Gastrointestinaltrakt

Anatomie und Feinbau der Leber

Wie die Leber mit Blut versorgt wird, wie ihre Läppchen aufgebaut sind und wie Blut und Galle darin getrennt fließen.

Prüfungsrelevanz: wichtig ✓ gelesen
Das Wichtigste in Kürze5 Punkte
  • Die Leber ist mit 1 bis 1,5 kg die größte exokrine Drüse. Ihre Baueinheit ist das sechseckige klassische Leberläppchen.
  • Die Blutzufuhr ist doppelt: A. hepatica (sauerstoffreich) und Pfortader. Der größere Anteil, etwa drei Viertel, ist venös.
  • Im Läppchenzentrum liegt die Zentralvene. Im Periportalfeld an den Ecken liegt die Glisson-Trias aus Pfortaderast, Arterienast und Gallengang.
  • Die Sinusoide führen Mischblut zur Zentralvene. Ihr Endothel ist diskontinuierlich, im Disse-Raum haben Hepatozyten direkten Plasmakontakt.
  • Gallenkanälchen werden von den Membranen benachbarter Hepatozyten gebildet. Die Galle fließt zur Peripherie und bleibt vom Blut getrennt.

Worum es geht

Die Leber ist zwischen Darm und Körperkreislauf geschaltet. Alles, was der Darm aufnimmt, passiert zuerst ihre Läppchen, auch ein oral eingenommener Arzneistoff. Ihr Feinbau erklärt, wie die Leberzellen so engen Kontakt zum Blut bekommen und ihre Galle trotzdem sauber getrennt abführen.

Größe und Blutversorgung

Die Leber eines Erwachsenen wiegt etwa 1 bis 1,5 kg. Sie liegt im rechten Oberbauch unter dem Zwerchfell. Ihr Sekret, die Galle, gibt sie über Gänge in den Darm ab. Damit ist sie die größte exokrine Drüse des Körpers.

Besonders ist ihre doppelte Blutzufuhr. Die A. hepatica bringt sauerstoffreiches, arterielles Blut. Sie entspringt über den Truncus coeliacus aus der Aorta. Die Aorta selbst erreicht die Leber also nicht direkt. Die Pfortader (V. portae) sammelt venöses Blut aus Magen, Darm, Pankreas und Milz und führt es ebenfalls direkt in die Leber. Dieses Blut ist sauerstoffarm, aber reich an resorbierten Nährstoffen und Arzneistoffen. Wie die Pfortader in den Gesamtkreislauf eingebunden ist, erklärt die Einheit zum Pfortaderkreislauf.

Mengenmäßig überwiegt das venöse Blut. Etwa drei Viertel der Zufuhr stammen aus der Pfortader, rund ein Viertel aus der Arterie. Den Abfluss übernehmen die Lebervenen (Vv. hepaticae), die in die untere Hohlvene münden.

Leberläppchen

Die Baueinheit, die man im Schnitt am leichtesten sieht, ist das klassische Leberläppchen. Es ist ein sechseckiges Prisma von etwa 1 bis 2 mm Durchmesser. In seiner Mitte liegt die Zentralvene, also eine Vene und keine Arterie. Von ihr strahlen die Leberzellbalken wie Speichen eines Rades nach außen. Zwischen den Balken verlaufen die Sinusoide.

An den Ecken, wo mehrere Läppchen zusammenstoßen, liegt je ein Periportalfeld. In diesem bindegewebigen Zwickel verläuft die Glisson-Trias:

  • ein Ast der Pfortader (V. interlobularis)
  • ein Ast der Leberarterie (A. interlobularis)
  • ein intrahepatischer Gallengang (Ductus interlobularis)

Die Zentralvene gehört nicht zum Periportalfeld. Sie leitet das Blut über Sammelvenen in die Vv. hepaticae und weiter in die untere Hohlvene. Diese abführenden Venen laufen getrennt von den Periportalfeldern. Wie die Abbildung zeigt, strömt das Blut von den Ecken zur Mitte, die Galle in Gegenrichtung.

Schema eines sechseckigen Leberläppchens mit Zentralvene, radiären Zellbalken und Glisson-Trias an den Ecken, Pfeile zeigen Blut- und Gallefluss.

Klassisches Leberläppchen: Blut fließt vom Periportalfeld zur Zentralvene, Galle in Gegenrichtung.

Im histologischen Schnitt erkennen

Bei etwa 70-facher Vergrößerung sieht man die Läppchen als Felder mit radiär angeordneten Zellbalken. Zwei Strukturen muss man sicher auseinanderhalten.

A Zentralvene

Einzelnes rundes Lumen in der Läppchenmitte. Dünne Wand fast ohne Bindegewebe. Zellbalken und Sinusoide laufen sternförmig darauf zu und münden direkt ein.

B Periportalfeld

Dreieckiges Bindegewebsfeld an der Läppchenecke. Darin drei Anschnitte: weiter, dünnwandiger Pfortaderast, kleine Arterie mit dicker Muskelwand, Gallengang mit kubischem Epithel.

Ein einzelnes Lumen ohne Begleiter ist die Zentralvene. Liegen drei Anschnitte gemeinsam in Bindegewebe, ist es ein Periportalfeld.

