Dosierverfahren für Suppositorien
Wie man die Grundmasse für Suppositorien über Verdrängungsfaktor und Mehransatz berechnet, Dividierverordnungen auslegt und nach Münzel über das Formvolumen dosiert.
Das Wichtigste in Kürze
- Dosierverfahren für Suppositorien sorgen dafür, dass jedes gegossene Zäpfchen die verordnete Wirkstoffmenge enthält: rechnerisch über den Verdrängungsfaktor oder volumetrisch nach Münzel.
- Die Grundmasse ergibt sich aus \(M = n \cdot \bar{E} - f \cdot m_{W,ges}\) mit Eichwert und Verdrängungsfaktor.
- Der Mehransatz (mindestens ein Zäpfchen, üblich zwei bei zehn) geht in \(n\) ein und damit in Grundmasse- und Wirkstoffberechnung.
- Bei „div. in part. aeq. No. X“ ist die angegebene Menge die Gesamtmenge, verteilt auf zehn Zäpfchen.
- Nach Münzel setzt man Mengen für \(n+1\) Zäpfchen an, schmilzt zweimal und braucht weder Eichwert noch Verdrängungsfaktor.
- Nach dem ersten Ausgießen muss bei Münzel der gesamte Arzneistoff in der Form und jeder Kanal randvoll sein.
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Worum es geht
Bei Rezeptursuppositorien muss jedes Zäpfchen die verordnete Wirkstoffmenge enthalten, obwohl man die ganze Masse in eine Form gießt. Dahin führen zwei Wege. Man berechnet die Grundmasse vorab über den Verdrängungsfaktor, oder man lässt nach Münzel das Volumen der Form dosieren.
Verdrängungsfaktor-Verfahren
Das Verdrängungsfaktor-Verfahren berechnet vorab, wie viel Grundmasse man einwiegen muss. Es eignet sich zum Beispiel für Hartfett-Suppositorien. Dafür braucht man zwei Kenngrößen aus Gießverfahren und Verdrängungsfaktor. Das sind der Eichwert \(\bar{E}\) der Form, also die Masse eines Zäpfchens aus reiner Grundmasse, und der Verdrängungsfaktor \(f\) des Wirkstoffs.
Der Wirkstoff besetzt im Gießkanal Platz, der sonst mit Grundmasse gefüllt wäre. Enthält ein Zäpfchen die Wirkstoffmasse \(m_W\), fehlt ihm deshalb die Grundmasse \(f \cdot m_W\). Für ein einzelnes Zäpfchen gilt also \(M = \bar{E} - f \cdot m_W\).
Für den ganzen Ansatz multipliziert man mit der Stückzahl.
\[M = n \cdot \bar{E} - f \cdot m_{W,ges} = n \cdot (\bar{E} - f \cdot m_W)\]
\(M\): benötigte Grundmasse in g, \(n\): Zäpfchenzahl einschließlich Mehransatz, \(\bar{E}\): Eichwert in g, \(f\): Verdrängungsfaktor (ohne Einheit), \(m_{W,ges}\): gesamte Wirkstoffmasse in g.
Mehransatz
Beim Gießen bleibt immer Masse im Becherglas, am Spatel und am Ausguss hängen. Man setzt deshalb mehr an als verordnet. Dieser Mehransatz beträgt mindestens ein Zäpfchen, üblich sind zwei zusätzliche bei zehn Stück. Er zählt zur Stückzahl \(n\) und gilt damit für Grundmasse und Wirkstoff. Manche Vorschriften drücken den Zuschlag als Faktor aus, etwa 1,1 für 10 %, mit dem man das Ergebnis multipliziert. Das Prinzip bleibt gleich.
Rechenweg
Verordnet sind zehn Zäpfchen mit je 0,2 g Wirkstoff. Die Form hat den Eichwert 2,0 g, der Wirkstoff den Verdrängungsfaktor 0,7.
- Stückzahl festlegen: 10 verordnete plus 2 Mehransatz ergibt \(n = 12\).
- Wirkstoff berechnen: \(12 \cdot 0{,}2\ \mathrm{g} = 2{,}4\ \mathrm{g}\).
- Masse reiner Grundmasse: \(12 \cdot 2{,}0\ \mathrm{g} = 24{,}0\ \mathrm{g}\).
- Verdrängung abziehen: \(0{,}7 \cdot 2{,}4\ \mathrm{g} = 1{,}68\ \mathrm{g}\), also \(M = 24{,}0\ \mathrm{g} - 1{,}68\ \mathrm{g} = 22{,}32\ \mathrm{g}\) Hartfett.
Die Rechnung \(M = n \cdot \bar{E} - f \cdot m_{W,ges}\) wird im Examen gerne gefragt. Achte darauf, dass \(n\) den Mehransatz enthält und die Wirkstoffmenge ebenfalls für alle \(n\) Zäpfchen berechnet wird.
Dividiermethode
Bei der Dividiermethode nennt die Verordnung die Gesamtmenge des Wirkstoffs, nicht die Einzeldosis. Die Formel „m. f. supp. div. in part. aeq. No. X“ steht für misce, fiant suppositoria, divide in partes aequales numero decem. Man mischt also, formt Zäpfchen und teilt in zehn gleiche Teile. Die zehn Suppositorien teilen sich die verordnete Menge.
