Anorganische Bestandteile

Pseudohalogenide: Cyanid und Thiocyanat

Wie man Cyanid und Thiocyanat über Eisen- und Silberreaktionen nachweist und sicher auseinanderhält.

Prüfungsrelevanz: gut zu wissen ✓ gelesen
Das Wichtigste in Kürze5 Punkte
  • Cyanid und Thiocyanat sind Pseudohalogenide, die man über Eisen- und Silberreaktionen nachweist und unterscheidet.
  • Cyanid bildet mit \(\ce{Fe^2+}\) alkalisch Hexacyanoferrat(II), das nach Ansäuern mit \(\ce{Fe^3+}\) Berliner Blau ergibt.
  • Ammoniumpolysulfid oder erhitztes Thiosulfat überführt Cyanid in Thiocyanat, das mit \(\ce{Fe^3+}\) rot reagiert.
  • \(\ce{AgCN}\) ist weiß und löst sich in Ammoniak und im Cyanidüberschuss.
  • Thiocyanat gibt mit \(\ce{Fe^3+}\) schwach sauer ein rotes, etherlösliches Produkt, mit \(\ce{CoCl2}\) ein blaues und mit \(\ce{CuSO4}\)/\(\ce{H2SO3}\) weißes \(\ce{CuSCN}\).

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Worum es geht

Cyanid \(\ce{CN-}\) und Thiocyanat \(\ce{SCN-}\) verhalten sich ähnlich wie Halogenide und heißen deshalb Pseudohalogenide. Beide fällen mit Silbernitrat weiße Salze. Sicher unterscheiden lassen sie sich über Eisenreaktionen.

Nachweis Reagenz und Bedingungen Beobachtung
Cyanid als Berliner Blau \(\ce{Fe^2+}\) alkalisch, dann ansäuern, \(\ce{Fe^3+}\) tiefblauer Niederschlag
Silbercyanid \(\ce{AgNO3}\), neutral oder schwach salpetersauer weiß, löslich in \(\ce{NH3}\) und \(\ce{CN-}\)-Überschuss
Cyanid über Thiocyanat Ammoniumpolysulfid, dann \(\ce{Fe^3+}\) sauer Rotfärbung
Thiocyanat mit Eisen(III) \(\ce{FeCl3}\), schwach sauer rot, mit Ether ausschüttelbar
Thiocyanat mit Cobalt \(\ce{CoCl2}\), neutral blau, in Amylalkohol/Ether löslich
Thiocyanat mit Kupfer \(\ce{CuSO4}\) und \(\ce{H2SO3}\) weißes \(\ce{CuSCN}\)
Silberthiocyanat \(\ce{AgNO3}\), salpetersauer weißes \(\ce{AgSCN}\), bleibt weiß

Cyanid über Eisenkomplexe

Cyanid selbst ist farblos. Man baut es daher in einen farbigen Eisenkomplex ein. In alkalischer Lösung bindet \(\ce{Fe^2+}\) sechs Cyanid-Ionen zu Hexacyanoferrat(II).

\[\ce{Fe^2+ + 6 CN- -> [Fe(CN)6]^4-}\]

Nach dem Ansäuern gibt man \(\ce{Fe^3+}\) zu. Es fällt tiefblaues Berliner Blau aus. In seinem Gitter verbinden \(\ce{C#N}\)-Brücken Fe(II) und Fe(III). Die intensive Farbe entsteht durch Elektronenübergänge zwischen beiden Oxidationsstufen.

\[\ce{4 Fe^3+ + 3 [Fe(CN)6]^4- -> Fe4[Fe(CN)6]3 v}\]

Reaktionsschema vom Cyanid über Hexacyanoferrat(II) zum blauen Berliner-Blau-Niederschlag mit Gitterausschnitt.

Vom Cyanid zum Berliner Blau: erst alkalisch mit Fe(II), dann sauer mit Fe(III).

