Samenpflanzen

Bau der Blüte: Blütenhülle und Staubblätter

Wie eine Blüte aus Blütenhülle, Staubblättern und Fruchtblättern aufgebaut ist und woran man Perigon, Geschlechterverteilung und die Antherenwand mit Endothecium erkennt.

Prüfungsrelevanz: wichtig ✓ gelesen
Das Wichtigste in Kürze6 Punkte
  • Die Blüte ist ein gestauchter Kurzspross, dessen Blattorgane von außen nach innen als Kelch, Krone, Androeceum und Gynoeceum angeordnet sind.
  • Staubblätter und Karpelle sind Blattmetamorphosen, Karpelle sind Megasporophylle.
  • Ein Perianth aus Kelch (K) und Krone (C) ist heterochlamydeisch, ein Perigon besteht aus gleichartigen Tepalen und ist bei Monokotylen häufig.
  • Eudikotyle Blüten sind oft pentamer, Monokotyle meist trimer; monözische Pflanzen tragen beide Geschlechter auf einem Individuum, diözische auf verschiedenen.
  • Das Staubblatt besteht aus Filament und Anthere, ein Staminodium ist steril, Polyandrie heißt viele Staubblätter.
  • Das Endothecium liegt unter der Epidermis, trägt Verdickungsleisten und öffnet den Pollensack; das Tapetum ist die innerste Nährschicht.

Worum es geht

Die Blüte ist das Fortpflanzungsorgan der Samenpflanzen. Ihr Bau ist die Grundlage jeder Blütenformel und jeder Familienbestimmung. Im Drogenpulver verraten Blütenreste wie das Endothecium, ob Blüten in einer Kraut- oder Blütendroge stecken.

Blüte als Kurzspross

Morphologisch ist eine Blüte ein Kurzspross mit begrenztem Wachstum. Ihre Internodien sind so stark gestaucht, dass die Blattorgane dicht übereinander auf dem Blütenboden sitzen. Diese Organe sind umgewandelte Blätter, also Blattmetamorphosen.

Die Blattorgane stehen meist in Kreisen. Von außen nach innen folgen Kelch, Krone, Staubblätter und Fruchtblätter. Diese Reihenfolge ist bei fast allen Blüten gleich und bildet das Gerüst jeder Blütenformel.

Blütenorgane

Zur Blüte gehören der Calyx (Kelch), die Corolla (Krone), das Androeceum als Gesamtheit der Staubblätter und das Gynoeceum. Das Gynoeceum besteht aus den Karpellen (Fruchtblättern). Sie bilden den Fruchtknoten (Ovar) mit Griffel und Narbe. Nicht zur Blüte gehören die Kalyptra, die Wurzelhaube, und das Plektenchym, das Flechtgewebe von Pilzen.

Schematischer Blütenlängsschnitt mit beschrifteten Kelchblättern, Kronblättern, Staubblättern aus Filament und Anthere sowie dem zentralen Fruchtknoten mit Griffel und Narbe.

Längsschnitt einer zwittrigen Blüte: von außen nach innen Kelch, Krone, Androeceum und Gynoeceum.

Staubblätter und Karpelle sind Blattmetamorphosen und keine abgewandelten Sprossachsen. Staubblätter sind Mikrosporophylle, Karpelle sind Megasporophylle, denn sie tragen die Samenanlagen. Wo genau am Karpell diese sitzen, ist nicht festgelegt. Sie liegen also nicht stets auf seiner morphologischen Unterseite. Details dazu stehen beim Gynoeceum.

Blütenhülle und Zähligkeit

Die Blütenhülle umgibt Staub- und Fruchtblätter. Ist sie in einen meist grünen Kelch und eine meist bunte Krone gegliedert, heißt sie Perianth. Weil die beiden Kreise verschieden aussehen, nennt man es heterochlamydeisch. In der Blütenformel erkennt man es an getrennten Angaben für Kelch (K) und Krone (C). Kelchblätter heißen Sepalen, Kronblätter Petalen.

