Optik

Aufbau und Funktion von Polarimetern

Wie ein Polarimeter aus Lichtquelle, Polarisator, Messzelle und Analysator den Drehwinkel misst und was das Halbschattenpolarimeter beim Ablesen verbessert.

Prüfungsrelevanz: wichtig ✓ gelesen
Das Wichtigste in Kürze5 Punkte
  • Ein Polarimeter misst den Drehwinkel \(\alpha\), um den eine optisch aktive Probe die Schwingungsebene linear polarisierten Lichts dreht.
  • Die Lichtquelle muss monochromatisch sein, die Natriumdampflampe (589 nm) braucht keinen zusätzlichen Filter.
  • Der Polarisator vor der Messzelle erzeugt linear polarisiertes Licht, der drehbare Analysator hinter der Messzelle zeigt die Drehung an.
  • Aufbau des einfachen Polarimeters: Lampe, Polarisator, Messzelle, Analysator; Prisma und Beugungsgitter gehören nicht dazu.
  • Im Halbschattenpolarimeter steht die Halbschatteneinrichtung direkt hinter dem Polarisator, abgelesen wird bei gleich grauen Sichtfeldhälften.

Dieses Kapitel ist für Supporter

Relaxed ins Stex ist ein kleines, unabhängiges Projekt. Mit einem Zugang unterstützt du uns und schaltest das ganze 1. Staatsexamen frei. ❤️

Zugang freischalten

Bitte bestätige zuerst deine E-Mail-Adresse

Wir haben dir einen Link geschickt. Erst mit bestätigter E-Mail-Adresse kannst du einen Zugang freischalten und nutzen.

Zum Konto

Worum es geht

Optisch aktive Stoffe wie Saccharose oder Glucose drehen die Schwingungsebene von linear polarisiertem Licht. Das Polarimeter macht diese Drehung messbar. In der Pharmazie prüft man damit Identität, Reinheit und Gehalt chiraler Arznei- und Hilfsstoffe.

Messprinzip

Ein Polarimeter misst den Drehwinkel \(\alpha\). Um diesen Winkel dreht eine optisch aktive Probe die Schwingungsebene von linear polarisiertem Licht. Wovon \(\alpha\) abhängt, also Konzentration, Schichtlänge und Temperatur, behandelt die Seite zur optischen Drehung.

Daraus folgt die Grundbedingung: Die Messung braucht linear polarisiertes Licht. Nur wenn das Licht vor der Probe eine definierte Schwingungsebene hat, kann man deren Drehung feststellen. Die Glasfenster der Küvette sind optisch nicht aktiv. Ihre Dicke hat deshalb keinen Einfluss auf den Drehwinkel, es zählt allein die Schichtlänge der Lösung.

Lichtquelle

Die Lichtquelle sollte möglichst monochromatisches Licht aussenden. Der Drehwinkel hängt nämlich von der Wellenlänge ab, wie die Rotationsdispersion zeigt. Weißes Licht würde jede Farbe unterschiedlich stark drehen, und eine saubere Konzentrationsbestimmung wäre unmöglich.

Der Klassiker ist die Natriumdampflampe. Sie strahlt fast nur das gelbe Licht der Natrium-D-Linie bei 589 nm ab. Ihr Licht ist damit schon nahezu monochromatisch, ein zusätzlicher Filter ist nicht nötig. Bei einer weißen Lampe müsste man dagegen mit einem Filter oder Monochromator eine Wellenlänge auswählen.

Polarisiert muss das Licht der Lampe nicht sein. Diese Aufgabe übernimmt das nächste Bauteil, der Polarisator.

Polarisator und Analysator

Zwischen Lichtquelle und Messzelle sitzt ein Polarisator, meist eine Polarisationsfolie oder ein doppelbrechendes Prisma. Wie er arbeitet, erklärt die Seite zu Polarisatoren. Er macht aus dem unpolarisierten Lampenlicht linear polarisiertes Licht, das dann die Probe durchläuft.

