Rezepturarzneimittel

Extrakte: Einteilung, DEV und Standardisierung

Wie die Ph. Eur. pflanzliche Extrakte nach Konsistenz einteilt, wie konzentriert sie sind und wie man das Droge-Extrakt-Verhältnis berechnet und deutet.

Prüfungsrelevanz: wichtig ✓ gelesen
Das Wichtigste in Kürze5 Punkte
  • Extrakte aus pflanzlichen Drogen teilt die Ph. Eur. nach Konsistenz in flüssige (Fluidextrakt, Tinktur), halbfeste (zähflüssiger Extrakt, Dickextrakt, Ölharz) und feste (Trockenextrakt) ein.
  • Der Trockenrückstand wird in % (m/m) oder g/L angegeben und beträgt bei Dickextrakten mindestens 70 %.
  • Die Konzentration an Extraktivstoffen steigt von der Tinktur über den Fluidextrakt (im Allgemeinen DEV 1 : 1) zum Trockenextrakt.
  • Das DEV ist Masse Droge zu Masse nativem Extrakt; Menstruum, Perkolat und zugesetzte Hilfsstoffe zählen nicht mit.
  • Eingestellte Extrakte sind auf Inhaltsstoffe mit bekannter therapeutischer Wirksamkeit eingestellt, quantifizierte auf Leitsubstanzen.

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Worum es geht

Viele Phytopharmaka enthalten keinen Reinstoff, sondern einen Extrakt, etwa Ginkgo- oder Sennesblättertrockenextrakt. Die Angabe auf der Packung sagt, aus wie viel Droge der Extrakt stammt und worauf er eingestellt ist. Diese Einheit ordnet die Extraktarten nach Ph. Eur. ein und zeigt, wie man das Droge-Extrakt-Verhältnis liest und berechnet.

Einteilung der Monographie

Ein Extrakt ist eine konzentrierte Zubereitung aus einer pflanzlichen Droge. Man gewinnt ihn mit einem Extraktionsmittel, dem Menstruum. Wie das technisch geht, steht unter Extraktionsverfahren. Die Ph.-Eur.-Monographie „Extrakte aus pflanzlichen Drogen“ ordnet die Extrakte nach ihrer Konsistenz. Sie können flüssig, halbfest oder fest sein.

  • Flüssig: Fluidextrakte und Tinkturen
  • Halbfest: zähflüssige Extrakte, Dickextrakte und Ölharze
  • Fest: Trockenextrakte

Eine Tinktur ist ein flüssiger Auszug, meist mit Ethanol-Wasser-Mischungen hergestellt. Mehr dazu unter Tinkturen. Ein Fluidextrakt ist ebenfalls flüssig, aber deutlich konzentrierter. Dickextrakte entstehen, wenn man das Lösungsmittel weitgehend abdampft. Ölharze sind halbfeste Extrakte aus einem Harz, gelöst in ätherischem oder fettem Öl. Ein Trockenextrakt ist ein festes, meist pulverförmiges Produkt.

Die Grenze zwischen den Gruppen zieht der Trockenrückstand. Das ist der Anteil, der nach dem Trocknen übrig bleibt. Man gibt ihn in % (m/m) oder in g/L an. Von der Tinktur zum Trockenextrakt steigt er stetig an. Dickextrakte haben einen Trockenrückstand von mindestens 70 %.

Baumdiagramm der Extraktarten: flüssig mit Fluidextrakt und Tinktur, halbfest mit Dickextrakt und Ölharz, fest mit Trockenextrakt

Einteilung der Extrakte nach Ph. Eur. nach ihrer Konsistenz

Extraktgehalt im Vergleich

Stellt man aus derselben Drogenmenge verschiedene Extraktarten her, landen etwa gleich viele Extraktivstoffe im Produkt. Verschieden ist nur, wie viel Lösungsmittel darin bleibt. Man kann sich das wie Kaffee vorstellen: gleiches Pulver, aber einmal als große Tasse und einmal als Espresso.

Extraktart Auszug aus 100 g Droge typisches Verhältnis Konzentration an Extraktivstoffen
Tinktur 500 bis 1000 g Droge : Extraktionsmittel meist 1 : 5 oder 1 : 10 am geringsten
Fluidextrakt etwa 100 g DEV im Allgemeinen 1 : 1 mittel
Trockenextrakt 10 bis 25 g DEV etwa 4 : 1 bis 10 : 1 am höchsten

Drei unterschiedlich große Gefäße mit gleich vielen Punkten für Extraktivstoffe

Gleiche Drogenmenge, unterschiedlich viel Lösungsmittel

Daraus folgt die Reihenfolge: Eine Tinktur enthält weniger Extraktivstoffe als ein Fluidextrakt, und dieser weniger als ein Trockenextrakt. Für Fluidextrakte legt die Ph. Eur. im Allgemeinen ein DEV von 1 : 1 fest. Ein Teil Droge ergibt also einen Teil Fluidextrakt.

Droge-Extrakt-Verhältnis

Auf jeder Extraktangabe steht ein Verhältnis wie „4–8 : 1“. Es sagt, wie viel Droge man für eine bestimmte Menge Extrakt eingesetzt hat.

