Wärmelehre

Thermoelement: Aufbau, Thermospannung und Messung

Wie zwei verschiedene Metalldrähte eine temperaturabhängige Spannung liefern und wie man daraus die Temperatur an der Messstelle berechnet.

Prüfungsrelevanz: relevant ✓ gelesen
Das Wichtigste in Kürze5 Punkte
  • Ein Thermoelement besteht aus zwei Drähten verschiedener Metalle und liefert bei einer Temperaturdifferenz der Kontaktstellen selbst eine Thermospannung, ohne äußere Spannungsquelle.
  • Messgröße ist eine Spannung. Ausdehnung oder Widerstandsänderung spielen anders als bei Flüssigkeits- oder Widerstandsthermometern keine Rolle.
  • Die Thermospannung ist proportional zur Temperaturdifferenz zwischen Mess- und Vergleichsstelle: \(U = k \cdot \Delta T\).
  • Die Thermokraft \(k\) hängt von der Materialkombination ab, etwa rund 50 µV/K bei Eisen-Konstantan.
  • Die Messtemperatur ergibt sich aus \(\Delta T = U/k\) plus der Temperatur der Vergleichsstelle, meist 0 °C im Eiswasser.

Dieses Kapitel ist für Supporter

Relaxed ins Stex ist ein kleines, unabhängiges Projekt. Mit einem Zugang unterstützt du uns und schaltest das ganze 1. Staatsexamen frei. ❤️

Zugang freischalten

Bitte bestätige zuerst deine E-Mail-Adresse

Wir haben dir einen Link geschickt. Erst mit bestätigter E-Mail-Adresse kannst du einen Zugang freischalten und nutzen.

Zum Konto

Worum es geht

Das Thermoelement ist ein elektrischer Temperaturfühler. Es liefert seine Messgröße selbst, robust und über einen sehr weiten Temperaturbereich. Deshalb findet man es in Öfen, Trockenschränken und Kalorimetern.

Aufbau und Prinzip

Ein Thermoelement besteht aus zwei Drähten aus unterschiedlichen Metallen, etwa Eisen und Konstantan. Die Drähte sind an ihren Enden verbunden, meist verlötet oder verschweißt. Hat eine Kontaktstelle eine andere Temperatur als die andere, entsteht zwischen den freien Drahtenden eine elektrische Spannung, die Thermospannung.

Diese Spannung erzeugt das Thermoelement selbst. Es braucht deshalb keine äußere Spannungsquelle. Gemessen wird die Spannung mit einem hochohmigen Voltmeter, sodass praktisch kein Strom fließt. Die Messgröße ist also die Spannung und nicht ein Strom.

Das Prinzip unterscheidet sich klar von anderen Thermometern. Flüssigkeitsthermometer und Bimetall nutzen die Ausdehnung eines Stoffes. Das Widerstandsthermometer misst, wie sich der Widerstand eines Metalls mit der Temperatur ändert. Beim Thermoelement zählt dagegen nur die Spannung an der Kontaktstelle zweier Metalle.

Auch mit einer galvanischen Zelle hat es nichts zu tun, denn es läuft keine Redoxreaktion ab. Thermoelemente arbeiten weit unter und weit über Raumtemperatur. Weil sie klein sind und schnell ansprechen, setzt man sie auch in der Kalorimetrie ein.

Thermospannung und Temperaturdifferenz

Die beiden Kontaktstellen haben Namen. Die Messstelle sitzt dort, wo die unbekannte Temperatur herrscht. Die Vergleichsstelle wird auf einer bekannten Temperatur gehalten. Die Thermospannung hängt allein von der Temperaturdifferenz zwischen beiden ab. In einem weiten Bereich ist sie dazu proportional.

🧮 Formelauswendig können

\[U = k \cdot \Delta T = k \cdot (T_\mathrm{M} - T_\mathrm{V})\]

\(U\) Thermospannung in V, \(k\) Thermokraft in V/K (meist µV/K), \(T_\mathrm{M}\) und \(T_\mathrm{V}\) Temperatur von Mess- und Vergleichsstelle.

Der Proportionalitätsfaktor \(k\) heißt Thermokraft. Er hängt von der Materialkombination ab. Ein Eisen-Konstantan-Element (Typ J) liefert rund 50 µV/K, ein Element aus Platinrhodium und Platin nur wenige µV/K. Bei gleicher Temperaturdifferenz geben verschiedene Metallpaare also verschieden große Spannungen. Im Diagramm erscheint das als Ursprungsgeraden mit unterschiedlicher Steigung. Ist die Messstelle kälter als die Vergleichsstelle, kehrt sich das Vorzeichen der Spannung um.

Diagramm mit zwei unterschiedlich steilen Geraden durch den Ursprung, Spannung über Temperaturdifferenz.

Die Thermospannung wächst linear mit \(\Delta T\); die Steigung ist die Thermokraft \(k\) und hängt vom Metallpaar ab.

