Radiochemische Analytik

Radionuklide in Diagnostik und Therapie

Welche Radionuklide die PET, die γ-Szintigraphie und die α-Therapie nutzen und warum ihre Strahlungsart über den Einsatz entscheidet.

Prüfungsrelevanz: wichtig ✓ gelesen
Das Wichtigste in Kürze5 Punkte
  • Radionuklide dienen in der Nuklearmedizin der Bildgebung (PET, γ-Szintigraphie) oder der Therapie. Ihre Strahlungsart entscheidet über den Einsatz.
  • Bei der PET zerstrahlt ein Positron mit einem Elektron zu zwei entgegengesetzt fliegenden 511-keV-Quanten, die in Koinzidenz registriert werden.
  • \(\ce{^{18}F}\), \(\ce{^{11}C}\), \(\ce{^{13}N}\) und \(\ce{^{15}O}\) sind radioaktive Positronenstrahler für die PET. \(\ce{^{18}F}\) ist mit rund 110 min Halbwertszeit am wichtigsten.
  • \(\ce{^{99m}Tc}\) ist ein γ-Strahler (140 keV) für die γ-Szintigraphie. Es entsteht direkt aus \(\ce{^{99}Mo}\) und wird im Radionuklidgenerator als Pertechnetat eluiert.
  • \(\ce{^{224}Ra}\) ist ein α-Strahler für die α-Therapie und eignet sich nicht für die Szintigraphie.

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Worum es geht

Radiopharmaka machen Stoffwechselvorgänge im Körper von außen sichtbar oder zerstören gezielt krankes Gewebe. Welche Aufgabe ein Radionuklid übernehmen kann, hängt vor allem von seiner Strahlungsart ab. Ein Beispiel ist das Tumordiagnostikum [18F]FDG, das mit einem Positronenstrahler markiert ist.

Bildgebung mit Radionukliden

Für die Diagnostik muss die Strahlung den Körper verlassen, damit ein Detektor sie außen registriert. Das schaffen nur energiereiche Photonen. Zugleich soll die Strahlenbelastung gering bleiben. Diagnostische Nuklide haben deshalb eine kurze Halbwertszeit und möglichst keine Teilchenstrahlung, die nur Gewebe schädigt.

Die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) nutzt Positronenstrahler. Beim β⁺-Zerfall fliegt das Positron nur wenige Millimeter durchs Gewebe. Dann trifft es auf ein Elektron, und beide zerstrahlen vollständig (Annihilation):

\[\ce{e+ + e-} \rightarrow 2\,\gamma \quad (\text{je } 511\ \text{keV})\]

Die beiden Quanten fliegen in entgegengesetzte Richtungen. Ein Detektorring registriert sie in Koinzidenz, also gleichzeitig an zwei gegenüberliegenden Stellen. Der Zerfall liegt dann auf der Verbindungslinie. Aus vielen solchen Linien errechnet der Computer ein Schnittbild.

Schema eines Detektorrings um einen Körperquerschnitt, in dem ein Positron mit einem Elektron zu zwei gegenläufigen Gammaquanten zerstrahlt

PET-Prinzip: Das Positron zerstrahlt mit einem Elektron zu zwei entgegengesetzt fliegenden 511-keV-Quanten, die zwei Detektoren gleichzeitig registrieren.

Die γ-Szintigraphie arbeitet einfacher. Das Nuklid sendet selbst einzelne γ-Quanten aus. Eine γ-Kamera mit Szintillationskristall fängt sie auf und zeigt, wo sich das Radiopharmakon anreichert. Wie solche Detektoren funktionieren, steht unter Messgrößen und Detektoren.

A PET
  • Positronenstrahler (\(\beta^+\))
  • zwei gegenläufige 511-keV-Quanten
  • Koinzidenzmessung im Detektorring
  • Beispiel: \(\ce{^{18}F}\)
B γ-Szintigraphie
  • γ-Strahler
  • einzelne Photonen
  • γ-Kamera
  • Beispiel: \(\ce{^{99m}Tc}\)

In der Therapie gilt das Gegenteil. Die Strahlung soll ihre Energie auf kurzer Strecke im Zielgewebe abgeben. Dafür eignen sich α- und β⁻-Strahler.

