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Herzglykosid-Giftpflanzen: Maiglöckchen und Meerzwiebel

Maiglöckchen und Meerzwiebel sind Giftpflanzen mit herzwirksamen Steroidglykosiden, die man über ihre Inhaltsstoffe und Familienmerkmale sicher auseinanderhält.

Prüfungsrelevanz: gut zu wissen ✓ gelesen
Das Wichtigste in Kürze5 Punkte
  • Herzwirksame Glykoside sind Steroidglykoside mit ungesättigtem Lactonring an C-17 und Zucker an C-3; Maiglöckchen und Meerzwiebel sind Giftpflanzen, die sie enthalten.
  • Convallaria majalis liefert Convallariae herba mit Cardenoliden, Bufadienolide fehlen.
  • Die Convallariaceae sind Rhizomstauden mit Steroidsaponinen und der Blütenformel \(P\,3+3\;A\,3+3\;G\,(\underline{3})\).
  • Das Maiglöckchen hat weiße, nickende Glockenblüten in einseitswendiger Traube und rote Beeren.
  • Die Meerzwiebel (Drimia maritima) liefert Scillae bulbus mit Bufadienoliden; Hyacinthaceae bilden Zwiebeln, Kapseln und einen oberständigen Fruchtknoten.

Worum es geht

Zwei einkeimblättrige Giftpflanzen liefern Drogen mit herzwirksamen Glykosiden: das Maiglöckchen und die Meerzwiebel. Für die Pharmazie zählt, welchen Glykosidtyp jede Pflanze bildet und an welchen Merkmalen man ihre Familien erkennt.

Maiglöckchen

Das Maiglöckchen (Convallaria majalis) ist eine Giftpflanze. Alle Teile enthalten herzwirksame Glykoside, vor allem Convallatoxin. Das Kraut liefert die Arzneibuchdroge Convallariae herba. Wie diese Stoffe am Herzen wirken, gehört zum Herzzyklus.

📖 Definition: Herzwirksame Glykoside

Glykoside mit einem Steroid-Aglykon, das an C-17 einen ungesättigten Lactonring und an C-3 eine Zuckerkette trägt. Cardenolide haben einen fünfgliedrigen, Bufadienolide einen zweifach ungesättigten sechsgliedrigen Lactonring.

Das Maiglöckchen bildet Cardenolide. Bufadienolide fehlen in Convallariae herba, sie sind typisch für die Meerzwiebel.

Zwei Steroidstrukturen nebeneinander, links mit fünfgliedrigem, rechts mit sechsgliedrigem ungesättigtem Lactonring.

Cardenolid und Bufadienolid unterscheiden sich im Lactonring an C-17.

Anders als manche giftige Hülsenfrüchtler gehört Convallaria nicht zu den Fabaceae. Sie zählt zu den einkeimblättrigen Convallariaceae. Die Familie erkennt man an diesen Merkmalen:

  • ausdauernde Rhizomstauden
  • als Sekundärstoffe neben Herzglykosiden auch Steroidsaponine
  • Blütenhülle als Perigon aus zwei dreizähligen Kreisen
  • Blütenformel \(P\,3+3\;A\,3+3\;G\,(\underline{3})\), also ein oberständiger Fruchtknoten aus drei verwachsenen Fruchtblättern

Die Pflanze treibt meist zwei breit-lanzettliche, grundständige Blätter. Der Blütenstand ist eine einseitswendige Traube aus weißen, nickenden, stark duftenden Glöckchen. Beim Maiglöckchen ist das Perigon glockig verwachsen, die Formel lautet dann \(P\,(3+3)\;A\,3+3\;G\,(\underline{3})\). Im Spätsommer reifen rote Beeren, die vor allem Kinder anlocken.

Meerzwiebel

Die Meerzwiebel (Drimia maritima, Synonym Urginea maritima) wächst im Mittelmeerraum und ist ebenfalls giftig. Ihre Zwiebel liefert die Droge Scillae bulbus. Sie enthält herzwirksame Steroidglykoside vom Bufadienolid-Typ, etwa Proscillaridin.

Trotz ihrer langen, schmalen Blätter ist die Meerzwiebel kein Gras aus den Poaceae. Sie gehört zu den Hyacinthaceae. Typisch für diese Familie sind:

  • Zwiebeln als Speicherorgan
  • Kapselfrüchte
  • ein oberständiger Fruchtknoten

Die Zwiebel der Meerzwiebel wird faustgroß bis mehrere Kilogramm schwer. Im Spätsommer treibt ein bis über 1 m hoher Schaft mit einer dichten Traube weißer Sternblüten. Die Blätter erscheinen erst danach.

Eine ganz andere Droge ist Ratanhiae radix. Die rotbraune Wurzel des Andenstrauchs Krameria lappacea (Krameriaceae) enthält Gerbstoffe statt Herzglykosiden.

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Aussage 1

Bei den Convallariaceae ist der Fruchtknoten oberständig und aus drei verwachsenen Fruchtblättern aufgebaut.

Die Blütenformel lautet \(P\,3+3\;A\,3+3\;G\,(\underline{3})\); der Strich unter dem G steht für oberständig.

Aussage 2

Die Hyacinthaceae, zu denen die Meerzwiebel gehört, besitzen einen unterständigen Fruchtknoten.

Hyacinthaceae haben einen oberständigen Fruchtknoten und bilden häufig Zwiebeln und Kapselfrüchte.

Aussage 3

Die herzwirksamen Glykoside aus Convallariae herba gehören zum Bufadienolid-Typ.

Das Maiglöckchen enthält Cardenolide mit fünfgliedrigem Lactonring. Bufadienolide sind typisch für die Meerzwiebel.

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