Rezepturarzneimittel

Cremes: Definition, Typen und Zuordnung

Cremes sind zweiphasige halbfeste Zubereitungen; die äußere Phase bestimmt, ob eine hydrophile oder lipophile Creme vorliegt und wie man eine Rezeptur einordnet.

Prüfungsrelevanz: wichtig ✓ gelesen
Das Wichtigste in Kürze6 Punkte
  • Eine Creme ist nach Ph. Eur. eine mehrphasige Zubereitung aus lipophiler und wässriger Phase; die äußere Phase bestimmt den Typ.
  • Hydrophile Cremes enthalten O/W-Emulgatoren, haben eine wässrige Außenphase, zeigen keinen ausgeprägten Okklusionseffekt und müssen nicht isoton sein.
  • Hydrophile Cremes sind ohne Tensid mit Wasser abwaschbar und leiten nach Elektrolytzusatz besser als lipophile Cremes.
  • Emulgierender Cetylstearylalkohol, Paraffin, Octyldodecanol, Vaselin und Wasser ergeben eine hydrophile Creme.
  • Steigender Wassergehalt: Weiche Zinkpaste < Wollwachsalkoholcreme < Anionische hydrophile Creme < Wasserhaltiges Carbomergel.
  • Cremes für große offene Wunden oder schwer verletzte Haut müssen steril sein.

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Worum es geht

Cremes gehören zu den halbfesten Zubereitungen zur kutanen Anwendung und sind aus Rezeptur und Handverkauf vertraut. Wer ihren Typ kennt, kann Hautgefühl, Abwaschbarkeit und Eignung für eine Rezeptur vorhersagen.

Cremes als Mehrphasensysteme

Das Arzneibuch definiert Cremes über ihren Aufbau. Zwei Phasen, die sich von selbst nicht mischen, werden dauerhaft miteinander verbunden.

📖 Definition: Creme

Cremes sind nach Ph. Eur. mehrphasige Zubereitungen aus einer lipophilen und einer wässrigen Phase. Emulgatoren stabilisieren die Grenzfläche zwischen beiden.

Eine Phase liegt als Tröpfchen vor, die andere umschließt sie zusammenhängend. Diese äußere Phase bestimmt den Typ. Ist sie wässrig, liegt eine hydrophile Creme (O/W) vor. Ist sie lipophil, spricht man von einer lipophilen Creme (W/O). Welcher Typ entsteht, hängt vor allem vom Emulgator ab, wie unter Emulgatoren in Salben und Cremes erklärt.

Zwei Kreisausschnitte: links gelbe Öltröpfchen in blauer Wasserphase, rechts blaue Wassertröpfchen in gelber Lipidphase.

Hydrophile Creme (O/W) und lipophile Creme (W/O): Entscheidend ist, welche Phase außen zusammenhängt.

Viele Cremes entstehen aus einer Wasser aufnehmenden Salbe, in die man Wasser einarbeitet. Die Salbe ist wasserfrei, enthält den Emulgator aber schon. Aus Wollwachsalkoholsalbe wird so die Wasserhaltige Wollwachsalkoholsalbe, auch Wollwachsalkoholcreme genannt. Aus Hydrophiler Salbe DAB entsteht die Wasserhaltige hydrophile Salbe, also die Anionische hydrophile Creme.

Hydrophile Cremes

Hydrophile Cremes enthalten Emulgatoren vom O/W-Typ. Die Lipide sind als Tröpfchen in der zusammenhängenden wässrigen Außenphase verteilt. Eine emulgatorhaltige Zubereitung mit hohem Wasseranteil und Wasser außen ist daher eine hydrophile Creme.

Ihr Inneres ist komplexer als eine einfache Emulsion. O/W-Emulgator und Fettalkohol bilden ein lamellares Gelgerüst. Zwischen dessen Lamellen ist zusätzlich Wasser gebunden, daneben gibt es freies Wasser. Man kann sich das wie einen Schwamm vorstellen, der Wasser in seinen Wänden und in seinen Poren hält.

Weil außen Wasser liegt, verdunstet es auf der Haut und kühlt. Ein ausgeprägter Okklusionseffekt, also ein Abdichten der Haut wie unter Vaselin, bleibt aus. Hydrophile Cremes müssen außerdem nicht isoton sein. Diese Anforderung gilt etwa für Augentropfen.

Unterscheidung der Cremetypen

Die Lage der Wasserphase erklärt beide praktischen Unterscheidungsmerkmale. Liegt Wasser außen, kann Wasser die Creme benetzen und Ionen können frei wandern.

A Hydrophile Creme (O/W)
  • äußere Phase wässrig
  • O/W-Emulgator
  • ohne Tensid mit Wasser abwaschbar
  • nach Elektrolytzusatz hohe Leitfähigkeit
B Lipophile Creme (W/O)
  • äußere Phase lipophil
  • W/O-Emulgator, etwa Wollwachsalkohole
  • mit kaltem Wasser nicht leicht abwaschbar
  • niedrige Leitfähigkeit

Die Nichtionische hydrophile Creme DAB spült man deshalb ohne Seife von der Haut. Die Wasserhaltige Wollwachsalkoholsalbe geht dagegen mit Wasser nicht leicht ab, denn ihre Außenphase ist Lipid.

Bei der elektrischen Leitfähigkeit gilt dasselbe Prinzip. Nach Zusatz eines Elektrolyten leitet die zusammenhängende Wasserphase einer hydrophilen Creme den Strom deutlich besser. In einer lipophilen Creme isoliert das Lipid die Wassertröpfchen voneinander. Grundlagen dazu bieten Ionenleitung in Elektrolytlösungen und die Bestimmung des Emulsionstyps.

