Öffnungsfrüchte und Sammelfrüchte
Wie Balg, Hülse, Schote und Kapsel sich nach Zahl der Fruchtblätter und Art der Öffnung unterscheiden und was Sammelfrüchte von Fruchtverbänden trennt.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Öffnungsfrucht springt bei der Reife auf und streut ihre Samen aus. Balg und Hülse entstehen aus chorikarpen, Schote und Kapsel aus coenokarpen Fruchtknoten.
- Die Balgfrucht ist trockenhäutig, entsteht aus einem Karpell und öffnet sich nur an der Bauchnaht.
- Die Hülse der Fabaceae stammt aus einem einzigen Fruchtblatt eines oberständigen Fruchtknotens. Sie hat keine Mittelwand und springt an Bauch- und Rückennaht in zwei Klappen auf.
- Bei der mehrsamigen Schote lösen sich zwei Klappen vom Replum mit der falschen Scheidewand, an dem die Samen hängen bleiben.
- Eine Sammelfrucht wie Himbeere oder Hagebutte entsteht aus einer Blüte, ein Fruchtverband wie die Maulbeere aus einem Blütenstand.
Worum es geht
Öffnungsfrüchte springen bei der Reife auf und streuen ihre Samen aus. Ihr Bau verrät, wie der Fruchtknoten gebaut war, und dient so als Erkennungsmerkmal für Familien wie Fabaceae, Brassicaceae oder Ranunculaceae. Für die Drogenkunde ist das handfest: Sternanis ist eine Sammelbalgfrucht, die Mohnkapsel eine Porenkapsel.
Balgfrucht
Eine Öffnungsfrucht (Streufrucht) öffnet sich bei der Reife und entlässt ihre Samen. Anders als bei einer Schließfrucht bleibt der Samen also nicht in der Fruchtwand eingeschlossen. Welche Öffnungsfrucht entsteht, hängt vom Fruchtknoten ab. Aus freien Fruchtblättern (chorikarp) entstehen Balg und Hülse, aus verwachsenen (coenokarp) Schote und Kapsel.
Die Balgfrucht ist die einfachste Öffnungsfrucht. Sie geht aus einem einzigen Karpell eines chorikarpen Gynoeceums hervor und ist trockenhäutig. Das Fruchtblatt ist wie ein längs gefaltetes Blatt gebaut. Seine Ränder verwachsen an der Bauchnaht, dort sitzen auch die Samen. Gegenüber liegt die Rückennaht, die der Mittelrippe des Blatts entspricht.
Bei der Reife reißt der Balg nur an der Bauchnaht auf. Die Rückennaht bleibt geschlossen, und die Frucht klafft wie ein aufgeschlitzter Beutel. Bälge findet man bei Ranunculaceae wie Eisenhut, Rittersporn, Akelei und Christrose, außerdem bei der Pfingstrose. Beim Sternanis (Illicium verum) stehen meist acht Bälge sternförmig zusammen.
Die Balgfrucht wird im Examen gerne gefragt: ein Karpell aus chorikarpem Gynoeceum, Öffnung an nur einer Naht, und zwar an der Bauchnaht. Achte darauf, sie nicht mit der Hülse zu verwechseln, die an zwei Nähten aufspringt.
Hülse
Die Hülse folgt demselben Bauplan wie der Balg. Auch sie entsteht aus einem einzigen Fruchtblatt, hier aus einem oberständigen, chorikarpen Fruchtknoten. Sie ist die typische Frucht der Fabaceae wie Erbse, Bohne oder Linse. Der Unterschied liegt in der Öffnung: Die Hülse springt an Bauch- und Rückennaht auf und zerfällt in zwei Klappen.
Die zwei Klappen verleiten leicht zur Annahme, die Hülse bestehe aus zwei Fruchtblättern. Tatsächlich sind beide Klappen Hälften desselben Karpells. An einer Zeichnung erkennst du die Hülse so:
- Der Querschnitt ist einfächerig, eine Mittelwand fehlt.
- Die Samen sitzen in einer Reihe an der Bauchnaht.
- Geöffnet liegen zwei getrennte Klappen vor, an deren Rand die Samen hängen.
Im Alltag spricht man von Erbsenschoten. Botanisch ist die Erbse eine Hülse aus einem Fruchtblatt, echte Schoten bilden etwa die Kreuzblütler.
Schote und Kapsel
Schote und Kapsel entstehen aus einem coenokarpen Fruchtknoten, also aus mehreren verwachsenen Fruchtblättern. Die Schote ist die Frucht der Kreuzblütler wie Raps oder Senf. Ihr Fruchtknoten besteht aus zwei Karpellen. Eine dünne falsche Scheidewand teilt ihn in zwei Fächer. Sie heißt falsch, weil sie nicht aus den Fruchtblatträndern selbst gebildet wird.
