Elektrizität

Schwache Elektrolyte: Dissoziationsgrad, pKa und Puffer

Wie Aciditätskonstante, pKa-Wert und Dissoziationsgrad zusammenhängen und wie man daraus den pH-Wert eines Puffers abschätzt.

Prüfungsrelevanz: gut zu wissen ✓ gelesen
Das Wichtigste in Kürze5 Punkte
  • Schwache Elektrolyte dissoziieren in Wasser nur teilweise, es stellt sich ein Gleichgewicht zwischen HA und Ionen ein.
  • Die Aciditätskonstante \(K_a\) enthält die Aktivitäten von \(\ce{H3O+}\), \(\ce{A-}\) und HA, aber nicht die des Wassers.
  • Der pKa-Wert ist \(-\lg K_a\) (dekadisch): großes \(K_a\), kleiner pKa.
  • Ostwald’sches Verdünnungsgesetz: \(K_a = \alpha^2 c/(1-\alpha)\), die Näherung \(\alpha^2 c\) gilt nur für sehr kleines \(\alpha\); Verdünnung erhöht \(\alpha\).
  • Henderson-Hasselbalch: \(\mathrm{pH} = \mathrm{p}K_a - \lg(c_\text{Säure}/c_\text{Base})\), die Pufferkapazität ist bei pH = pKa maximal.

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Worum es geht

Viele Arzneistoffe sind schwache Säuren, etwa Acetylsalicylsäure. Wie stark sie dissoziieren, beschreiben Aciditätskonstante, pKa-Wert und Dissoziationsgrad. Dieselben Größen erklären, wie Puffer den pH-Wert stabil halten.

Unvollständige Dissoziation

Starke Elektrolyte wie Salzsäure liegen in Wasser praktisch vollständig als Ionen vor. Schwache Säuren wie Essigsäure dissoziieren dagegen nur teilweise. Es stellt sich ein Gleichgewicht ein:

\[\ce{HA + H2O <=> H3O+ + A-}\]

Die meisten Moleküle bleiben als HA erhalten, wie das Teilchenbild zeigt.

Zwei Bechergläser im Teilchenmodell, links nur Ionen, rechts überwiegend undissoziierte Säuremoleküle.

Starker und schwacher Elektrolyt im Teilchenbild.

Aciditätskonstante und pKa-Wert

Die Aciditätskonstante \(K_a\) ist die Gleichgewichtskonstante dieser Reaktion. Exakt formuliert man sie mit Aktivitäten:

\[K_a = \frac{a(\ce{H3O+}) \cdot a(\ce{A-})}{a(\ce{HA})}\]

Wasser geht nicht ein. Als Lösungsmittel liegt es in großem Überschuss vor, seine Aktivität ist praktisch 1. Je kleiner \(K_a\), desto geringer ist die Neigung der Säure zur Protonenabgabe.

Handlicher ist der pKa-Wert, der negative dekadische Logarithmus: \(\mathrm{p}K_a = -\lg K_a\). Ein großes \(K_a\) ergibt also einen kleinen pKa. Der natürliche Logarithmus ist hier falsch, er liefert einen um den Faktor 2,3 größeren Wert. Beispiel Benzoesäure mit \(K_a = 6{,}3 \cdot 10^{-5}\): \(\mathrm{p}K_a = 5 - \lg 6{,}3 = 5 - 0{,}80 = 4{,}20\).

Dissoziationsgrad und Verdünnungsgesetz

Der Dissoziationsgrad \(\alpha = [\ce{A-}]/[\ce{HA}]_0\) ist der Anteil der eingesetzten Säuremoleküle, der dissoziiert. Er ist dimensionslos und bei schwachen Säuren deutlich kleiner als 1. In reinem Wasser gilt \([\ce{H3O+}] = \alpha \cdot [\ce{HA}]_0\). Setzt man das in \(K_a\) ein, folgt das Ostwald’sche Verdünnungsgesetz.

🧮 Formelauswendig können

\[K_a = \frac{\alpha^2 \cdot c}{1-\alpha} \approx \alpha^2 \cdot c\] Die Näherung gilt nur für sehr kleine Dissoziationsgrade.

Größe Bedeutung Einheit
\(K_a\) Aciditätskonstante (mit Konzentrationen) mol/L
\(\alpha\) Dissoziationsgrad 1
\(c\) Ausgangskonzentration der Säure mol/L

Da \(K_a\) konstant bleibt, muss \(\alpha\) bei Verdünnung steigen. Mit zunehmender Konzentration sinkt \(\alpha\). Zeigen zwei Säuren gleicher Konzentration verschiedene \(\alpha\), haben sie verschiedene Konstanten.

  1. Gegeben: \(c = 0{,}05\) mol/L, \(\alpha = 0{,}02\).
  2. Näherung: \(K_a \approx 0{,}02^2 \cdot 0{,}05\) mol/L \(= 2{,}0 \cdot 10^{-5}\) mol/L.
  3. Exakt: Division durch \(1 - 0{,}02 = 0{,}98\) ergibt \(2{,}04 \cdot 10^{-5}\) mol/L, die Näherung passt also.

Diagramm: Dissoziationsgrad gegen Konzentration, Kurve der Essigsäure fällt mit steigender Konzentration von nahe 1 auf wenige Prozent ab.

Bei schwachen Säuren wächst der Dissoziationsgrad mit zunehmender Verdünnung.

Puffer

Ein Puffer enthält eine schwache Säure und ihre korrespondierende Base, etwa Essigsäure und Acetat. Den pH-Wert liefert näherungsweise die Henderson-Hasselbalch-Gleichung:

\[\mathrm{pH} = \mathrm{p}K_a - \lg\frac{c(\text{Säure})}{c(\text{Base})}\]

Entscheidend ist das Verhältnis, nicht die Säurekonzentration allein. Nur bei gleichen Konzentrationen gilt \(\mathrm{pH} = \mathrm{p}K_a\). Bei zehnfachem Säureüberschuss liegt der pH eine Einheit darunter.

Die Pufferkapazität gibt an, wie viel Säure oder Base ein Puffer abfängt, bevor sich der pH merklich ändert. Sie ist am Halbäquivalenzpunkt am größten. Brauchbar puffert die Lösung etwa im Bereich \(\mathrm{p}K_a \pm 1\), bei Essigsäure um 4,76. Höhere Gesamtkonzentration erhöht die Kapazität.

Titrationskurve von Essigsäure mit Natronlauge mit flachem Abschnitt um pH 4,76 und markiertem Halbäquivalenzpunkt.

Im flachen Teil der Titrationskurve um den pKa puffert die Lösung am stärksten.

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Aussage 1

Ein Essigsäure/Acetat-Puffer (pKa 4,76) mit zehnmal mehr Säure als Base hat einen pH-Wert von etwa 3,76.

\(\mathrm{pH} = 4{,}76 - \lg 10 = 3{,}76\). Nur bei gleichen Konzentrationen wäre pH = pKa.

Aussage 2

Verdünnt man die Lösung einer schwachen Säure, nimmt ihr Dissoziationsgrad zu.

Nach dem Ostwald’schen Verdünnungsgesetz muss \(\alpha\) bei sinkendem \(c\) steigen, weil \(K_a\) konstant bleibt.

Aussage 3

Der pKa-Wert einer Säure berechnet sich als negativer natürlicher Logarithmus ihrer Aciditätskonstante.

Der pKa ist der negative dekadische Logarithmus: \(\mathrm{p}K_a = -\lg K_a\).

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