Befruchtung, Nidation und Entwicklung des Fetus
Wie Spermien zur Eizelle gelangen, wo und wann die Befruchtung stattfindet, wie lange eine Empfängnis möglich ist und was den Fetus bis zur Geburt auszeichnet.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Befruchtung ist die Verschmelzung von Spermium und Eizelle zur Zygote. Sie findet normalerweise in der Ampulle des Eileiters statt.
- Spermien passieren äußeren Muttermund, Cervix, Cavum uteri und Isthmus tubae. Bauchhöhle und Ureter berühren sie nicht.
- In der Regel befruchtet nur ein Spermium die Eizelle, und die Befruchtung geht der Nidation etwa am sechsten Tag voraus.
- Die Eizelle ist nur etwa 12 Stunden befruchtungsfähig. Die Empfängniszeit umfasst etwa 5 Tage rund um die Ovulation.
- In der Fetalphase ab der 9. Woche reifen die Organanlagen. Die Lunge bleibt bis zur Geburt mit Alveolarflüssigkeit gefüllt.
- Der Ductus arteriosus Botalli verbindet Truncus pulmonalis und Aorta. Er schließt sich nach der Geburt zum Ligamentum arteriosum.
Worum es geht
Zwischen Eisprung und Einnistung liegen nur wenige Tage, und in dieser Zeit entscheidet sich, ob eine Schwangerschaft entsteht. Ort und Zeitpunkt der Befruchtung erklären die Empfängniszeit und damit das Prinzip der natürlichen Familienplanung. Die Besonderheiten des fetalen Kreislaufs braucht man in der Pharmazie, etwa bei Arzneistoffen, die in der Spätschwangerschaft kontraindiziert sind.
Spermienweg und Befruchtungsort
Die Befruchtung ist die Verschmelzung von Spermium und Eizelle zur Zygote. Sie findet normalerweise im Eileiter (Tuba uterina) statt, genauer in seinem erweiterten Abschnitt, der Ampulle. Eierstock und Gebärmutter sind dagegen nicht der normale Befruchtungsort. Den Bau der Organe findest du bei den Fortpflanzungsorganen.
Die Spermien legen nach der Ejakulation in die Scheide einen festen Weg zurück. Er verläuft vollständig im Inneren des Genitaltrakts:
- Äußerer Muttermund: Aus der Vagina gelangen die Spermien durch das Ostium uteri externum.
- Gebärmutterhals: Sie durchqueren den Kanal der Cervix uteri.
- Gebärmutterhöhle: Sie schwimmen durch das Cavum uteri zur Mündung des Eileiters.
- Isthmus tubae: Sie passieren den engen, uterusnahen Teil des Eileiters.
- Ampulle: Hier treffen sie auf die Eizelle.
Die Bauchhöhle durchqueren die Spermien dabei nicht. Auch mit dem Harnleiter (Ureter) kommen sie nicht in Kontakt, denn die Harnwege sind vom Genitaltrakt getrennt. Die Eizelle kommt aus der Gegenrichtung. Nach der Ovulation fangen die Fimbrien des Eileiters sie auf und leiten sie in die Ampulle.
In der Regel befruchtet nur ein einziges Spermium die Eizelle. Sobald es eingedrungen ist, verändert sich die Hülle der Eizelle und sperrt weitere Spermien aus. So bleibt der Chromosomensatz der Zygote diploid. Erst jetzt schließt die Eizelle ihre zweite meiotische Teilung ab.
Danach beginnt die Wanderung durch den Eileiter. Die Zygote teilt sich unterwegs zum Zweizellstadium, zur Morula und schließlich zur Blastozyste. Diese erreicht den Uterus und nistet sich etwa am sechsten Tag in die Schleimhaut ein. Diese Einnistung heißt Nidation. Die Befruchtung geht ihr also immer voraus.
Erst befruchten, dann einnisten: Befruchtung in der Ampulle des Eileiters, Nidation rund sechs Tage später in der Gebärmutterschleimhaut.
Empfängniszeit
Eine Schwangerschaft ist nur in einem kurzen Zeitraum des Zyklus möglich. Das liegt vor allem an der Eizelle. Sie bleibt nach dem Eisprung nur etwa 12 Stunden befruchtungsfähig, keineswegs eine Woche. Wird sie in dieser Zeit nicht befruchtet, geht sie zugrunde.