Die Schote enthält meist mehrere Samen. Sie öffnet sich an den Verwachsungsnähten: Zwei Klappen lösen sich ab. Stehen bleibt ein Rahmen, das Replum, mit der aufgespannten falschen Scheidewand. An ihm hängen die Samen. Ihre Samenschale ist mit dem Endokarp nicht verwachsen, sonst könnten sie nicht freikommen.
Im Querschnitt erkennst du die Schote an den zwei Fächern mit der dünnen Wand dazwischen. Die Hülse hat nur ein Fach. Die übrigen Öffnungsfrüchte aus coenokarpem Fruchtknoten heißen Kapseln. Sie öffnen sich auf andere Weise, etwa die Deckelkapsel des Bilsenkrauts mit einem abspringenden Deckel oder die Porenkapsel des Mohns mit Löchern unter der Narbe. Auch Kapseln entstehen nie aus nur einem Karpell.
| Frucht | Fruchtblätter | Fruchtknoten | Öffnung | Beispiel |
|---|---|---|---|---|
| Balg | 1 | chorikarp | nur Bauchnaht | Rittersporn, Sternanis |
| Hülse | 1 | chorikarp, oberständig | Bauch- und Rückennaht, zwei Klappen | Erbse, Bohne |
| Schote | 2 | coenokarp | zwei Klappen lösen sich vom Replum | Raps, Senf |
| Kapsel | 2 oder mehr | coenokarp | Deckel, Poren oder Spalten | Bilsenkraut, Mohn |
Sammelfrucht und Fruchtstand
Eine Sammelfrucht entsteht aus einer einzigen Blüte mit chorikarpem Gynoeceum. Jedes freie Fruchtblatt wird zu einem eigenen Früchtchen. Bei der Reife bleiben alle verbunden und lösen sich als Einheit. Die Himbeere ist eine Sammelsteinfrucht: Jedes Kügelchen ist eine kleine Steinfrucht. Auch die Hagebutte ist eine Sammelfrucht, ihre Nüsschen sitzen in einem fleischigen, krugförmigen Blütenbecher. Der Sternanis ist eine Sammelfrucht aus Bälgen.
Ein Fruchtverband (Fruchtstand, zusammengesetzte Frucht) geht dagegen aus einem ganzen Blütenstand hervor. Die Früchte vieler Einzelblüten wachsen zu einem Gebilde zusammen, das wie eine einzige Frucht wirkt. Beispiele sind Maulbeere, Feige und Ananas.
Himbeere und Maulbeere sehen sich ähnlich, entstehen aber grundverschieden. Entscheidend ist die Herkunft: eine Blüte oder viele. Die Mohnfrucht ist keine Sammelfrucht. Sie stammt zwar aus einer Blüte, aber aus einem coenokarpen Fruchtknoten, und bildet deshalb eine einzige Kapsel.
Quiz
Aussage 1
Die Balgfrucht reißt bei der Reife an Bauch- und Rückennaht auf.
Der Balg öffnet sich nur an der Bauchnaht. An beiden Nähten springt die Hülse auf.
Aussage 2
Wenn sich die Schote öffnet, bleiben die Samen an einem Rahmen mit falscher Scheidewand, dem Replum, hängen.
Die zwei Klappen lösen sich ab, das Replum mit der falschen Scheidewand und den Samen bleibt stehen.
Aussage 3
Die Himbeere ist ein Fruchtverband, der aus einem ganzen Blütenstand entsteht.
Die Himbeere ist eine Sammelsteinfrucht aus einer einzigen Blüte. Ein Fruchtverband aus einem Blütenstand ist etwa die Maulbeere.
Aussage 4
Die beiden Klappen einer Bohnenhülse entsprechen zwei verschiedenen Fruchtblättern, die durch eine Mittelwand getrennt sind.
Die Hülse besteht aus einem einzigen Fruchtblatt ohne Mittelwand. Beide Klappen sind Hälften desselben Karpells.
Aussage 5
Die Mohnfrucht ist keine Sammelfrucht, weil sie aus einem coenokarpen Fruchtknoten als einzelne Kapsel hervorgeht.
Eine Sammelfrucht setzt freie Fruchtblätter einer Blüte voraus. Der Mohn bildet aus verwachsenen Karpellen eine Porenkapsel.
Aussage 6
Eine Balgfrucht geht aus einem einzelnen Karpell eines chorikarpen Gynoeceums hervor.
Der Balg entsteht aus einem freien Fruchtblatt und ist eine trockenhäutige Öffnungsfrucht.
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