NMR-Spektroskopie

Kopplungsmuster typischer Alkylgruppen

Wie man Ethyl-, n-Propyl-, Isopropyl- und Isobutylgruppen im ¹H-NMR-Spektrum an Multiplizität, Integral und gemeinsamer Kopplungskonstante erkennt.

Prüfungsrelevanz: sehr wichtig ✓ gelesen
Das Wichtigste in Kürze6 Punkte
  • Alkylgruppen erzeugen im ¹H-NMR feste Kopplungsmuster, die sich mit der n+1-Regel aus der Zahl der Nachbarprotonen ableiten.
  • Eine Ethylgruppe ergibt ein \(\ce{CH2}\)-Quartett und ein \(\ce{CH3}\)-Triplett mit gleicher Kopplungskonstante.
  • Diethylether zeigt nur ein Quartett bei ca. 3,4 ppm und ein Triplett bei ca. 1,2 ppm im Verhältnis 2:3.
  • Eine n-Propylgruppe ergibt ein 3H-Triplett, ein 2H-Sextett (Multiplett) und ein 2H-Triplett.
  • Eine Isopropylgruppe ergibt ein 6H-Dublett und ein 1H-Septett, eine Isobutylgruppe am Aromaten ein 6H-Dublett, ein 1H-Multiplett und ein 2H-Dublett.
  • Im Ibuprofen liefert die \(\ce{CH(CH3)COOH}\)-Einheit ein 3H-Dublett bei ca. 1,5 ppm und ein 1H-Quartett bei ca. 3,5 bis 3,7 ppm.

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Worum es geht

Alkylgruppen erzeugen im ¹H-NMR-Spektrum feste Kopplungsmuster, die man wie Fingerabdrücke wiedererkennt. Wer Triplett, Quartett, Dublett und Septett richtig deutet, kann Ester, Ether und Arzneistoffe wie Ibuprofen oder Primidon schnell einer Struktur zuordnen.

Ethyl- und n-Propylgruppe

Wie ein Signal aufspaltet, folgt aus der n+1-Regel. n äquivalente Nachbarprotonen am benachbarten Kohlenstoff machen aus einem Signal n+1 Linien. In der Ethylgruppe \(\ce{-CH2-CH3}\) wirkt diese Regel in beide Richtungen. Die \(\ce{CH3}\)-Protonen sehen die zwei Protonen der \(\ce{CH2}\)-Gruppe und erscheinen als Triplett (1:2:1). Die \(\ce{CH2}\)-Protonen sehen drei Methylprotonen und erscheinen als Quartett, auch Quadruplett genannt (1:3:3:1).

Beide Aufspaltungen gehen auf dieselbe vicinale Kopplung über drei Bindungen zurück. Deshalb ist der Linienabstand, die Kopplungskonstante J, in Triplett und Quartett gleich, typischerweise rund 7 Hz. Am gemeinsamen J erkennt man, welche Multipletts zusammengehören.

Aufspaltungsbaum: CH3-Signal wird zum Triplett, CH2-Signal zum Quartett, beide mit gleichem Abstand J

Aufspaltung in einer Ethylgruppe: Jede Gruppe spaltet nach der Zahl ihrer Nachbarn auf, der Linienabstand J ist in beiden Multipletts gleich.
🎯 Examensrelevant: Triplett-Quartett der Ethylgruppe

Die Ethylgruppe ist ein Examensklassiker: \(\ce{CH2}\) ergibt ein Quartett, \(\ce{CH3}\) ein Triplett, beide mit gleichem J. Zähle die Linien immer nach den Protonen der Nachbargruppe, nicht nach den eigenen. Das Quartett gehört deshalb zur \(\ce{CH2}\)-Gruppe.

Diethylether als Musterspektrum

Diethylether \(\ce{CH3CH2-O-CH2CH3}\) ist symmetrisch gebaut. Beide Ethylgruppen sind äquivalent und liefern zusammen nur zwei Signale. Das Quartett der \(\ce{OCH2}\)-Protonen liegt bei ca. 3,4 ppm, weil der Sauerstoff sie entschirmt. Das Triplett der \(\ce{CH3}\)-Gruppen liegt bei ca. 1,2 ppm.

Die Integrale stehen im Verhältnis 4:6, also 2:3. Ein Singulett oder Dublett taucht nicht auf. Zeigt ein Spektrum nur Quartett und Triplett im Verhältnis 2:3, passt es genau zu diesem Ether.

Spektrum mit Quartett bei 3,4 ppm und Triplett bei 1,2 ppm, Integralkurve im Verhältnis 2 zu 3

1H-NMR-Spektrum von Diethylether: Quartett der OCH2-Gruppen und Triplett der CH3-Gruppen im Verhältnis 2:3.

Ethylgruppen in Estern, Alkoholen und Arzneistoffen

In größeren Molekülen kommen die Signale der übrigen Bausteine hinzu. Das Triplett-Quartett-Muster bleibt erhalten. Entscheidend ist, ob die Nachbargruppen selbst koppelnde Protonen tragen.