Spermien halten deutlich länger durch. Im weiblichen Genitaltrakt können sie mehrere Tage überleben. Man kann sich das wie ein Wartezimmer vorstellen: Die Spermien sind oft schon im Eileiter, wenn die Eizelle eintrifft. Deshalb führt auch Geschlechtsverkehr einige Tage vor dem Eisprung noch zur Befruchtung.
Aus beiden Zeiten ergibt sich die Empfängniszeit, das fertile Fenster. Sie umfasst etwa 5 Tage rund um die Ovulation. Der größte Teil dieses Fensters liegt vor dem Eisprung, denn danach schließt die kurze Lebensdauer der Eizelle es rasch.
Fetalphase
Die vorgeburtliche Entwicklung gliedert sich in zwei Abschnitte. Zuerst entstehen die Organanlagen, danach reifen sie.
Von der Befruchtung bis etwa zum Ende der 8. Woche. Alle Organe werden angelegt. Der Keim ist in dieser Zeit besonders empfindlich für schädigende Einflüsse.
Ab der 9. Woche bis zur Geburt. Die vorhandenen Organanlagen wachsen und reifen zu funktionsfähigen Organen. Neue Organe entstehen kaum noch.
In der Fetalphase versorgt die Plazenta den Fetus mit Sauerstoff. Die Lunge muss also noch nicht atmen. Sie ist bis zur Geburt mit Alveolarflüssigkeit gefüllt. Diese Flüssigkeit wird nicht schon im Mutterleib durch Luft ersetzt. Erst mit den ersten Atemzügen nach der Geburt entfaltet sich die Lunge, und die Flüssigkeit wird ausgepresst und resorbiert.
Weil die Lunge noch nicht belüftet ist, leitet der fetale Kreislauf das meiste Blut an ihr vorbei. Eine wichtige Umgehung ist der Ductus arteriosus Botalli. Dieses kurze Gefäß verbindet den Truncus pulmonalis direkt mit der Aorta. Blut aus der rechten Herzkammer fließt so in den Körperkreislauf statt in die Lunge.
Nach der Geburt steigt der Sauerstoffgehalt im Blut, und der Lungenwiderstand fällt. Der Ductus verschließt sich innerhalb von Tagen. Übrig bleibt ein Bindegewebsstrang, das Ligamentum arteriosum. Im Kreislauf des Erwachsenen ist der Ductus also nicht mehr offen. Dort trennen sich großer und kleiner Kreislauf vollständig.
Prostaglandine halten den Ductus arteriosus offen. NSAR wie Ibuprofen oder Diclofenac hemmen ihre Bildung und können ihn vorzeitig verschließen, deshalb sind sie im letzten Schwangerschaftsdrittel kontraindiziert.
Quiz
Aussage 1
Spermium und Eizelle verschmelzen normalerweise in der Ampulle des Eileiters.
Der Eileiter, genauer seine Ampulle, ist der normale Befruchtungsort, nicht Ovar oder Uterus.
Aussage 2
Auf dem Weg zur Eizelle passieren Spermien den Isthmus tubae, bevor sie die Ampulle erreichen.
Der Weg führt vom Cavum uteri durch den engen Isthmus in die Ampulle des Eileiters.
Aussage 3
Beim gesunden Erwachsenen ist der Ductus arteriosus Botalli zum Ligamentum arteriosum verschlossen.
Der Ductus verbindet nur fetal Truncus pulmonalis und Aorta und verschließt sich nach der Geburt.
Aussage 4
Eine Oozyte bleibt nach dem Eisprung rund eine Woche lang befruchtungsfähig.
Die Eizelle ist nur etwa 12 Stunden befruchtungsfähig. Länger überleben die Spermien, daraus ergibt sich ein fertiles Fenster von etwa 5 Tagen.
Aussage 5
In den letzten Schwangerschaftswochen wird die Alveolarflüssigkeit der fetalen Lunge bereits durch Luft ersetzt.
Die fetale Lunge bleibt bis zur Geburt mit Alveolarflüssigkeit gefüllt. Luft strömt erst mit den ersten Atemzügen ein.
Aussage 6
Die Blastozyste nistet sich zuerst in die Gebärmutterschleimhaut ein und wird dort anschließend befruchtet.
Die Befruchtung erfolgt im Eileiter vor der Nidation. Erst die Blastozyste nistet sich etwa am sechsten Tag im Uterus ein.
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