Nervensystem

Aufbau von Sympathikus und Parasympathikus

Wie vegetative Efferenzen aus zwei Neuronen aufgebaut sind, wo Sympathikus und Parasympathikus im ZNS entspringen und wo ihre Ganglien liegen.

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  • Vegetative Efferenzen von Sympathikus und Parasympathikus bestehen aus zwei Neuronen, die in einem peripheren Ganglion umgeschaltet werden: präganglionär vor, postganglionär nach dem Ganglion.
  • Präganglionäre sympathische Fasern sind meist markhaltig (Ramus communicans albus), postganglionäre marklos (Ramus communicans griseus).
  • Präganglionäre Sympathikusneurone liegen im Seitenhorn des Thorakal- und Lumbalmarks (thorakolumbal, Th1 bis L2).
  • Präganglionäre Parasympathikusneurone liegen im Hirnstamm (Hirnnerven III, VII, IX, X) und im Sakralmark (S2 bis S4); der N. vagus versorgt Brust- und große Teile der Baucheingeweide.
  • Sympathische Ganglien liegen organfern im Grenzstrang und prävertebral, parasympathische intramural in der Organwand oder organnah.

Worum es geht

Sympathikus und Parasympathikus steuern Herz, glatte Muskulatur und Drüsen über eine Kette aus zwei Neuronen. Ursprung und Umschaltort dieser Kette unterscheiden sich in beiden Systemen deutlich. Dieser Bauplan ist die Grundlage, um später Transmitter und Angriffspunkte vegetativ wirksamer Arzneistoffe wie Atropin oder Betablocker einzuordnen.

Vegetatives Nervensystem

Das somatische Nervensystem steuert die Skelettmuskulatur willkürlich. Dabei zieht ein einziges α-Motoneuron ohne Zwischenstation vom Rückenmark bis zum Muskel. Das vegetative oder autonome Nervensystem arbeitet dagegen unwillkürlich. Es versorgt glatte Muskulatur, Herz und Drüsen.

Man gliedert es in drei Teile. Sympathikus und Parasympathikus wirken meist als Gegenspieler. Das enterische Nervensystem liegt als Nervengeflecht in der Darmwand und kann auch ohne Befehle aus dem ZNS arbeiten. Hier geht es um die efferenten Bahnen von Sympathikus und Parasympathikus.

Zweineuronige Bahn

Beide Systeme folgen demselben Grundprinzip. Ihre efferenten Bahnen bestehen aus zwei hintereinandergeschalteten Neuronen. Die Umschaltung vom ersten auf das zweite Neuron geschieht außerhalb des ZNS in einem peripheren vegetativen Ganglion. Man kann sich das wie eine Staffel vorstellen: Im Ganglion übergibt der erste Läufer an den zweiten.

📖 Definition: Prä- und postganglionär

Das präganglionäre Neuron liegt mit seinem Perikaryon im ZNS und zieht bis zum Ganglion. Das postganglionäre Neuron beginnt im Ganglion und zieht zum Erfolgsorgan.

Die Fasern unterscheiden sich in ihrer Myelinscheide. Präganglionäre sympathische Fasern sind meist markhaltig, postganglionäre dagegen marklos. Das sieht man an den Verbindungsästen zum Grenzstrang. Der Ramus communicans albus wirkt durch das Myelin weiß. Er führt die präganglionäre Faser vom Spinalnerv zum Ganglion. Der Ramus communicans griseus ist grau, weil er marklose postganglionäre Fasern zurück zum Spinalnerv führt.

Querschnitt durch Rückenmark und Wirbelsäulenumgebung mit sympathischer Faser vom Seitenhorn über den Ramus communicans albus zum Grenzstrangganglion und über den Ramus communicans griseus zurück

Weiße und graue Verbindungsäste zwischen Spinalnerv und Grenzstrang

Welche Transmitter an den beiden Synapsen wirken, behandelt die Einheit zu den Transmittern von Sympathikus und Parasympathikus.