Verbindung Signale der Ethylgruppe weitere Signale
Ethylacetat \(\ce{CH3COOCH2CH3}\) \(\ce{OCH2}\)-Quartett, \(\ce{CH3}\)-Triplett Singulett der Acetylgruppe
Propansäuremethylester \(\ce{CH3CH2COOCH3}\) \(\ce{CH2}\)-Quartett, \(\ce{CH3}\)-Triplett \(\ce{OCH3}\)-Singulett
Ethylpropanoat \(\ce{CH3CH2COOCH2CH3}\) zwei Ethylgruppen: \(\ce{OCH2}\)-Quartett ca. 4 ppm, \(\ce{C(O)CH2}\)-Quartett ca. 2,3 ppm zwei Tripletts
Malonsäurediethylester \(\ce{CH2(COOCH2CH3)2}\) Quartett (4H), Triplett (6H) Singulett (2H) der zentralen \(\ce{CH2}\)
Glutarsäurediethylester Quartett, Triplett Multipletts gekoppelter Kettenmethylene, kein Singulett
Butanon \(\ce{CH3COCH2CH3}\) \(\ce{CH2}\)-Quartett, Triplett der C-4-Methylgruppe Singulett der \(\ce{COCH3}\)
Ethanol \(\ce{CH3CH2OH}\) Quartett (2H), Triplett (3H) Singulett der OH

Ein Dublett oder Septett setzt eine CH-Einheit voraus. Diese Ester haben keine, ihre Spektren bleiben daher ohne Dublett. Ethanol, Ethylamin und Ethanthiol zeigen zusätzlich ein Signal der OH-, NH- bzw. SH-Protonen. Eine N-Ethylgruppe verhält sich wie jede andere Ethylgruppe.

Anders als Ethanol besitzt Methanol keine Ethylgruppe. Sein Spektrum zeigt nur \(\ce{CH3}\) und OH im Integralverhältnis 3:1 und kein Triplett-Quartett-Muster. Auch Paracetamol in \(\ce{D2O}\) liefert kein Triplett, denn seiner Acetylgruppe fehlen \(\ce{CH2}\)-Nachbarn.

Das Antiepileptikum Primidon trägt eine Ethylgruppe am quartären Ring-C. Sie ergibt ein \(\ce{CH2}\)-Quartett und ein \(\ce{CH3}\)-Triplett mit gleichem J.

⚠️ Achtung: Zwei Methylengruppen im Primidon

Das Quartett im Primidon-Spektrum gehört zur \(\ce{CH2}\) der Ethylgruppe. Die Ring-Methylengruppe zwischen den beiden NH-Gruppen hat keine Methylgruppe als Nachbarn, koppelt nicht mit der Ethylgruppe und erscheint nicht als Quartett.

n-Propylgruppe

In der n-Propylgruppe \(\ce{-CH2-CH2-CH3}\) sitzt eine weitere \(\ce{CH2}\)-Gruppe in der Mitte. Die endständige \(\ce{CH3}\)-Gruppe hat zwei Nachbarn und bleibt ein Triplett (3H) um 1 ppm, etwa in 1-Chlorpropan oder als C-3 von Propan-1-ol. Die mittlere \(\ce{CH2}\)-Gruppe hat 3 + 2 = 5 Nachbarn und wird zum Sextett (2H), oft nur als Multiplett aufgelöst. Die \(\ce{CH2}\)-Gruppe am Substituenten sieht zwei Nachbarn und erscheint als Triplett (2H).

Verzweigte Alkylgruppen

Verzweigungen verraten sich durch ein Dublett. Ein Dublett heißt: Die Protonen haben genau ein Nachbarproton, nebenan sitzt also eine CH-Einheit.

Isopropylgruppe

In \(\ce{-CH(CH3)2}\) sind beide Methylgruppen äquivalent. Ihre sechs Protonen koppeln mit dem einen Methin-H und ergeben ein intensives Dublett (6H). Das Methin-H sieht sechs Nachbarn und spaltet zum Septett (1H) auf. Das Dublett entsteht also durch Kopplung mit dem CH und nicht durch Kopplung diastereotoper Protonen. Ein einfaches Beispiel ist 2-Chlorpropan mit Methyl-Dublett und CH-Septett.

Das Paar aus 6H-Dublett und 1H-Septett wird im Examen gerne gefragt. Achte dabei auf das Integralverhältnis 6:1, es kennzeichnet die Isopropylgruppe eindeutig. Im Propofol tragen zwei Isopropylgruppen den Phenolring. Ihre Methin-H erscheinen als Septett, das Singulett bei 4,75 ppm stammt dagegen von der phenolischen OH-Gruppe.

Isobutylgruppe und CH(CH3)-Einheit

Die Isobutylgruppe \(\ce{-CH2-CH(CH3)2}\) am Aromaten verlängert die Isopropylgruppe um eine benzylische \(\ce{CH2}\). Die Methylgruppen bilden wieder ein Dublett (6H). Die benzylische \(\ce{CH2}\) koppelt nur mit dem Methin-H und erscheint als Dublett (2H). Das Methin-H hat acht Nachbarn und zeigt ein Multiplett (1H).