📖 Definition: Droge-Extrakt-Verhältnis

Das DEV ist das Verhältnis der Masse eingesetzter Droge zur Masse des erhaltenen nativen Extrakts: \(\text{DEV} = m_{\text{Droge}} : m_{\text{Extrakt}}\). Nativ heißt: der Extrakt ohne zugesetzte Hilfsstoffe.

Ein DEV von 10 : 1 bedeutet also: Aus 10 Teilen Droge wurde 1 Teil Trockenextrakt gewonnen. Bei 5 : 1 liefern 5 Teile Droge 1 Teil Extrakt. Wie viel Menstruum man verbraucht hat und wie viel Perkolat anfiel, geht nicht in das DEV ein. Auch das Verhältnis von Extraktionsmittel zu Droge ist etwas anderes.

Das Fließschema zeigt die Herstellung eines Trockenextrakts. Man perkoliert 3,0 kg Droge mit 24 L Menstruum und erhält 20 L Perkolat. Nach dem Einengen und Trocknen bleiben 375 g nativer Extrakt. Dazu kommen 125 g Hilfsstoff, etwa als Trocknungshilfe.

Ablaufschema von der Droge über Perkolat zum Trockenextrakt, Drogenmasse und nativer Extrakt farbig markiert

Für das DEV zählen nur Drogenmasse und Masse des nativen Extrakts
  1. Drogenmasse notieren: \(m_{\text{Droge}} = 3{,}0\ \text{kg} = 3000\ \text{g}\).
  2. Nativen Extrakt bestimmen: nur der Extrakt ohne Hilfsstoff, also \(375\ \text{g}\). Die 500 g Gesamtprodukt zählen nicht.
  3. Verhältnis bilden und kürzen: \(3000 : 375 = 8 : 1\).
  4. Ergebnis prüfen: Menstruum (24 L) und Perkolat (20 L) tauchen in der Rechnung nicht auf.

Wer die 125 g Hilfsstoff mitzählt, kommt fälschlich auf 6 : 1. Bei Tinkturen nennt man meist das Verhältnis von Droge zu Extraktionsmittel. Das DEV entsteht nie dadurch, dass man diese Teile addiert.

💡 Merke

D vor E: Im DEV steht vorne die Droge, hinten der Extrakt. Je größer die erste Zahl, desto konzentrierter ist der Extrakt.

Eingestellte und quantifizierte Extrakte

Pflanzen schwanken im Gehalt ihrer Inhaltsstoffe. Die Ph. Eur. unterscheidet deshalb, wie genau ein Extrakt auf bestimmte Stoffe ausgerichtet ist.

Eingestellte oder standardisierte Extrakte bringt man innerhalb zulässiger Grenzen auf einen festen Gehalt an Inhaltsstoffen mit bekannter therapeutischer Wirksamkeit. Ein Beispiel ist eingestellter Sennesblättertrockenextrakt mit seinen Hydroxyanthracenglykosiden. Quantifizierte Extrakte richtet man dagegen auf einen Gehaltsbereich von Leitsubstanzen aus, etwa beim Ginkgotrockenextrakt. Diese Stoffe tragen zur Wirkung bei, erklären sie aber nicht allein. Quantifiziert heißt nicht, dass alle Inhaltsstoffe vollständig in den Auszug übergegangen sind.

Nicht jeder Extrakt muss auf einen Wirkstoffgehalt eingestellt sein. Das gilt für flüssige Extrakte ebenso wie für Trockenextrakte.

Quiz

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Aussage 1

Für Fluidextrakte gilt nach Ph. Eur. im Allgemeinen ein Droge-Extrakt-Verhältnis von 1 : 1.

Ein Teil Droge ergibt in der Regel einen Teil Fluidextrakt.

Aussage 2

Quantifizierte Extrakte werden auf Inhaltsstoffe mit bekannter therapeutischer Wirksamkeit eingestellt.

Das gilt für eingestellte Extrakte. Quantifizierte Extrakte werden auf Leitsubstanzen ausgerichtet.

Aussage 3

Ölharze zählen nach Ph. Eur. zu den halbfesten Extrakten.

Halbfest sind zähflüssige Extrakte, Dickextrakte und Ölharze.

Aussage 4

Dickextrakte dürfen einen Trockenrückstand von höchstens 70 % aufweisen.

Der Trockenrückstand von Dickextrakten beträgt mindestens 70 %.

Aussage 5

Eine Tinktur enthält die extrahierten Drogeninhaltsstoffe in höherer Konzentration als ein Fluidextrakt derselben Droge.

Umgekehrt: Tinkturen enthalten mehr Lösungsmittel und sind daher weniger konzentriert als Fluidextrakte.

Aussage 6

Aus 4,0 kg Droge entstehen 500 g nativer Trockenextrakt, dem 100 g Hilfsstoff zugesetzt werden. Das DEV beträgt 8 : 1.

\(4000\ \text{g} : 500\ \text{g} = 8 : 1\); der Hilfsstoff zählt nicht zum nativen Extrakt.

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