Ursprung im ZNS

Die Perikaryen der präganglionären Sympathikusneurone liegen im Seitenhorn der grauen Substanz. Dieses Seitenhorn gibt es nur im Thorakal- und Lumbalmark, etwa von Th1 bis L2. Der Sympathikus ist daher thorakolumbal. Hypothalamus und Medulla oblongata beeinflussen ihn zwar als übergeordnete Zentren, enthalten aber nicht seine präganglionären Zellkörper.

Der Parasympathikus entspringt an den beiden Enden des ZNS. Seine präganglionären Neurone liegen im Hirnstamm, in den Kernen der Hirnnerven III, VII, IX und X. Hinzu kommt das Sakralmark mit den Segmenten S2 bis S4. Er ist also kraniosakral. Beide Systeme teilen sich damit keine Rückenmarkssegmente.

Der wichtigste parasympathische Nerv ist der N. vagus (Hirnnerv X). Er versorgt die Brusteingeweide und einen großen Teil der Baucheingeweide.

Schematisches ZNS mit sympathisch markiertem Brust- und Lendenmark sowie parasympathisch markiertem Hirnstamm und Sakralmark

Thorakolumbaler Sympathikus und kraniosakraler Parasympathikus

Vegetative Ganglien

Sympathische Ganglien liegen organfern. Die meisten bilden den Grenzstrang (Truncus sympathicus). Das ist eine Kette paravertebraler Ganglien beiderseits der Wirbelsäule. Sie sind Umschaltstationen ausschließlich des Sympathikus. Manche präganglionären Fasern ziehen ohne Umschaltung durch den Grenzstrang zu den prävertebralen Ganglien. Diese liegen vor der Aorta, etwa das Ganglion coeliacum.

Parasympathische präganglionäre Axone ziehen am Grenzstrang vorbei bis zum Organ. Sie werden in intramuralen Ganglien in der Organwand umgeschaltet. Im Kopf liegen die Ganglien knapp vor dem Organ, etwa das Ganglion ciliare am Auge.

Merkmal Sympathikus Parasympathikus
Ursprung Th1 bis L2 (Seitenhorn) Hirnstamm, S2 bis S4
Ganglien Grenzstrang, prävertebral intramural, organnah
präganglionäre Faser kurz lang
postganglionäre Faser lang kurz

Schema zweier zweineuroniger Bahnen: oben Sympathikus mit kurzer präganglionärer Faser zum Grenzstrang und langer postganglionärer Faser zum Organ, unten Parasympathikus mit langer präganglionärer Faser bis zum Ganglion in der Organwand

Sympathikus mit organfernem, Parasympathikus mit organnahem Ganglion
💡 Merke

Sympathikus: kurz vor, lang nach dem Ganglion. Parasympathikus: lang vor, kurz nach dem Ganglion, weil er erst im Organ umschaltet.

Welche Wirkungen beide Systeme an den Organen haben, zeigt die Einheit Vegetative Wirkungen an Bronchien, Auge, Drüsen und Darm.

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Aussage 1

Die Zellkörper präganglionärer Sympathikusneurone liegen im Seitenhorn des Brust- und Lendenmarks.

Der Sympathikus entspringt thorakolumbal, etwa Th1 bis L2, aus dem Seitenhorn der grauen Substanz.

Aussage 2

Beim Parasympathikus ist die präganglionäre Faser lang und die postganglionäre Faser kurz.

Die präganglionäre Faser zieht bis in die Organwand, wo das intramurale Ganglion liegt; von dort ist der Weg zum Erfolgsgewebe kurz.

Aussage 3

Präganglionäre Parasympathikusneurone entspringen vor allem dem Thorakalmark und ziehen von dort zu den Baucheingeweiden.

Der Parasympathikus entspringt kraniosakral, also dem Hirnstamm und dem Sakralmark (S2 bis S4). Das Thorakalmark gehört zum Sympathikus.

Aussage 4

Im Grenzstrang werden sowohl sympathische als auch parasympathische Bahnen auf das postganglionäre Neuron umgeschaltet.

Der Grenzstrang besteht nur aus sympathischen Ganglien. Parasympathische Fasern werden in intramuralen oder organnahen Ganglien umgeschaltet.

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