Die Einheit \(\ce{CH(CH3)COOH}\) am Aromaten liefert das umgekehrte Bild der Ethylgruppe. Die Methylgruppe sieht nur ein H und wird zum Dublett (3H). Das Methin-H sieht drei Methylprotonen und wird zum Quartett (1H). Dasselbe Paar aus Dublett und Quartett zeigt 2-Methoxypropansäure.

Ibuprofen vereint beide Bausteine. Die Isobutyl-Methylgruppen liegen als 6H-Dublett bei ca. 0,9 ppm, das Isobutyl-Methin-H als Multiplett bei ca. 1,8 ppm. Die benzylische \(\ce{CH2}\) gibt ein Dublett bei ca. 2,45 ppm. Die α-Methylgruppe der Propionsäure erscheint als Dublett bei ca. 1,5 ppm. Das Methin-H zwischen Aromat und Carboxygruppe ist doppelt entschirmt und erscheint als Quartett bei ca. 3,5 bis 3,7 ppm.

Strukturformel von Ibuprofen mit Signalzuordnung der aliphatischen Protonen

Ibuprofen: Isobutylgruppe (6H-Dublett, 1H-Multiplett, 2H-Dublett) und CH(CH3)COOH-Gruppe (3H-Dublett, 1H-Quartett).

Vom Spektrum zur Alkylgruppe

Mit vier Schritten lässt sich jedes dieser Muster einer Gruppe zuordnen.

  1. Integrale lesen: Jedes Signal bekommt seine Protonenzahl, siehe Integration.
  2. Nachbarn zählen: Aus der Linienzahl folgt n = Linien − 1 Nachbarprotonen.
  3. Partner verbinden: Multipletts mit gleichem J koppeln miteinander.
  4. Muster erkennen: Quartett 2H mit Triplett 3H ist Ethyl, Septett 1H mit Dublett 6H ist Isopropyl, Quartett 1H mit Dublett 3H ist \(\ce{CH(CH3)}\), Dublett 6H mit Multiplett 1H und Dublett 2H ist Isobutyl.

Quiz

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Aussage 1

Im Primidon erscheint die Ring-Methylengruppe zwischen den beiden NH-Gruppen als Quartett, weil sie mit der Ethylgruppe koppelt.

Diese Ring-\(\ce{CH2}\) hat keine Methylgruppe als Nachbarn und koppelt nicht mit der Ethylgruppe. Das Quartett stammt von der \(\ce{CH2}\) der Ethylgruppe.

Aussage 2

Triplett und Quartett einer Ethylgruppe zeigen denselben Linienabstand J.

Beide Aufspaltungen beruhen auf derselben vicinalen Kopplung zwischen \(\ce{CH2}\) und \(\ce{CH3}\), deshalb ist J gleich.

Aussage 3

Malonsäurediethylester zeigt im ¹H-NMR-Spektrum ein Quartett (4H), ein Singulett (2H) und ein Triplett (6H).

Die zwei Ethylgruppen geben Quartett und Triplett, die zentrale \(\ce{CH2}\) zwischen den Carbonylgruppen hat keine koppelnden Nachbarn und bleibt ein Singulett.

Aussage 4

Ein Septett mit dem Integral 1H zusammen mit einem Dublett mit dem Integral 6H weist auf eine Isopropylgruppe hin.

Das Methin-H sieht sechs Methylprotonen (Septett), die sechs äquivalenten Methylprotonen sehen ein H (Dublett).

Aussage 5

Im ¹H-NMR-Spektrum von Ibuprofen erscheint die benzylische \(\ce{CH2}\)-Gruppe der Isobutylkette als Quartett bei ca. 3,7 ppm.

Die benzylische \(\ce{CH2}\) koppelt nur mit dem Methin-H und erscheint als Dublett bei ca. 2,45 ppm. Das Quartett bei ca. 3,5 bis 3,7 ppm gehört zum Methin-H der \(\ce{CH(CH3)COOH}\)-Gruppe.

Aussage 6

Ein ¹H-NMR-Spektrum mit einem Quartett bei ca. 3,4 ppm und einem Triplett bei ca. 1,2 ppm im Integralverhältnis 2:3 und ohne weitere Signale passt zu Diethylether.

Die beiden äquivalenten Ethylgruppen liefern genau diese Signale: \(\ce{OCH2}\)-Quartett und \(\ce{CH3}\)-Triplett im Verhältnis 4:6.

Aussage 7

Die Methylgruppe einer Ethylgruppe erscheint als Quartett, weil sie selbst drei Protonen trägt.

Die Multiplizität richtet sich nach den Nachbarprotonen. Die \(\ce{CH3}\)-Gruppe hat zwei Nachbarn und erscheint als Triplett, das Quartett gehört zur \(\ce{CH2}\)-Gruppe.

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