Samenpflanzen

Ericaceae (Heidekrautgewächse)

Die Heidekrautgewächse sind mykotrophe Zwergsträucher saurer Böden mit verwachsenen Kronen; ihre wichtigste Arzneipflanze ist die arbutinreiche Bärentraube.

Prüfungsrelevanz: wichtig ✓ gelesen
Das Wichtigste in Kürze5 Punkte
  • Die Ericaceae sind eine Familie der Ericales am Beginn der Asteriden: meist holzige, mykotrophe Zwergsträucher saurer, stickstoffarmer Böden.
  • Ihre Blätter sind oft immergrün, xeromorph und derb-ledrig, die Blüten pentamer und sympetal mit Porenantheren, coenokarpem Fruchtknoten und einem Griffel.
  • Typische Inhaltsstoffe sind Gerbstoffe und Phenolglykoside wie Arbutin, während Furocumarine und Senfölglykoside untypisch sind.
  • Uvae ursi folium stammt von Arctostaphylos uva-ursi und muss mindestens 7,0 % Hydrochinonderivate (als Arbutin) enthalten, dazu reichlich Gallotannine.
  • Im Harn freigesetztes Hydrochinon macht Bärentraubenblätter zum kurzzeitig eingesetzten Harnwegsdesinfiziens bei leichten Harnwegsinfekten.

Worum es geht

Die Ericaceae stehen am Beginn der Asteriden und zeigen deren Grundzug, die verwachsene Krone, besonders klar. Pharmazeutisch zählt vor allem eine Droge: die Bärentraubenblätter mit ihrem Hydrochinonglucosid Arbutin, ein klassisches pflanzliches Harnwegsdesinfiziens.

Einordnung und Erkennungsmerkmale

Die Familie gehört zur Ordnung Ericales. Typische Vertreter sind Heidekraut (Calluna), Rhododendron, Heidelbeere (Vaccinium) und Bärentraube (Arctostaphylos).

Merkmal Ausprägung
Systematik Asteriden, Ordnung Ericales
Wuchsform meist holzig, oft Zwergsträucher auf sauren, stickstoffarmen Böden
Blätter ungeteilt, vielfach immergrün, xeromorph, derb-ledrig
Blüte radiär, pentamer, sympetal, oft krug- oder glockenförmig
Blütenformel \(\ast\;\mathrm{K}(5)\;\mathrm{C}(5)\;\mathrm{A}5{+}5\;\mathrm{G}\underline{(5)}\)
Frucht Kapsel, Beere oder Steinfrucht
typische Inhaltsstoffe Gerbstoffe, Phenolglykoside wie Arbutin
wichtige Arzneipflanzen Bärentraube, Heidelbeere

Ericaceae besiedeln Moore, Heiden und Nadelwälder. Dort ist der Boden sauer und arm an verfügbarem Stickstoff. Die Pflanzen gleichen das aus, indem sie mykotroph leben.

📖 Definition: Mykotrophie

Mykotroph heißt eine Pflanze, die einen Teil ihrer Nährstoffe über eine Symbiose mit Wurzelpilzen (Mykorrhiza) bezieht. Bei den Ericaceae erschließen die Pilze vor allem Stickstoff aus saurem Rohhumus.

Die Blätter sind xeromorph, also wie bei Trockenpflanzen gegen Wasserverlust gebaut: klein, derb-ledrig, mit dicker Cuticula und oft umgerolltem Rand. Das wirkt auf nassen Moorböden widersprüchlich. Kalter, saurer Boden liefert aber schlecht Wasser nach, und immergrüne Blätter müssen auch Frost überstehen.

Auf Fotos erkennt man die Familie an niedrigen, buschigen Holzpflanzen mit glänzenden, ledrigen, ganzrandigen Blättern. Dazu kommen hängende Krug- oder Glockenblüten in Weiß, Rosa oder Rot und oft farbige Beeren.

