Rezepturarzneimittel

Extraktionsverfahren: Mazeration, Perkolation und Teebereitung

Wie Mazeration, Digestion und Perkolation Inhaltsstoffe aus Drogen lösen, warum nur die Perkolation erschöpfend extrahiert und wie man Tees richtig bereitet.

Prüfungsrelevanz: wichtig ✓ gelesen
Das Wichtigste in Kürze6 Punkte
  • Extraktion heißt, lösliche Inhaltsstoffe einer Droge durch Diffusion entlang eines Konzentrationsgefälles in ein Menstruum zu überführen.
  • Bei der Mazeration steht zerkleinerte Droge mit dem Menstruum bis zum Konzentrationsgleichgewicht. Sie ist diskontinuierlich und nicht erschöpfend.
  • Schütteln beschleunigt die Mazeration, erhöht aber die Gesamtausbeute nicht. Remazeration steigert die Ausbeute, bleibt aber nicht erschöpfend.
  • Digestion ist eine Mazeration bei erhöhter Temperatur, ebenfalls diskontinuierlich und nicht erschöpfend.
  • Bei der Perkolation fließt frisches Menstruum kontinuierlich durch die Droge. Das Gefälle bleibt erhalten, daher ist sie erschöpfend. Der Perkolator ist ein schmaler Zylinder mit Konus und Ablasshahn.
  • Tees werden mit Wasser unmittelbar vor Gebrauch als Infus, Dekokt oder Kaltmazerat bereitet.

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Worum es geht

Pflanzliche Extrakte und Tinkturen entstehen, indem ein Lösungsmittel Inhaltsstoffe aus einer Droge herauslöst. Welches Verfahren man wählt, bestimmt die Ausbeute und die Zusammensetzung des Auszugs. Das reicht vom industriellen Fluidextrakt bis zum Kamillentee aus der Apotheke.

Prinzip der Extraktion

Die Droge ist das getrocknete Pflanzenmaterial. Sie gibt ihre löslichen Inhaltsstoffe an eine Flüssigkeit ab. Diese Extraktionsflüssigkeit heißt Menstruum.

📖 Definition: Menstruum

Das Menstruum ist das Extraktionsmittel, mit dem die Droge ausgezogen wird, etwa Wasser oder ein Ethanol-Wasser-Gemisch.

Triebkraft ist das Konzentrationsgefälle. In den Zellen der Droge ist die Konzentration hoch, im frischen Menstruum null. Gelöste Stoffe wandern deshalb durch Diffusion nach außen. Sobald beide Konzentrationen gleich sind, endet der Nettotransport.

Daraus folgt die wichtigste Unterscheidung. Ein Verfahren, das im Gleichgewicht stehen bleibt, lässt immer einen Rest in der Droge zurück. Es ist nicht erschöpfend. Nur wer das Gefälle ständig erneuert, kann die Droge erschöpfend ausziehen. Wie die Auszüge danach eingeteilt werden, steht unter Extraktarten.

Extraktionswasser

Wird mit Wasser extrahiert, muss es der Ph.-Eur.-Monographie „Wasser zur Herstellung von Extrakten“ entsprechen. Die übrigen Wasserqualitäten des Arzneibuchs findest du unter Wasserqualitäten.

Mazeration

Bei der Mazeration mischt man die Droge mit dem Menstruum und lässt den Ansatz eine angemessene Zeit stehen. Die Droge liegt dabei in Stücken geeigneter Größe vor. Ein feines Pulver ist nicht nötig, zerkleinerte Droge genügt. Ständiges Rühren schreibt das Arzneibuch nicht vor.

Die Inhaltsstoffe verlassen die Droge auf zwei Wegen. Aus angeschnittenen Zellen werden sie ausgewaschen. Aus unversehrten Zellen diffundieren sie durch die intakte Zellwand ins Menstruum. Nach ausreichender Zeit sind die Konzentrationen in Droge und Menstruum ausgeglichen. Dann trennt man den Drogenrückstand ab.

Diagramm mit fallender Kurve für die Droge und steigender Kurve für das Menstruum, die sich einem gemeinsamen Plateau nähern.

Mazeration: Konzentrationsausgleich bis zum Gleichgewicht; Schütteln erreicht denselben Endwert nur schneller.
💡 Merke

Schütteln (Schüttelmazeration) erreicht das Gleichgewicht schneller, aber die Gesamtausbeute steigt dadurch nicht. Der Endwert bleibt derselbe.

Die Mazeration ist diskontinuierlich: Ein Ansatz wird in einem Schritt bearbeitet. Weil sie im Gleichgewicht endet, ist sie nicht erschöpfend. Das gilt auch für die Schüttelmazeration.

Mehr holt die Remazeration heraus. Man setzt den abgetrennten Rückstand mit einer frischen Portion Menstruum erneut an. So entsteht ein neues Gefälle. Die Auszüge werden anschließend vereinigt. Die Gesamtausbeute ist höher als bei einfacher Mazeration. Erschöpfend ist aber auch sie nicht, denn jede Stufe endet wieder im Gleichgewicht.

Flussdiagramm mit zwei aufeinanderfolgenden Mazerationsstufen und anschließender Vereinigung der Auszüge.

Remazeration: Der Rückstand wird mit frischem Menstruum erneut angesetzt, die Auszüge werden vereinigt.

Die Kaffeemaschine ist übrigens keine Mazeration. Dort läuft das Wasser durch das Pulver hindurch, statt mit ihm stehen zu bleiben.

