Samenpflanzen

Blütenstände: racemös und cymös

Wie man racemöse und cymöse Blütenstände, Köpfchen und Pseudanthien an ihrem Verzweigungsmuster erkennt und voneinander unterscheidet.

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Das Wichtigste in Kürze6 Punkte
  • Blütenstände sind racemös, wenn die Hauptachse monopodial weiterwächst, und cymös, wenn jede Achse mit einer Endblüte abschließt und Seitenzweige sie übergipfeln.
  • Die Traube trägt gestielte Blüten an langer Achse, die Ähre sitzende Blüten, der Kolben sitzende Blüten an verdickter Achse.
  • Bei der Dolde entspringen gleich lange Stiele von einem Punkt der Achsenspitze, bei der Doppeldolde trägt jeder Strahl ein Döldchen.
  • Das Köpfchen hat eine sehr kurze, verdickte Achse mit sitzenden Blüten und Hüllblättern. Das Körbchen ist ein solcher Blütenstand und keine Einzelblüte.
  • Ein Seitenzweig je Endblüte ergibt ein Monochasium (Wickel im Zickzack, Schraubel einseitig), zwei ein Dichasium, drei bis viele ein Pleiochasium.
  • Ein Pseudanthium ist ein Blütenstand, der wie eine Einzelblüte aussieht, und kann Blüten unterschiedlicher Symmetrie enthalten.

Worum es geht

Viele Pflanzen tragen ihre Blüten nicht einzeln, sondern in geordneten Gruppen, den Blütenständen. Ihre Bauform ist ein wichtiges Bestimmungsmerkmal: Die Doppeldolde kennzeichnet die Apiaceae, das Körbchen die Asteraceae mit Drogen wie der Kamille. Du musst die Typen deshalb an Schemata sicher ansprechen können.

Racemöse Blütenstände

Racemös heißt ein Blütenstand, dessen Hauptachse monopodial weiterwächst. Sie trägt seitlich Blüten, schließt aber nicht selbst früh mit einer Blüte ab. Die Seitenblüten öffnen sich meist von unten nach oben. Die Verzweigungstypen selbst kennst du aus Kormus und Sprossverzweigung. Welcher racemöse Typ vorliegt, entscheiden zwei Fragen: Sind die Blüten gestielt? Ist die Achse lang, verdickt oder gestaucht?

Typ Achse Blüten
Traube verlängert, unverzweigt gestielt, an deutlich getrennten Knoten
Ähre verlängert, unverzweigt, nicht verdickt ungestielt (sitzend)
Kolben verlängert und verdickt ungestielt, dicht gedrängt
Dolde an der Spitze gestaucht gleich lange Stiele von einem Punkt
Schirmtraube verlängert Stiele in verschiedenen Höhen, unten länger, enden auf einer Ebene

Traube und Dolde unterscheidest du am Ursprung der Stiele. Bei der Traube setzen etwa gleich lange Stiele nacheinander an der durchgehenden Achse an. Bei der Dolde entspringen alle Stiele strahlenförmig an einem Punkt der verkürzten Achsenspitze, wie die Speichen eines Schirms. Die Sprossspitze der Traube gabelt sich dabei nicht dichotom, sondern wächst einfach weiter. Die Schirmtraube sieht von oben doldenähnlich aus. Im Schema verraten sie aber die versetzten Ansatzstellen.

Eine Doppeldolde ist zusammengesetzt: Jeder Strahl einer Dolde trägt selbst wieder ein kleines Döldchen.

Sechs schematische Blütenstände: Traube mit gestielten Blüten an langer Achse, Ähre mit sitzenden Blüten, Kolben mit verdickter Achse, Dolde mit Stielen von einem Punkt, Schirmtraube mit Blüten auf einer Ebene, Doppeldolde mit Döldchen.

Racemöse Blütenstände: Achsenform und Blütenstiele bestimmen den Typ.
⚠️ Achtung: Doppeldolde und Traube

Ein Blütenstand mit Döldchen an den Strahlen ist eine Doppeldolde, keine Traube. Entscheidend ist, dass alle Hauptstrahlen von einem Punkt ausgehen, wie bei den Apiaceae.

