Samenpflanzen

Festigungsgewebe: Kollenchym

Kollenchym ist ein lebendes Festigungsgewebe, dessen unverholzte, stellenweise verdickte Wände wachsende Pflanzenteile stützen.

Prüfungsrelevanz: relevant ✓ gelesen
Das Wichtigste in Kürze5 Punkte
  • Festigungsgewebe stützen die Pflanze durch verdickte Zellwände: Kollenchym aus lebenden, Sklerenchym aus im reifen Zustand meist toten Zellen.
  • Kollenchymzellen sind lebend, besitzen einen Zellkern, sind wachstumsfähig und können Chloroplasten enthalten.
  • Die Wandverdickungen sind ungleichmäßig verdickte Primärwand aus Pektin und Cellulose-Lamellen und nicht lignifiziert.
  • Kantenkollenchym ist an den Zellecken verdickt, Plattenkollenchym an den tangentialen Längswänden.
  • Kollenchym festigt wachsende Organe und krautige Stängel, etwa in den Kanten der Lamiaceae-Stängel.

Worum es geht

Junge Sprosse und krautige Stängel wie die der Pfefferminze müssen stabil sein, obwohl sie noch wachsen. Diese Aufgabe übernimmt das Kollenchym, eines der beiden Festigungsgewebe der Samenpflanzen. In der Drogenmikroskopie erkennt man es an seinen typisch verdickten Zellwänden.

Festigungsgewebe im Überblick

Pflanzen haben kein Skelett. Sie stützen sich über ihre Zellwände. Festigungsgewebe sind Dauergewebe, deren Zellen ihre Wände verdicken und so Zug- und Biegekräfte aufnehmen.

Es gibt zwei Festigungsgewebe. Das Kollenchym besteht aus lebenden Zellen. Das Sklerenchym besteht im reifen Zustand meist aus toten Zellen. Eine lebende Pflanze enthält also auch tote Zellen, und nicht jede ausdifferenzierte Pflanzenzelle besitzt noch einen lebenden Protoplasten.

Das Phellogen gehört nicht in diese Gruppe. Es ist ein Bildungsgewebe, das Kork nach außen abgibt.

Kollenchymzellen

Kollenchymzellen behalten im ausdifferenzierten Zustand ihren lebenden Protoplasten mit Zellkern. Sie können sogar Chloroplasten enthalten. Weil sie leben, bleiben sie wachstumsfähig und können ihre Wände strecken. Das gilt für alle Kollenchymtypen, auch für das Plattenkollenchym.

Die Zellen sind in Längsrichtung des Organs gestreckt. Faserförmig zugespitzt wie Sklerenchymfasern sind sie aber nicht. Kollenchym geht wie alle primären Gewebe auf ein Urmeristem zurück.

🎯 Examensrelevant: Kollenchym einordnen

Wird im Examen gerne gefragt: Kollenchym ist ein lebendes Festigungsgewebe aus wachstumsfähigen Zellen mit Zellkern, die Chloroplasten enthalten können. Achte auf die Zuordnung zu den Festigungsgeweben, denn es zählt weder zu den Grundgeweben wie dem Parenchym noch zu den Abschlussgeweben.

Mit dem Parenchym teilt es den lebenden Zellinhalt, unterscheidet sich aber durch die Festigungsfunktion. Kollenchym ist zugleich fest und biegsam, nicht hart und spröde. Man kann es sich eher wie ein Seil als wie einen Stab vorstellen.

A Kollenchym
  • lebend, mit Zellkern
  • Primärwand stellenweise verdickt, unverholzt
  • plastisch und dehnbar
  • in wachsenden Organen
B Sklerenchym
  • im reifen Zustand meist tot
  • Sekundärwand gleichmäßig dick, oft verholzt
  • hart, kaum dehnbar
  • in ausgewachsenen Organen

Zellwand und Typen

Die Festigkeit sitzt in der Primärwand. Sie ist ungleichmäßig, also nur lokal verdickt. Die Verdickungen bestehen aus Pektin und Cellulose-Lamellen im Wechsel und sind wasserreich. Sie sind nicht lignifiziert, und eine verholzte Sekundärwand bildet Kollenchym nicht. Darum bleibt die Wand dehnbar und wächst mit. Zur Chemie siehe Pektine und Hemicellulosen und Lignin.