Blüte und Frucht

Die Blüte ist radiär und pentamer, alle Kreise sind also fünfzählig. Die fünf Kronblätter sind zu einer Röhre verwachsen. Diese Sympetalie ist das Kennzeichen der Asteriden, und bei den Ericaceae formt sie meist einen kleinen Krug, der sich an der Mündung verengt.

In zwei Kreisen stehen zehn Staubblätter. Ihre Antheren öffnen sich nicht mit einem Längsspalt, sondern mit zwei Poren an der Spitze, den Porenantheren. Der Fruchtknoten ist coenokarp, also aus fünf verwachsenen Karpellen gebildet, und trägt einen Griffel. Meist ist er oberständig, bei Vaccinium unterständig.

Schematischer Blütenlängsschnitt mit urnenförmiger Krone, Staubblättern mit Poren und zentralem Fruchtknoten

Ericaceen-Blüte im Längsschnitt: verwachsene Krone, Porenantheren, ein Griffel.

Die Früchte variieren. Heidekraut und Rhododendron bilden Kapseln, die Heidelbeere echte Beeren. Die Bärentraube trägt rote, mehlige Steinfrüchte, die wie Beeren aussehen.

Inhaltsstoffe

Chemisch prägen zwei Stoffgruppen die Familie: Gerbstoffe und Phenolglykoside. Die Gerbstofftypen behandelt die Seite zu Phenylpropanoiden und Flavonoiden.

Das wichtigste Phenolglykosid ist Arbutin. Es besteht aus Hydrochinon (1,4-Dihydroxybenzol), an dessen eine OH-Gruppe β-glykosidisch Glucose gebunden ist. Man spricht daher von einem glykosidischen Hydrochinon. Die Glucose macht das Molekül wasserlöslich und hält das reaktive Phenol in einer inaktiven Transportform.

Strukturformel von Arbutin mit Benzolring, para-ständiger OH-Gruppe und über Sauerstoff gebundener Glucose

Arbutin: Hydrochinon mit β-glykosidisch gebundener Glucose.

Durch Hydrolyse entsteht das wirksame Aglykon:

\[\ce{C12H16O7 + H2O -> C6H6O2 + C6H12O6}\]

Furocumarine sind für die Familie untypisch. Sie gehören zu den Apiaceae und Rutaceae. Senfölglykoside findet man bei den Brassicaceae, nicht bei den Ericaceae.

Arzneipflanzen und Drogen

Die Familie liefert vor allem eine wichtige Blattdroge und eine Fruchtdroge.

Pflanze Droge Leitstoffe Wirkung oder Verwendung
Bärentraube, Arctostaphylos uva-ursi Uvae ursi folium Arbutin, Gallotannine Harnwegsdesinfiziens, Blasen- und Nierentee
Heidelbeere, Vaccinium myrtillus Myrtilli fructus siccus Gerbstoffe, Anthocyane adstringierend bei leichtem Durchfall

Bärentraube

Arctostaphylos uva-ursi ist die Stammpflanze der offizinellen Bärentraubenblätter. Sie gehört zu den Ericaceae. Der Name mit „Traube“ führt manchmal zu den Rosaceae, doch Sympetalie und Arbutin passen eindeutig zum Heidekraut. Auch die Heidelbeere ist ein Heidekrautgewächs, anders als die ölzellenreichen Lauraceae.

Die Bärentraube ist ein niederliegender, teppichbildender Zwergstrauch. Ihre Blätter sind immergrün, ledrig, verkehrt-eiförmig und ungefiedert. Die weiß-rosa Krugblüten stehen in kurzen Trauben und sind radiär, nicht zygomorph. Im Herbst folgen rote Früchte.

Farbige botanische Tafel der Bärentraube mit kriechenden Zweigen, kleinen ledrigen Blättern, rosa Krugblüten und roten Beeren

Echte Bärentraube (Arctostaphylos uva-ursi): niederliegender Zwergstrauch mit ledrigen Blättern, krugförmigen Blüten und roten Beeren.
Köhler’s Medizinal-Pflanzen · hrsg. von Franz Eugen Köhler · gemeinfrei

Ähnlich sieht die Preiselbeere aus. Ihre Blätter tragen unterseits aber braune Drüsenpunkte, die der Bärentraube fehlen.

