Rezepturarzneimittel

Pulver als Darreichungsform und Pudergrundlagen

Welche Anforderungen das Arzneibuch an Pulver zum Einnehmen und zur kutanen Anwendung stellt und welche Stoffe sich als Pudergrundlage eignen.

Prüfungsrelevanz: relevant ✓ gelesen
Das Wichtigste in Kürze5 Punkte
  • Pulver nach Ph. Eur. sind feste, lose, trockene Teilchen und werden in Pulver zum Einnehmen und Pulver zur kutanen Anwendung eingeteilt.
  • Kutane Pulver für große offene Wunden oder schwer geschädigte Haut müssen steril sein, Pulver zum Einnehmen nicht.
  • Pulver zum Einnehmen brauchen auch im Mehrdosenbehältnis kein Konservierungsmittel, und Einzeldosenbehältnisse brauchen keine Dosiervorrichtung.
  • Talkum und Kaolin sind Silikate, Zinkoxid und Titandioxid Metalloxide, Polyethylenglycol 600 ist als flüssiges Macrogol keine Pudergrundlage.
  • Zinkoxid ist weiß, amorph, wasserunlöslich, schwach adstringierend und kühlend, haftet aber schlecht; Eisenoxide passen Zinkoxid-Talkum-Puder an die Hautfarbe an.

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Worum es geht

Pulver gehören zu den einfachsten festen Arzneiformen. Man nimmt sie ein oder streut sie als Puder auf die Haut. Für beide Wege legt die Ph. Eur. Anforderungen fest, und für Puder braucht man geeignete Grundstoffe wie Talkum oder Zinkoxid.

Pulver nach Ph. Eur.

Pulver bestehen aus festen, losen und trockenen Teilchen. Die Ph. Eur. unterscheidet sie nach dem Anwendungsort. Pulver zum Einnehmen werden meist in Wasser eingerührt oder mit Flüssigkeit geschluckt. Pulver zur kutanen Anwendung streut man als Puder auf die Haut.

Die Sterilität hängt davon ab, wohin das Pulver gelangt. Ein kutanes Pulver für große offene Wunden oder schwer geschädigte Haut muss steril sein, denn hier fehlt die schützende Hornschicht. Pulver zum Einnehmen müssen dagegen nicht steril sein. Der Magen-Darm-Trakt ist ohnehin nicht keimfrei. Wie man Sterilität prüft, steht bei der Prüfung der Konservierung.

Auch ein Konservierungsmittel verlangt die Ph. Eur. für Pulver zum Einnehmen nicht, selbst in Mehrdosenbehältnissen. Ein trockenes Pulver bietet Keimen kaum verfügbares Wasser zum Wachsen. Eine vorgeschriebene mittlere Teilchengröße von höchstens 1 µm gibt es ebenfalls nicht.

Beim Behältnis zählt die Dosierung. Ein Einzeldosenbehältnis enthält bereits genau eine Dosis und braucht deshalb keine Dosiervorrichtung. Erst beim Mehrdosenbehältnis muss der Patient die Menge selbst abmessen.

Flussdiagramm, das von der Applikationsart zu Sterilitätsanforderung und Dosiervorrichtung führt

Anforderungen an Pulver nach Applikationsort und Behältnis

Pudergrundstoffe

Ein Puder besteht zum größten Teil aus seiner Grundlage. Sie trägt den Wirkstoff und bestimmt, wie der Puder sich anfühlt, haftet und rieselt.

📖 Definition: Pudergrundlage

Feines, trockenes und hautverträgliches Pulver, das Feuchtigkeit aufnimmt, Reibung mindert und als Träger für Wirkstoffe in Pulvern zur kutanen Anwendung dient.

Die Grundstoffe stammen aus mehreren Stoffklassen. Nur zwei davon sind Silikate.

Stoffklasse Beispiele
Silikate Talkum (Magnesiumsilicat), Weißer Ton (Kaolin)
Metalloxide Zinkoxid \(\ce{ZnO}\), Titandioxid \(\ce{TiO2}\)
Carbonate Magnesiumcarbonat
Metallsalze von Fettsäuren Aluminiumstearat
Organische Stoffe Stärke, Lactose, Cellulosepulver

Mindmap mit dem Zentrum Pudergrundstoffe und fünf Ästen für Silikate, Metalloxide, Carbonate, Metallseifen und organische Stoffe mit je ihren Beispielen

Pudergrundstoffe nach Stoffklassen

Talkum ist ein Schichtsilikat aus Magnesiumsilicaten. Zwischen seinen Schichtpaketen wirken nur schwache Kräfte. Die Pakete gleiten deshalb leicht gegeneinander, ähnlich wie Blätter in einem Kartenstapel. Das macht Talkum glatt und gut haftend.

Schema übereinanderliegender Silicat-Magnesium-Schichtpakete, zwischen denen nur schwache Kräfte wirken

Schichtstruktur von Talkum

Ungeeignet ist Polyethylenglycol 600. Dieses Macrogol ist bei Raumtemperatur flüssig und hygroskopisch. Es kann also kein trockenes, loses Pulver bilden.

Zinkoxid

Zinkoxid ist ein weißes, amorphes Pulver und in Wasser unlöslich. Auf der Haut wirkt es schwach adstringierend und leicht kühlend. Damit eignet es sich gut als Pudergrundlage.

Zwei Schwächen hat es allerdings. Zinkoxid haftet nicht sehr gut auf der Haut. Außerdem verbessert es die Fließfähigkeit eines Puders nicht. Man kombiniert es deshalb häufig mit Talkum, das gut haftet und gleitet.

Reine Zinkoxid-Talkum-Puder wirken auf der Haut weiß. Zusätze von Eisenoxiden färben sie und passen sie an die Hautfarbe an.

💡 Merke

Zinkoxid bringt Adstringenz und Kühlung, Talkum bringt Haftung und Gleitfähigkeit, Eisenoxide bringen den Hautton.

Quiz

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Aussage 1

Ein Puder zur Anwendung auf großen offenen Wunden muss steril sein.

Für große offene Wunden und schwer geschädigte Haut fordert die Ph. Eur. Sterilität, weil die schützende Hornschicht fehlt.

Aussage 2

Ein Pulver zum Einnehmen in einem Mehrdosenbehältnis muss nach Ph. Eur. ein Konservierungsmittel enthalten.

Ein Konservierungsmittel ist nicht vorgeschrieben. Im trockenen Pulver fehlt Keimen das verfügbare Wasser zum Wachsen.

Aussage 3

Polyethylenglycol 600 eignet sich wegen seiner Wasserunlöslichkeit gut als Pudergrundlage.

Polyethylenglycol 600 ist bei Raumtemperatur flüssig und hygroskopisch und eignet sich daher nicht als Pudergrundlage. Geeignet sind etwa Stärke, Lactose, Cellulosepulver oder Kaolin.

Aussage 4

Talkum ist ein Schichtsilikat, das aus Magnesiumsilicaten besteht.

Talkum ist ein Magnesiumsilicat mit Schichtstruktur. Die schwach gebundenen Schichtpakete gleiten leicht gegeneinander.

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