Redoxtitrationen

Redoxpotential, Nernst-Gleichung und Spannungsreihe

Wie das Redoxpotential mit Konzentration und pH variiert und wie man aus der Spannungsreihe die Richtung einer Redoxreaktion abliest.

Prüfungsrelevanz: gut zu wissen ✓ gelesen
Das Wichtigste in Kürze5 Punkte
  • Das Redoxpotential beschreibt die Oxidationskraft eines Redoxpaars; geordnet nach dem Standardpotential ergeben die Paare die Spannungsreihe.
  • Nach der Nernst-Gleichung \(E = E^0 + \frac{0{,}059\,\text{V}}{z}\lg\frac{a_{Ox}}{a_{Red}}\) gilt \(E = E^0\) nur bei gleichen Konzentrationen beider Formen.
  • Überwiegt die reduzierte Form, liegt \(E\) unter \(E^0\); \(\ce{Mn^2+}\)-Zugabe senkt das Permanganatpotential.
  • Sind \(\ce{H+}\) an der Teilreaktion beteiligt, ist \(E\) pH-abhängig: Permanganat (8 \(\ce{H+}\) je 5 \(\ce{e-}\)) oxidiert im Sauren stärker, \(\ce{I3-}/\ce{I-}\) ist praktisch pH-unabhängig.
  • Im Eisen-Kupfer-Element ist Eisen die Anode und korrodiert, die Elektronen fließen zum Kupfer, wo sich Kupfer abscheidet.

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Worum es geht

Redoxtitrationen beruhen darauf, dass ein Redoxpaar Elektronen an ein anderes abgibt. Wie stark ein Paar oxidiert, beschreibt sein Potential. Die Nernst-Gleichung sagt, wie es sich mit Konzentration und pH ändert, und darauf baut die Wahl von Maßlösungen wie Permanganat oder Iod auf.

Redoxreaktionen und Redoxpaare

Bei der Oxidation gibt ein Teilchen Elektronen ab, bei der Reduktion nimmt es welche auf. Oxidierte und reduzierte Form bilden ein Redoxpaar, etwa \(\ce{Fe^3+}/\ce{Fe^2+}\). Das Redoxpotential \(E\) gibt an, wie stark das Paar Elektronen anzieht. Man misst es gegen eine Bezugselektrode.

Das Standardpotential \(E^0\) gilt, wenn alle Beteiligten die Aktivität 1 haben. Nach \(E^0\) geordnet ergeben die Paare die Spannungsreihe. Die oxidierte Form eines höheren Paares oxidiert die reduzierte Form eines tieferen, so etwa Permanganat das Iodid.

Vertikale Skala der Standardpotentiale von Fluor oben bis Zink unten mit Pfeilen für Oxidations- und Reduktionskraft.

Spannungsreihe: Die oxidierte Form eines höher stehenden Paares oxidiert die reduzierte Form eines tiefer stehenden.

Nernst-Gleichung

Das tatsächliche Potential hängt vom Verhältnis der beiden Formen ab. Streng gilt das für die Aktivitäten, in verdünnter Lösung rechnet man mit Konzentrationen. Für 25 °C gilt die Nernst-Gleichung:

🧮 Formelauswendig können

\[E = E^0 + \frac{0{,}059\,\text{V}}{z}\lg\frac{a_{Ox}}{a_{Red}}\]

Größe Bedeutung Einheit
\(E\) Redoxpotential V
\(E^0\) Standardpotential V
\(z\) übertragene Elektronen 1
\(a_{Ox}\), \(a_{Red}\) Aktivität von Ox- und Red-Form mol/L

Nur bei gleichen Konzentrationen wird der Logarithmus null und \(E = E^0\). Überwiegt die reduzierte Form, liegt \(E\) darunter. Mehr Permanganat erhöht daher das Potential von \(\ce{MnO4-}/\ce{Mn^2+}\), zugesetzte \(\ce{Mn^2+}\)-Ionen senken es. Die oxidierte Form steht immer im Zähler, sonst kippt das Vorzeichen.

