Rezepturarzneimittel

Pasten: Definition, Zusammensetzung und Herstellung

Was eine Paste nach Ph. Eur. ausmacht, woraus sie besteht, wie man Rezepturen als Paste erkennt und wie die Zinkpaste DAB hergestellt wird.

Prüfungsrelevanz: wichtig ✓ gelesen
Das Wichtigste in Kürze6 Punkte
  • Eine Paste ist nach Ph. Eur. eine halbfeste, mehrphasige Zubereitung zur kutanen Anwendung mit hohem Anteil fein dispergierter Feststoffe.
  • Die Pulver sind suspendiert, nicht gelöst. Pasten sind kein kolloiddisperses System und müssen nicht grundsätzlich steril sein.
  • Pastengrundlagen sind hydrophobe oder hydrophile Salbengrundlagen, typische Feststoffe Zinkoxid und Stärke. Umschlagpasten haben eine hydrophile Grundlage.
  • Eine Rezeptur ist eine Paste, wenn die Grundlage halbfest und der Feststoffanteil hoch ist. 30 % Zinkoxid in flüssigen Triglyceriden ergibt daher keine Paste.
  • Für die Zinkpaste DAB wird die Mischung aus Zinkoxid und Weizenstärke unterhalb der Verkleisterungstemperatur getrocknet und sofort durch Sieb 250 gesiebt.
  • Hochgefüllte Pasten können dilatant fließen und sich unter Druck verfestigen.

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Worum es geht

Pasten sind die feststoffreichsten halbfesten Zubereitungen für die Haut. Das bekannteste Beispiel ist die Zinkpaste, die wunde und nässende Haut abdeckt und schützt. In der Rezeptur muss man sicher erkennen, wann eine Zubereitung als Paste gilt.

Definition

Eine Paste ist nach Ph. Eur. eine halbfeste Zubereitung zur kutanen Anwendung mit einem hohen Anteil fein in der Grundlage dispergierter Feststoffe. Sie gehört wie die Salben zu den halbfesten Zubereitungen. Ein typisches Beispiel ist Vaselin mit 25 % Zinkoxid und 25 % Weizenstärke.

Die Pulver lösen sich in der Grundlage nicht. Sie liegen suspendiert vor. Eine Paste ist deshalb immer mehrphasig: Die Pulverteilchen bilden die innere Phase, die halbfeste Grundlage die äußere. Wie jede Suspension zählt sie zu den grobdispersen Systemen und ist kein kolloiddisperses System.

Im Aufbau gleicht die Paste der Suspensionssalbe. Der Unterschied liegt in der Menge. In der Paste füllen die Teilchen einen Großteil des Volumens, die Grundlage besetzt nur noch die Zwischenräume. Man kann sich das wie nassen Sand vorstellen, bei dem das Wasser nur die Lücken zwischen den Körnern füllt.

Zwei Kästen: links wenige Partikel in heller Grundlage, rechts dicht gepackte Partikel mit schmalen Grundlagenbereichen dazwischen.

Suspensionssalbe und Paste: gleiche Bauweise, aber in der Paste füllen die Pulverteilchen einen Großteil des Volumens.

Für die Sterilität gilt dasselbe wie für andere halbfeste Zubereitungen zur kutanen Anwendung. Steril müssen Pasten nur sein, wenn sie für große offene Wunden oder schwer geschädigte Haut bestimmt sind. Eine grundsätzliche Sterilitätsforderung gibt es nicht.

🎯 Examensrelevant: Definition der Paste

Die Definition wird im Examen gerne gefragt. Achte auf die Details: Pasten sind halbfest und mehrphasig, die Pulver sind suspendiert statt gelöst, und steril sein müssen sie nur bei Anwendung auf großen Wunden oder schwer geschädigter Haut.

Grundlagen und Feststoffe

Als Grundlage dienen gewöhnliche Salbengrundlagen. Sie können hydrophob sein wie Vaselin oder hydrophil. Hydrogele und Macrogole gehören dagegen nicht zu den typischen Pastengrundlagen.

Die klassischen Feststoffe sind Zinkoxid und Stärke, meist als fein verteilte Mischung. Zinkoxid deckt ab und wirkt adstringierend. Stärke nimmt Feuchtigkeit auf. Zusammen trocknen und schützen sie nässende Haut.

Eine Sonderform ist die Umschlagpaste. Sie wird dick auf ein Tuch gestrichen und meist erwärmt aufgelegt.

📖 Definition: Umschlagpaste

Eine Umschlagpaste besteht nach Ph. Eur. aus einer hydrophilen, Wärme speichernden Grundlage, in der feste oder flüssige Wirkstoffe dispergiert sind.

Einordnung von Rezepturen

Ob eine Rezeptur eine Paste ergibt, klärst du mit zwei Fragen. Ist die Grundlage halbfest? Und ist der Feststoffanteil hoch?

💡 Merke

Paste = halbfeste Grundlage plus viel suspendiertes Pulver. Fehlt eines von beiden, liegt keine Paste vor.

Die folgenden Beispiele zeigen, wie man die Kriterien anwendet.

