Hydrohalogenide: Quecksilberacetat und Ameisensäure
Wie man Hydrochloride und andere Salze organischer Basen nichtwässrig mit Perchlorsäure titriert und warum Quecksilber(II)-acetat oder Ameisensäure/Acetanhydrid dabei nötig sind.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Quecksilberacetat-Methode bindet Chlorid als \(\ce{HgCl2}\) und setzt äquivalent Acetat frei, das in Eisessig mit Perchlorsäure titriert wird.
- Hydrogentartrate wie Cholin- und Epinephrinhydrogentartrat brauchen keinen Zusatz, sie werden zu Weinsäure protoniert.
- In Ameisensäure/Acetanhydrid werden Chlorid und Nitrat als Basen mittitriert, angezeigt potentiometrisch.
- Thiaminchloridhydrochlorid und Thiaminnitrat verbrauchen je 2 Äquivalente Perchlorsäure.
- Ephedrinhydrochlorid titriert man in Eisessig/Acetanhydrid potentiometrisch, in reinem Eisessig gegen Kristallviolett ist es zu unpräzise.
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Worum es geht
Viele Arzneistoffe liegen als Hydrochlorid vor, etwa Clonidin oder Ephedrin. In wasserfreier Essigsäure ist Chlorid aber eine so schwache Base, dass es die Titration mit Perchlorsäure stört. Zusätze oder ein anderes Lösungsmittel lösen dieses Problem.
Quecksilber(II)-acetat
Bei der Quecksilberacetat-Methode gibt man Quecksilber(II)-acetat zur Lösung des Hydrochlorids in Eisessig. Es bindet das Chlorid als kaum dissoziiertes \(\ce{HgCl2}\) (Dissoziation in Eisessig). Dafür entsteht die äquivalente Menge Acetat:
\[\ce{2 Cl- + Hg(CH3COO)2 -> HgCl2 + 2 CH3COO-}\]
Acetat ist in Eisessig eine gut titrierbare Base. Man titriert es mit 0,1 M Perchlorsäure, meist gegen Kristallviolett:
\[\ce{CH3COO- + HClO4 -> CH3COOH + ClO4-}\]
So bestimmt man Alkaloidhydrochloride, Clonidin-, Bromhexin- und Argininhydrochlorid sowie Ammoniumchlorid. Arginin geht auch ohne Zusatz, denn seine Carboxylatgruppe wird selbst als Base erfasst.
Hydrogentartrate wie Cholin- und Epinephrinhydrogentartrat brauchen kein Quecksilberacetat. Perchlorsäure protoniert das Hydrogentartrat direkt zu undissoziierter Weinsäure.
Ameisensäure/Acetanhydrid
Ohne Quecksilber kommt man in einer Mischung aus wasserfreier Ameisensäure und Acetanhydrid aus. Dort verhalten sich Chlorid und Nitrat als Basen und werden mit Perchlorsäure mittitriert. Den Endpunkt zeigt man potentiometrisch an.
Beispiele sind Clonidin- und Valinhydrochlorid sowie Bromhexinhydrochlorid nach Erwärmen. Lysinhydrochlorid löst man in Ameisensäure und Essigsäure. Titriert wird jeweils mit Perchlorsäure in Eisessig.
Für die Äquivalentzahl zählst du jedes Chlorid- oder Nitrat-Ion und jedes noch freie basische Zentrum. Ein bereits protoniertes Zentrum zählt über sein Gegenion. Der quartäre Thiazolium-Stickstoff des Thiamins ist keine Base.
Wird im Examen gerne gefragt: Thiaminchloridhydrochlorid und Thiaminnitrat verbrauchen beide 2 Äquivalente Perchlorsäure. Beim Hydrochlorid sind es die zwei Chloride, beim Nitrat das Nitrat plus die Pyrimidin-Aminogruppe.
Acetanhydrid und Eisessig
Auch reines Acetanhydrid oder ein Gemisch aus Eisessig und Acetanhydrid erlaubt die Titration ohne Quecksilberzusatz. Clonidinhydrochlorid titriert man so in Acetanhydrid, Ephedrinhydrochlorid in Acetanhydrid oder Eisessig/Acetanhydrid. Die Indikation erfolgt jeweils potentiometrisch.
Ephedrinhydrochlorid in reinem Eisessig gegen Kristallviolett zu titrieren, ist nicht ausreichend präzise. Der Farbumschlag ist zu unscharf.
Quiz
Aussage 1
Cholinhydrogentartrat lässt sich in Eisessig nur nach Zusatz von Quecksilber(II)-acetat mit Perchlorsäure bestimmen.
Hydrogentartrate brauchen keinen Zusatz, Perchlorsäure protoniert sie direkt zu Weinsäure.
Aussage 2
Ephedrinhydrochlorid kann in Eisessig/Acetanhydrid mit Perchlorsäure unter potentiometrischer Indikation titriert werden.
Potentiometrisch in Acetanhydrid oder Eisessig/Acetanhydrid gelingt es, in reinem Eisessig gegen Kristallviolett nicht präzise genug.
Aussage 3
Thiaminnitrat verbraucht in Ameisensäure/Acetanhydrid 2 Äquivalente Perchlorsäure.
Titriert werden das Nitrat-Ion und die freie Pyrimidin-Aminogruppe.
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