Wasser aufnehmende Salben des Arzneibuchs
Wasser aufnehmende Salben sind wasserfreie Fettgrundlagen mit Emulgator: Definition, Struktur und die Arzneibuchvertreter Wollwachsalkoholsalbe und Hydrophile Salbe DAB.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Wasser aufnehmende Salbe (Absorptionsbase) ist eine wasserfreie hydrophobe Grundlage mit eingearbeitetem W/O- oder O/W-Emulgator, aus der man durch Wasserzusatz Cremes herstellt.
- Absorptionsbasen aus Paraffin, Fettalkohol und Fettalkoholsulfat bilden lamellare Doppelschichten mit eingelagertem Paraffin und enthalten keine Wasserphase.
- Wasserfreies Wollwachs nimmt dank eigener Sterine ohne Emulgatorzusatz ein Mehrfaches seines Gewichts an Wasser auf, mehr als Lanolin, Kühlcreme, gelbes Vaselin oder Zinkpaste.
- Wollwachsalkoholsalbe DAB aus Weißem Vaselin, 6 % Wollwachsalkoholen und 0,5 % Cetylstearylalkohol ist wasserfrei, einphasig, vom W/O-Typ und unkonserviert mikrobiell wenig anfällig.
- Hydrophile Salbe DAB aus emulgierendem Cetylstearylalkohol, Dickflüssigem Paraffin und Weißem Vaselin ist trotz ihres Namens eine Wasser aufnehmende Salbe und mit kationischen Wirkstoffen inkompatibel.
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Worum es geht
Wasser aufnehmende Salben sind die Brücke zwischen reinem Vaselin und den Cremes der Rezeptur. Aus ihnen entstehen durch Zusatz von Wasser Standardgrundlagen wie die Wollwachsalkoholcreme. Wer ihre Zusammensetzung kennt, kann Arzneibuchgrundlagen sicher einordnen und Inkompatibilitäten vorhersehen.
Definition und Aufbau
Wasser aufnehmende Salben bilden neben den hydrophoben und den hydrophilen Salben die dritte Salbenklasse des Arzneibuchs (Einteilung der Salben). Man erhält sie, indem man in eine hydrophobe Grundlage wie Vaselin einen Emulgator einarbeitet. Das Ergebnis enthält selbst kein Wasser. Es kann aber Wasser aufnehmen, sobald man welches einrührt.
Der Emulgator darf beiden Typen angehören. Klassisch ist ein W/O-Emulgator mit niedrigem HLB-Wert, etwa HLB 6. Eine hydrophobe Grundlage mit O/W-Emulgator zählt ebenso dazu. Für die Klasse entscheidet also die Kombination aus wasserfreier Fettgrundlage und Emulgator, nicht der Emulgatortyp.
Eine Absorptionsbase (Absorptionsgrundlage) ist eine wasserfreie Zubereitung aus hydrophober Grundlage und Emulgator, die beim Einarbeiten Wasser aufnimmt und dabei eine Emulsion bildet. Der Begriff wird gleichbedeutend mit Wasser aufnehmender Salbe verwendet.
Ihr Hauptzweck in der Rezeptur ist die Herstellung von Cremes. Rührt man Wasser in eine Absorptionsbase mit W/O-Emulgator ein, entsteht eine lipophile Creme. Mit O/W-Emulgator entsteht eine hydrophile Creme. So wird aus Wollwachsalkoholsalbe die Wollwachsalkoholcreme und aus Hydrophiler Salbe die Wasserhaltige hydrophile Salbe.
Daraus folgt die wichtigste Abgrenzung. Dass Wasser aufnehmende Salben nach Ph. Eur. wasserfrei sind, wird im Examen gerne gefragt: Eine Zubereitung, die bereits Wasser und einen W/O-Emulgator enthält, ist eine Creme und keine Wasser aufnehmende Salbe mehr.
Die Wasseraufnahme ist zudem begrenzt. Anders als die Macrogolsalben mischen sich diese Grundlagen nicht unbegrenzt mit Wasser. Sie quellen auch nicht zu einem Hydrogel, denn ihnen fehlt ein Gelbildner. Mit Wasser bilden sie Emulsionen.
Struktur einer Absorptionsbase
Ein gut untersuchtes Beispiel ist eine Grundlage aus Paraffin mit Fettalkohol und Fettalkoholsulfat als Emulgatoren. Die Emulgatoren lagern sich zu lamellaren Doppelschichten zusammen. Das Fettalkoholsulfat sitzt dabei zwischen den Fettalkoholmolekülen in den Lamellen. In den Zwischenräumen liegt das Paraffin. Man kann sich das wie einen Stapel dünner Blätter vorstellen, zwischen denen Öl eingeschlossen ist.