Der zweite Weg führt über Thiocyanat. Ammoniumpolysulfid überträgt ein Schwefelatom auf Cyanid. Auch beim Erhitzen mit Thiosulfat entsteht Thiocyanat. Anschließend weist man es sauer mit \(\ce{Fe^3+}\) als Rotfärbung nach.

\[\ce{CN- + S2^2- -> SCN- + S^2-}\]

Das blaue, ausschüttelbare Cobaltprodukt gehört übrigens zum Thiocyanat, nicht zum Cyanid.

Silbercyanid

Silber bildet mit Cyanid ein schwerlösliches Salz. Man fällt mit \(\ce{AgNO3}\) in neutraler oder schwach salpetersaurer Lösung. Es entsteht ein weißer Niederschlag von \(\ce{AgCN}\), kein gelber.

\[\ce{Ag+ + CN- -> AgCN v}\]

Der Niederschlag löst sich in Ammoniak und im Cyanidüberschuss, weil lösliche Komplexe entstehen.

\[\ce{AgCN + CN- -> [Ag(CN)2]-}\]

Blausäure ist in Wasser eine schwache Säure. Beim Ansäuern entsteht daher giftiges \(\ce{HCN}\), das man nicht einatmen darf.

Auch Hexacyanoferrate fällen Silber. Ihre Silbersalze unterscheiden sich in Ammoniak: \(\ce{Ag3[Fe(CN)6]}\) löst sich, \(\ce{Ag4[Fe(CN)6]}\) bleibt ungelöst.

⚠️ Achtung: Silberfällung neben Thiocyanat

Thiocyanat fällt ebenfalls weiß aus. Neben Cyanid lässt es sich deshalb mit überschüssigem \(\ce{AgNO3}\) nicht nachweisen; hier entscheidet die Eisen(III)-Reaktion.

Thiocyanat

Mit \(\ce{FeCl3}\) gibt Thiocyanat in schwach saurer Lösung eine rote Färbung. Der Eisen(III)-thiocyanat-Komplex lässt sich mit Ether ausschütteln, das Rot wandert in die organische Phase.

\[\ce{Fe^3+ + 3 SCN- <=> [Fe(SCN)3]}\]

Thiosulfat färbt \(\ce{FeCl3}\) dagegen nur kurzzeitig rotviolett, weil es Eisen(III) rasch reduziert.

Mit \(\ce{CoCl2}\) entsteht in neutraler Lösung ein blaues Produkt, löslich in Amylalkohol/Ether. \(\ce{CuSO4}\) fällt in Gegenwart von Schwefliger Säure weißes \(\ce{CuSCN}\), denn \(\ce{H2SO3}\) reduziert Kupfer(II).

\[\ce{2 Cu^2+ + 2 SCN- + H2SO3 + H2O -> 2 CuSCN v + SO4^2- + 4 H+}\]

Mit überschüssigem \(\ce{AgNO3}\) fällt in salpetersaurer Lösung weißes \(\ce{AgSCN}\). Es zersetzt sich nicht zu Schwarz, anders als Silberthiosulfat. Im Thiocyanatüberschuss bildet Silber einen löslichen Komplex.

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Aussage 1

Für den Berliner-Blau-Nachweis setzt man Cyanid zuerst in saurer Lösung mit \(\ce{Fe^3+}\) um und macht danach alkalisch.

Umgekehrt: Zuerst entsteht alkalisch mit \(\ce{Fe^2+}\) Hexacyanoferrat(II), erst nach dem Ansäuern fällt mit \(\ce{Fe^3+}\) Berliner Blau.

Aussage 2

Der aus Cyanid und Silbernitrat entstehende weiße Niederschlag löst sich in Ammoniak-Lösung.

\(\ce{AgCN}\) ist weiß und löst sich in Ammoniak sowie im Cyanidüberschuss unter Komplexbildung.

Aussage 3

Thiocyanat bildet mit Eisen(III)-chlorid in schwach saurer Lösung ein rotes Produkt, das sich mit Ether extrahieren lässt.

Der Eisen(III)-thiocyanat-Komplex ist rot und lässt sich mit Ether ausschütteln.

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