Sind alle Hüllblätter gleich gestaltet, liegt ein Perigon vor. Seine Glieder heißen Tepalen, in der Formel steht P. Ein Perigon ist bei den Monokotylen (Liliopsida) häufig, etwa bei der Tulpe. Der Unterschied zwischen Perianth und Perigon wird im Examen gerne gefragt: Achte darauf, ob die Hülle gegliedert oder gleichartig ist.

Zwei Blüten nebeneinander: links eine Rose mit grünen Kelchblättern unter rosa Kronblättern, rechts eine Tulpe mit sechs gleich aussehenden Hüllblättern.

Perianth der Rose mit Kelch und Krone, Perigon der Tulpe aus gleichartigen Tepalen.
⚠️ Achtung: Tepalen und Petalen

Petalen sind nur die Kronblätter eines gegliederten Perianths. Die gleichartigen Glieder eines Perigons heißen immer Tepalen, auch wenn sie bunt sind wie bei der Tulpe.

Die Zähligkeit gibt an, wie viele Glieder ein Blattkreis hat. Eine Blüte mit fünf Gliedern je Kreis ist pentamer, wie die Rose mit fünf Kelch- und fünf Kronblättern. Monokotyle haben meist trimere Blüten. Die Tulpe trägt zwei Kreise aus je drei Tepalen.

Auch die Verwachsung der Krone ist ein Merkmal. Bei choripetalen Blüten wie der Rose stehen die Kronblätter frei. Bei sympetalen Blüten sind sie verwachsen. Die Primulaceae haben Vertreter mit röhrig verwachsener Krone, etwa die Schlüsselblume.

Geschlechterverteilung

Eine zwittrige Blüte enthält Staub- und Fruchtblätter in derselben Blüte. Es gibt aber auch eingeschlechtige Blüten, die nur männliche oder nur weibliche Organe tragen. Auch bei den Eudikotylen (Rosopsida) sind die Blüten deshalb nicht stets zwittrig.

Bei eingeschlechtigen Blüten zählt, wo sie sitzen. Monözische Pflanzen tragen männliche und weibliche Blüten auf demselben Individuum, etwa die Hasel. Diözische Pflanzen tragen sie auf verschiedenen Individuen, wie die Große Brennnessel Urtica dioica.

💡 Merke

Monözisch heißt einhäusig: beide Geschlechter in einem „Haus“. Diözisch heißt zweihäusig: männliche und weibliche Pflanzen getrennt.

Androeceum

Die Zahl der Staubblätter (Stamina) reicht von null bis unbegrenzt viele. Null Staubblätter hat etwa eine rein weibliche Blüte. Viele, teils sekundär vermehrte Staubblätter in einer Blüte nennt man Polyandrie. Die Rose ist ein typisches Beispiel. Ein einzelner Kreis aus fünf Staubblättern (A5+0) ist dagegen nicht polyandrisch. Ein Staminodium ist ein steriles Staubblatt, das keinen Pollen bildet.

Jedes Staubblatt gliedert sich in zwei Teile. Das Filament ist der Stiel, der die Anthere (Staubbeutel) trägt. Die Anthere besteht aus zwei Theken mit je zwei Pollensäcken. Das Konnektiv verbindet die Theken und ist Teil des Staubblatts, nicht einer Frucht.

Im schematischen Blütenlängsschnitt wie oben findest du das Filament so: Suche den dünnen Stiel direkt unterhalb der zweiteiligen Anthere. Er sitzt zwischen Krone und Fruchtknoten.

Antherenwand und Pollen in Drogen

Die Wand der Anthere besteht aus mehreren Schichten. Innen liegt das Archespor, das sporogene Gewebe. Aus ihm gehen die Pollenmutterzellen hervor, die durch Meiose den Pollen bilden.

Schicht (von außen) Lage Merkmal und Aufgabe
Epidermis außen Abschluss
Endothecium direkt unter der Epidermis Faserschicht mit leistenförmigen Wandverdickungen, öffnet den Pollensack
Zwischenschichten darunter dünnwandig
Tapetum innerste Schicht Pollennährschicht, versorgt die Pollenmutterzellen

Querschnitt einer Anthere mit vier Pollensäcken und Ausschnitt der Wand, in dem von außen nach innen Epidermis, Endothecium mit Verdickungsleisten, Zwischenschicht und Tapetum beschriftet sind.

