Vaginalzäpfchen: Grundmassen und Herstellung
Welche Grundmassen sich für Vaginalzäpfchen eignen und wie man Gelatine-Vaginalzäpfchen im Gießverfahren herstellt.
Das Wichtigste in Kürze
- Vaginalzäpfchen sind feste, meist eiförmige Einzeldosen zur vaginalen Anwendung, deren Grundmasse bei Körpertemperatur schmilzt oder sich in Vaginalflüssigkeit löst.
- Hartfett und Kakaobutter eignen sich als lipophile Grundmassen, weil sie bei 37 °C schmelzen.
- Macrogole und Gelatine-Glycerol-Wasser sind hydrophile Grundmassen, die sich in der Vaginalflüssigkeit lösen.
- Hartparaffin ist ungeeignet: Es schmilzt nicht bei Körpertemperatur und löst sich nicht in Wasser.
- Vaginalzäpfchen entstehen im Gießverfahren; Gelatine lässt man zuvor etwa 20 Minuten in kaltem Wasser quellen und vermeidet langes Sieden.
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Worum es geht
Vaginalzäpfchen bringen Arzneistoffe wie Clotrimazol direkt an den Ort einer vaginalen Infektion. Sie ähneln in Grundmassen und Herstellung stark den Rektalzäpfchen. Wer die Unterschiede kennt, kann sie in der Rezeptur sicher anfertigen.
Vaginale Applikation
Das Arzneibuch fasst Zubereitungen zur vaginalen Anwendung in einer eigenen Monographie zusammen. Dazu zählen neben Vaginalzäpfchen auch Vaginaltabletten, Vaginalkapseln, Vaginalcremes und Vaginalschäume. Meist wirken sie lokal, etwa gegen Pilz- oder bakterielle Infektionen.
Vaginalzäpfchen sind feste, einzeldosierte Zubereitungen zum Einführen in die Vagina, meist eiförmig. Ihre Grundmasse schmilzt bei Körpertemperatur oder löst sich in der Vaginalflüssigkeit und gibt so den Wirkstoff frei.
Die Vagina enthält nur wenig Flüssigkeit. Das bestimmt, welche Grundmassen funktionieren: Eine wasserlösliche Masse muss sich schon in kleinen Volumina auflösen.
Grundmassen
Geeignet sind dieselben Typen wie bei Suppositoriengrundmassen. Lipophile Massen wie Hartfett und Kakaobutter schmelzen bei 37 °C und geben den Wirkstoff frei. Ihr Schmelzverhalten erklärt die Seite zu Hartfett und Kakaobutter.
Hydrophile Macrogole schmelzen dagegen nicht im Körper, sondern lösen sich in der Vaginalflüssigkeit. Weil sie dabei Wasser anziehen, können sie die Schleimhaut reizen. Eine weitere hydrophile Grundmasse ist eine Mischung aus Gelatine, Glycerol und Wasser.
Ungeeignet ist Hartparaffin. Sein Schmelzbereich liegt deutlich über Körpertemperatur, und in Wasser löst es sich nicht. Das Zäpfchen bliebe fest wie ein Kerzenstummel und setzte keinen Wirkstoff frei.
Herstellung
Vaginalzäpfchen stellt man üblicherweise im Gießverfahren her. Die Grundmasse wird verflüssigt, der Wirkstoff eingearbeitet und die Masse in Formen gegossen, wo sie erstarrt. Bei Gelatine-Grundmassen kommt ein Vorbereitungsschritt hinzu, denn Gelatine löst sich nicht sofort klar auf.
- Quellen: Gelatine etwa 20 Minuten in kaltem Wasser quellen lassen.
- Lösen: Glycerol zugeben und im Wasserbad schonend erwärmen, bis eine klare Masse entsteht.
- Einarbeiten: Den Wirkstoff gleichmäßig einrühren.
- Gießen: In Zäpfchenformen ausgießen und erstarren lassen.
Das kalte Quellen ist der entscheidende Schritt. Die Gelatine nimmt dabei Wasser auf und löst sich danach rasch und klumpenfrei. Langes Sieden der fertigen Masse wäre dagegen schädlich. Hitze baut Gelatine hydrolytisch ab, und das Gel verliert seine Festigkeit. Deshalb erwärmt man nur so lange, bis alles gelöst ist.
Quiz
Aussage 1
Macrogol-Vaginalzäpfchen setzen den Wirkstoff frei, indem sie bei Körpertemperatur schmelzen.
Macrogole lösen sich in der Vaginalflüssigkeit. Schmelzen bei 37 °C ist das Prinzip lipophiler Grundmassen wie Hartfett und Kakaobutter.
Aussage 2
Hartparaffin ist eine geeignete Grundmasse für Vaginalzäpfchen, weil es chemisch sehr stabil ist.
Hartparaffin schmilzt nicht bei Körpertemperatur und löst sich nicht in Wasser. Es würde keinen Wirkstoff freisetzen und ist daher ungeeignet.
Aussage 3
Für Gelatine-Vaginalzäpfchen lässt man die Gelatine zunächst etwa 20 Minuten in kaltem Wasser quellen, bevor sie im Wasserbad gelöst wird.
Durch das kalte Quellen nimmt die Gelatine Wasser auf und löst sich danach schonend und klumpenfrei.
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