Blütendrogen: Holunder und Wollblume
Holunderblüten und Wollblumen als Blütendrogen: ihre Stammpflanzen und Familien, die Erkennungsmerkmale des Schwarzen Holunders und die Abgrenzung von ähnlichen Familien.
Das Wichtigste in Kürze
- Holunderblüten (Sambuci flos) und Wollblumen (Verbasci flos) sind Blütendrogen für Erkältungs- und Hustentees aus zwei verschiedenen Familien.
- Sambuci flos stammt vom Schwarzen Holunder (Sambucus nigra, Adoxaceae), nicht von Korbblütlern oder Malvengewächsen.
- S. nigra erkennt man an der flachen Trugdolde gelblich-weißer Blüten, gefiederten Blättern und schwarzvioletten Früchten. Der Traubenholunder hat rote Früchte, der Attich ist krautig.
- Verbasci flos stammt von Königskerzen wie Verbascum thapsus aus den Scrophulariaceae. Die Gattung gehört nicht zu den Plantaginaceae.
- Scrophulariaceae bilden zweifächerige Kapseln aus zwei Fruchtblättern, Fabaceae dagegen Hülsen aus einem Fruchtblatt.
Zwei Teeblüten
Holunderblüten und Wollblumen sind klassische Bestandteile von Erkältungs- und Hustentees. Entscheidend ist, welche Pflanze und welche Familie hinter der jeweiligen Droge steht. Den Holunder solltest du außerdem auf einem Bild sicher erkennen.
Holunderblüten
Sambuci flos sind die getrockneten Blütenstände des Schwarzen Holunders, Sambucus nigra. Er gehört zu den Adoxaceae (Moschuskrautgewächse). Früher stellte man ihn zu den Caprifoliaceae. Die Blüten enthalten Flavonoide wie Rutin und etwas ätherisches Öl. Als schweißtreibender Tee helfen sie bei Erkältungen.
Erkennungsmerkmale
Auf einem Bild erkennt man den Schwarzen Holunder an wenigen Merkmalen:
- Strauch oder kleiner Baum bis etwa 7 m, Zweige mit weißem Mark und warzigen Korkporen
- gegenständige, unpaarig gefiederte Blätter mit meist fünf gesägten Fiederblättchen
- große, flache Trugdolde aus vielen kleinen, gelblich-weißen, fünfzähligen Blüten mit starkem Duft, Blütezeit Mai bis Juni
- im Spätsommer hängende schwarzviolette Steinfrüchte an rötlichen Stielen
Zwei Verwandte sehen ähnlich aus. Der Traubenholunder (S. racemosa) trägt eiförmige, gelbgrüne Rispen und rote Früchte. Der Attich (S. ebulus) ist eine krautige Staude und keine Holzpflanze. Seine Blüten haben rötliche Staubbeutel, und die ganze Pflanze gilt als giftig.
Abgrenzung
Die einfachen, radiären Blüten im Schirm trennen den Holunder von anderen Blütendrogen. Bei den Korbblütlern wie der Kamille sitzen viele Einzelblüten in einem Köpfchen, das wie eine einzige Blüte wirkt. Malvenblüten besitzen eine verwachsene Staubblattröhre, die für die Malvaceae typisch ist. Mit der Wollblume teilt der Holunder nur die Verwendung im Tee, nicht die Familie.
Wollblumen
Verbasci flos (Wollblumen) sind die getrockneten gelben Blütenkronen samt Staubblättern verschiedener Königskerzen. Stammpflanzen sind Verbascum densiflorum, V. phlomoides und die Kleinblütige Königskerze V. thapsus. Alle gehören zu den Scrophulariaceae (Braunwurzgewächse). Schleimstoffe und Saponine machen die Droge zu einem reizlindernden Hustenmittel.
Königskerzen sind zweijährig. Im ersten Jahr bilden sie eine Rosette dicht filzig behaarter Blätter. Im zweiten Jahr wächst ein bis 2 m hoher Stängel mit ährigem Blütenstand. Die gelben Blüten sind fünfzählig und nur schwach zweiseitig symmetrisch. Die oberen Staubfäden tragen eine dichte Wolle aus Haaren, daher der Name.
Der Blütenstand trennt sie von den Asteraceae: Jede Wollblume ist eine echte Einzelblüte, kein Köpfchen aus vielen Blüten. Wie man die ebenfalls gelb blühende Nachtkerze abgrenzt, steht bei Lein, fette Öle und Samen.
Viele frühere Braunwurzgewächse wie Digitalis, Veronica und Antirrhinum stehen heute bei den Plantaginaceae. Verbascum einschließlich V. thapsus bleibt dagegen bei den Scrophulariaceae.
Früchte
Die Scrophulariaceae bilden Kapseln. Sie entstehen aus zwei verwachsenen Fruchtblättern, sind zweifächerig und enthalten viele kleine Samen. Bei Verbascum springt die Kapsel entlang der Scheidewände auf. Die Hülse ist dagegen das Kennzeichen der Fabaceae. Sie besteht aus nur einem Fruchtblatt und öffnet sich an Bauch- und Rückennaht.
Quiz
Aussage 1
Holunderblüten des Arzneibuchs werden vom Traubenholunder (Sambucus racemosa) gewonnen.
Stammpflanze von Sambuci flos ist der Schwarze Holunder, Sambucus nigra. Der Traubenholunder trägt eiförmige Rispen und rote Früchte.
Aussage 2
Die Kleinblütige Königskerze (Verbascum thapsus) wird heute wie Digitalis zu den Plantaginaceae gestellt.
Digitalis wurde zu den Plantaginaceae verschoben, Verbascum gehört dagegen weiterhin zu den Scrophulariaceae.
Aussage 3
Der Schwarze Holunder trägt gelblich-weiße Blüten in flachen Trugdolden und bildet später schwarzviolette Früchte.
Flache Trugdolde, gefiederte Blätter und schwarzviolette Steinfrüchte sind die typischen Erkennungsmerkmale von S. nigra.
Aussage 4
Die Früchte der Scrophulariaceae sind zweifächerige Kapseln, die aus zwei verwachsenen Fruchtblättern hervorgehen.
Scrophulariaceae bilden vielsamige Kapseln aus zwei Fruchtblättern. Hülsen aus einem Fruchtblatt sind typisch für die Fabaceae.
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