Lautet ein Rezept „Wirkstoff 1,0 g, Hartfett q. s., m. f. supp. div. in part. aeq. No. X“, enthält jedes Zäpfchen 0,1 g. Anders ist es bei der Dispensiermethode, denn dort gilt die Angabe für ein einzelnes Zäpfchen. Für die Herstellung rechnet man danach mit Mehransatz weiter. Bei zwölf gegossenen Zäpfchen wiegt man also 1,2 g Wirkstoff ein.
Verfahren nach Münzel
Das Verfahren nach Münzel kommt ohne Vorausberechnung aus. Weder Eichwert noch Verdrängungsfaktor müssen bekannt sein. Die Form misst selbst ab, denn das Volumen der Kanäle bestimmt die Menge jedes Zäpfchens. Münzel gehört deshalb wie das Verfahren nach Starke zu den Volumendosierverfahren. Auch Hartfett-Suppositorien lassen sich so herstellen.
- Ansetzen: Arzneistoff und Hilfsstoffe für \(n+1\) Zäpfchen abwiegen, den Arzneistoff mit einem Teil der geschmolzenen Grundmasse mischen.
- Erstes Ausgießen: die Mischung vollständig in die Form gießen, ohne Rest im Gefäß.
- Auffüllen: alle Kanäle mit reiner geschmolzener Grundmasse randvoll auffüllen.
- Umschmelzen: die erstarrte Masse aus der Form nehmen, erneut schmelzen und homogenisieren.
- Zweites Ausgießen: in \(n\) Kanäle gießen, der Rest von etwa einem Zäpfchen bleibt zurück.
Nach dem ersten Ausgießen steckt die Arzneistoffmenge für \(n+1\) Zäpfchen in genau dem Volumen von \(n+1\) Zäpfchen. Die Konzentration stimmt also. Die Masse wird insgesamt zweimal geschmolzen und gegossen. Verluste treten dabei durchaus auf. Das zusätzliche Zäpfchen gleicht sie aus, ein prozentualer Verlustzuschlag zur Grundmasse entfällt.
Füllbilder beurteilen
Wie ungleich die Mischung beim ersten Gießen auf die Kanäle verteilt ist, spielt keine Rolle. Beim Umschmelzen wird ohnehin alles homogenisiert. Bleibt dagegen Mischung im Becherglas zurück, fehlt Arzneistoff und die Zäpfchen werden unterdosiert. Ist ein Kanal nur halb gefüllt, verteilt sich die volle Arzneistoffmenge auf zu wenig Volumen. Dann werden die Zäpfchen überdosiert.
Erstes Ausgießen nach Münzel: alles rein, alles voll, Verteilung egal.
Das Verfahren eignet sich für Lösungs- und für Suspensionssuppositorien, wie sie unter Wirkstoffverteilung und Freisetzung beschrieben sind. Auf niedrig dosierte Zäpfchen ist es nicht beschränkt.
Quiz
Aussage 1
Beim Verdrängungsfaktor-Verfahren wird auch die einzuwiegende Wirkstoffmenge für die Stückzahl einschließlich Mehransatz berechnet.
Der Mehransatz zählt zu \(n\) und gilt für Grundmasse und Wirkstoff gleichermaßen.
Aussage 2
Lautet eine Verordnung „Wirkstoff 1,5 g, m. f. supp. div. in part. aeq. No. X“, enthält jedes Zäpfchen 0,15 g Wirkstoff.
Bei der Dividiermethode ist 1,5 g die Gesamtmenge, die auf zehn gleiche Zäpfchen verteilt wird.
Aussage 3
Für das Verfahren nach Münzel müssen Eichwert der Form und Verdrängungsfaktor des Arzneistoffs bekannt sein.
Münzel ist ein Volumendosierverfahren. Das Kanalvolumen dosiert, Eichwert und Verdrängungsfaktor werden nicht benötigt.
Aussage 4
Bleibt nach dem ersten Ausgießen nach Münzel ein Kanal nur halb gefüllt, werden die fertigen Zäpfchen unterdosiert.
Die volle Arzneistoffmenge verteilt sich dann auf zu wenig Volumen, die Zäpfchen werden überdosiert. Unterdosiert werden sie, wenn Mischung im Becherglas zurückbleibt.
Aussage 5
Beim Verdrängungsfaktor-Verfahren zieht man die Wirkstoffmasse direkt vom Produkt aus Stückzahl und Eichwert ab.
Abgezogen wird das Produkt aus Verdrängungsfaktor und Wirkstoffmasse: \(M = n \cdot \bar{E} - f \cdot m_{W,ges}\).
Aussage 6
Das Verfahren nach Münzel eignet sich auch für Suspensionssuppositorien und ist nicht auf niedrig dosierte Zäpfchen beschränkt.
Münzel ist für Lösungs- und Suspensionssuppositorien geeignet, unabhängig von der Dosis.
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