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Arzneipflanzen nach Merkmalen und Bild erkennen

Wie man die Mistel aus einer Merkmalsbeschreibung und Arzneipflanzen auf Bildbeilagen über eine Merkmalskette bestimmt und ihnen Familie, Droge und Inhaltsstoffe zuordnet.

Prüfungsrelevanz: wichtig ✓ gelesen
Das Wichtigste in Kürze6 Punkte
  • Pflanzenerkennung heißt, eine Arzneipflanze aus Merkmalen oder einem Bild zu bestimmen und ihr Familie, Droge und Inhaltsstoffe zuzuordnen.
  • Die Mistel ist ein immergrüner, diözischer Halbschmarotzer mit kugeligem, dichasial verzweigtem Wuchs und liefert Mistelkraut.
  • Ephedra ist ebenfalls zweihäusig, wurzelt aber als autotropher Rutenstrauch im Boden und lebt nicht auf einem Wirt.
  • Bilder wertet man als Kette aus: Klasse, Krone, Fruchtknoten, Habitus, dann Familie und Droge.
  • Pfefferminzblätter enthalten laut Ph. Eur. mindestens 1,2 % ätherisches Öl und helfen bei Dyspepsie, herzwirksame Glykoside liefert dagegen der Fingerhut.
  • Wurzeldrogen liefern unter anderem Enzian, Eibisch, Süßholz, Rhabarber, Baldrian und Schlüsselblume.

Worum es geht

Arzneipflanzen erkennt man an wenigen Merkmalen: Lebensweise, Wuchs, Blütenbau und Habitus. Wer diese Merkmale geordnet prüft, kann eine Pflanze sicher bestimmen. Daraus folgen dann Familie, offizinelle Droge und Inhaltsstoffe, also genau das, was man in der Apotheke über ein Phytopharmakon wissen muss.

Mistel

Die Mistel (Viscum album) liefert die Droge Mistelkraut. Sie wurzelt nicht im Boden, sondern sitzt auf den Ästen von Laubbäumen, Kiefern oder Tannen. Mit umgewandelten Wurzeln, den Senkern (Haustorien), wächst sie bis in das Holz ihres Wirts.

📖 Definition: Halbschmarotzer

Ein Halbschmarotzer (Hemiparasit) besitzt Chlorophyll und betreibt selbst Photosynthese. Vom Wirt entnimmt er nur Wasser und Nährsalze aus dessen Xylem.

Deshalb sind Mistelblätter grün. Die Mistel gleicht einem Untermieter, der das Leitungswasser vom Vermieter bezieht, aber selbst kocht.

Die Mistel ist immergrün. Ihre ledrigen, gegenständigen Blätter überdauern den Winter, sodass die Büsche im kahlen Baum auffallen. Jeder Spross gabelt sich an der Spitze in zwei gleich starke Seitentriebe. Diese dichasiale Verzweigung (siehe Sprossverzweigung) wiederholt sich jedes Jahr. So entsteht der annähernd kugelige Wuchs.

Außerdem ist die Mistel diözisch (zweihäusig). Diözie bedeutet: Männliche und weibliche Blüten sitzen auf verschiedenen Individuen. Nur weibliche Pflanzen tragen die weißen, klebrigen Beeren, deren Samen Vögel verbreiten. Mistelkraut enthält unter anderem Mistellektine und Viscotoxine.

Auch die Stammpflanze von Ephedrakraut ist zweihäusig. Ephedra ist aber ein Rutenstrauch der Gymnospermen, der im Boden wurzelt und sich vollständig selbst versorgt. Anders als die Mistel zapft sie also keinen Wirt an. Ihre grünen, gegliederten Sprossachsen tragen nur winzige Schuppenblätter. Die Droge liefert das Alkaloid Ephedrin.

Vergleichszeichnung: links Mistel auf Baumast mit Haustorium, rechts Ephedra-Strauch mit Wurzeln im Boden

Mistel und Ephedra: beide zweihäusig, aber nur die Mistel lebt als Halbschmarotzer

Aus einer Merkmalsbeschreibung leitest du die Droge ab, indem du die Merkmale der Reihe nach prüfst:

  1. Lebensweise: Ein Halbschmarotzer auf Baumästen grenzt den Kreis der Arzneipflanzen stark ein.
  2. Geschlechtsverteilung: Diözisch passt zu Mistel und Ephedra.
  3. Wuchs und Laub: Immergrün, kugelig und dichasial verzweigt trifft nur auf die Mistel zu.
  4. Droge: Die Kombination führt zu Mistelkraut.

Bildbeilagen

Wer eine Arzneipflanze auf einem Foto erkennt, muss ihr meist auch Familie, Drogenteil und Inhaltsstoffe zuordnen. Dafür arbeitet man das Bild wie einen Bestimmungsschlüssel ab. Man beginnt mit groben Merkmalen und wird schrittweise genauer.

  1. Klasse: Netznervige Blätter und Blütenteile in Vier- oder Fünfzahl sprechen für eudikotyl. Parallelnervige Blätter und dreizählige Blüten sprechen für monokotyl.
  2. Krone: Sind die Kronblätter frei oder zu einer Röhre verwachsen (siehe Blütenbau)?
  3. Fruchtknoten: Steht er ober- oder unterständig (siehe Gynoeceum)?
  4. Habitus: Blattstellung, Stängelquerschnitt, Blütenstand und Duft geben den Ausschlag.
  5. Zuordnung: Aus der Art folgen Familie, offizinelle Droge und Inhaltsstoffe.