Rezeptur Grundlage Feststoff Paste?
Vaselin mit 25 % Zinkoxid und 25 % Weizenstärke (Zinkpaste DAB) halbfest 50 % ja
Weiche Zinkpaste DAB: Zinkoxid in dickflüssigem Paraffin, weißem Vaselin und gebleichtem Wachs halbfest 30 % ja
Wollwachsalkoholsalbe mit 30 % Zinkoxid halbfest 30 % ja
40 % Harnstoff in Vaselin und Wollwachs halbfest 40 % ja
Salicylsäure-Vaselin 10 % halbfest, hydrophob 10 % nein
5 % Salicylsäure in Basiscreme DAC Creme 5 % nein
Vaselin mit 1 % Hydrocortison halbfest 1 % nein
Mittelkettige Triglyceride mit 30 % Zinkoxid flüssig 30 % nein

Die Pasten der Tabelle enthalten 30 bis 50 % Feststoff. Mit wenigen Prozent Wirkstoff bleibt eine Zubereitung dagegen Salbe oder Creme. Salicylsäure-Vaselin 10 % ist zudem hydrophob und damit erst recht keine hydrophile Paste.

Die Triglycerid-Rezeptur zeigt das zweite Kriterium. Trotz 30 % Zinkoxid bleibt die Grundlage flüssig. Es entsteht eine Suspension, keine halbfeste Zubereitung.

Herstellung der Zinkpaste

Die Zinkpaste DAB enthält je 25 % Zinkoxid und Weizenstärke in weißem Vaselin. Damit sich die Pulver klumpenfrei verteilen, werden sie vor dem Einarbeiten vorbehandelt.

  1. Mischen: Zinkoxid und Weizenstärke werden zu einer gleichmäßigen Pulvermischung vereinigt.
  2. Trocknen: Die Mischung wird getrocknet, damit Restfeuchte keine Klumpen bildet. Die Temperatur bleibt unterhalb der Verkleisterungstemperatur der Weizenstärke, sonst quillt die Stärke mit dem Wasser zu Kleister.
  3. Sieben: Die getrocknete Mischung wird sofort durch Sieb 250 gegeben, bevor sie wieder Feuchtigkeit zieht. Zu den Siebnummern siehe Eigenschaften von Pulvern.
  4. Einarbeiten: Das gesiebte Pulver wird portionsweise in weißes Vaselin eingearbeitet.

Vier Kästen mit Pfeilen: Mischen, Trocknen unter Verkleisterungstemperatur, Sieben durch Sieb 250, Einarbeiten in Vaselin.

Herstellung der Zinkpaste DAB in vier Schritten.

Fließverhalten

Hochgefüllte Pasten können dilatant fließen. Unter Druck oder schneller Scherung werden sie zäher und verfestigen sich sogar. Die dicht gepackten Teilchen müssen beim Fließen aneinander vorbei. Dabei weitet sich die Packung, und die Grundlage reicht nicht mehr, um alle Lücken zu füllen.

Die Fließkurve krümmt sich deshalb nach oben, anders als die Gerade einer newtonschen Flüssigkeit. Wie man Fließkurven liest, steht unter Viskosität.

Diagramm mit einer Geraden durch den Ursprung und einer nach oben gekrümmten Kurve, beschriftet newtonsch und dilatant.

Dilatantes Fließen: Je schneller geschert wird, desto zäher wird die Paste.

Quiz

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Aussage 1

Bei der Herstellung der Zinkpaste DAB wird die Mischung aus Zinkoxid und Weizenstärke oberhalb der Verkleisterungstemperatur der Stärke getrocknet, um alle Feuchtigkeit zu entfernen.

Die Trocknung erfolgt unterhalb der Verkleisterungstemperatur, sonst verkleistert die Stärke. Danach wird sofort durch Sieb 250 gesiebt.

Aussage 2

Nach Ph. Eur. müssen Pasten nur dann steril sein, wenn sie für große offene Wunden oder schwer geschädigte Haut bestimmt sind.

Eine grundsätzliche Sterilitätsforderung für Pasten gibt es nicht, nur für die Anwendung auf Wunden und schwer geschädigter Haut.

Aussage 3

Umschlagpasten bestehen aus einer hydrophilen Grundlage, in der feste oder flüssige Wirkstoffe dispergiert sind.

So definiert Ph. Eur. die Umschlagpaste. Die hydrophile Grundlage speichert Wärme.

Aussage 4

Arbeitet man 30 % Zinkoxid in mittelkettige Triglyceride ein, erhält man wegen des hohen Feststoffanteils eine Paste.

Die Grundlage ist flüssig, deshalb entsteht keine halbfeste Zubereitung, sondern eine Suspension. Eine Paste braucht eine halbfeste Grundlage und viel Feststoff.

Aussage 5

Pasten sind kolloiddisperse Systeme, in denen die Pulver in der Grundlage gelöst vorliegen.

Die Pulver sind in der Grundlage suspendiert. Pasten sind mehrphasige, grobdisperse Systeme und keine kolloiddispersen.

Aussage 6

Eine Wollwachsalkoholsalbe mit 30 % Zinkoxid ist als Paste einzuordnen.

Die Grundlage ist halbfest und der Feststoffanteil hoch. Damit sind beide Kriterien einer Paste erfüllt.

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