Fortpflanzung

Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse

Die Hormonkette vom hypothalamischen GnRH über die Gonadotropine FSH und LH bis zu den Sexualhormonen in Ovar und Hoden, samt Deutung des Achsenschemas.

Prüfungsrelevanz: relevant ✓ gelesen
Das Wichtigste in Kürze5 Punkte
  • Die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse ist ein hierarchischer Regelkreis: Hypothalamus (GnRH), Adenohypophyse (FSH, LH), Gonaden (Sexualhormone) mit negativer Rückkopplung.
  • GnRH wird vom Hypothalamus pulsatil freigesetzt; ein kontinuierlicher Reiz führt nach kurzem Flare zur Desensibilisierung.
  • FSH und LH sind Glykoproteinhormone und werden im Hypophysenvorderlappen gebildet, nicht in den Gonaden.
  • Die Kette zum Progesteron lautet Hypothalamus, Adenohypophyse, Gelbkörper; CRH ist daran nicht beteiligt.
  • Beim Mann fördert FSH die Spermatogenese, LH stimuliert die Leydig-Zellen zur Bildung von Testosteron.

Worum es geht

Die Bildung von Progesteron, Estradiol und Testosteron steuert das Gehirn über eine dreistufige Hormonkette. Diese Achse ist die Grundlage für den Menstruationszyklus und die Spermienbildung. Sie erklärt auch, wie hormonelle Kontrazeptiva und GnRH-Analoga wirken.

Prinzip der Hormonachse

Die Gonadenachse ist ein hierarchischer Regelkreis mit drei Stationen. Jede Station gibt ein Hormon ab, das die nächste anregt. Das Endprodukt hemmt die oberen Stationen wieder, nach dem Prinzip der negativen Rückkopplung. So bleibt der Hormonspiegel stabil, ähnlich wie ein Thermostat die Raumtemperatur hält.

  • Hypothalamus: bildet das Steuerhormon GnRH
  • Adenohypophyse (Hypophysenvorderlappen): bildet FSH und LH
  • Gonaden (Ovar, Hoden): bilden die Sexualhormone

GnRH erreicht die Hypophyse über das hypophysäre Pfortadersystem. FSH und LH heißen zusammen Gonadotropine, weil sie auf die Gonaden wirken. Beide sind Glykoproteinhormone. Sie bestehen aus einer gemeinsamen α-Untereinheit und einer spezifischen β-Untereinheit, die ihre Wirkung festlegt.

GnRH, FSH und LH

GnRH (Gonadotropin-Releasing-Hormon, Gonadoliberin) ist ein kurzes Peptid aus dem Hypothalamus. Der Hypothalamus gibt es nicht gleichmäßig ab, sondern in Stößen.

📖 Definition: Pulsatile Sekretion

Ein Hormon gelangt in kurzen Stößen mit Pausen dazwischen ins Blut. GnRH wird etwa alle 60 bis 120 Minuten ausgeschüttet.

Jeder GnRH-Puls löst in der Adenohypophyse einen LH-Puls aus. Deshalb werden auch FSH und LH pulsatil freigesetzt. Die Pausen sind nötig. Bei kontinuierlichem GnRH-Reiz steigt LH nur kurz an (Flare). Danach werden die Rezeptoren unempfindlich, und LH fällt ab. Diese Desensibilisierung nutzen GnRH-Agonisten wie Leuprorelin, etwa beim Prostatakarzinom.

Zwei Kurvendiagramme: oben regelmäßige GnRH- und LH-Spitzen, unten konstantes GnRH mit kurzer LH-Spitze und danach abfallendem LH.

Pulsatile GnRH-Freisetzung stimuliert die LH-Ausschüttung, kontinuierlicher Reiz führt nach kurzem Anstieg zur Desensibilisierung.

Gebildet werden FSH und LH im Hypophysenvorderlappen, nicht in Ovar oder Hoden. Die Gonaden sind nur ihr Zielorgan. Ein Beispiel ist der Gelbkörper: LH regt ihn zur Bildung von Progesteron an, mehr dazu in der Lutealphase. Die Stimulationskette zum Progesteron lautet also Hypothalamus, Adenohypophyse, Gelbkörper.

