Zellkompartimente

Cytoskelett und Aktinfilamente

Aus welchen drei Filamentsystemen das Cytoskelett besteht, welche Aufgaben es übernimmt und wo Aktinfilamente vorkommen und was sie bewegen.

Prüfungsrelevanz: relevant ✓ gelesen
Das Wichtigste in Kürze5 Punkte
  • Das Cytoskelett ist ein Proteinnetzwerk im Cytoplasma tierischer und pflanzlicher Zellen.
  • Es besteht aus Mikrotubuli (25 nm), Intermediärfilamenten (10 nm) und Mikrofilamenten aus Aktin (7 nm).
  • Das ER als Membransystem und die Extrazellulärmatrix außerhalb der Zelle gehören nicht zum Cytoskelett.
  • Das Cytoskelett dient dem Vesikeltransport, verankert Desmosomen und ermöglicht Kontraktion und Motilität.
  • Aktin und Myosin kommen auch außerhalb des Muskels vor; sie treiben amöboide Bewegung und Plasmaströmung an, den Spindelapparat bilden dagegen Mikrotubuli.

Worum es geht

Jede eukaryotische Zelle besitzt ein inneres Netz aus Proteinfasern, das Cytoskelett. Es hält die Form, trägt Transporte und ermöglicht Bewegung. Für die Pharmazie ist es auch als Angriffspunkt wichtig, etwa für Colchicin oder Paclitaxel.

Aufbau des Cytoskeletts

Das Cytoskelett ist ein Netzwerk aus Proteinen im Cytoplasma eukaryotischer Zellen. Es kommt in tierischen und auch in pflanzlichen Zellen vor. Man kann es sich wie Stützgerüst und Schienennetz zugleich vorstellen. Drei Filamentsysteme bauen es auf: röhrenförmige (tubuläre) und faserförmige (filamentöse) Strukturen.

System Durchmesser Baustein Form
Mikrotubuli 25 nm Tubulin-Dimere hohle Röhre
Intermediärfilamente 10 nm verschiedene Faserproteine, z. B. Keratine seilartiges Bündel
Mikrofilamente 7 nm G-Aktin Doppelhelix

Schema mit Mikrotubulus als hohler Röhre, dünnem Aktinfilament als Doppelhelix und mittelstarkem Intermediärfilament als Seil, jeweils mit Durchmesserangabe

Die drei Filamentsysteme des Cytoskeletts im Größenvergleich

Mikrofilamente sind die dünnsten Fasern. Sie bestehen aus Aktin und heißen daher auch Aktinfilamente. Intermediärfilamente liegen mit 10 nm in der Mitte, daher ihr Name. Sie sind besonders zugfest und typisch für tierische Zellen. Die Mikrotubuli behandelt eine eigene Einheit.

Das Cytoskelett ist kein Membransystem. Das Endoplasmatische Retikulum besteht aus Membranen und gehört deshalb nicht dazu. Auch die Extrazellulärmatrix ist etwas anderes. Sie liegt außerhalb der Zelle, während alle drei Filamentsysteme im Zellinneren verlaufen.

🎯 Examensrelevant: Drei Filamentsysteme

Die Zusammensetzung aus Mikrotubuli, Mikrofilamenten und Intermediärfilamenten ist ein Examensklassiker. Achte darauf, dass auch die Intermediärfilamente zum Cytoskelett zählen und Pflanzenzellen ebenfalls ein Cytoskelett besitzen.

Funktionen des Cytoskeletts

Das Cytoskelett stützt die Zelle nicht nur. Es ist auch ihr Transportnetz. Motorproteine ziehen Vesikel an den Fasern entlang zu ihrem Ziel, etwa vom Golgi-Apparat zur Zellmembran. Mehr zu diesem Weg steht beim vesikulären Transport.

Außerdem verankert das Cytoskelett Zell-Zell-Verbindungen. An Desmosomen setzen Intermediärfilamente an. So verteilen sich Zugkräfte über den ganzen Zellverband, etwa in der Haut.

Schließlich ist das Cytoskelett Voraussetzung für Kontraktion und Motilität tierischer Zellen. Ohne es könnte sich keine Muskelzelle verkürzen und keine Zelle kriechen.

Aktinfilamente

Aktinfilamente kommen in tierischen und pflanzlichen Zellen vor. Auch die Mikrofilamente der Pflanzen bestehen im Wesentlichen aus Aktin. Ihr Motorprotein Myosin ist ebenfalls nicht auf den Muskel beschränkt, sondern findet sich in vielen tierischen Zellen. Dass Aktin weit über die Muskelzelle hinaus vorkommt, wird im Examen gerne gefragt: Es gehört zum Cytoskelett praktisch jeder eukaryotischen Zelle.

Aktin und Myosin arbeiten als Paar. Myosin läuft unter ATP-Verbrauch an Aktinfilamenten entlang. Im Muskel erzeugt das die Kontraktion. In anderen Zellen verschiebt dasselbe Prinzip Organellen und Golgi-Vesikel.

Amöboide Bewegung

Bei der amöboiden Bewegung kriechen Einzelzellen über einen Untergrund. Beispiele sind Leukozyten und Fibroblasten. Der Ablauf hat vier Phasen.

  1. Vorstülpen: Aktin polymerisiert an der Front und schiebt ein flaches Lamellipodium vor.
  2. Anheften: Die Front haftet am Untergrund.
  3. Nachziehen: Myosin II kontrahiert das Hinterende.
  4. Lösen: Die hinteren Kontakte lösen sich, die Zelle rückt vor.

Vier Schemabilder einer kriechenden Zelle mit Aktinnetz an der Front und Myosin-Kontraktion am Hinterende

Amöboide Bewegung: Vorstülpen, Anheften, Nachziehen, Lösen

Plasmaströmung

Die Plasmaströmung ist eine gerichtete Bewegung des Cytoplasmas in Pflanzenzellen. Myosin trägt Organellen an parallelen Aktinkabeln im Wandbelag entlang. Dabei reißt es das umgebende Cytoplasma mit. Besonders rasch strömt es in großen Pflanzenzellen, in denen Diffusion allein zu langsam wäre.

Schema einer Pflanzenzelle mit kreisender Strömung des Cytoplasmas entlang paralleler Aktinfilamente

Plasmaströmung: Myosin bewegt Organellen an Aktinkabeln im Wandbelag
⚠️ Achtung: Spindelapparat

Den Spindelapparat der Kernteilung bauen Mikrotubuli auf. Aktinfilamente sind daran nicht beteiligt.

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Aussage 1

Intermediärfilamente sind dicker als Aktinfilamente, aber dünner als Mikrotubuli.

Mit etwa 10 nm liegen sie zwischen Aktinfilamenten (7 nm) und Mikrotubuli (25 nm).

Aussage 2

Bei der Plasmaströmung transportiert Myosin Organellen an Aktinkabeln entlang durch den Wandbelag der Pflanzenzelle.

Myosin läuft an parallelen Aktinkabeln und zieht Organellen samt Cytoplasma mit, besonders rasch in großen Pflanzenzellen.

Aussage 3

Pflanzliche Zellen kommen wegen ihrer stützenden Zellwand ohne Cytoskelett aus.

Auch Pflanzenzellen besitzen ein Cytoskelett, etwa Aktinfilamente für die Plasmaströmung.

Aussage 4

Aktinfilamente sind auf Muskelzellen beschränkt, wo sie mit Myosin die Kontraktion erzeugen.

Aktin gehört zum Cytoskelett praktisch aller eukaryotischen Zellen, auch von Pflanzenzellen. Myosin kommt ebenfalls in vielen Nicht-Muskelzellen vor.

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