Rückresorption von Wasser und Natrium im Tubulus
Wie viel Wasser und Natrium die einzelnen Tubulusabschnitte zurückholen und welche Abschnitte für Wasser durchlässig sind.
Das Wichtigste in Kürze
- Bei der Rückresorption holt der Tubulus Stoffe aus dem Primärharn ins Blut zurück, bei der tubulären Sekretion gibt er Stoffe ins Lumen ab. Übrig bleibt der Endharn.
- Der proximale Tubulus resorbiert etwa zwei Drittel des filtrierten Wassers und Natriums.
- Die proximale Wasserresorption ist ADH-unabhängig, weil Aquaporin-1 dauerhaft eingebaut ist. Antrieb ist die basolaterale \(\ce{Na+}/\ce{K+}\)-ATPase.
- Der dünne absteigende Schenkel der Henle-Schleife ist ADH-unabhängig wasserpermeabel.
- Der dünne und dicke aufsteigende Schenkel sind praktisch wasserundurchlässig und resorbieren nur Salz.
Worum es geht
Von rund 180 L Primärharn pro Tag verlassen nur etwa 1,5 L den Körper. Den Rest holt der Tubulus zurück, und jeder Abschnitt hat dabei eine eigene Wasserdurchlässigkeit. Dieses Wissen braucht man, um später die Angriffsorte von Diuretika einzuordnen.
Prinzip der Harnbildung
Harn entsteht in drei Schritten. Zuerst filtriert der Glomerulus den Primärharn. Danach verändern die Tubulusabschnitte dieses Filtrat in zwei Richtungen.
Bei der Rückresorption holen die Tubuluszellen Stoffe aus dem Lumen zurück ins Blut. Bei der tubulären Sekretion geben sie Stoffe aus dem Blut zusätzlich ins Lumen ab. Was am Ende übrig bleibt, ist der Endharn. Über 99 % des filtrierten Wassers werden also zurückgewonnen.
Bei der Wasserresorption unterscheidet man zwei Arten. ADH-unabhängig läuft sie dort, wo das Epithel ständig wasserdurchlässig ist. ADH-abhängig ist sie im Sammelrohr. Dort baut erst Adiuretin Wasserkanäle ein und passt die Harnmenge an den Bedarf an.
Proximaler Tubulus
Der proximale Tubulus ist der Hauptresorptionsort. Er holt etwa zwei Drittel des filtrierten Wassers und Natriums zurück, dazu weitere Elektrolyte. Kein anderer Abschnitt bewegt so viel Volumen.
Der Motor ist die basolaterale \(\ce{Na+}/\ce{K+}\)-ATPase. Sie pumpt Natrium ins Interstitium und hält die Natriumkonzentration in der Zelle niedrig. Deshalb strömt Natrium von luminal nach, über Cotransporter und den \(\ce{Na+}/\ce{H+}\)-Austauscher. Wasser folgt osmotisch durch Aquaporin-1, das dauerhaft in der Membran sitzt. Der Abschnitt ist daher immer gut wasserpermeabel, und seine Resorption läuft ADH-unabhängig.
Besonders prüfungsrelevant: Der proximale Tubulus resorbiert mit etwa zwei Drittel den größten Teil von Wasser und Natrium, und zwar ADH-unabhängig. Die ADH-gesteuerte Feinregulation findet erst im Sammelrohr statt.
Henle-Schleife
Die Henle-Schleife hat zwei Schenkel mit gegensätzlichen Eigenschaften. Der dünne absteigende Schenkel ist gut wasserpermeabel, ebenfalls ohne ADH. Auf dem Weg ins hyperosmolare Nierenmark tritt hier Wasser aus.
Der aufsteigende Schenkel ist im dünnen wie im dicken Teil praktisch wasserundurchlässig. Er hat die geringste Wasserpermeabilität im ganzen Nephron. Trotzdem resorbiert er Natriumchlorid. Salz verlässt das Lumen, Wasser bleibt zurück, und der Harn wird verdünnt.
Absteigend geht Wasser, aufsteigend geht Salz.
Quiz
Aussage 1
Der dünne absteigende Schenkel der Henle-Schleife wird erst unter dem Einfluss von Adiuretin für Wasser durchlässig.
Der dünne absteigende Schenkel ist ADH-unabhängig wasserpermeabel. ADH-abhängig ist die Wasserresorption im Sammelrohr.
Aussage 2
Der dicke aufsteigende Schenkel der Henle-Schleife ist der Nephronabschnitt mit der höchsten Wasserdurchlässigkeit.
Der aufsteigende Schenkel ist praktisch wasserundurchlässig und hat die geringste Wasserpermeabilität im Nephron. Er resorbiert Salz ohne Wasser.
Aussage 3
Im proximalen Tubulus werden etwa zwei Drittel des filtrierten Wassers zurückgewonnen, ohne dass dafür ADH nötig ist.
Der proximale Tubulus ist der Hauptresorptionsort. Aquaporin-1 sitzt dort dauerhaft in der Membran, daher läuft die Resorption ADH-unabhängig.
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