Pfefferminze und Roter Fingerhut zeigen, warum der Habitus entscheidet. Beide sind eudikotyl, haben eine verwachsene Krone und einen oberständigen Fruchtknoten. Die Pfefferminze (Mentha × piperita) hat einen vierkantigen Stängel, kreuzgegenständige Blätter und lila Blüten in Scheinquirlen. Sie gehört zu den Lamiaceae. Der Rote Fingerhut (Digitalis purpurea) trägt wechselständige Blätter und große, purpurne Röhrenblüten in einer einseitswendigen Traube. Er zählt zu den Plantaginaceae.

Flussdiagramm: eudikotyl, verwachsene Krone, oberständiger Fruchtknoten, Verzweigung zu Pfefferminze mit ätherischem Öl und Fingerhut mit Herzglykosiden

Eingrenzen einer Arzneipflanze über die Merkmalskette

Die offizinelle Droge der Pfefferminze sind die Blätter. Sie enthalten ätherisches Öl mit Menthol, das bei dyspeptischen Beschwerden hilft. Herzwirksame Glykoside fehlen ihr, diese liefert der Fingerhut. Auch die Herkunft gehört zur Merkmalskette: Der Fingerhut wächst in Deutschland wild auf Waldlichtungen, die Pfefferminze ist eine Kulturhybride.

🎯 Examensrelevant: Pfefferminze auf Bildbeilagen

Pfefferminze wird im Examen gerne gefragt: Lamiaceae, Droge sind die Blätter, laut Ph. Eur. mindestens 1,2 % ätherisches Öl, Einsatz bei Dyspepsie. Achte darauf, sie vom Fingerhut über den Habitus zu trennen, da Krone und Fruchtknoten bei beiden gleich gebaut sind.

Auch Pflanzen mit offizineller Wurzeldroge erkennt man am oberirdischen Teil, denn die Wurzel ist auf Fotos selten zu sehen. Die Tabelle nennt die wichtigsten Stammpflanzen.

Stammpflanze Familie Erkennungsmerkmal Inhaltsstoffe
Gelber Enzian (Gentiana lutea) Gentianaceae große, bogennervige, gegenständige Blätter, gelbe Blüten in den Blattachseln Bitterstoffe (Gentiopicrosid, Amarogentin)
Echter Eibisch (Althaea officinalis) Malvaceae samtig behaarte Blätter, blassrosa Blüten mit Außenkelch Schleimstoffe
Süßholz (Glycyrrhiza glabra) Fabaceae unpaarig gefiederte Blätter, blassviolette Schmetterlingsblüten in Trauben Glycyrrhizin, Flavonoide
Rhabarber (Rheum palmatum) Polygonaceae sehr große, handförmig gelappte Blätter, hohe Rispen Anthranoide
Baldrian (Valeriana officinalis) Valerianaceae gefiederte Blätter, weißlich-rosa Trugdolden Valerensäuren, ätherisches Öl
Echte Schlüsselblume (Primula veris) Primulaceae Rosette runzliger Blätter, gelbe, nickende Blüten in einer Dolde Triterpensaponine

Mehr zum Baldrian steht bei den Beruhigungsdrogen. Sollen mehrere abgebildete Pflanzen derselben Familie zugeordnet werden, vergleicht man Familienmerkmale statt Einzelheiten. Schmetterlingsblüten weisen auf Fabaceae, ein Außenkelch auf Malvaceae, ein vierkantiger Stängel mit Lippenblüten auf Lamiaceae.

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Aussage 1

Pfefferminze und Roter Fingerhut lassen sich sicher an der Stellung ihres Fruchtknotens unterscheiden.

Beide haben einen oberständigen Fruchtknoten und eine verwachsene Krone. Unterscheiden lassen sie sich am Habitus, etwa am vierkantigen Stängel und den kreuzgegenständigen Blättern der Pfefferminze.

Aussage 2

Süßholz ist ein Schmetterlingsblütler mit unpaarig gefiederten Blättern und liefert eine Wurzeldroge mit Glycyrrhizin.

Süßholz gehört zu den Fabaceae, seine offizinelle Droge ist die Wurzel mit dem Triterpensaponin Glycyrrhizin.

Aussage 3

Eine diözische Pflanze trägt männliche und weibliche Blüten auf demselben Individuum.

Bei Diözie (Zweihäusigkeit) sitzen männliche und weibliche Blüten auf verschiedenen Individuen. Deshalb tragen bei der Mistel nur weibliche Pflanzen Beeren.

Aussage 4

Ephedra lebt wie die Mistel als Halbschmarotzer auf den Ästen anderer Pflanzen.

Ephedra ist ein im Boden wurzelnder, autotropher Rutenstrauch. Gemeinsam ist beiden nur die Zweihäusigkeit.

Aussage 5

Die Mistel betreibt mit ihren grünen Blättern selbst Photosynthese und bezieht von ihrem Wirtsbaum vor allem Wasser und Nährsalze.

Genau das kennzeichnet einen Halbschmarotzer: Er ist photosynthetisch aktiv und zapft nur das Xylem des Wirts an.

Aussage 6

Pfefferminzblätter müssen laut Ph. Eur. mindestens 1,2 % ätherisches Öl enthalten, das ihren Einsatz bei dyspeptischen Beschwerden begründet.

Das ätherische Öl mit Menthol ist der wirksamkeitsbestimmende Inhaltsstoff der Blattdroge.

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