Jede Achse hat ihr eigenes Releasing-Hormon. CRH steuert über ACTH die Stressachse mit Cortisol. Die Sexualhormonbildung der Gonaden reguliert es nicht, denn dafür ist GnRH zuständig.

Achsenschema deuten

Ein unbeschriftetes Schema löst man von oben nach unten.

  1. Oberste Station: Hypothalamus, bildet GnRH. Er steht an erster Stelle der Kette, die vom ZNS ausgeht.
  2. Mittlere Station: Adenohypophyse, bildet FSH und LH. Das übergeordnete Hormon vor LH ist also GnRH.
  3. Endstufe: die Gonade. Beim Progesteron ist es der Gelbkörper, beim Testosteron der Hoden.
  4. Pfeile nach oben: Die Sexualhormone hemmen Hypothalamus und Hypophyse.

Schema mit drei Stufen: oben Hypothalamus mit GnRH, Mitte Hypophysenvorderlappen mit FSH und LH, unten Ovar und Hoden mit ihren Hormonen; Pfeile nach unten für Stimulation, nach oben für Hemmung.

Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse bei Frau und Mann mit Stimulation und negativer Rückkopplung.
🎯 Examensrelevant: Stationen der Gonadenachse

Die Reihenfolge Hypothalamus (GnRH), Adenohypophyse (FSH, LH), Gonade wird im Examen gerne gefragt, oft als Schema mit leeren Feldern. Achte darauf, dass FSH und LH in der Hypophyse entstehen und nicht im Ovar.

Gonadotropine beim Mann

FSH und LH kommen auch im Blut gesunder Männer vor. Dort wirken sie physiologisch auf den Hoden. Die beiden Zielzellen kennst du aus dem Bau der Fortpflanzungsorgane.

  • FSH wirkt auf die Sertoli-Zellen in den Samenkanälchen und fördert die Spermatogenese. Sertoli-Zellen bilden zudem Inhibin, das gezielt FSH hemmt.
  • LH stimuliert die Leydig-Zellen im Zwischengewebe zur Bildung von Testosteron.

Schematischer Hodenquerschnitt mit Samenkanälchen, Sertoli-Zellen innen und Leydig-Zellen im Zwischengewebe, Pfeile von FSH und LH zu den jeweiligen Zellen.

Zielzellen der Gonadotropine im Hoden: FSH wirkt auf Sertoli-Zellen, LH auf Leydig-Zellen.

Testosteron ist das wichtigste männliche Sexualhormon, ein Steroid aus der Gruppe der Androgene. Es unterstützt lokal die Spermatogenese und prägt die männlichen Geschlechtsmerkmale. Gleichzeitig hemmt es die Freisetzung von GnRH und LH. Im Achsenschema ist Testosteron das Hormon, das der Hoden auf den LH-Reiz freisetzt.

💡 Merke

LH geht zu den Leydig-Zellen, beide beginnen mit L. FSH versorgt über die Sertoli-Zellen die Spermien.

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Aussage 1

Der Hypothalamus gibt GnRH in Stößen ab, während eine kontinuierliche GnRH-Gabe die LH-Freisetzung nach kurzem Anstieg absinken lässt.

GnRH wirkt nur pulsatil stimulierend. Dauerreiz führt nach einem Flare zur Desensibilisierung der Hypophyse.

Aussage 2

CRH ist das Releasing-Hormon, das die Bildung von Progesteron im Gelbkörper anstößt.

CRH steuert die Stressachse. Die Sexualhormonbildung der Gonaden wird über GnRH reguliert.

Aussage 3

FSH wird in den Granulosazellen des Ovars gebildet und wirkt von dort auf die Hypophyse zurück.

FSH entsteht im Hypophysenvorderlappen. Das Ovar ist sein Zielorgan, nicht sein Bildungsort.

Aussage 4

Im Hoden regt LH die Leydig-Zellen zur Bildung von Testosteron an.

LH wirkt auf die Leydig-Zellen im Zwischengewebe, die daraufhin Testosteron freisetzen.

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