Anders als die Reservewände mancher Samen enthalten die Verdickungen keine Galactomannane. Die Typen unterscheiden sich in der Lage der Verdickungen:

  • Kantenkollenchym (Eckenkollenchym): verdickt dort, wo mehrere Zellen zusammenstoßen, also an den Zellkanten. Im Querschnitt erscheinen dreieckig gefüllte Ecken.
  • Plattenkollenchym: verdickt an den tangentialen Längswänden, also parallel zur Organoberfläche. Die Verdickung ist nicht auf die Kanten beschränkt.

Zwei schematische Gewebequerschnitte: links Zellen mit dreieckig verdickten Ecken, rechts Zellen mit verdickten Wänden parallel zur Oberfläche.

Kantenkollenchym ist an den Zellecken verdickt, Plattenkollenchym an den Wänden parallel zur Oberfläche.

Kantenkollenchym in der Zeichnung erkennen

In der Strichzeichnung eines Drogenfragments suchst du zuerst die Zellecken. Sind sie gefüllt und verdickt, die übrigen Wände aber dünn, liegt Kantenkollenchym vor. Das Lumen wirkt dabei gerundet. Parenchym hat dagegen durchgehend dünne Wände und oft Interzellularen in den Ecken. Sklerenchym ist ringsum gleichmäßig dick, hat ein enges Lumen und Tüpfelkanäle.

Drei Strichzeichnungen pflanzlicher Gewebe im Querschnitt mit unterschiedlich verdickten Zellwänden.

Parenchym, Kantenkollenchym und Sklerenchym in der Strichzeichnung: Entscheidend sind Wanddicke, Ecken und Lumen.

Vorkommen

Kollenchym festigt noch wachsende Organe: junge Sprossachsen, Blattstiele und die Stängel krautiger Pflanzen. Es liegt meist dicht unter der Epidermis, wo die Biegekräfte am größten sind. Bei den Lamiaceae sitzen Kollenchymstränge in den vier Kanten des Stängels.

Schematischer quadratischer Stängelquerschnitt mit hervorgehobenen Gewebesträngen in den vier Ecken.

Vierkantiger Lamiaceen-Stängel im Querschnitt: Kollenchymstränge sitzen in den Kanten.

In sekundär verdickten Organen übernehmen Holz und Sklerenchym die Festigung. Kollenchym ist dort nicht das typische Festigungsgewebe. Auch in der sekundären Rinde findet es sich nicht überwiegend, denn dort festigen vor allem Bastfasern.

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Aussage 1

Die Wandverdickungen des Kollenchyms bestehen aus verholzten Sekundärwänden.

Die Verdickungen sind Primärwandmaterial aus Pektin und Cellulose-Lamellen und nicht lignifiziert.

Aussage 2

Ausdifferenzierte Kollenchymzellen besitzen einen lebenden Protoplasten mit Zellkern.

Kollenchym ist ein lebendes Festigungsgewebe. Seine Zellen behalten Zellkern und Protoplast und bleiben wachstumsfähig.

Aussage 3

Beim Plattenkollenchym liegen die Wandverdickungen an den tangentialen Längswänden, also parallel zur Organoberfläche.

Das unterscheidet es vom Kantenkollenchym, dessen Verdickungen an den Zellecken liegen.

Aussage 4

Kollenchym ist das typische Festigungsgewebe sekundär verdickter Sprossachsen.

Kollenchym festigt noch wachsende Organe wie krautige Stängel. In sekundär verdickten Organen übernehmen Holz und Sklerenchym die Festigung.

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