Das Thermoelement funktioniert wie eine Waage, die nur den Unterschied zweier Gewichte anzeigt. Sind beide Stellen gleich warm, ist \(U = 0\), egal ob bei 20 °C oder 500 °C. Da es um Differenzen geht, sind 1 K und 1 °C gleich groß (Temperaturskalen).

🎯 Examensrelevant: Nur Temperaturdifferenz

Wird im Examen gerne gefragt: Ein Thermoelement misst nur die Temperaturdifferenz zwischen seinen Kontaktstellen, \(U = k \cdot \Delta T\). Die absolute Temperatur der Messstelle kennt man erst, wenn die Temperatur der Vergleichsstelle bekannt ist.

Berechnung der Messtemperatur

Für eine definierte Vergleichstemperatur taucht man die Vergleichsstelle meist in Eiswasser. Dort herrschen zuverlässig 0 °C. Die Messstelle steckt etwa in einem Ofen, das Voltmeter liegt in einem der Drähte.

Zwei Drähte aus verschiedenen Metallen, eine Verbindungsstelle im Ofen, die andere in Eiswasser, dazwischen ein Spannungsmessgerät.

Thermoelement mit Messstelle im Ofen und Vergleichsstelle im Eiswasser; das Voltmeter zeigt die Thermospannung \(U = k \cdot \Delta T\).

Die Rechnung folgt immer demselben Weg:

  1. Einheiten angleichen: \(U\) und \(k\) in passende Einheiten bringen, etwa beide in µV bzw. µV/K.
  2. Differenz berechnen: \(\Delta T = U / k\) ergibt die Temperaturdifferenz in K.
  3. Vergleichstemperatur addieren: \(T_\mathrm{M} = T_\mathrm{V} + \Delta T\), angegeben in °C.

Ein Beispiel: Ein Thermoelement mit \(k = 40\) µV/K zeigt 6,0 mV an, die Vergleichsstelle liegt in Eiswasser. Mit 6,0 mV = 6000 µV folgt \(\Delta T = 6000 / 40 = 150\) K. Die Ofentemperatur beträgt also 0 °C + 150 K = 150 °C. Läge die Vergleichsstelle bei 20 °C, wären es 170 °C.

⚠️ Achtung: Milli und Mikro

Die Spannung ist oft in mV angegeben, die Thermokraft in µV/K. Wer nicht umrechnet, liegt um den Faktor 1000 daneben.

Quiz

Teste dich mit 4 Karten
richtig oder falsch iWarum nur Aussagen? Fragen mit fünf Antworten löst man am sichersten, indem man jede Aussage einzeln bewertet: ✓✓ sicher richtig, ✓ eher richtig, 0 unsicher, ✗ eher falsch, ✗✗ sicher falsch. Mit dem Ausschlussprinzip ergibt sich daraus die Lösung. Dieses einzelne Bewerten ist der wichtigste Handgriff fürs Examen, und genau den übst du hier.

Aussage 1

Zwei Thermoelemente aus unterschiedlichen Metallpaaren liefern bei derselben Temperaturdifferenz in der Regel unterschiedliche Thermospannungen.

Die Thermokraft \(k\) hängt von der Materialkombination ab. Bei gleichem \(\Delta T\) ergibt sich deshalb ein anderes \(U = k \cdot \Delta T\).

Aussage 2

Ein Thermoelement mit der Thermokraft 50 µV/K zeigt 10 mV an; mit der Vergleichsstelle in Eiswasser beträgt die Messtemperatur 200 °C.

\(\Delta T = 10\,000\) µV / 50 µV/K = 200 K. Addiert zu 0 °C ergibt das 200 °C.

Aussage 3

Ein Thermoelement benötigt zum Betrieb eine äußere Spannungsquelle, deren Spannung sich mit der Temperatur ändert.

Das Thermoelement erzeugt die Thermospannung selbst an der Kontaktstelle der beiden Metalle. Eine äußere Quelle ist nicht nötig.

Aussage 4

Befinden sich Mess- und Vergleichsstelle beide bei 80 °C, zeigt das Voltmeter eine Spannung, die 80 °C entspricht.

Das Thermoelement misst nur die Temperaturdifferenz. Bei \(\Delta T = 0\) ist auch die Thermospannung null.

Fehler entdeckt oder eine Idee? Wir verbessern die Inhalte laufend. Melde es uns gerne über dieses Formular ❤️

Teile der Inhalte wurden mithilfe von KI-Systemen erstellt und werden fortlaufend redaktionell geprüft. Trotz Sorgfalt können Fehler enthalten sein. Wichtige Informationen bitte anhand offizieller Quellen prüfen. Relaxed ins Stex ist ein unabhängiges Angebot und steht in keiner Kooperation mit dem IMPP. Das Angebot ist weder vom IMPP autorisiert noch mit diesem verbunden.

Zurück nach oben