Zuordnung von Rezepturen

Eine Rezeptur ordnet man über die Funktion ihrer Bestandteile ein. Jeder Stoff gehört zur Lipidphase, ist Emulgator, Gelbildner oder Wasser. Daraus folgt die Zubereitungsart nach Ph. Eur. in drei Fragen.

  1. Wasser enthalten? Wenn nein, liegt eine Salbe oder Paste vor.
  2. Lipidphase mit Emulgator? Fehlen beide und ist ein Gelbildner enthalten, handelt es sich um ein Hydrogel.
  3. Emulgatortyp? Ein O/W-Emulgator ergibt eine hydrophile, ein W/O-Emulgator eine lipophile Creme.

Flussdiagramm mit Ja-Nein-Verzweigungen von der Frage nach Wasser bis zur Unterscheidung hydrophile oder lipophile Creme.

Halbfeste Rezepturen in vier Fragen einordnen.

Ein Beispiel zeigt das Vorgehen.

Bestandteil Funktion
Emulgierender Cetylstearylalkohol O/W-Emulgator, enthält Natriumcetylstearylsulfat und Cetylstearylalkohol als Co-Emulgator
Dickflüssiges Paraffin Lipidphase
Octyldodecanol Lipidphase, flüssiges Öl
Weißes Vaselin Lipidphase, gibt Konsistenz
Gereinigtes Wasser wässrige Außenphase

Die Rezeptur enthält Wasser, eine Lipidphase und einen anionischen O/W-Emulgator. Nach Ph. Eur. ist sie eine Creme, genauer eine hydrophile Creme. Anders eine Rezeptur mit lipophiler Hauptphase aus Vaselin und Wachsen, Wollwachsalkoholen und Wasser. Wollwachsalkohole sind W/O-Emulgatoren, das Wasser liegt innen. Das ergibt eine lipophile Creme. Ohne Wasser wäre dieselbe Mischung eine Wasser aufnehmende Salbe.

🎯 Examensrelevant: Rezepturen zuordnen

Das Zuordnen einer Rezeptur zu ihrem Grundlagentyp wird im Examen gerne gefragt. Prüfe nacheinander Wasser, Emulgator und Emulgatortyp: Emulgierender Cetylstearylalkohol mit Lipiden und Wasser ergibt eine hydrophile Creme.

Auch der Wassergehalt hilft beim Einordnen. Die Weiche Zinkpaste ist wasserfrei. Die Wollwachsalkoholcreme besteht zur Hälfte aus Wasser, das innen liegt. In der Anionischen hydrophilen Creme überwiegt Wasser als Außenphase. Das Wasserhaltige Carbomergel ist fast reines Wasser, verdickt durch wenig Gelbildner.

💡 Merke

Steigender Wassergehalt: Weiche Zinkpaste < Wollwachsalkoholcreme < Anionische hydrophile Creme < Wasserhaltiges Carbomergel.

Vier Balken steigender Höhe, beschriftet mit den vier Grundlagen, vom wasserfreien bis zum fast reinen Wasseranteil.

Steigender Wassergehalt von der Paste bis zum Hydrogel.

Die einzelnen Arzneibuchgrundlagen beschreiben die Seiten zu hydrophilen Cremes und lipophilen Cremes.

Sterilitätsanforderung

Die meisten Cremes kommen auf intakte Haut und müssen nicht steril sein. Anders ist es bei Cremes für große offene Wunden oder schwer verletzte Haut. Dort fehlt die Hautbarriere, Keime gelangen direkt ins Gewebe. Solche Zubereitungen müssen deshalb steril sein.

Die Kühlcreme DAB pflegt dagegen intakte Haut. Sie muss der Prüfung auf Sterilität nicht entsprechen. Wie Cremes konserviert und mikrobiologisch geprüft werden, behandeln eigene Seiten.

Quiz

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Aussage 1

Nach Zusatz eines Elektrolyten leitet eine lipophile Creme den elektrischen Strom besser als eine hydrophile Creme.

Umgekehrt: Die zusammenhängende Wasserphase der hydrophilen Creme leitet besser. In der lipophilen Creme isoliert das Lipid die Wassertröpfchen.

Aussage 2

Hydrophile Cremes dichten die Haut weniger stark ab als Vaselin, weil ihre äußere Phase aus Wasser besteht.

Das außen liegende Wasser verdunstet, ein ausgeprägter Okklusionseffekt bleibt aus.

Aussage 3

Cremes, die auf großen offenen Wunden angewendet werden sollen, müssen steril sein.

Ohne Hautbarriere gelangen Keime direkt ins Gewebe. Die Kühlcreme DAB für intakte Haut muss dagegen nicht steril sein.

Aussage 4

Eine wasserhaltige Rezeptur aus emulgierendem Cetylstearylalkohol, dickflüssigem Paraffin, Octyldodecanol und weißem Vaselin ist nach Ph. Eur. eine Wasser aufnehmende Salbe.

Durch Wasser, Lipidphase und O/W-Emulgator ist sie eine Creme, genauer eine hydrophile Creme. Wasser aufnehmende Salben sind wasserfrei.

Aussage 5

Die Wollwachsalkoholcreme enthält mehr Wasser als die Anionische hydrophile Creme.

Die Reihe lautet Weiche Zinkpaste < Wollwachsalkoholcreme < Anionische hydrophile Creme < Wasserhaltiges Carbomergel.

Aussage 6

Hydrophile Cremes lassen sich ohne Zusatz eines Tensids mit Wasser von der Haut abwaschen.

Ihre äußere Phase ist wässrig, Wasser benetzt sie direkt. Die Nichtionische hydrophile Creme DAB geht ohne Seife ab.

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