Köpfchen und Körbchen

Staucht man die Achse einer Ähre extrem, entsteht das Köpfchen. Seine Achse ist sehr kurz und verdickt. Darauf sitzen zahlreiche ungestielte Blüten dicht nebeneinander, außen umgeben von Hüllblättern. Im Schema erkennst du es am breiten Achsenende ohne Blütenstiele.

Das Körbchen der Asteraceae ist ein Köpfchen mit verbreitertem Blütenboden und Hülle. Es ist ein Blütenstand und keine Einzelblüte, auch wenn es so wirkt. Ebenso wenig ist es ein Pleiochasium, denn alle Blüten sitzen auf einer einzigen gestauchten Achse. Anders als das Köpfchen haben Rispe, Thyrsus und Wickel gestreckte, verzweigte Achsen mit gestielten Blüten.

Cymöse Blütenstände

Cymös heißt ein Blütenstand, dessen Achse früh mit einer Endblüte abschließt. Den Blütenstand setzen Seitenzweige fort, die unterhalb der Endblüte entspringen. Sie wachsen über die Endblüte hinaus und übergipfeln sie. Jeder Seitenzweig endet wieder mit einer Blüte. So entsteht ein sympodial gebauter Blütenstand. Die Zahl der fortsetzenden Seitenzweige bestimmt den Typ.

  • Monochasium: ein Seitenzweig je Endblüte.
  • Wickel: ein Monochasium, dessen Seitenachsen abwechselnd links und rechts entspringen. Im Schema entsteht ein Zickzack, typisch etwa für Beinwell.
  • Schraubel: ein Monochasium, dessen Seitenachsen immer zur selben Seite abzweigen.
  • Dichasium: zwei gegenständige Seitenzweige, die sich wiederholt ebenso gabeln, etwa bei den Caryophyllaceae.
  • Pleiochasium: drei bis viele Seitenzweige unter einer Endblüte. Doldenähnliche Formen heißen Trugdolden.

Vier Schemata: Wickel im Zickzack, Schraubel mit Zweigen zur selben Seite, Dichasium als wiederholte Gabel mit Blüte in jeder Gabel, Pleiochasium mit mehreren Strahlen unter einer Endblüte.

Cymöse Blütenstände: Unter jeder Endblüte setzen ein, zwei oder viele Seitenzweige fort.
💡 Merke

Racemös wächst die Hauptachse weiter und trägt Seitenblüten. Cymös endet jede Achse in einer Blüte, und Seitenzweige übernehmen. Im Schema sitzt bei cymösen Typen in jeder Gabel eine Blüte.

Pseudanthien

Ein Pseudanthium ist ein Blütenstand, der wie eine einzelne Blüte aussieht. Das bekannteste Beispiel ist das Körbchen der Kamille. Ein Pseudanthium kann Blüten unterschiedlicher Symmetrie vereinen: Außen stehen zygomorphe Zungenblüten, innen radiäre Röhrenblüten.

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Aussage 1

Beim Dichasium entspringen unterhalb jeder Endblüte zwei gegenständige Seitenzweige, die den Blütenstand fortsetzen.

Das Dichasium verzweigt sich wiederholt gabelig, in jeder Gabel sitzt eine Endblüte.

Aussage 2

Bei der Ähre sitzen die Blüten ohne Stiel an einer verlängerten, nicht verdickten Hauptachse.

Genau das kennzeichnet die Ähre. Ist die Achse zusätzlich verdickt, spricht man vom Kolben.

Aussage 3

Beim Wickel zweigen die fortsetzenden Seitenachsen immer zur selben Seite ab.

Beim Wickel wechseln die Seitenachsen zwischen links und rechts, es entsteht ein Zickzack. Immer zur selben Seite verzweigt die Schraubel.

Aussage 4

Das Körbchen der Asteraceae ist eine große Einzelblüte mit vielen Kronblättern.

Das Körbchen ist ein Blütenstand aus vielen sitzenden Einzelblüten auf einer gestauchten Achse, umgeben von Hüllblättern. Es wirkt nur wie eine Einzelblüte.

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