Rezepturarzneimittel

Konservierung und Antioxidantien in Cremes

Welche Cremes und wasserhaltigen Salben ohne Konservierung mikrobiell gefährdet sind und welche Stoffe sie konservieren oder vor Oxidation schützen.

Prüfungsrelevanz: gut zu wissen ✓ gelesen
Das Wichtigste in Kürze5 Punkte
  • Die mikrobielle Anfälligkeit einer Creme hängt von ihrem Wassergehalt ab, denn Keime vermehren sich nur in der Wasserphase.
  • Unkonservierte lipophile Salben sind länger haltbar als unkonservierte lipophile Cremes.
  • Wasserhaltige hydrophile Salbe (DAB) ist mit rund 70 % Wasser am stärksten gefährdet und wird in der Regel konserviert.
  • Gebräuchliche Konservierungsmittel halbfester Zubereitungen sind Methyl-/Propyl-4-hydroxybenzoat, Sorbinsäure und Benzylalkohol.
  • Ascorbinsäure und Tocopherolacetat konservieren nicht. Der Kühlcreme (DAB) dürfen Antioxidantien zugesetzt werden.

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Worum es geht

Sobald eine Grundlage Wasser enthält, können sich darin Keime vermehren. In der Rezeptur entscheidet das, ob eine Creme konserviert werden muss. Zudem darf man Konservierungsmittel nicht mit Antioxidantien verwechseln, die vor dem Ranzigwerden schützen.

Mikrobielle Anfälligkeit

Mikroorganismen brauchen Wasser, um sich zu vermehren. Deshalb bestimmt der Wassergehalt die mikrobielle Anfälligkeit einer Grundlage. Eine wasserfreie lipophile Salbe bietet Keimen kaum Lebensraum. Sie bleibt unkonserviert länger haltbar als eine lipophile Creme, deren Wasseranteil das Wachstum begünstigt. In O/W-Cremes ist die Wasserphase sogar zusammenhängend, sodass sich Keime ungehindert ausbreiten.

Drei Kreise im Vergleich: Fett ohne Wasser, Öl mit eingeschlossenen Wassertropfen, Wasser mit Öltropfen, darin kleine Bakterien in den wässrigen Bereichen

Keime vermehren sich nur im Wasser: Die O/W-Creme bietet ihnen eine zusammenhängende Wasserphase, die W/O-Creme nur getrennte Tröpfchen.

Unkonserviert sind daher mehrere Arzneibuchcremes anfällig: die Nichtionische hydrophile Creme, die lipophile Wollwachsalkoholcreme und die Wasserhaltige hydrophile Salbe (DAB). Letztere ist am stärksten gefährdet. Sie besteht zu rund 70 % aus Wasser und muss deshalb in der Regel konserviert werden. Wie sich daraus Aufbrauchfristen ergeben, zeigt die Einheit zur Haltbarkeit.

Konservierungsmittel

Für halbfeste Zubereitungen sind wenige Konservierungsmittel gebräuchlich:

  • Methyl- und Propyl-4-hydroxybenzoat, meist als Kombination eingesetzt
  • Sorbinsäure, eine ungesättigte Carbonsäure
  • Benzylalkohol, ein aromatischer Alkohol

Vier Strukturformeln: zwei 4-Hydroxybenzoesäureester mit Methyl- und Propylrest, die Dienkarbonsäure Sorbinsäure und Benzylalkohol

Gebräuchliche Konservierungsmittel halbfester Zubereitungen

Davon abzugrenzen sind Antioxidantien. Ascorbinsäure fängt Sauerstoff und Radikale ab, hemmt aber keine Keime. Sie ist deshalb kein Konservierungsmittel. Dasselbe gilt für Tocopherolacetat.

Zwei Strukturformeln von Vitamin E: links mit OH-Gruppe am Chromanring, rechts mit Acetatgruppe an derselben Stelle

Freies Tocopherol fängt Radikale über seine phenolische OH-Gruppe ab, im Acetat ist sie verestert.
⚠️ Achtung: Tocopherol und Tocopherolacetat

Freies α-Tocopherol wirkt über seine phenolische OH-Gruppe als lipophiles Antioxidans. Im Tocopherolacetat ist diese Gruppe verestert. Es schützt die Grundlage daher weder vor Keimen noch wirksam vor Oxidation.

Antioxidantien

Antioxidantien schützen oxidationsempfindliche Fette vor dem Ranzigwerden. Der Kühlcreme (DAB) dürfen sie zugesetzt werden. Sie enthält viel fettes Öl, das an der Luft oxidieren kann.

In einer Cremerezeptur muss man das Antioxidans von den Grundlagenbestandteilen unterscheiden. Ein hydrophiles Antioxidans wie Ascorbinsäure löst sich in der Wasserphase. Die übrigen typischen Bestandteile erfüllen andere Aufgaben:

Bestandteil Aufgabe in der Creme
Benzylalkohol Konservierungsmittel
Emulgierender Cetylstearylalkohol O/W-Emulgator
Paraffin, Vaselin Lipidphase, Konsistenz
Octyldodecanol flüssige Lipidkomponente
Ascorbinsäure hydrophiles Antioxidans

Quiz

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Aussage 1

Tocopherolacetat eignet sich als Konservierungsmittel für Cremes.

Tocopherolacetat hemmt keine Keime. Geeignet sind etwa Sorbinsäure, Benzylalkohol oder Methyl-/Propyl-4-hydroxybenzoat.

Aussage 2

Wasserhaltige hydrophile Salbe (DAB) muss wegen ihres hohen Wasseranteils in der Regel konserviert werden.

Mit rund 70 % Wasser ist sie unter den unkonservierten Grundlagen am stärksten mikrobiell gefährdet.

Aussage 3

Eine unkonservierte lipophile Salbe ist kürzer haltbar als eine unkonservierte lipophile Creme.

Umgekehrt: Die wasserfreie Salbe ist länger haltbar, weil erst der Wassergehalt der Creme mikrobielles Wachstum ermöglicht.

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