Samenpflanzen

Gynoeceum: Fruchtknoten und Plazentation

Wie das Gynoeceum aus Karpellen aufgebaut ist, wo der Fruchtknoten in der Blüte sitzt und wie die Samenanlagen darin angeordnet sind.

Prüfungsrelevanz: gut zu wissen ✓ gelesen
Das Wichtigste in Kürze5 Punkte
  • Das Gynoeceum ist die Gesamtheit der Karpelle einer Blüte; bei Angiospermen schließen sie die Samenanlagen im Fruchtknoten ein.
  • Der Griffel verbindet Fruchtknoten und Narbe.
  • Chorikarp heißt freie Karpelle mit je eigenem Fruchtknoten, coenokarp heißt zu einem Fruchtknoten verwachsen.
  • Hypogyn bedeutet oberständig, perigyn mittelständig, epigyn unterständig.
  • Bei parietaler Plazentation sitzen die Samenanlagen an der Wand oder an kurzen Wandleisten eines einfächerigen Fruchtknotens.

Worum es geht

Das Gynoeceum ist der weibliche Teil der Blüte. Die Stellung des Fruchtknotens, die Verwachsung der Fruchtblätter und die Lage der Samenanlagen sind Grundmerkmale, mit denen man Pflanzenfamilien bestimmt und Blütenformeln liest.

Fruchtknoten und Angiospermie

Das Gynoeceum umfasst alle Karpelle (Fruchtblätter) einer Blüte. Karpelle sind umgewandelte Blätter, also Blattmetamorphosen. Sie tragen die Samenanlagen, aus denen nach der Befruchtung die Samen werden.

Bei den Angiospermen (Bedecktsamern) umschließen die Karpelle die Samenanlagen in einem Hohlraum, dem Fruchtknoten. Daher stammt der Name. Über dem Fruchtknoten folgt der Griffel, ein schlanker Fortsatz. Er trägt an seiner Spitze die Narbe, die den Pollen auffängt.

Längsschnitt einer Blüte; in der Mitte ein bauchiger Fruchtknoten mit Samenanlagen, darüber ein schlanker Griffel mit Narbe, ringsum Staubblätter.

Blütenlängsschnitt: Der Griffel verbindet den Fruchtknoten mit der Narbe.

Im schematischen Längsschnitt findest du den Griffel so: Suche in der Blütenmitte den bauchigen Fruchtknoten mit den Samenanlagen. Der dünne Stiel darüber bis zur verbreiterten Narbe ist der Griffel.

Bleiben die Karpelle frei, heißt das Gynoeceum chorikarp (apokarp). Jedes Karpell bildet dann einen eigenen Fruchtknoten, etwa beim Hahnenfuß (Ranunculaceae). Die Zahl der Karpelle ist nicht auf fünf begrenzt, oft sind es sehr viele. Sind die Karpelle zu einem einzigen Fruchtknoten verwachsen, ist das Gynoeceum coenokarp.

Stellung des Fruchtknotens

Die Stellung beschreibt, wo der Fruchtknoten relativ zum Ansatz von Blütenhülle und Staubblättern sitzt. Die Begriffe auf -gyn bezeichnen die Blüte, die Begriffe auf -ständig den Fruchtknoten.

Blüte Fruchtknoten Lage Beispiel
hypogyn oberständig sitzt über dem Ansatz der Blütenhülle Ranunculaceae, Solanaceae
perigyn mittelständig steht frei in einem Becher, die Blütenhülle setzt am Becherrand an viele Rosaceae
epigyn unterständig in die Blütenachse eingesenkt, Blütenhülle sitzt oben Apiaceae, Asteraceae, Rubiaceae

Drei Blütenschemata: links Fruchtknoten über dem Ansatz der Blütenhülle, Mitte Fruchtknoten in einem Becher, rechts Fruchtknoten unterhalb der Blütenhülle eingesenkt.

Hypogyn, perigyn, epigyn: oberständiger, mittelständiger und unterständiger Fruchtknoten.
💡 Merke

Hypo heißt unter: Die Blütenhülle setzt unter dem Fruchtknoten an, er ist also oberständig. Bei epi, also über, ist es umgekehrt.

Plazentation

Plazentation bezeichnet die Anordnung der Samenanlagen im Fruchtknoten. Sie sitzen an der Plazenta, einem Gewebe meist an den Karpellrändern. Am Querschnitt prüfst du zuerst, ob der Fruchtknoten gefächert ist. Dann schaust du, wo die Samenanlagen ansetzen.

Typ Sitz der Samenanlagen Fruchtknoten
parietal an der Wand oder an Wandleisten, die nicht bis zur Mitte reichen einfächerig, z. B. Papaveraceae, Gentianaceae
zentral, zentralwinkelständig an einer Mittelsäule in den Innenwinkeln der Fächer durch Scheidewände gefächert
zentral, frei zentral an einer freien Mittelsäule einfächerig, z. B. Caryophyllaceae
laminal flächig auf der Innenseite der Fruchtblätter z. B. Seerose
basal am Grund der Fruchtknotenhöhle im Längsschnitt erkennbar
apikal an der Spitze der Fruchtknotenhöhle im Längsschnitt erkennbar

Mehrere Fruchtknotenquerschnitte mit unterschiedlich angeordneten Samenanlagen an Wand, Wandleisten, Mittelsäule oder Innenfläche, dazu zwei Längsschnitte mit Samenanlage am Grund bzw. an der Spitze.

Plazentationstypen im Quer- und Längsschnitt.

Die Länge der Wandleisten entscheidet: Treffen die Scheidewände in der Mitte zusammen, ist die Plazentation zentralwinkelständig. Enden sie vorher, ist sie parietal.

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Aussage 1

Tragen in einem einfächerigen Fruchtknoten Wandleisten, die nicht bis zur Mitte reichen, die Samenanlagen, liegt parietale Plazentation vor.

Parietal heißt wandständig: Die Samenanlagen sitzen an der Wand oder an kurzen Wandleisten eines ungefächerten Fruchtknotens.

Aussage 2

Ein coenokarpes Gynoeceum besteht aus mehreren freien Fruchtknoten.

Freie Karpelle mit je eigenem Fruchtknoten kennzeichnen das chorikarpe Gynoeceum. Coenokarp bedeutet verwachsenblättrig, also ein einziger Fruchtknoten.

Aussage 3

Eine epigyne Blüte besitzt einen oberständigen Fruchtknoten.

Epigyne Blüten haben einen unterständigen, in die Blütenachse eingesenkten Fruchtknoten. Oberständig ist er bei hypogynen Blüten.

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