PET-Nuklide

Für die PET kommen nur Positronenstrahler infrage. Die vier wichtigsten sind radioaktive Isotope von Elementen, die in organischen Molekülen ohnehin vorkommen. Man kann damit einen Arzneistoff oder ein Stoffwechselsubstrat markieren, ohne seine Chemie stark zu verändern. Alle entstehen im Zyklotron.

Nuklid Zerfall Halbwertszeit Tochternuklid
\(\ce{^{18}F}\) \(\beta^+\) ca. 110 min \(\ce{^{18}O}\)
\(\ce{^{11}C}\) \(\beta^+\) ca. 20 min \(\ce{^{11}B}\)
\(\ce{^{13}N}\) \(\beta^+\) ca. 10 min \(\ce{^{13}C}\)
\(\ce{^{15}O}\) \(\beta^+\) ca. 2 min \(\ce{^{15}N}\)

Beim β⁺-Zerfall wandelt sich ein Proton in ein Neutron um. Die Ordnungszahl sinkt um eins, die Massenzahl bleibt gleich:

\[\ce{^{18}_{9}F -> ^{18}_{8}O + e+} + \nu_e\]

Fluor-18 ist das wichtigste PET-Nuklid. Seine Halbwertszeit ist lang genug für Synthese, Qualitätskontrolle und Transport in eine andere Klinik. Kohlenstoff-11, Stickstoff-13 und Sauerstoff-15 zerfallen so schnell, dass man sie in der Nähe eines Zyklotrons herstellen und sofort einsetzen muss. Das bekannteste Präparat ist [18F]Fludesoxyglucose. Tumorzellen nehmen dieses Glucose-Analogon verstärkt auf. Seine Prüfung behandelt Radiopharmaka am Beispiel FDG.

🎯 Examensrelevant: Positronenstrahler der PET

Wird im Examen gerne gefragt: \(\ce{^{18}F}\), \(\ce{^{11}C}\), \(\ce{^{13}N}\) und \(\ce{^{15}O}\) sind radioaktive β⁺-Strahler und für die PET geeignet. Achte darauf, sie von den stabilen Isotopen \(\ce{^{19}F}\), \(\ce{^{12}C}\), \(\ce{^{13}C}\), \(\ce{^{14}N}\) und \(\ce{^{16}O}\) zu unterscheiden.

Technetium-99m

Technetium-99m ist das Standardnuklid der γ-Szintigraphie. Das „m“ steht für metastabil. Der Kern ist angeregt und gibt seine Energie als γ-Quant von 140 keV ab. Teilchenstrahlung entsteht dabei kaum. Mit einer Halbwertszeit von rund 6 h belastet es den Patienten wenig.

\[\ce{^{99m}_{43}Tc -> ^{99}_{43}Tc} + \gamma\]

\(\ce{^{99m}Tc}\) entsteht direkt durch β⁻-Zerfall von Molybdän-99, das eine Halbwertszeit von rund 66 h hat:

\[\ce{^{99}_{42}Mo -> ^{99m}_{43}Tc + e-} + \bar{\nu}_e\]

📖 Definition: Radionuklidgenerator

Ein Radionuklidgenerator enthält ein langlebiges Mutternuklid, aus dem laufend ein kurzlebiges Tochternuklid nachgebildet wird. Die Tochter lässt sich chemisch abtrennen, die Mutter bleibt zurück.

Im Technetium-Generator sitzt Molybdat fest an einer Säule aus Aluminiumoxid. Spült man mit isotonischer Kochsalzlösung, löst sich nur das entstandene Pertechnetat \(\ce{^{99m}TcO4-}\). Eine Bleiabschirmung umgibt die Säule. So steht \(\ce{^{99m}Tc}\) in der Klinik ohne eigenes Zyklotron zur Verfügung.

