Kormus, Sprossverzweigung und Rhizome
Grundorgane des Kormus, Entstehung der Seitensprosse, monopodiale und sympodiale Verzweigung sowie Rhizome als unterirdische Sprossachsen.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Kormus gliedert sich in die Grundorgane Sprossachse, Blatt und Wurzel; die Blätter entspringen der Sprossachse.
- Seitensprosse entstehen exogen aus Achselknospen in den Blattachseln an den Nodien, nicht an den Internodien.
- Bei monopodialer Verzweigung bleibt die Hauptachse dominant und wird von den Seitenzweigen nie übergipfelt.
- Bei sympodialer Verzweigung fehlt eine durchgehende Hauptachse: im Monochasium setzt ein Seitenspross fort, im Dichasium zwei gleich starke.
- Ein Rhizom ist eine unterirdische Sprossachse mit Blättern und Wurzeln; es ist der Rübe analog, aber nicht homolog.
Worum es geht
Der Kormus der Samenpflanzen besteht aus wenigen Grundorganen, und seine Sprossachse verzweigt sich nach festen Regeln. Wer diese Regeln kennt, liest Verzweigungsschemata sicher. Er ordnet außerdem Drogen wie den Ingwerwurzelstock richtig als Sprossteile ein.
Grundorgane des Kormus
Der Kormus besteht aus drei Grundorganen: Sprossachse, Blatt und Wurzel. Die Blätter entspringen der Sprossachse. Zusammen bilden beide den Spross. Die Blüte ist kein eigenes Grundorgan, sondern ein umgebildeter Spross.
Die Lage verrät das Organ nicht. Rhizome sind unterirdische Sprosse. Luftwurzeln von Orchideen wachsen dagegen oberirdisch.
Seitensprosse
Die Sprossachse gliedert sich in Knoten (Nodien), an denen Blätter ansetzen, und die blattfreien Abschnitte dazwischen, die Internodien. In jeder Blattachsel, dem Winkel zwischen Blatt und Achse, sitzt eine Achselknospe. Treibt sie aus, entsteht ein Seitenspross.
Seitensprosse entstehen deshalb am Nodium und exogen, also aus oberflächennahem Gewebe. Bei Samenpflanzen geht jede Sprossverzweigung von einer Blattachsel aus. Das gilt auch für krautige Achsen ohne sekundäres Dickenwachstum. Seitenwurzeln entstehen dagegen endogen im Perizykel.
Monopodiale und sympodiale Verzweigung
Für die Verzweigung gibt es zwei Grundmuster. Bei monopodialer Verzweigung wächst die Hauptachse dauerhaft über ihr Apikalmeristem weiter. Die Seitenzweige bleiben schwächer und übergipfeln sie nie, wie beim Stamm einer Fichte.
Bei sympodialer Verzweigung stellt die Spitze ihr Wachstum ein. Seitenachsen übernehmen die Führung, eine durchgehende Hauptachse fehlt. Die sichtbare Achse setzt sich aus vielen Teilstücken zusammen.
- Monochasium: An jedem Knoten setzt genau ein Seitenspross die Achse fort. Sie wirkt durchgehend, zeigt aber Knicke und kleine Stummel der beendeten Spitzen.
- Dichasium: Zwei gleich starke Seitenäste unterhalb der Spitze setzen fort, die Hauptachse bleibt hinter ihnen zurück. Es entstehen fortlaufende Gabeln, etwa bei der Mistel.
So bestimmst du den Typ an einer Strichzeichnung:
- Achse verfolgen: Läuft eine gleich dicke Linie ununterbrochen nach oben, mit dünneren Seitenästen, ist es ein Monopodium.
- Ende suchen: Endet die Achse als Stummel und ein Seitenast wird zur dicksten Linie, ist es sympodial.
- Fortsetzer zählen: Ein Seitenast setzt fort, dann Monochasium. Zwei gleich starke, dann Dichasium.
Dieselben Muster kehren bei cymösen Blütenständen wieder.
Rhizome
Ein Rhizom ist eine unterirdische, meist waagrecht wachsende Sprossachse. Es wächst also nicht positiv gravitrop wie eine Wurzel. Seine Sprossnatur zeigen Knoten mit Niederblättern und sprossbürtige Wurzeln. Rhizome speichern Reservestoffe.
Rhizome gibt es bei Monokotylen wie Ingwer und ebenso bei Eudikotylen wie Baldrian. Sekundäres Dickenwachstum zeigen sie nicht immer. Im Querschnitt fehlt das radiale Leitbündel der Wurzel (Leitbündeltypen).
Eine Rübe wie die Möhre geht dagegen aus Hauptwurzel und Hypokotyl hervor. Beide Organe speichern, haben aber verschiedene Herkunft.
Homolog sind Organe gleicher Herkunft, auch bei verschiedener Funktion. Analog sind Organe gleicher Funktion bei verschiedener Herkunft. Rhizom und Rübe sind analog, aber nicht homolog.
Quiz
Aussage 1
In einem Schema mit durchgehender dicker Hauptachse und dünneren Seitenästen ist ein sympodiales Monochasium dargestellt.
Eine ununterbrochen durchlaufende, dominante Hauptachse kennzeichnet das Monopodium. Beim Monochasium endet die Achse jeweils als Stummel und ein Seitenspross setzt fort.
Aussage 2
Bei dichasialer Verzweigung bleibt die Hauptachse hinter zwei gleich starken Seitenästen zurück, die unterhalb der Spitze entspringen.
Im Dichasium stellt die Spitze ihr Wachstum ein, zwei gleich starke Seitenäste setzen den Spross fort.
Aussage 3
Rhizom und Möhrenrübe sind homologe Organe, weil beide Reservestoffe speichern.
Gleiche Funktion bei verschiedener Herkunft heißt analog. Das Rhizom ist eine Sprossachse, die Rübe stammt aus Hauptwurzel und Hypokotyl.
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