Die Droge ist reich an Phenolglykosiden, vor allem Hydrochinonderivaten wie Arbutin. Das Arzneibuch fordert einen Mindestgehalt von 7,0 % Hydrochinonderivaten, berechnet als wasserfreies Arbutin. Wirksamkeitsbestimmend ist also Arbutin, nicht Glucosinolate, und die Droge ist auch kein Saponinlieferant.

🎯 Examensrelevant: Arbutin als Leitstoff

Besonders prüfungsrelevant: Bärentraubenblätter sind eine Phenolglykosiddroge mit dem Hydrochinonglucosid Arbutin, für das ein Mindestgehalt vorgeschrieben ist. Achte darauf, Arbutin klar von Glucosinolaten und Saponinen zu trennen.

Daneben enthält die Droge reichlich hydrolysierbare Gerbstoffe, die Gallotannine. Sie sind Ester der Gallussäure mit Glucose. Sie wirken adstringierend und können den Magen reizen.

Ihre Wirkung entfaltet die Droge erst in den Harnwegen:

  1. Aufnahme: Arbutin wird im Darm aufgenommen und dabei weitgehend zu Hydrochinon gespalten.
  2. Konjugation: Die Leber koppelt Hydrochinon an Glucuronsäure und Sulfat.
  3. Ausscheidung: Die Niere scheidet die Konjugate mit dem Harn aus.
  4. Freisetzung: In der Blase wird Hydrochinon frei und wirkt antibakteriell, am besten im schwach alkalischen Harn.

Flussschema Darm, Leber, Niere, Blase mit den Stoffen Arbutin, Hydrochinonkonjugate und Hydrochinon

Vom Arbutin zum Hydrochinon: Aufnahme, Konjugation, renale Ausscheidung, Freisetzung im Harn.

Verwendet werden die Blätter in Blasen- und Nierentees und als Harnwegsdesinfiziens bei leichten Harnwegsinfekten.

💊 Praxistipp

Bärentraubenblätter nur kurzzeitig anwenden, in der Regel höchstens eine Woche, wegen des freigesetzten Hydrochinons. Bei Fieber, Blut im Urin oder Beschwerden über mehrere Tage gehört die Patientin zum Arzt.

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Aussage 1

Bärentraubenblätter enthalten reichlich hydrolysierbare Gerbstoffe vom Typ der Gallotannine.

Neben Arbutin ist die Droge reich an Gallotanninen, Estern der Gallussäure mit Glucose.

Aussage 2

Für Bärentraubenblätter schreibt das Arzneibuch einen Mindestgehalt an Hydrochinonderivaten, berechnet als Arbutin, vor.

Gefordert sind mindestens 7,0 % Hydrochinonderivate, berechnet als wasserfreies Arbutin.

Aussage 3

Furocumarine gehören zu den typischen Inhaltsstoffen der Heidekrautgewächse.

Typisch für Ericaceae sind Gerbstoffe und Phenolglykoside. Furocumarine kennzeichnen Apiaceae und Rutaceae.

Aussage 4

Bei den Ericaceae sind die Kronblätter frei und nicht miteinander verwachsen.

Ericaceae sind sympetal: Die fünf Kronblätter sind zu einer meist krugförmigen Röhre verwachsen.

Aussage 5

Arbutin ist ein Glucosid, dessen Aglykon Hydrochinon ist.

Arbutin besteht aus Hydrochinon mit β-glykosidisch gebundener Glucose. Die Hydrolyse setzt Hydrochinon frei.

Aussage 6

Die Stammpflanze der Bärentraubenblätter, \(Arctostaphylos\) \(uva\)-\(ursi\), ist ein Rosengewächs.

Die Bärentraube gehört zu den Ericaceae, erkennbar an Sympetalie und Arbutin.

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