Digestion

Die Digestion ist eine Mazeration bei erhöhter Temperatur. Wärme beschleunigt die Diffusion und verbessert oft die Löslichkeit. Am Prinzip ändert sich nichts. Auch die Digestion ist diskontinuierlich und nicht erschöpfend.

Mit Kälte hat der Begriff nichts zu tun. Eine Mazeration unter Raumtemperatur zur Schonung thermolabiler Stoffe ist keine Digestion. Ebenso heißt die warme Mazeration nicht Perkolation, denn bei ihr fließt kein Menstruum durch die Droge.

Perkolation

Bei der Perkolation fließt frisches Menstruum kontinuierlich von oben durch die Drogenschicht. Unten tritt der Auszug aus, das Perkolat. Auch hier beruht die Extraktion auf Diffusion der gelösten Inhaltsstoffe ins Menstruum.

Der Unterschied liegt im Gefälle. Die beladene Flüssigkeit läuft ständig ab, frische rückt nach. So bleibt zwischen Droge und umgebender Lösung (Miscella) während der ganzen Extraktion ein Konzentrationsgefälle erhalten. Man kann sich das wie einen Wasserhahn über einem Schwamm vorstellen, der nie vollgesogen wird. Eine ausreichend lange Perkolation zieht die Droge daher weitgehend erschöpfend aus. Vakuum oder eine hydraulische Presse braucht das Verfahren nicht.

Das Gerät dafür ist der Perkolator: ein hohes, schmales, zylindrisches Gefäß. Oben ist er offen für das zutropfende Menstruum. Unten verjüngt er sich konisch und endet in einem Ablasshahn.

Schmaler Glaszylinder mit Drogenfüllung, oben offen mit zutropfendem Lösungsmittel, unten konisch verjüngt mit Ablasshahn und Auffanggefäß.

Perkolator: Frisches Menstruum fließt von oben durch die Droge, unten tropft das Perkolat ab.

Unter mehreren Apparaturen erkennst du ihn an genau dieser Form. Die anderen Geräte unterscheiden sich so:

Apparatur Erkennungsmerkmal
Perkolator schmaler Zylinder, unten Konus mit Hahn
Mazerationsgefäß einfacher Kolben, etwa Erlenmeyerkolben, ohne Auslauf
Destillation Kolben mit seitlich abgehendem Kühler und Vorlage
Rückfluss Kolben mit senkrecht aufgesetztem Kühler

Vier schematische Laborapparaturen nebeneinander, der Perkolator als schmaler Zylinder mit Hahn hervorgehoben.

Perkolator im Vergleich zu Mazerations-, Destillations- und Rückflussapparatur.

Die drei Verfahren im Überblick:

Verfahren Temperatur Ablauf Erschöpfend
Mazeration Raumtemperatur diskontinuierlich nein
Digestion erhöht diskontinuierlich nein
Perkolation Raumtemperatur kontinuierlich ja

Teezubereitungen

Trinkfertige Tees aus Teedrogen bereitet man mit Wasser, nicht mit Ethanol-Wasser-Gemischen. Man stellt sie unmittelbar vor dem Gebrauch her. Drei Wege sind üblich:

  • Infus (Aufguss): Die Droge wird mit siedendem Wasser übergossen und zieht kurz, etwa bei Blüten und Blättern.
  • Dekokt (Abkochung): Die Droge wird mit Wasser gekocht, geeignet für harte Teile wie Wurzeln und Rinden.
  • Kaltmazerat: Die Droge steht in kaltem Wasser, etwa Eibischwurzel für ihre Schleimstoffe.

Siedendes Wasser ist also nicht in jedem Fall nötig. Entscheidend ist, was die jeweilige Droge verträgt.

Quiz

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Aussage 1

Ein Perkolator ist ein hohes, schmales Gefäß, das sich unten konisch verjüngt und einen Ablasshahn trägt.

Genau an dieser Form erkennt man ihn unter Destillations-, Rückfluss- und Mazerationsapparaturen.

Aussage 2

Trinkfertige Zubereitungen aus Teedrogen werden mit einem Ethanol-Wasser-Gemisch bereitet, damit auch lipophile Stoffe in den Tee gelangen.

Tees werden ausschließlich mit Wasser bereitet, als Infus, Dekokt oder Kaltmazerat.

Aussage 3

Die Remazeration ergibt eine höhere Gesamtausbeute als die einfache Mazeration, extrahiert die Droge aber nicht erschöpfend.

Frisches Menstruum erzeugt ein neues Gefälle. Jede Stufe endet jedoch wieder im Gleichgewicht.

Aussage 4

Eine Schüttelmazeration liefert am Ende eine größere Gesamtmenge an Inhaltsstoffen als eine ruhende Mazeration.

Schütteln verkürzt nur die Zeit bis zum Gleichgewicht. Der Endwert und damit die Gesamtausbeute bleiben gleich.

Aussage 5

Die Digestion ist ein kontinuierliches Extraktionsverfahren, bei dem warmes Menstruum durch die Droge fließt.

Die Digestion ist eine Mazeration bei erhöhter Temperatur und damit diskontinuierlich. Kontinuierlich ist die Perkolation.

Aussage 6

Bei der Perkolation bleibt während der ganzen Extraktion ein Konzentrationsgefälle zwischen Droge und umgebender Lösung bestehen.

Beladene Flüssigkeit läuft unten ab, frisches Menstruum fließt oben nach. Deshalb ist eine erschöpfende Extraktion möglich.

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