Nervensystem

Eigenreflex, Fremdreflex und Muskeldehnungsreflex

Wie spinale Reflexe aufgebaut sind, wie sich Eigen- und Fremdreflex unterscheiden und wie der Muskeldehnungsreflex über die Muskelspindel abläuft.

Prüfungsrelevanz: gut zu wissen ✓ gelesen
Das Wichtigste in Kürze5 Punkte
  • Ein Reflexbogen führt vom peripheren Rezeptor über Afferenz, Umschaltung im Rückenmark und Efferenz zum Effektor.
  • Beim Eigenreflex liegen Rezeptor und Effektor im selben Organ, beim Fremdreflex in verschiedenen Organen.
  • Der Eigenreflex ist monosynaptisch, der Fremdreflex polysynaptisch über Interneurone und hat daher eine längere Reflexzeit.
  • Der Eigenreflex ist nicht ermüdbar, der Fremdreflex nimmt bei wiederholtem Reiz ab.
  • Der Muskeldehnungsreflex, etwa der Achillessehnenreflex, startet an der Muskelspindel und läuft über Ia-Afferenz und eine Synapse im Vorderhorn auf das α-Motoneuron desselben Muskels.

Worum es geht

Reflexe sind die einfachsten Schaltkreise des Nervensystems. Mit dem Reflexhammer prüft man, ob Nerven und Rückenmark intakt sind. Wer Eigen- und Fremdreflex unterscheiden kann, versteht auch, warum manche Reflexe schneller ablaufen als andere.

Reflexbogen

Ein Reflex ist eine unwillkürliche, gleichförmige Antwort auf einen bestimmten Reiz. Den Weg der Erregung nennt man Reflexbogen. Er hat fünf Glieder:

  1. Rezeptor: Ein peripherer Rezeptor wird erregt. Damit beginnt jeder Reflexbogen.
  2. Afferenz: Ein sensibles Neuron leitet über die Hinterwurzel zum Rückenmark.
  3. Zentrum: In der grauen Substanz wird auf die Efferenz umgeschaltet.
  4. Efferenz: Ein α-Motoneuron leitet zum Muskel.
  5. Effektor: Der Muskel kontrahiert.

Eigenreflex und Fremdreflex

Spinale Reflexe teilt man nach der Lage von Rezeptor und Effektor ein. Beide Typen werden im Rückenmark verschaltet. Ein typischer Fremdreflex ist der Fluchtreflex: Ein Schmerzreiz an der Fußsohle lässt die Beuger des Beins kontrahieren.

Monosynaptisch heißt, zwischen Afferenz und Efferenz liegt genau eine Synapse. Polysynaptisch heißt, Interneurone sind zwischengeschaltet. Jede Synapse kostet Zeit. Deshalb unterscheiden sich die Reflexzeiten.

Zwei Rückenmarksschemata nebeneinander: links eine direkte Verbindung von Muskelspindel zu Motoneuron, rechts ein Hautrezeptor, dessen Erregung über mehrere Interneurone zu Beugemuskeln läuft.

Eigenreflex mit einer Synapse und Fremdreflex mit zwischengeschalteten Interneuronen.
A Eigenreflex
  • Rezeptor im Erfolgsorgan, etwa Muskelspindel im Skelettmuskel
  • monosynaptisch, Umschaltung im Vorderhorn
  • kurze, konstante Reflexzeit
  • Antwort nimmt bei wiederholtem Reiz nicht ab
B Fremdreflex
  • Rezeptor und Effektor in verschiedenen Organen
  • polysynaptisch über Interneurone
  • längere, reizabhängige Reflexzeit
  • ermüdbar bei Wiederholung

Muskeldehnungsreflex

Der Muskeldehnungsreflex ist der typische Eigenreflex. Ihn löst eine plötzliche Dehnung des Muskels aus. Beim Achillessehnenreflex dehnt ein Hammerschlag auf die Sehne kurz den Wadenmuskel. Der Muskel zuckt und wirkt der Dehnung entgegen.

Rezeptor ist die Muskelspindel. Ihre dünnen intrafusalen Fasern liegen in einer Kapsel parallel zu den Arbeitsfasern und werden mit ihnen gedehnt. Um ihre Mitte windet sich die primäre Endigung, von der die Ia-Faser abgeht. Man kann sich die Spindel wie einen eingebauten Dehnungsmesser vorstellen.

Zeichnung einer spindelförmigen Kapsel mit dünnen Muskelfasern zwischen dicken Arbeitsfasern; um ihre Mitte windet sich eine sensible Nervenendigung.

Muskelspindel: intrafusale Fasern in einer Kapsel, parallel zu den Arbeitsfasern, mit Ia-Endigung.

Die Ia-Afferenz hat ihr Perikaryon im Spinalganglion und zieht über die Hinterwurzel ins Rückenmark. Im Vorderhorn bildet sie direkt eine Synapse mit dem α-Motoneuron desselben Muskels. Dessen Axon verlässt das Rückenmark über die Vorderwurzel. Die Umschaltung liegt in der grauen Substanz, denn die weiße Substanz enthält nur Leitungsbahnen.

Schema eines Rückenmarksquerschnitts, von dem eine sensible Faser aus einer Muskelspindel über die Hinterwurzel ins Vorderhorn zieht und dort direkt auf ein Motoneuron umgeschaltet wird, dessen Axon zum selben Muskel zurückläuft.

Muskeldehnungsreflex: Muskelspindel, Ia-Afferenz, eine Synapse im Vorderhorn, α-Motoneuron desselben Muskels.
💡 Merke

Ein Reflexschema deutest du mit zwei Fragen: Liegen Rezeptor und Effektor im selben Muskel? Liegt zwischen Ia-Afferenz und α-Motoneuron genau eine Synapse? Ist beides erfüllt, zeigt das Schema einen monosynaptischen Eigenreflex.

Quiz

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Aussage 1

Weil beim Fremdreflex Interneurone zwischengeschaltet sind, ist seine Reflexzeit länger als die des Eigenreflexes.

Der Fremdreflex ist polysynaptisch, und jede zusätzliche Synapse verlängert die Reflexzeit.

Aussage 2

Beim Muskeldehnungsreflex wird die Ia-Afferenz in der weißen Substanz des Rückenmarks auf das α-Motoneuron umgeschaltet.

Die einzige Synapse liegt im Vorderhorn, also in der grauen Substanz. Die weiße Substanz enthält nur Leitungsbahnen.

Aussage 3

Beim Eigenreflex wird die Antwort bei mehrfach wiederholtem gleichem Reiz deutlich schwächer.

Der Eigenreflex ist nicht ermüdbar. Eine Abnahme bei Wiederholung ist typisch für den Fremdreflex.

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