Hinter der Messzelle folgt ein zweiter Polarisator. Er ist drehbar und trägt eine Winkelskala. In dieser Rolle heißt er Analysator, denn er prüft, in welcher Ebene das Licht nach der Probe schwingt. Die Probenküvette steht also immer zwischen Polarisator und Analysator.

📖 Definition: Analysator

Der Analysator ist ein drehbarer Polarisator hinter der Messzelle. An seiner Skala liest man ab, um welchen Winkel die Probe die Schwingungsebene gedreht hat.

Man kann sich die beiden Folien wie zwei Gitterzäune vorstellen. Stehen ihre Durchlassrichtungen senkrecht zueinander, kommt kein Licht durch. Dreht die Probe die Schwingungsebene, wird es hell, bis man den Analysator um denselben Winkel nachführt.

Einfaches Polarimeter

Das einfache Polarimeter besteht aus vier Bauteilen in fester Reihenfolge: monochromatische Lichtquelle, Polarisator, Messzelle und drehbarer Analysator. Dahinter blickt das Auge auf das Sichtfeld.

💡 Merke

Lampe, Polarisator, Probe, Analysator, Auge: Die Probe steht immer in der Mitte zwischen den beiden Polarisatoren.

Gemessen wird in zwei Schritten. Ohne Probe dreht man den Analysator auf Dunkelheit und notiert den Nullpunkt. Mit Probe wird es wieder hell. Nun dreht man den Analysator erneut auf Dunkelheit. Die Differenz der beiden Skalenwerte ist \(\alpha\).

Schema von links nach rechts: Lampe, Polarisator, Küvette, drehbarer Analysator mit Skala, Auge. Die Schwingungsebene ist hinter der Küvette um den Winkel Alpha gedreht.

Einfaches Polarimeter: Die Probe dreht die Schwingungsebene um α, der Analysator wird um denselben Winkel nachgeführt.

Ein Prisma oder Beugungsgitter gehört nicht in ein Polarimeter. Solche Bauteile zerlegen Licht in seine Farben, wie beim Prisma. Das Messlicht ist aber schon monochromatisch und parallel, es gibt nichts mehr zu zerlegen. Auch zwischen Messzelle und Analysator hat ein Prisma daher keinen Platz.

Eine Skizze beurteilen

So prüfst du eine skizzierte Anordnung auf Funktionsfähigkeit:

  1. Licht: Ist die Quelle monochromatisch, etwa Natriumdampflampe oder Lampe mit Filter?
  2. Polarisator: Steht vor der Messzelle ein Polarisator?
  3. Probe: Liegt die Küvette zwischen den beiden Polarisatoren?
  4. Analysator: Folgt hinter der Küvette ein drehbarer Polarisator mit Skala?

Beispiel: Eine Skizze zeigt Lampe, Filter, Polarisationsfolie und Messzelle. Licht, Polarisator und Probe sind vorhanden. Es fehlt der Analysator hinter der Messzelle, ohne ihn lässt sich keine Drehung ablesen.

Halbschattenpolarimeter

Beim einfachen Polarimeter sucht man die dunkelste Stellung. Das Auge erkennt ein Helligkeitsminimum aber schlecht, weil sich die Helligkeit in seiner Nähe kaum ändert. Viel genauer vergleicht es zwei nebeneinanderliegende Flächen. Darauf beruht das Halbschattenpolarimeter.

Sein Strahlengang lautet: Lichtquelle mit Kollimator, Polarisator, Halbschatteneinrichtung, Küvette mit Probe, Analysator, Beobachtungseinheit. Der Kollimator macht das Licht parallel. Die Halbschatteneinrichtung steht direkt hinter dem Polarisator, also noch vor der Probe. Häufig ist es ein kleiner Zusatzpolarisator nach Lippich, der nur eine Hälfte des Bündels bedeckt. Die beiden Bündelhälften schwingen danach in zwei leicht gegeneinander verdrehten Ebenen.

