Rezepturarzneimittel

Imprägnierte homöopathische Kügelchen (Globuli)

Wie Globuli aus wirkstofffreien Zuckerkügelchen und einer ethanolischen Dilution entstehen und welche Potenz sie tragen.

Prüfungsrelevanz: relevant ✓ gelesen
Das Wichtigste in Kürze5 Punkte
  • Globuli sind imprägnierte homöopathische Kügelchen zur sublingualen oder oralen Anwendung, hergestellt durch Tränken wirkstofffreier Kügelchen mit flüssigen homöopathischen Zubereitungen.
  • Der Arzneiträger ist üblicherweise Saccharose; die Ph. Eur. erlaubt auch Lactose, Stärke als Zerfallshilfsstoff ist nicht enthalten.
  • Imprägniert wird mit einer ethanolischen Dilution mit üblicherweise mindestens 60 % (m/m) Ethanol, weil Wasser den Zucker anlösen würde.
  • Das Imprägnierverhältnis beträgt 1 Masseteil Dilution auf 100 Masseteile Kügelchen.
  • Globuli tragen die Potenz der verwendeten Dilution: Dilution C30 ergibt Globuli C30, das Imprägnieren ist kein Potenzierungsschritt.

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Worum es geht

Globuli sind die bekannteste homöopathische Darreichungsform, etwa als Arnica C30 aus der Sichtwahl. Sie entstehen, indem man eine flüssige Potenz auf wirkstofffreie Zuckerkügelchen aufbringt. Wer Herstellung und Potenzbezeichnung kennt, kann Globuli in der Apotheke sicher einordnen und beraten.

Definition und Anwendung

Imprägnierte homöopathische Kügelchen, kurz Globuli, sind kleine feste Kügelchen, die eine homöopathische Zubereitung tragen. Sie werden nicht aus dem Wirkstoff aufgebaut. Man stellt sie her, indem man fertige, wirkstofffreie Kügelchen mit einer oder mehreren flüssigen homöopathischen Zubereitungen tränkt.

📖 Definition: Imprägnieren

Imprägnieren heißt, einen festen, wirkstofffreien Träger gleichmäßig mit einer Flüssigkeit zu benetzen, die anschließend verdunstet. Der gelöste Anteil bleibt auf und in der Oberfläche des Trägers zurück.

Globuli sind zur sublingualen oder oralen Anwendung bestimmt. Man lässt sie also unter der Zunge zergehen oder nimmt sie ein.

Arzneiträger

Der Arzneiträger ist der wirkstofffreie Grundkörper. Üblich sind Kügelchen aus Saccharose. Die Ph. Eur. lässt für wirkstofffreie Kügelchen neben Saccharose auch Lactose zu. In der Praxis überwiegt Saccharose aber deutlich.

Die Kügelchen müssen den Reinheitsanforderungen des gültigen Arzneibuchs entsprechen. Ein Zerfallshilfsstoff wie Stärke ist nicht enthalten. Er wäre auch überflüssig, denn das Zuckerkügelchen löst sich im Speichel ohnehin rasch auf.

Imprägnierung

Als Imprägnierflüssigkeit dient eine ethanolische Dilution. Sie enthält üblicherweise mindestens 60 % (m/m) Ethanol. Die Angabe bezieht sich auf die Masse, nicht auf das Volumen; zum Unterschied siehe Konzentrationsangaben. Rein wässrige Dilutionen verwendet man nicht. Wasser würde die Saccharose anlösen, die Kügelchen kleben zusammen. Ethanol löst Zucker kaum und verdunstet schnell, sodass die Kügelchen fest und rieselfähig bleiben. Wie die Dilution selbst entsteht, steht unter flüssige homöopathische Verdünnungen.

Das Imprägnierverhältnis beträgt 1 Masseteil Flüssigkeit auf 100 Masseteile wirkstofffreie Kügelchen. Man wiegt die Kügelchen ein, gibt die Dilution zu, verteilt sie im verschlossenen Gefäß und lässt an der Luft trocknen. Für 250 g Globuli braucht man so 2,5 g Dilution.

Flussschema mit vier Schritten von wirkstofffreien Kügelchen über Zugabe der Dilution und Verteilen bis zum Trocknen, darunter die Rechnung 100 g Kügelchen plus 1 g Dilution C30 ergibt Globuli C30.

Herstellung von Globuli: 100 Masseteile Saccharosekügelchen werden mit 1 Masseteil ethanolischer Dilution imprägniert und getrocknet; die Potenz bleibt die der Dilution.

Globuli tragen den Verdünnungsgrad der verwendeten Dilution. Globuli D6 entstehen aus Dilution D6, Globuli C30 aus Dilution C30. Die Kügelchen wirken wie ein Schwamm, der die Flüssigkeit aufnimmt, ohne sie weiter zu verdünnen. Das Imprägnieren ist deshalb kein weiterer Potenzierungsschritt: Es fehlt das Verschütteln mit neuem Arzneiträger.

Zwei Spalten: links ein Potenzierungsschritt von C29 zu C30 mit Verschüttelung, rechts das Aufbringen einer Dilution C30 auf Zuckerkügelchen mit dem Ergebnis Globuli C30.

Potenzieren erhöht die Stufe, Imprägnieren überträgt sie nur auf den Träger.
⚠️ Achtung: Verhältnis und Potenz

Das Verhältnis 1 : 100 (m/m) ändert die Potenzstufe nicht, obwohl es der Verdünnung einer C-Stufe gleicht. Ein Verhältnis von 1 Teil Dilution zu 10 Teilen Kügelchen ist für Globuli nicht üblich.

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Aussage 1

Die Flüssigkeit zum Imprägnieren homöopathischer Kügelchen enthält üblicherweise mindestens 60 % (m/m) Ethanol.

Verwendet wird eine ethanolische Dilution mit üblicherweise mindestens 60 % (m/m) Ethanol, damit die Saccharose nicht angelöst wird.

Aussage 2

Für Globuli wird 1 Masseteil Dilution auf 10 Masseteile wirkstofffreie Kügelchen gegeben.

Das Imprägnierverhältnis beträgt 1 Masseteil Flüssigkeit auf 100 Masseteile Kügelchen.

Aussage 3

Globuli D12 erhält man, indem man wirkstofffreie Kügelchen mit einer Dilution D11 imprägniert.

Imprägnieren ist kein Potenzierungsschritt. Globuli D12 werden mit einer Dilution D12 hergestellt, sie tragen die Potenz der Dilution.

Aussage 4

Nach Ph. Eur. dürfen wirkstofffreie Kügelchen außer aus Saccharose auch aus Lactose bestehen.

Die Ph. Eur. nennt Saccharose oder Lactose als Material; üblich ist in der Praxis Saccharose.

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