraday’schen Gesetz.

Weil \(z\) und \(F\) feststehen, braucht die Coulometrie keine Kalibrierung mit Vergleichslösungen. Sie ist ein Absolutverfahren. Voraussetzung ist eine Stromausbeute von 100 %. Die gesamte Ladung muss also in die Reaktion des Analyten fließen und nicht in Nebenreaktionen wie die Zersetzung des Lösungsmittels.

Potentiostatische Coulometrie

Bei der potentiostatischen Coulometrie hält ein Potentiostat das Potential der Arbeitselektrode gegenüber einer Bezugselektrode konstant. Den Strom liefert eine Gegenelektrode. Ein Diaphragma trennt sie ab, damit ihre Produkte nicht zur Arbeitselektrode gelangen. Eine großflächige Arbeitselektrode, etwa ein Platinnetz, und kräftiges Rühren beschleunigen den Umsatz. Das Potential wählt man so, dass nur der Analyt reagiert. Ein Coulometer integriert den Strom zur Ladung.

Schema einer gerührten Elektrolysezelle mit Platinnetz-Arbeitselektrode, Bezugselektrode und durch ein Diaphragma abgetrennter Gegenelektrode, verbunden mit einem Potentiostaten und einem Integrator.

Messanordnung der potentiostatischen Coulometrie mit drei Elektroden, Potentiostat und Coulometer.

Warum der Strom exponentiell fällt

Der Strom hängt davon ab, wie viel Analyt pro Zeit an die Elektrode gelangt. Diese Menge ist proportional zur noch vorhandenen Konzentration. Je mehr Analyt umgesetzt ist, desto weniger kommt nach und desto kleiner wird der Strom. Man kann sich das wie einen Eimer mit Loch vorstellen: Je tiefer der Pegel, desto langsamer läuft er aus. So entsteht ein exponentieller Abfall:

\[I(t) = I_0 \cdot e^{-k t}\]

\(I_0\) ist der Anfangsstrom, \(t\) die Zeit. Die Konstante \(k\) steigt mit Elektrodenfläche und Rühren und fällt mit dem Lösungsvolumen. Der Strom nähert sich asymptotisch null. Ursache ist allein der Verbrauch des Analyten. Der spezifische Widerstand der Lösung bleibt dagegen dank des Leitelektrolyten nahezu gleich.

Die Ladung ist die Fläche unter der Strom-Zeit-Kurve. Sie steigt mit der Zeit und strebt gegen einen Endwert \(Q_\text{ges}\). Aus ihm folgt mit dem Faraday’schen Gesetz die Stoffmenge. Praktisch bricht man ab, wenn der Strom auf einen kleinen Bruchteil von \(I_0\) gesunken ist, etwa 0,1 %. So dient die potentiostatische Coulometrie zur Quantifizierung eines Stoffes.

Oben eine fallende Exponentialkurve des Stroms über der Zeit mit schattierter Fläche, unten eine ansteigende, abflachende Ladungskurve, die sich einer waagrechten Linie Q_ges nähert.

Potentiostatische Coulometrie: Der Strom fällt exponentiell gegen null, die Ladung als Fläche unter der Stromkurve steigt gegen den Endwert.
🎯 Examensrelevant: Stromverlauf bei konstantem Potential

Examensklassiker: Bei der potentiostatischen Coulometrie trägt man die Stromstärke gegen die Zeit auf. Sie fällt exponentiell ab und nähert sich asymptotisch null. Achte auf die Achsen, denn ein Diagramm mit Strom gegen Konzentration gehört zu einem anderen Verfahren.

Kurvenbilder zuordnen

Bei einem Diagramm liest man zuerst die Achsen und erst dann die Kurvenform. Die Tabelle ordnet die typischen Bilder zu.

Achsen Kurvenform Verfahren
\(I\) gegen \(t\) exponentiell fallend gegen null potentiostatische Coulometrie
\(Q\) gegen \(t\) steigend, abflachend gegen \(Q_\text{ges}\) potentiostatische Coulometrie
\(E\) gegen \(t\) waagrecht potentiostatische Coulometrie
\(I\) gegen \(t\) waagrecht galvanostatische Coulometrie
\(I\) gegen \(U\) Stufe mit Plateau Voltammetrie
\(I\) gegen \(c\) Gerade durch den Ursprung Voltammetrie, Amperometrie

Raster aus sechs Diagrammen mit unterschiedlich beschrifteten Achsen und Kurvenformen: fallende Exponentialkurve, steigende Sättigungskurve, waagrechte Linien, Stufe mit Plateau und Ursprungsgerade.

Typische Kurvenbilder elektroanalytischer Verfahren im Vergleich.

Die Ursprungsgerade beschreibt den Diffusionsgrenzstrom, der proportional zur Konzentration ist. Sie dient zur Kalibrierung und zeigt keinen zeitlichen Verlauf.

💡 Merke

Potentiostatisch heißt: Das Potential steht, der Strom fällt, die Ladung wächst.

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Aussage 1

Bei der potentiostatischen Coulometrie wird die Stromstärke während der gesamten Elektrolyse konstant gehalten.

Konstant ist das Potential der Arbeitselektrode, der Strom ändert sich. Einen konstanten Strom verwendet die galvanostatische Coulometrie.

Aussage 2

Die Coulometrie gilt als Absolutverfahren, weil sich die Stoffmenge allein aus Ladung, Elektronenzahl und Faraday-Konstante ergibt.

Da \(z\) und \(F\) feststehen, ist keine Kalibrierung mit Vergleichslösungen nötig. Voraussetzung ist eine Stromausbeute von 100 %.

Aussage 3

Bei konstantem Potential nimmt die Stromstärke mit der Zeit exponentiell ab und nähert sich asymptotisch dem Wert null.

Der Strom ist proportional zur noch vorhandenen Analytkonzentration. Da diese laufend sinkt, fällt der Strom nach \(I(t) = I_0 \cdot e^{-kt}\).

Aussage 4

Der Stromabfall in der potentiostatischen Coulometrie beruht darauf, dass der spezifische Widerstand der Lösung exponentiell zunimmt.

Ursache ist der Verbrauch des Analyten. Der spezifische Widerstand bleibt dank des Leitelektrolyten nahezu gleich.

Aussage 5

Eine Gerade durch den Ursprung im Diagramm Stromstärke gegen Konzentration ist das typische Kurvenbild der potentiostatischen Coulometrie.

Diese Ursprungsgerade beschreibt den Diffusionsgrenzstrom der Voltammetrie bzw. Amperometrie. Für die potentiostatische Coulometrie typisch ist ein exponentiell fallender Strom gegen die Zeit.

Aussage 6

In der Coulometrie dient die beim Umsatz des Analyten durch die Zelle geflossene elektrische Ladung als Messgröße.

Gemessen wird die Ladung \(Q\). Sie ist über das Faraday’sche Gesetz mit der umgesetzten Stoffmenge verknüpft.

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