Schema von links nach rechts: Lampe mit Kollimator, Polarisator, halbseitiger Zusatzpolarisator, Küvette, Analysator, Okular. Zwei Pfeilpaare zeigen die leicht verdrehten Schwingungsebenen der beiden Bündelhälften.

Halbschattenpolarimeter: Die Halbschatteneinrichtung hinter dem Polarisator erzeugt zwei leicht gegeneinander verdrehte Schwingungsebenen.

Im Okular sieht man deshalb ein zweigeteiltes Sichtfeld. Steht der Analysator falsch, ist eine Hälfte hell und die andere dunkel. Beim Drehen kehrt sich das Verhältnis um. Dazwischen liegt die Messstellung: Beide Hälften erscheinen gleich hell, nämlich gleichmäßig grau und nicht dunkel. In diesem Moment liest man die Skala ab.

Drei runde, senkrecht geteilte Felder. Links ist die linke Hälfte hell und die rechte dunkel, in der Mitte sind beide Hälften gleich mittelgrau, rechts ist die linke Hälfte dunkel und die rechte hell.

Sichtfeld im Halbschattenpolarimeter: Abgelesen wird, wenn beide Hälften gleich grau erscheinen (Mitte).
⚠️ Achtung: Grau statt dunkel

Abgelesen wird beim Halbschattenpolarimeter nicht bei Dunkelheit wie beim einfachen Gerät. Das richtige Bild zeigt zwei gleich graue Hälften ohne erkennbare Trennlinie.

Quiz

Teste dich mit 6 Karten
richtig oder falsch iWarum nur Aussagen? Fragen mit fünf Antworten löst man am sichersten, indem man jede Aussage einzeln bewertet: ✓✓ sicher richtig, ✓ eher richtig, 0 unsicher, ✗ eher falsch, ✗✗ sicher falsch. Mit dem Ausschlussprinzip ergibt sich daraus die Lösung. Dieses einzelne Bewerten ist der wichtigste Handgriff fürs Examen, und genau den übst du hier.

Aussage 1

Mit einer Natriumdampflampe kommt ein Polarimeter ohne zusätzlichen Farbfilter aus.

Die Natriumdampflampe liefert mit der D-Linie bei 589 nm bereits nahezu monochromatisches Licht.

Aussage 2

Ein Beugungsgitter zwischen Messzelle und Analysator ist nötig, um das Messlicht spektral zu zerlegen.

Das Messlicht ist bereits monochromatisch und parallel. Prisma oder Beugungsgitter gehören nicht zum Polarimeter.

Aussage 3

Dickere Glasfenster der Küvette vergrößern den gemessenen Drehwinkel.

Die Fenster sind optisch nicht aktiv. Der Drehwinkel hängt von der Schichtlänge der Lösung ab, nicht von der Fensterdicke.

Aussage 4

Beim Halbschattenpolarimeter liest man ab, wenn beide Hälften des Sichtfelds gleichmäßig grau erscheinen.

In der Messstellung sind beide Hälften gleich hell, also gleich grau und nicht dunkel.

Aussage 5

Die Lichtquelle eines Polarimeters muss selbst linear polarisiertes Licht aussenden.

Das Lampenlicht darf unpolarisiert sein. Die lineare Polarisation erzeugt der Polarisator vor der Messzelle.

Aussage 6

Der Analysator ist ein drehbarer Polarisator, der im Strahlengang hinter der Messzelle steht.

Die Küvette liegt zwischen Polarisator und Analysator, am drehbaren Analysator wird der Winkel abgelesen.

Fehler entdeckt oder eine Idee? Wir verbessern die Inhalte laufend. Melde es uns gerne über dieses Formular ❤️

Teile der Inhalte wurden mithilfe von KI-Systemen erstellt und werden fortlaufend redaktionell geprüft. Trotz Sorgfalt können Fehler enthalten sein. Wichtige Informationen bitte anhand offizieller Quellen prüfen. Relaxed ins Stex ist ein unabhängiges Angebot und steht in keiner Kooperation mit dem IMPP. Das Angebot ist weder vom IMPP autorisiert noch mit diesem verbunden.

Zurück nach oben