Gibt man Wasser hinzu, dringt es zwischen die polaren Köpfe ein. Die Lamellen quellen, und überschüssiges Wasser bildet eine freie Wasserphase. Daran erkennt man den Salbentyp in einem Strukturschema: Zeigt die Legende nur Paraffin, Fettalkohol und Fettalkoholsulfat und fehlt jede Wasserphase, liegt eine Absorptionsbase vor. Gequollene Lamellen mit freiem Wasser sprechen dagegen für eine Creme.
Wollwachs und Wollwachsalkoholsalbe
Wollwachs stammt aus dem Wollfett der Schafe. Es enthält neben Wachsestern freie Sterine und weitere Wollwachsalkohole. Diese wirken als W/O-Emulgator (Emulgatoren in Salben und Cremes). Wollwachs bringt seinen Emulgator also schon mit und braucht keinen Zusatz.
Deshalb nimmt wasserfreies Wollwachs ohne weiteren Emulgator ein Mehrfaches seines Gewichts an Wasser auf, also deutlich über 100 %. Dieses hohe Wasseraufnahmevermögen von Wollwachs wird im Examen gerne gefragt, vor allem im Vergleich mit verwandten Grundlagen. Lanolin nimmt weniger auf, denn es ist mit Paraffin verdünnt und enthält bereits Wasser. Kühlcreme ist schon eine wasserhaltige W/O-Creme. Gelbes Vaselin und die vaselinhaltige Zinkpaste besitzen keinen Emulgator und binden kaum Wasser.
In der Wollwachsalkoholsalbe DAB nutzt man nicht Wollwachs selbst, sondern die daraus gewonnenen Wollwachsalkohole. Sie liefern die emulgierende Wirkung ohne den Ballast der Wachsester. Ein kleiner Anteil Cetylstearylalkohol unterstützt sie als Co-Emulgator und Konsistenzgeber.
| Bestandteil | Anteil | Funktion |
|---|---|---|
| Weißes Vaselin | 93,5 % | hydrophobe Grundlage |
| Wollwachsalkohole | 6 % | W/O-Emulgator |
| Cetylstearylalkohol | 0,5 % | Co-Emulgator, Konsistenz |
Ein Teil der Kohlenwasserstoffe kann als dickflüssiges Paraffin vorliegen, um die Konsistenz einzustellen. Ein anionisches Fettalkoholsulfat wie Natriumcetylstearylsulfat fehlt in dieser Rezeptur. Auch gehärtete Triglyceride gehören nicht dazu.
Die Salbe ist wasserfrei. Ihr Emulgator ist im Vaselin gelöst, sie bildet daher ein einphasiges System. Nach Ph. Eur. ist sie eine Wasser aufnehmende Salbe vom W/O-Typ, also eine lipophile Absorptionsbase. Ein O/W-System entsteht aus ihr nicht. Wässrige Arzneistofflösungen nimmt sie direkt auf, ein zusätzlicher W/O-Emulgator ist dafür nicht nötig. Mit Wasser entsteht die Wollwachsalkoholcreme, eine der lipophilen Cremes.
Weil Mikroorganismen ohne Wasser nicht wachsen, ist die Salbe auch unkonserviert mikrobiell wenig anfällig. Das ändert sich, sobald man Wasser einarbeitet (Konservierung in Cremes).
Wollwachsalkoholsalbe DAB ist besonders prüfungsrelevant: Sie besteht aus Vaselin, Wollwachsalkoholen und wenig Cetylstearylalkohol, ist wasserfrei und einphasig. Achte darauf, dass sie damit eine Wasser aufnehmende Salbe vom W/O-Typ ist und keine lipophile Creme.
Hydrophile Salbe DAB
Die Hydrophile Salbe DAB ist der zweite wichtige Vertreter. Sie ist eine Absorptionsbase mit O/W-Emulgator. Ihr Emulgator ist der emulgierende Cetylstearylalkohol, ein Gemisch aus Cetylstearylalkohol und dem anionischen Natriumcetylstearylsulfat. Damit entspricht sie genau dem lamellaren Aufbau aus Fettalkohol, Fettalkoholsulfat und Paraffin.
| Bestandteil | Anteil | Funktion |
|---|---|---|
| Emulgierender Cetylstearylalkohol | 30 % | ionischer O/W-Emulgator, Konsistenz |
| Dickflüssiges Paraffin | 35 % | lipophile Grundlage |
| Weißes Vaselin | 35 % | lipophile Grundlage |
Die Grundlage besteht damit überwiegend aus lipophilen Komponenten. Macrogole wie Macrogol 300 enthält sie nicht. Auch Wollwachs ist kein Bestandteil. Wachse zur Konsistenzerhöhung braucht sie nicht, denn der Fettalkohol und das Vaselin geben ihr genügend Festigkeit.