Antherenquerschnitt: Das Endothecium liegt unter der Epidermis, das Tapetum innen am Pollensack.

Das Endothecium öffnet die Pollensäcke der Angiospermen. Beim Austrocknen schrumpfen die dünnen Wandteile stärker als die versteiften Leisten. Die Spannung reißt den Pollensack an einer vorgeformten Naht auf. Man kann sich das wie ein Holzbrett vorstellen, das sich beim Trocknen verzieht. Das Endothecium gehört also zur Antherenwand, anders als die Pollenwand oder die Samenschale.

🎯 Examensrelevant: Endothecium erkennen

Besonders prüfungsrelevant ist die Lage: Das Endothecium ist die subepidermale Schicht mit Verdickungsleisten, das Tapetum die innerste Schicht. In einer Zeichnung benennst du die Schicht direkt unter der Epidermis mit Leisten als Endothecium.

Im Mikroskop zeigt das Endothecium in Aufsicht Zellen mit kräftigen, gitter- oder spangenartigen Leisten. Beim Sternendothecium laufen die Leisten strahlenförmig von der Zellmitte zu den Seitenwänden und wirken wie ein Stern. Im Drogenpulver ist ein Endothecium ein sicherer Hinweis auf Blütenbestandteile.

Auch Herba-Drogen können Blütenteile und Pollenkörner enthalten, weil das Kraut oft blühend geerntet wird. Blütendrogen zeigen typischerweise Epidermis und Haare sowie Idioblasten. Natürlicher Honig enthält stets Pollenkörner.

Quiz

Teste dich mit 6 Karten
richtig oder falsch iWarum nur Aussagen? Fragen mit fünf Antworten löst man am sichersten, indem man jede Aussage einzeln bewertet: ✓✓ sicher richtig, ✓ eher richtig, 0 unsicher, ✗ eher falsch, ✗✗ sicher falsch. Mit dem Ausschlussprinzip ergibt sich daraus die Lösung. Dieses einzelne Bewerten ist der wichtigste Handgriff fürs Examen, und genau den übst du hier.

Aussage 1

Das Aufreißen der Pollensäcke bei Angiospermen geht auf das Endothecium mit seinen leistenförmigen Wandverdickungen zurück.

Beim Austrocknen erzeugen die Verdickungsleisten eine Spannung, die den Pollensack öffnet.

Aussage 2

Bei diözischen Pflanzen sitzen männliche und weibliche Blüten auf derselben Pflanze.

Das beschreibt monözische Pflanzen. Diözische Pflanzen tragen männliche und weibliche Blüten auf verschiedenen Individuen.

Aussage 3

Das Endothecium bildet die innerste Schicht der Antherenwand und ernährt die Pollenmutterzellen.

Die innerste Nährschicht ist das Tapetum. Das Endothecium liegt direkt unter der Epidermis.

Aussage 4

Die gleichartigen Hüllblätter eines Perigons bezeichnet man als Petalen.

Die Glieder eines Perigons heißen Tepalen. Petalen sind die Kronblätter eines gegliederten Perianths.

Aussage 5

Stehen in einer Blütenformel getrennte Angaben für K und C, ist die Blütenhülle ein heterochlamydeisches Perianth.

K und C zeigen einen eigenständigen Kelch und eine eigenständige Krone, also eine gegliederte Blütenhülle.

Aussage 6

Ein steriles Staubblatt, das keinen Pollen bildet, wird Staminodium genannt.

Ein Staminodium ist ein steriles Staubblatt.

Fehler entdeckt oder eine Idee? Wir verbessern die Inhalte laufend. Melde es uns gerne über dieses Formular ❤️

Teile der Inhalte wurden mithilfe von KI-Systemen erstellt und werden fortlaufend redaktionell geprüft. Trotz Sorgfalt können Fehler enthalten sein. Wichtige Informationen bitte anhand offizieller Quellen prüfen. Relaxed ins Stex ist ein unabhängiges Angebot und steht in keiner Kooperation mit dem IMPP. Das Angebot ist weder vom IMPP autorisiert noch mit diesem verbunden.

Zurück nach oben