Sinusoide

Aus den Periportalfeldern zweigen terminale Arteriolen und Endäste der Pfortader ab. Beide speisen ihr Blut in die Sinusoide, weite Kapillaren zwischen den Leberzellbalken. Zum Gefäßtyp siehe Kapillaren und Stoffaustausch. In den Sinusoiden mischt sich arterielles mit portalvenösem Blut. Sie führen also arteriovenöses Mischblut. Es fließt entlang der Zellbalken von der Peripherie zur Zentralvene.

Das Endothel der Sinusoide ist diskontinuierlich. Es hat große Fenster und Lücken, eine geschlossene Basalmembran fehlt. Eine Barriere wie in den Kapillaren des Gehirns gibt es hier nicht. Im Lumen sitzen Kupffer-Zellen, ortsständige Makrophagen, die Bakterien und Partikel aus dem Pfortaderblut abfangen.

📖 Definition: Disse-Raum

Schmaler Spalt zwischen Sinusoidendothel und Leberzellen. Durch die Endothelfenster tritt Blutplasma ein, die Blutzellen bleiben im Sinusoid.

Im Disse-Raum stehen die Hepatozyten, die Parenchymzellen der Leber, in direktem Kontakt mit dem Plasma. Mikrovilli vergrößern dort ihre Oberfläche. So nehmen sie Nährstoffe und Arzneistoffe rasch auf und geben ihre Produkte direkt ins Blut ab. Im Disse-Raum liegen außerdem die Ito-Zellen, die Vitamin A speichern. Welche Stoffwechselleistungen die Hepatozyten erbringen, zeigt die Einheit zu den Leberfunktionen. Die Abbildung zeigt auf der Gegenseite der Zellen schon das Gallenkanälchen.

Schema zweier Hepatozyten zwischen Sinusoiden mit gefenstertem Endothel, Disse-Raum, Kupffer-Zelle und abgedichtetem Gallenkanälchen.

Feinbau am Leberzellbalken: Disse-Raum zum Blut hin, Gallenkanälchen zwischen den Hepatozyten.

Gallenkanälchen

Jeder Hepatozyt hat zwei verschiedene Seiten. Die sinusoidale Seite grenzt an den Disse-Raum und tauscht mit dem Blut aus. Auf der anderen Seite liegen benachbarte Hepatozyten eng aneinander. Dort bilden ihre Zellmembranen gemeinsam eine feine Rinne, das Gallenkanälchen (Canaliculus bilifer). Es hat keine eigene Wand. Man kann es sich wie die Mulde zwischen zwei aneinandergelegten, leicht gewölbten Handflächen vorstellen.

An dieser kanalikulären Membran sezernieren die Hepatozyten Gallensäuren und weitere Gallebestandteile. Tight Junctions dichten das Kanälchen zu beiden Seiten ab. Deshalb mischen sich Galle und Blut nicht, obwohl sie Zelle an Zelle aneinander vorbeifließen. Zusammensetzung und Abgabeweg der Galle behandelt die Einheit zur Gallenbildung.

Die Gallenkanälchen durchziehen das ganze Läppchen. Die Galle fließt in ihnen zur Peripherie, also gegen den Blutstrom. Am Läppchenrand gelangt sie über kurze Übergangsgänge in die Gallengänge der Periportalfelder. Im Zentrum des Läppchens liegt daher kein Gallengang, sondern die Zentralvene.

💡 Merke

Blut fließt im Läppchen nach innen zur Zentralvene, Galle nach außen zum Periportalfeld. Beide Ströme laufen gegenläufig und bleiben durch Tight Junctions getrennt.

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Aussage 1

In den Lebersinusoiden fließt ein Gemisch aus arteriellem und portalvenösem Blut zur Zentralvene.

Terminale Arteriolen und Pfortaderendäste speisen die Sinusoide. Das Mischblut strömt entlang der Zellbalken zur Läppchenmitte.

Aussage 2

In den Gallenkanälchen fließt die Galle zum Zentrum des Leberläppchens, also in dieselbe Richtung wie das Blut.

Die Galle fließt zur Läppchenperipherie und damit gegen den Blutstrom. Am Rand gelangt sie in die Gallengänge der Periportalfelder.

Aussage 3

Zur Glisson-Trias im Periportalfeld gehört ein Ast der Lebervene (V. hepatica).

Die Trias besteht aus Pfortaderast, Ast der Leberarterie und Gallengang. Die Lebervenen führen das Blut ab und verlaufen getrennt von den Periportalfeldern.

Aussage 4

Ein einzelnes, dünnwandiges Lumen in der Läppchenmitte, auf das die Zellbalken sternförmig zulaufen, ist im Schnitt die Zentralvene.

Die Zentralvene liegt allein im Läppchenzentrum und hat kaum Bindegewebe. Das Periportalfeld zeigt dagegen drei Anschnitte in Bindegewebe an der Läppchenecke.

Aussage 5

Mehr als die Hälfte des Blutes, das der Leber zufließt, stammt aus der A. hepatica.

Etwa drei Viertel der Zufuhr kommen über die Pfortader, der größere Anteil ist also venös. Die A. hepatica liefert rund ein Viertel.

Aussage 6

Weil das Sinusoidendothel diskontinuierlich ist, haben Hepatozyten im Disse-Raum direkten Kontakt mit dem Blutplasma.

Durch die Endothelfenster tritt Plasma in den Disse-Raum. Dort berühren die Mikrovilli der Hepatozyten das Plasma direkt.

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