Rezepturarzneimittel

Salben: Definition und Einteilung nach Ph. Eur.

Was eine Salbe nach Ph. Eur. ausmacht, wie sich hydrophobe, Wasser aufnehmende und hydrophile Salben unterscheiden und welche Grundlagen Isogele sind.

Prüfungsrelevanz: wichtig ✓ gelesen
Das Wichtigste in Kürze6 Punkte
  • Eine Salbe ist nach Ph. Eur. eine halbfeste Zubereitung mit einphasiger Grundlage, in der feste oder flüssige Substanzen gelöst oder dispergiert sein können.
  • Die Ph. Eur. unterscheidet hydrophobe, Wasser aufnehmende und hydrophile Salben nach ihrem Verhalten gegenüber Wasser.
  • Wasser aufnehmende Salben enthalten einen Emulgator und bilden mit Wasser W/O- oder O/W-Cremes; Vaselin braucht für größere Wassermengen einen Emulgatorzusatz.
  • Weißes Vaselin mit 1 % Hydrocortison ist eine hydrophobe Salbe und keine Paste; Hydrophile Salbe DAB ist eine Wasser aufnehmende Salbe.
  • Die Hydrophilie steigt von Vaselin über W/O-Cremes wie Lanolin und O/W-Cremes bis zu Hydrogelen aus Carbomer oder Hydroxyethylcellulose.
  • Isogele haben ein chemisch gleichartiges Gerüst und Flüssigkeit: Vaselin und Macrogolsalbe DAC sind Isogele, Lanolin als W/O-Emulsion nicht.

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Worum es geht

Salben sind die einfachsten halbfesten Zubereitungen für die Haut. Wer ihre Grundlage richtig einordnet, weiß sofort, ob eine Rezeptur Wasser verträgt, einen Emulgator braucht oder sich abwaschen lässt. Das ist bei jeder Hydrocortison- oder Harnstoffsalbe in der Rezeptur nötig.

Halbfeste Zubereitungen im Überblick

Das Arzneibuch fasst Salben, Cremes, Gele und Pasten als halbfeste Zubereitungen zur kutanen Anwendung zusammen. Sie wirken auf der Haut oder auf bestimmten Schleimhäuten, schützen sie oder bringen Wirkstoffe hinein. Jede besteht aus einer Grundlage, in der ein oder mehrere Wirkstoffe gelöst oder verteilt sind. Hilfsstoffe wie Konservierungsmittel, Antioxidantien oder Emulgatoren ergänzen die Grundlage.

Die vier Formen unterscheidet man am Aufbau der Grundlage:

  • Salbe: einphasige Grundlage
  • Creme: mehrphasig, aus lipophiler und wässriger Phase (Cremes)
  • Gel: Flüssigkeit, die ein Gelbildner verfestigt (Gele)
  • Paste: Grundlage mit großen Anteilen fein dispergierter Feststoffe (Pasten)

Entscheidend ist also nicht der Name auf dem Etikett. Es zählen die Zahl der Phasen und der Feststoffanteil.

Definition und Salbenklassen

Nach Ph. Eur. besteht eine Salbe aus einer einphasigen Grundlage. In ihr können feste oder flüssige Substanzen gelöst oder dispergiert sein. Ein suspendierter Wirkstoff macht die Salbe deshalb nicht zur Creme, denn die Grundlage selbst bleibt einphasig. Eine eigene wässrige Phase hat eine Salbe nicht.

Nach ihrem Verhalten gegenüber Wasser teilt das Arzneibuch Salben in drei Klassen ein:

Klasse Verhalten gegenüber Wasser Typische Bestandteile Beispiel
Hydrophobe Salbe nimmt nur kleine Mengen Wasser auf Vaselin, Paraffine, pflanzliche Öle, Fette, Wachse Weißes Vaselin
Wasser aufnehmende Salbe nimmt größere Mengen Wasser auf, bildet je nach Emulgator eine W/O- oder O/W-Emulsion hydrophobe Grundlage plus Emulgator, etwa Wollwachsalkohole oder Emulgierender Cetylstearylalkohol Wollwachsalkoholsalbe, Hydrophile Salbe DAB
Hydrophile Salbe Grundlage ist mit Wasser mischbar Mischungen flüssiger und fester Macrogole Macrogolsalbe DAC

Die Einzelheiten jeder Klasse folgen auf eigenen Seiten: hydrophobe Salben, Wasser aufnehmende Salben und hydrophile Salben.

Um eine Rezeptur zuzuordnen, gehst du die Fragen der Abbildung von oben nach unten durch. Enthält sie eine wässrige Phase, ist sie eine Creme. Enthält sie viel Feststoff, ist sie eine Paste. Erst danach prüfst du die Grundlage: Ist sie mit Wasser mischbar, liegt eine hydrophile Salbe vor. Enthält sie einen Emulgator, ist sie Wasser aufnehmend. Sonst ist sie hydrophob.

Flussdiagramm mit fünf Entscheidungsfragen, die eine Rezeptur einer Creme, Paste, hydrophilen, Wasser aufnehmenden oder hydrophoben Salbe zuordnen

Schritt für Schritt von der Rezepturzusammensetzung zur Salbenklasse nach Ph. Eur.
🎯 Examensrelevant: Salbendefinition und Zuordnung

Die Zuordnung einer Rezeptur zu den drei Salbenklassen wird im Examen gerne gefragt. Achte auf die einphasige Grundlage: Weißes Vaselin mit 1 % Hydrocortison bleibt eine hydrophobe Salbe, denn 1 % Feststoff ist kein großer Anteil und macht sie nicht zur Paste.