  1. Gegeben: \(\ce{Fe^3+}/\ce{Fe^2+}\) mit \(E^0 = 0{,}77\) V und \(z = 1\), zu 80 % reduziert.
  2. Verhältnis: \(c_{Ox}/c_{Red} = 20/80 = 0{,}25\), also \(\lg 0{,}25 = -0{,}60\).
  3. Einsetzen: \(E = 0{,}77\ \text{V} - 0{,}059\ \text{V} \cdot 0{,}60 = 0{,}73\) V.

pH-Abhängigkeit

Stehen \(\ce{H+}\) oder \(\ce{OH-}\) in der Teilgleichung, gehen sie in die Nernst-Gleichung ein. Bei Permanganat kommen acht Protonen auf fünf Elektronen:

\[\ce{MnO4- + 8H+ + 5e- -> Mn^2+ + 4H2O}\]

\[E = E^0 + \frac{0{,}059\,\text{V}}{5}\lg\frac{c(\ce{MnO4-})\cdot c(\ce{H+})^8}{c(\ce{Mn^2+})}\]

Je pH-Einheit fällt \(E\) um \(0{,}059\ \text{V} \cdot 8/5 \approx 94\) mV. Permanganat oxidiert also umso stärker, je saurer die Lösung ist. Bei pH 3 ist sein Potential kleiner als bei pH 1. Allgemein bestimmt das Verhältnis Protonen zu Elektronen die Steigung.

Redoxpaar Protonen/Elektronen Änderung je pH
\(\ce{Cr2O7^2-}/\ce{Cr^3+}\) 14/6 −138 mV
\(\ce{MnO4-}/\ce{Mn^2+}\) 8/5 −94 mV
\(\ce{H2O2}/\ce{H2O}\) 2/2 −59 mV
\(\ce{I3-}/\ce{I-}\) 0 praktisch keine

Auch \(\ce{MnO2}/\ce{Mn^2+}\), Arsenat/Arsenit, \(\ce{NO3-}/\ce{NO}\), \(\ce{HCOO-}/\ce{HCHO}\), \(\ce{O2}/\ce{H2O2}\) und das Reduktionsmittel Ascorbinsäure sind pH-abhängig. Iod/Iodid im sauren Milieu und die Halogen/Halogenid-Paare wie \(\ce{Cl2}/\ce{Cl-}\) bleiben konstant, denn in \(\ce{I3- + 2e- -> 3I-}\) fehlen Protonen.

Liniendiagramm Potential gegen pH mit drei fallenden Geraden unterschiedlicher Steigung und einer waagerechten Linie für Iod/Iodid.

Je mehr Protonen pro Elektron, desto steiler fällt das Potential mit steigendem pH.

Galvanisches Element

Im galvanischen Element taucht Eisen in \(\ce{FeSO4}\)-Lösung, Kupfer in \(\ce{CuSO4}\)-Lösung. Eisen steht mit \(E^0 = -0{,}44\) V tiefer in der Spannungsreihe als Kupfer mit \(+0{,}34\) V. Es reduziert daher \(\ce{Cu^2+}\):

\[\ce{Fe + Cu^2+ -> Fe^2+ + Cu}\]

Das Eisen ist die Anode und wird oxidiert, es korrodiert. Die Elektronen fließen im äußeren Draht zum Kupfer, der Kathode. Dort werden \(\ce{Cu^2+}\)-Ionen reduziert und scheiden sich ab. Das Kupferblech korrodiert nicht. Ein Eisennagel in Kupfersulfatlösung überzieht sich ebenso mit Kupfer.

Galvanische Zelle mit Eisen- und Kupferhalbzelle, Salzbrücke und Elektronenfluss vom Eisen zum Kupfer.

Eisen-Kupfer-Element: Eisen wird an der Anode oxidiert, an der Kupferkathode scheidet sich Kupfer ab.

Quiz

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Aussage 1

Eine Permanganatlösung hat bei pH 3 ein höheres Redoxpotential als bei pH 1.

Da acht \(\ce{H+}\) an der Reduktion beteiligt sind, fällt das Potential mit steigendem pH um etwa 94 mV je Einheit. Bei pH 3 ist es also kleiner als bei pH 1.

Aussage 2

In einer galvanischen Eisen-Kupfer-Zelle ist das Eisenblech die Anode, und die Elektronen fließen im äußeren Leiter zum Kupferblech.

Eisen steht tiefer in der Spannungsreihe, wird oxidiert und korrodiert. Am Kupfer werden \(\ce{Cu^2+}\)-Ionen reduziert.

Aussage 3

Das Redoxpotential eines Paares stimmt mit seinem Standardpotential überein, wenn oxidierte und reduzierte Form in gleicher Konzentration vorliegen.

Dann ist der Quotient 1, sein Logarithmus null und nach der Nernst-Gleichung gilt \(E = E^0\).

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