Trotz ihres Namens gehört die Hydrophile Salbe DAB nach Ph. Eur. zu den Wasser aufnehmenden Salben und nicht zu den hydrophilen Salben. Erst mit Wasser entsteht die Wasserhaltige hydrophile Salbe DAB, eine O/W-Creme (hydrophile Cremes).
Wie die Wollwachsalkoholsalbe ist sie wasserfrei und ein Einphasensystem. Sie ist also weder eine W/O-Emulsion noch eine Creme. Unkonserviert ist sie mikrobiell wenig anfällig und daher nicht grundsätzlich konservierungspflichtig.
Herstellung
Die Bestandteile sind bei Raumtemperatur halbfest bis fest. Man verarbeitet sie deshalb in der Schmelze.
- Schmelzen: Emulgierenden Cetylstearylalkohol, Paraffin und Vaselin gemeinsam auf dem Wasserbad schmelzen.
- Kaltrühren: Die Schmelze vom Wasserbad nehmen und bis zum Erkalten rühren.
- Ergebnis: Beim Abkühlen bilden sich die Lamellen, und es entsteht eine gleichmäßige, halbfeste Salbe.
Inkompatibilität
Das Natriumcetylstearylsulfat trägt eine negative Ladung (Tenside). Kationische Wirkstoffe wie Ethacridinlactat, Chlorhexidin oder Benzalkoniumchlorid lagern sich an das Anion an. Es bilden sich schwer lösliche Salze. Dabei verliert der Wirkstoff seine Wirkung, und der Emulgator fällt aus. Die Hydrophile Salbe DAB ist daher mit kationischen Wirkstoffen inkompatibel. Die Wollwachsalkoholsalbe mit ihrem nichtionischen Emulgatorsystem ist hier die Alternative.
Quiz
Aussage 1
Wollwachsalkoholsalbe DAB enthält Natriumcetylstearylsulfat und bildet mit Wasser eine O/W-Creme.
Wollwachsalkoholsalbe enthält Vaselin, Wollwachsalkohole und wenig Cetylstearylalkohol. Sie ist vom W/O-Typ und ergibt mit Wasser eine lipophile Creme.
Aussage 2
Wasser aufnehmende Salben nach Ph. Eur. enthalten bereits einen Anteil Wasser, den sie bei der Lagerung stabilisieren.
Wasser aufnehmende Salben sind wasserfrei. Enthält eine Zubereitung schon Wasser und Emulgator, ist sie eine Creme.
Aussage 3
Zeigt ein Strukturschema Lamellen aus Fettalkohol und Fettalkoholsulfat mit eingelagertem Paraffin ohne Wasserphase, handelt es sich um eine Absorptionsbase.
Lamellare Emulgatorschichten mit Paraffin und ohne Wasser sind das Strukturmerkmal einer Wasser aufnehmenden Salbe.
Aussage 4
Die Hydrophile Salbe DAB ist mit kationischen Wirkstoffen wie Ethacridinlactat inkompatibel.
Das anionische Natriumcetylstearylsulfat im emulgierenden Cetylstearylalkohol bildet mit Kationen schwer lösliche Salze.
Aussage 5
Lanolin nimmt mehr Wasser auf als Wollwachs, weil sein Paraffinanteil die Emulgierung verbessert.
Lanolin nimmt weniger Wasser auf als Wollwachs, denn es ist mit Paraffin verdünnt und enthält bereits Wasser.
Aussage 6
Wasserfreies Wollwachs kann ohne Emulgatorzusatz ein Mehrfaches seines Gewichts an Wasser aufnehmen.
Wollwachs enthält mit seinen Sterinen und Wollwachsalkoholen einen eigenen W/O-Emulgator und nimmt über 100 % Wasser auf.
Aussage 7
Eine hydrophobe Grundlage, in die ein Emulgator mit HLB-Wert 6 eingearbeitet ist, ist eine Wasser aufnehmende Salbe.
Fettgrundlage plus Emulgator ohne Wasser ergibt eine Absorptionsbase. HLB 6 kennzeichnet einen W/O-Emulgator.
Aussage 8
Die Hydrophile Salbe DAB gehört nach Ph. Eur. zu den hydrophilen Salben, da sie Macrogole als Grundlage enthält.
Sie enthält keine Macrogole, sondern emulgierenden Cetylstearylalkohol, Dickflüssiges Paraffin und Weißes Vaselin. Nach Ph. Eur. ist sie eine Wasser aufnehmende Salbe.
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