Aus der Klasse folgt auch, ob eine Rezeptur einen Emulgator braucht. Soll Wasser oder eine wässrige Wirkstofflösung hinein, gilt:

  • Vaselin: Größere Wassermengen trennen sich wieder ab. Ein Emulgator wie Wollwachsalkohole muss zugesetzt werden.
  • Wollwachsalkoholsalbe: Sie bringt ihren W/O-Emulgator schon mit. Wasser lässt sich direkt einarbeiten, es entsteht eine W/O-Creme.
  • Macrogolsalbe: Sie mischt sich mit Wasser und braucht keinen Emulgator.

Nimmt eine Wasser aufnehmende Salbe Wasser auf, ist das Produkt eine Creme. Welcher Emulsionstyp entsteht, bestimmt ihr Emulgator.

⚠️ Achtung: Hydrophile Salbe DAB

Trotz ihres Namens ist Hydrophile Salbe DAB nach Ph. Eur. eine Wasser aufnehmende Salbe. Sie besteht aus Paraffin und Vaselin mit Emulgierendem Cetylstearylalkohol und bildet mit Wasser eine O/W-Creme.

Hydrophilie-Reihe

Ordnet man gebräuchliche Arzneibuchgrundlagen nach ihrer Hydrophilie, entscheidet vor allem die äußere Phase. Je mehr Wasser außen liegt, desto hydrophiler ist die Grundlage und desto leichter lässt sie sich abwaschen. Die Reihe umfasst bewusst auch Cremes und Gele:

Vaselin < Lanolin bzw. Wasserhaltige Wollwachsalkoholsalbe < Wasserhaltige Hydrophile Salbe bzw. Nichtionische Hydrophile Creme < Carbomergel bzw. Hydroxyethylcellulosegel

Vaselin ist rein lipophil und einphasig. Lanolin und Wasserhaltige Wollwachsalkoholsalbe sind W/O-Cremes, das Wasser liegt innen. Wasserhaltige Hydrophile Salbe und Nichtionische Hydrophile Creme sind O/W-Cremes mit Wasser als äußerer Phase. Hydrogele aus Carbomer oder Hydroxyethylcellulose bestehen fast nur aus Wasser und bilden das hydrophile Ende. Liest man die Reihe rückwärts, nimmt die Lipophilie zu.

Pfeil mit vier Stufen von Vaselin über W/O- und O/W-Cremes bis zu Hydrogelen mit schematischen Tröpfchenbildern

Hydrophilie-Reihe halbfester Grundlagen: Die äußere Phase entscheidet.

Isogele

Manche Salbengrundlagen sind bei genauem Hinsehen selbst Gele. Ein festes Gerüst hält eine Flüssigkeit fest, ähnlich wie ein Schwamm Wasser hält. Sind beide Bestandteile chemisch verwandt, spricht man von einem Isogel.

📖 Definition: Isogel

Ein Isogel ist ein Gel, dessen Gerüst und eingeschlossene Flüssigkeit chemisch gleichartig sind.

Vaselin ist das klassische Beispiel. Feste Kohlenwasserstoffe bilden ein Netz, flüssige Kohlenwasserstoffe füllen es. Das gilt für Gelbes wie für Weißes Vaselin. Auch Macrogolsalbe DAC ist ein Isogel: Festes Macrogol 1500 bildet das Gerüst, flüssiges Macrogol 300 füllt es aus.

Lanolin (DAB) ist dagegen kein Isogel. Es besteht aus Wollwachs, dickflüssigem Paraffin und Wasser und ist eine W/O-Emulsion. Wassertröpfchen sind in einer lipophilen Phase verteilt, also liegen zwei verschiedenartige Phasen vor.

Drei Schemazeichnungen nebeneinander: zwei einheitliche Gelnetzwerke und eine Emulsion mit Wassertröpfchen

Isogele bestehen aus gleichartigem Gerüst und Flüssigkeit; Lanolin ist eine W/O-Emulsion.

Quiz

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Aussage 1

Um Wasser in Wollwachsalkoholsalbe einzuarbeiten, muss kein zusätzlicher Emulgator zugesetzt werden.

Wollwachsalkoholsalbe enthält mit den Wollwachsalkoholen bereits einen W/O-Emulgator. Mit Wasser entsteht direkt eine W/O-Creme.

Aussage 2

Macrogolsalbe DAC gehört nach Ph. Eur. zu den Wasser aufnehmenden Salben.

Macrogolsalbe ist mit Wasser mischbar und daher eine hydrophile Salbe. Wasser aufnehmende Salben enthalten eine hydrophobe Grundlage mit Emulgator.

Aussage 3

Weißes Vaselin mit 1 % Hydrocortison ist wegen des festen Wirkstoffs als Paste einzuordnen.

Eine Paste braucht große Anteile fein dispergierter Feststoffe. Mit 1 % Hydrocortison bleibt die Zubereitung eine hydrophobe Salbe.

Aussage 4

Nichtionische Hydrophile Creme ist hydrophiler als Lanolin.

Nichtionische Hydrophile Creme ist eine O/W-Creme mit Wasser als äußerer Phase, Lanolin eine W/O-Creme mit Wasser innen.

Aussage 5

Lanolin (DAB) ist wie Vaselin ein Isogel.

Lanolin ist eine W/O-Emulsion aus Wollwachs, Paraffin und Wasser mit zwei verschiedenartigen Phasen. Isogele sind Vaselin und Macrogolsalbe DAC.

Aussage 6

Ein in Vaselin suspendierter Wirkstoff ändert nichts daran, dass die Zubereitung eine Salbe ist.

Die Grundlage bleibt einphasig. Nach Ph. Eur. dürfen in der Salbengrundlage feste oder flüssige Substanzen gelöst oder dispergiert sein.

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