Schnittbild eines abgeschirmten Generators mit Säule, Elutionsmittel-Zulauf und Auffanggefäß

Radionuklidgenerator: \(\ce{^{99}Mo}\) bleibt auf der Säule, \(\ce{^{99m}TcO4-}\) wird mit Kochsalzlösung herausgewaschen.

Nach jeder Elution wächst \(\ce{^{99m}Tc}\) wieder nach. Der Generator gleicht einer Kuh, die man täglich melkt. Weil das Molybdän selbst abklingt, wird die Ausbeute von Tag zu Tag kleiner.

Diagramm mit fallender Molybdän-Aktivitätskurve und sägezahnartiger Technetium-Aktivität

Nach jeder Elution wächst \(\ce{^{99m}Tc}\) nach, begrenzt durch die abklingende Aktivität von \(\ce{^{99}Mo}\).

α-Strahler in der Therapie

α-Therapie nutzt Nuklide, die Heliumkerne aussenden. α-Teilchen geben ihre Energie auf weniger als 0,1 mm Gewebe ab. Sie zerstören also nur Zellen in unmittelbarer Nähe. Umliegendes Gewebe bleibt weitgehend verschont.

Radium-224 ist ein solcher α-Strahler mit einer Halbwertszeit von etwa 3,6 Tagen. Es zerfällt zu Radon-220:

\[\ce{^{224}_{88}Ra -> ^{220}_{86}Rn + ^{4}_{2}He}\]

Man setzt es in der Strahlentherapie ein, etwa bei Morbus Bechterew. Das verwandte Radium-223 behandelt Knochenmetastasen.

Für die γ-Szintigraphie ist \(\ce{^{224}Ra}\) ungeeignet. Seine Hauptstrahlung verlässt den Körper nicht und kann deshalb kein Bild liefern. Sie würde aber das Gewebe stark schädigen.

💡 Merke

Photonen nach außen dienen der Diagnostik, Teilchen mit kurzer Reichweite der Therapie: \(\ce{^{18}F}\) für die PET, \(\ce{^{99m}Tc}\) für die Szintigraphie, \(\ce{^{224}Ra}\) für die α-Therapie.

Quiz

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Aussage 1

Bei der PET entstehen pro Annihilation zwei 511-keV-Quanten, die in dieselbe Richtung fliegen.

Die beiden Quanten fliegen in entgegengesetzte Richtungen. Nur deshalb kann ein Detektorring den Zerfall auf ihrer Verbindungslinie orten.

Aussage 2

\(\ce{^{224}Ra}\) ist ein typisches Nuklid für die γ-Szintigraphie.

\(\ce{^{224}Ra}\) ist ein α-Strahler und wird in der α-Therapie genutzt. Seine α-Strahlung verlässt den Körper nicht und liefert kein Bild.

Aussage 3

Im Technetium-Generator bleibt Molybdat an Aluminiumoxid gebunden, während Pertechnetat mit Kochsalzlösung herausgewaschen wird.

Das Mutternuklid \(\ce{^{99}Mo}\) bleibt auf der Säule. Das Tochternuklid wird als \(\ce{^{99m}TcO4-}\) eluiert.

Aussage 4

\(\ce{^{99m}Tc}\) wird wegen seiner α-Strahlung in der Szintigraphie eingesetzt.

\(\ce{^{99m}Tc}\) ist ein γ-Strahler mit 140 keV. Gerade die γ-Quanten verlassen den Körper und erzeugen das Bild.

Aussage 5

\(\ce{^{13}N}\) und \(\ce{^{15}O}\) sind Positronenstrahler und lassen sich für die PET einsetzen.

Beide zerfallen unter β⁺-Emission. Wegen ihrer sehr kurzen Halbwertszeiten (ca. 10 bzw. 2 min) müssen sie nahe am Zyklotron hergestellt werden.

Aussage 6

\(\ce{^{18}F}\) eignet sich besser für den Transport in entfernte Kliniken als \(\ce{^{11}C}\), weil seine Halbwertszeit deutlich länger ist.

\(\ce{^{18}F}\) hat eine Halbwertszeit von etwa 110 min, \(\ce{^{11}C}\) nur von etwa 20 min.

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