Herz und Kreislauf

Elektrokardiogramm: Wellen, Zacken und Strecken

Wie das EKG die elektrische Erregung des Herzens abbildet und welche Welle, Zacke oder Strecke zu welchem Vorgang gehört.

Prüfungsrelevanz: relevant ✓ gelesen
Das Wichtigste in Kürze6 Punkte
  • Das EKG zeichnet Ausbreitung und Rückbildung der elektrischen Herzerregung von Extremitäten und Brustwand auf.
  • Es liefert Herzfrequenz und elektrische Herzachse, aber keine Auskunft über Kontraktionskraft oder Herzzeitvolumen.
  • Die P-Welle zeigt die Vorhofdepolarisation, der QRS-Komplex die Kammerdepolarisation, die die Vorhofrepolarisation überdeckt.
  • In der ST-Strecke sind alle Kammerzellen erregt, daher gibt es keine Potentialdifferenz.
  • Die T-Welle ist die Kammerrepolarisation, das QT-Intervall umfasst die gesamte elektrische Kammeraktion.
  • Die Mitralklappe ist von kurz nach Beginn des QRS-Komplexes bis kurz nach dem Ende der T-Welle geschlossen.

Worum es geht

Das Elektrokardiogramm zeichnet die elektrische Erregung des Herzens von der Körperoberfläche auf. Es baut auf dem Erregungsleitungssystem auf. In der Pharmazie begegnet es dir etwa bei Arzneistoffen, die das QT-Intervall verlängern.

Prinzip und Aussagekraft

Das EKG misst die Spannungen, die bei Ausbreitung und Rückbildung der Erregung im Herzen entstehen. Sie lassen sich an der Körperoberfläche abgreifen. Die Extremitätenableitungen nach Einthoven (I, II, III) nutzen den rechten Arm, den linken Arm und das linke Bein. Die Brustwandableitungen nach Wilson liegen auf der linken Brustwand (V1 bis V6).

Schema eines Oberkörpers mit Einthoven-Dreieck zwischen beiden Armen und linkem Bein sowie sechs Elektroden auf der linken Brustwand.

Extremitätenableitungen nach Einthoven und Brustwandableitungen nach Wilson.

Die Kurve besteht aus Zacken und Wellen. Aus ihren Abständen liest man die Herzfrequenz ab. Aus ihrer Größe in verschiedenen Ableitungen bestimmt man die elektrische Herzachse, also die Herzlage. Das EKG zeigt jedoch nur Elektrik. Über Kontraktionskraft und Herzzeitvolumen sagt es nichts aus, denn ein elektrisch normales Herz kann trotzdem schwach pumpen.

Vorhoferregung und Kammererregung

Die P-Welle ist die erste, kleine und abgerundete Welle eines Herzschlags. Sie entspricht der Depolarisation der Vorhöfe, also der Erregungsausbreitung über beide Vorhöfe. Die Erregung des Sinusknotens selbst erzeugt keine eigene Welle, dafür ist er zu klein. Sichtbar wird erst die Vorhofmuskulatur, die er anstößt.

Danach folgt der spitze, hohe QRS-Komplex, die Kammeranfangsschwankung. Er zeigt die Depolarisation der Ventrikel. Die große Kammermuskulatur erzeugt dabei viel Spannung. Deshalb überlagert der QRS-Komplex die gleichzeitige Vorhofrepolarisation, die so nicht als eigene Welle erscheint.

In einer Kurve erkennst du die P-Welle an ihrer Lage: Sie steht unmittelbar vor dem QRS-Komplex und ist deutlich niedriger als dieser.

Erregungsrückbildung

Nach dem QRS-Komplex kehrt die Kurve zur Nulllinie zurück. Diese ST-Strecke entspricht der vollständigen, gleichmäßigen Erregung des Kammermyokards. Alle Zellen befinden sich in der Plateauphase ihres Aktionspotentials.

💡 Merke

Sind alle Zellen gleich erregt, gibt es keine Potentialdifferenz und die Kurve verläuft isoelektrisch. Ausschläge entstehen nur, solange ein Teil erregt ist und ein anderer nicht.

Die breite, meist positive T-Welle zeigt die Repolarisation der Kammern. Man kann sie in einer Kurve als letzte Welle vor der flachen Pause identifizieren. Die anschließende TP-Strecke reicht bis zur nächsten P-Welle. In ihr sind Vorhöfe und Kammern vollständig repolarisiert.

Zwei übereinander gezeichnete Kurven: oben ein ventrikuläres Aktionspotential, unten ein EKG, senkrechte Linien verbinden Aufstrich mit QRS, Plateau mit ST-Strecke und Repolarisation mit T-Welle.

Kammer-Aktionspotential und EKG im Zeitvergleich: Das Plateau fällt in die ST-Strecke, die Repolarisation in die T-Welle.
⚠️ Achtung: T-Welle und Vorhöfe

Die T-Welle gehört allein zu den Kammern. Die Vorhofrepolarisation verschwindet im QRS-Komplex.

Das QT-Intervall reicht vom Beginn der Q-Zacke bis zum Ende der T-Welle. Es umfasst die gesamte elektrische Kammeraktion. Potentialdifferenzen treten darin während des QRS-Komplexes und der T-Welle auf.

EKG-Abschnitte zuordnen

Für die Zuordnung dient meist Ableitung II. Hier zeigen P, R und T in der Regel nach oben. Gehe die Kurve von links nach rechts durch und frage bei jedem Abschnitt: Wird gerade erregt, ist alles erregt oder bildet sich die Erregung zurück?

Abschnitt Elektrischer Vorgang
P-Welle Depolarisation der Vorhöfe
PQ-Strecke Vorhöfe ganz erregt, Überleitung im AV-Knoten
QRS-Komplex Depolarisation der Kammern
ST-Strecke Kammern vollständig erregt
T-Welle Repolarisation der Kammern
TP-Strecke Herz vollständig repolarisiert

Auch mechanische Ereignisse lassen sich einordnen. Die Mitralklappe schließt, sobald sich die Kammer nach dem QRS-Komplex kontrahiert. Sie bleibt bis kurz nach dem Ende der T-Welle geschlossen. Das Klappenspiel selbst erklärt der Herzzyklus.

EKG-Kurve mit beschrifteten Abschnitten P, Q, R, S, T, darunter Balken für Vorhoferregung, Kammererregung und geschlossene Mitralklappe von QRS bis kurz nach Ende von T.

Normales EKG in Ableitung II: Wellen, Zacken, Strecken und Intervalle mit zugehörigen Erregungsvorgängen und dem Zeitraum geschlossener Mitralklappe.

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Aussage 1

Die Repolarisation der Vorhöfe ist im EKG nicht als eigene Welle zu sehen, weil sie in den QRS-Komplex fällt.

Die große Spannung der Kammerdepolarisation überlagert die Vorhofrepolarisation.

Aussage 2

Während der ST-Strecke sind alle Kammerzellen gleichmäßig erregt, sodass keine Potentialdifferenz messbar ist.

Die Zellen befinden sich im Plateau, die Kurve verläuft isoelektrisch.

Aussage 3

Aus dem EKG lässt sich das Herzzeitvolumen bestimmen.

Das EKG erfasst nur die elektrische Erregung. Es liefert Herzfrequenz und Herzachse, aber weder Herzzeitvolumen noch Kontraktionskraft.

Aussage 4

Die T-Welle entspricht der Erregungsrückbildung der Vorhöfe.

Die T-Welle zeigt die Repolarisation der Kammern. Die Vorhofrepolarisation verschwindet im QRS-Komplex.

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